Die Apokalypse des Johannes - 12. Vortrag von Wolfgang Peter

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«Ein interaktiver Vortragszyklus über den Zusammenhang mit dem Wirken Jesu Christi und dem eigenen Ich. Ausgangspunkt sind die Schriften von Rudolf Steiner, z.B. die GA 104, GA 104a und GA 346. Hier fließen sowohl Fragen und Anliegen von Zuschauern als auch eigene geisteswissenschaftliche Erkenntnisse mit ein. Und es gibt immer Bezüge zu aktuellen Themen der Zeit.»

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- 12. Folge -
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Themenschwerpunkt

Wir stehen in diesem Vortrag bei der Gemeinde von Sardes, der fünften Kulturepoche, der Epoche der Neuzeit, in der wir gerade drinnen stehen. Die Aufgabe dieser Epoche ist die Entwicklung der Bewusstseinsseele, d. h. ein anderes Bewusstsein, als es zur Zeit der Griechen und Römer oder der Ägypter und Chaldäer der Fall war. Heute haben wir ein ausgeprägtes Gegenstandsbewusstsein und einen eher rationalen, nüchternen Verstand und ein intellektuelles bzw. wissenschaftlichen Denken. Das Denken der griechisch-römischen Kulturepoche war noch mehr mit dem Gemüthaften verbunden. Die erste Hälfte des ersten Drittels dieser fünften Kulturepoche diente vor allem dazu, das Bewusstsein nach außen zu richten und zu erwachen an der sinnlichen Welt und gleichzeitig nach innen zu erwachen im rationalen, nüchternen Denken. Der nächste Schritt wird sein, neben dem Bewusstsein für die Außenwelt auch ein Bewusstsein für die geistige Innenwelt zu erringen, also uns selbst als geistige Wesenheit zu erkennen, konkret: zu einem geistigen Erleben unseres eigenen Ich zu kommen.

Diese Entwicklung erfolgt bei jedem individuellen Menschen in kleinen Schritten. Beim Kind kommt es etwa im dritten Lebensjahr dazu, dass es das erste Mal Ich zu sich sagt. Das kann ein gewaltiges Erlebnis sein. Etwa im 21. Lebensjahr vollzieht sich wieder ein weiterer Schritt zum Erwachen des Ich. Der stärkste Ich-Impuls vollzieht sich aber beim Sterben im Moment des Todes. Ziel ist das Bewusstseinslicht im rein Geistigen erhalten zu können, ohne eine weitere Inkarnation durchleben zu müssen, also unser Ich-Bewusstsein ohne Leibeshüllen erhalten zu können.

Die nächsten Kapitel des Vortrages zeichnen die Seelenentwicklung der Menschen während der bisherigen Kulturepochen nach, also die urindische Epoche, die noch ganz dem Geistigen ergeben war, die urpersische Epoche mit dem Gegensatz von Ormudz (Licht) und Ahriman (Dunkel), die ägyptisch-chaldäische Epoche mit der Entwicklung der Empfindungsseele und der Entstehung eines anfänglich dunklen Innenraums, der griechisch-lateinischen Epoche mit der Entwicklung der Verstandes- und Gemütsseele - bis hin zu unserer derzeitigen Kulturepoche mit der Entwicklung der Bewusstseinsseele. Unsere Aufgabe heute: Das Bewusstsein nicht alleinig auf die Außenwelt zu richten und auf das intellektuelle rationale Denken, sondern auch auf die geistig-seelische Innenwelt und uns unserer ungezähmten, von den Widersachern stark beeinflussten astralischen Kräfte und Triebe bewusst werden und damit auseinandersetzen. Die niederen astralen Kräfte zu zähmen, sie vor die erstarkenden Ich-Kräfte zu spannen („Die gleiche Vollmacht des Ich soll ihm eigen sein,…“) und sie dadurch zu verwandeln und dadurch die Widersacher zu erlösen. Ein schöpferisch-geistiges Tätigwerden.

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Transkription des 12. Vortrages (von Bruno, Dezember 2022)

Begrüßung und Einleitung: Gemeinde von Sardes - die fünfte Kulturepoche (Neuzeit) 0:00:46

Gut meine Lieben, ich begrüße euch sehr herzlich zum mittlerweile zwölften Vortrag über die Apokalypse. Wir sind also schon etwas weitergekommen. Wir stehen gerade bei der Gemeinde von Sardes, in der sich spiegelt bzw. das eine Vorausschau ist auf unsere gegenwärtige Kulturepoche, also in der wir jetzt drinnen stehen. Also im Wesentlichen die Neuzeit. Wir stehen ja im Grunde erst relativ am Anfang dieser Epoche, also im ersten Drittel drinnen. Es liegt noch einiges vor uns. Und was ist die Aufgabe dieser fünften Kulturepoche, in der wir jetzt stehen? Es ist die Entwicklung der sogenannten Bewusstseinsseele. Darum geht es also ganz zentral.

Die Aufgabe dieser Kulturepoche: Entwicklung der Bewusstseinsseele - ein ausgeprägtes nach außen gerichtetes Gegenstandsbewusstsein und ein rationales intellektuelles Denken

Bewusstseinsseele heißt einmal, dass wir heute im Grunde ein ganz anderes Bewusstsein noch entwickeln, als es selbst zur griechisch-römischen Zeit da war, aber erst recht in der ägyptischen Zeit. Also diese moderne Form des Bewusstseins, die wir heute kennen, dieses ganz stark ausgeprägte Gegenstandsbewusstsein, dieses doch relativ nüchterne Denken über das wir verfügen heute, über das sehr rationale Denken, das gibt es erst in unserer Kulturepoche. Und die erste Hälfte oder die erste Hälfte des ersten Drittels, sagen wir besser so, diente vor allem dazu, das Bewusstsein nach außen zu richten, also zu erwachen an der sinnlichen Welt und zugleich nach innen im rationalen Denken zu erwachen. Dieses Denken, das wir heute haben, dieses intellektuelle Denken unterscheidet sich eben vom ursprünglichen griechischen Denken - dort beginnt ja das Denken und die Philosophie - eben dadurch, dass das griechische Denken eigentlich noch viel stärker gemüthaft war, das heißt, wo etwas Gefühlsmäßiges im Grunde noch verbunden war mit dem Denken sehr eng, als es heute ist. Heute ist das schon ziemlich weitgehend getrennt voneinander. Also zumindest dort, wo wir auf der Höhe der Entwicklung stehen.

Die Seelenkräfte Denken - Fühlen - Wollen sind heute stark voneinander separiert. Das hat einen Vorteil und einen Nachteil 0:03:02

Und ich habe das letzte Mal auch erzählt, diese Entwicklung bedingt also, dass wir heute im Grunde haben Denken, Fühlen und Wollen als drei wirklich schon sehr stark separierte Seelenkräfte haben. Die waren früher viel mehr miteinander verbunden. Das heißt, der Wille war von sich aus viel intelligenter, könnte man sagen, ohne dass uns das aber zu Bewusstsein gekommen ist. Es war immer auch das Fühlen in verschiedenster Weise dabei, mehr als Emotionen noch im Hintergrund, während wir das heute also trennen können voneinander sehr stark. Das hat ein Plus und Minus. Das Minus ist, dass das Denken sehr herzlos werden kann auch. Halt nur streng logisch nach Zahlen, Daten und Fakten. Ohne Mitgefühl im Grunde für die Natur, für die Mitmenschen und so weiter. Aber es hat natürlich auch den Vorteil, dass es sich nicht von eigenen Gefühlen, von eigenen Sympathien und Antipathien beeinflussen lässt. Zumindest im Idealfall. Ich meine, im Alltag ist es immer noch sehr oft der Fall, aber im Idealfall - das ist geradezu das Wissenschaftsideal - dass das Denken also rein sachlich orientiert sein soll und es keine Rolle spielen darf, ob die Ergebnisse, die dabei herauskommen, mir sympathisch sind oder nicht. Und wir brauchen aber diese Klarheit des Denkens auch um zu einer bewussten geistigen Erkenntnis zu kommen.

Der nächste Schritt der uns bevorsteht ist, ein Bewusstsein nicht nur für die Außenwelt sondern auch für die geistige Welt zu entwickeln - also zu einem geistigen Erlebnis unseres eigenen Ich zu kommen bzw. uns selbst als geistige Wesenheit zu erkennen 0:04:39

Das ist nämlich der nächste Schritt, der jetzt vor uns steht. Das ist sozusagen die zweite Hälfte des ersten Drittels, die es jetzt zu entwickeln gilt. Ein Bewusstsein nicht nur für die sinnliche Außenwelt zu haben, sondern auch für die geistige, naja, wie soll ich sagen, Innenwelt. Aber Innenwelt kann man gar nicht sagen. Bei der geistigen Welt kann man nicht Innenwelt und Außenwelt sagen. Aber für die geistige Welt überhaupt eben. Und zwar ganz konkret. Also ganz konkret heißt wirklich geistige Begegnung mit geistigen Wesenheiten. Das beginnt damit, dass wir uns selbst als geistige Wesenheit erleben lernen. Ganz bewusst erleben lernen. Nicht nur philosophisch darüber spekulieren, was der Geist des Menschen sein könnte, sondern dass wir zu einem ganz konkreten geistigen Erlebnis unseres eigenen Ichs kommen.

Im dritten Lebensjahr etwa erlebt sich ein Kind zum ersten Mal als eigenständiges Ich 0:05:34

Das bereitet sich natürlich im Menschenleben in Stufen vor. Wir haben oft schon gesprochen über so etwa das dritte Lebensjahr, wo das Kind das erste Mal Ich zu sich sagt. Und wenn man den Moment bewusst erlebt, dann ist es ein sehr, ja, erschütterndes, erstaunliches Erlebnis bereits, wo man sich wirklich als Ich einmal erfasst. Aber natürlich ohne noch viel tiefer eindringen zu können. Aber einfach die Tatsache, etwas ganz Eigenständiges zu sehen. Und in Etappen wiederholt sich dieser Impuls. Es ist ein gewisses besonderes Aufwachen dann mit dem 21. Lebensjahr. Und mit zunehmendem Lebensalter kann sich dieses Ich-Erlebnis dann stark steigern noch. Ich meine, Rudolf Steiner hatte etwa um sein 21. Lebensjahr herum eine ganz entscheidende Ich-Erfahrung, von der er auch einem Freund dann brieflich berichtet hat. Mit 18 Jahren, ja, es war schon etwas früher, das ist richtig. Du hast recht. Also der R. Steiner war ein bisschen früher dran. Ich war immer ein bisschen später dran. Ja, und diesen Dingen wollen wir auf die Spur gehen.

Ich möchte trotzdem zur Einleitung noch einmal vorlesen das Kapitel in der Apokalypse des Johannes zur Gemeinde von Sardes, weil da wirklich ganz konkret interessanterweise alle Punkte drinnen stehen, die uns heute betreffen. Die sind da sehr klar ausgesprochen, obwohl das ja für Johannes noch eine Kulturepoche war, die in der Zukunft liegt. Aber der Punkt ist eben, dass die Entwicklung nicht einfach regellos zufällig verläuft, sondern dass dahinter schon ein gewisses System steckt. Nicht so, dass alles genau im Detail vorherbestimmt ist, aber es ist eine gewisse Entwicklungsrichtung da. Und es hängen sogar anfängliche Ereignisse mit ganz späteren Ereignissen sehr gesetzmäßig zusammen. Also gerade das, was sehr früh, sehr am Anfang sich spiegelt, sei es in der Menschheitsentwicklung, sei es aber auch in der individuellen Entwicklung - also das heißt, was das Kind betrifft in den ersten Lebensjahren - das spiegelt sich dann am Ende des Lebens zum Beispiel ganz stark wider. Daher ist zum Beispiel dieses Ich-Erlebnis, das das Kind im dritten Lebensjahr hat, etwas, wozu eine sehr gute Chance besteht, das gegen das Ende des Lebens ganz besonders zu vertiefen, wenn man es nicht verschläft.

Das stärkste Ich-Erlebnis ist der Moment des Todes 0:08:10

Der Unterschied ist, im dritten Lebensjahr herum beim Kind kommt das noch quasi wie von selbst zustande. Das Kind kann das noch nicht also bewusst herbeiführen den Moment, weil es eigentlich da erst so richtig zu seinem Ich-Bewusstsein erwacht. Da flammt es das erste Mal auf. Im höheren Alter kann man das bewusst herbeiführen. Da ist eine besonders gute Gelegenheit dazu. Also wir steuern eigentlich unser ganzes Leben lang diesem Moment zu. Und das stärkste Ich-Erlebnis, das bewussteste, das wachste Ich-Erlebnis ist eigentlich der Moment des Todes in Wahrheit. Das hängt mit ganz bestimmten Gesetzmäßigkeiten auch zusammen, nämlich damit, wie unsere Leiblichkeit uns hilft, zwar nicht zum Ich, aber zum Ich-Bewusstsein zu kommen.

Nicht wahr, unser Ich-Bewusstsein, das wir während des Erdenlebens haben, haben wir in der Form nur dadurch, dass wir unsere Leibeshüllen haben, also unseren physischen Leib, unseren Lebensleib, also die Lebenskräfte und unseren Seelen- oder Astralleib, der der Träger des Seelischen ist. Und unser Bewusstsein erwacht aber im Grunde gerade daran, dass wir diese Leibeshüllen abtöten bis zu einem gewissen Grad. Es sind immer die Absterbensimpulse, die uns zum Bewusstsein führen. Das ist auch der Punkt, warum der Tod letztlich eintritt. Also als eine Folge dieser Impulse. Und von daher erscheint es gar nicht einmal mehr so unlogisch, wenn der größte Absterbensprozess stattfindet, dass damit auch der größte Bewusstseinsimpuls verbunden ist. Und der ist eigentlich so stark, dass wir diesen Impuls mitnehmen dann die ganze Zeit, wenn wir durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt gehen. Von daher kommt eigentlich dieses Licht, dieses Bewusstseinslicht.

Das Ziel ist, dass wir einmal so weit kommen, das Bewusstseinslicht im rein Geistigen halten zu können, ohne unsere Leibeshüllen dafür zu benötigen 0:10:30

Und der Punkt ist, dass wir irgendwann einmal so weit sein müssen, dass wir dieses Bewusstseinslicht auch im rein geistigen Bereich halten können, ohne dann später wieder einmal durch eine irdische Inkarnation durchzugehen. Also das ist der Lernprozess, den wir durchmachen. Den wir durchmachen während unserer ganzen Erdentwicklung im Grunde. Und daher hat die Apokalypse als solches auch sehr viel zu tun damit, die ganzen Etappen, die Stufen zu zeigen, bis wir so weit sind, dass wir dieses Ich-Bewusstsein, das wir einmal mit Hilfe unserer Leibeshüllen gewonnen haben und das uns eben auch dann nach dem Tod noch weiter hilft als Nachwirkung, als ganz starke Nachwirkung, dass wir das einmal auch ohne diese Leibeshüllen erreichen können. Dass also das Ich gewissermaßen in sich selbst seiner bewusst werden kann. Das ist die große Schwierigkeit.

Text der Apokalypse des Johannes: Brief an die Gemeinde von Sardes - ein Text aus der Inspiration 0:11:30

Aber zuerst einmal jetzt, wie versprochen, noch einmal der Text aus der Apokalypse: 

"Und an den Engel der Gemeinde zu Sardes schreibe: Es spricht zu euch, der Macht hat über die sieben göttlichen Schöpfergeister und die sieben Sterne. Ich durchschaue dein Tun. Du hast den Namen eines lebendigen Wesens und bist doch tot. Strebe danach, in deinem Bewusstsein zu erwachen und erkrafte, was in deiner Seele noch lebendig ist, damit es nicht auch noch erstirbt. Ich kann dir nicht bestätigen, dass dein Tun vor dem göttlichen Angesicht volle Wirklichkeit besitzt. Belebe in dir die Erinnerung an alles, was du aus den geistigen Welten empfangen und gehört hast. Pflege es in dir und wandle deinen Sinn. Wenn du nicht zu einem höheren Bewusstsein erwachst, so werde ich wie ein Dieb kommen. Du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich komme. Einige wenige Namen hast du jedoch in Sardes, die ihre Gewänder nicht befleckt haben. In weißen Gewändern werden sie meine Pfade gehen. Dessen sind sie würdig. Wer überwindet, soll gleicherweise mit weißen Gewändern bekleidet werden. Und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens. Ich will mich zu seinem Namen bekennen vor dem Angesichte meines Vaters und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist zu den Gemeinden spricht.“

Ja, daran möchte ich ein bisschen die weiteren Ausführungen anknüpfen. Schon allein der letzte Satz: "Wer Ohren hat, der höre, was der Geist zu den Gemeinden spricht." Damit ist nichts anderes ausgedrückt, als dass der Text dieser Offenbarung des Johannes aus der Inspiration stammt. Es ist nicht das äußere Hören gemeint. Mit den Ohren sind nicht die äußeren Ohren gemeint, sondern die geistigen Wahrnehmungsorgane, durch die sich uns das - wie in einer Sprache, wie in einer verständigen Sprache - enthüllt, was wir geistig schauen.

Das geistige Schauen ist die Imagination - ein rein seelisches Erlebnis ohne sinnliche Elemente, gewoben aus Sympathie (sich Verbinden) und Antipathie (sich Zurückziehen) 0:13:59

Das geistige Schauen ist die sogenannte Imagination, also eine Art bildhaftes Erleben im übertragenen Sinn. Da haben wir öfters schon darüber gesprochen, weil es nicht ein sinnliches Bild ist. Und in dem Sinne auch nicht ganz mit den Traumbildern vergleichbar ist, weil da auch eben sinnliche Reste drinnen sind, sondern es ist ein rein seelisch erlebtes Bild, also etwas, was gewoben ist aus Sympathie- und Antipathiekräften, aus dem Verbinden mit geistigen Wesenheiten und aus dem sich Zurückziehen auf die eigene geistige Wesenheit. Und das ist aber ein hoch differenziertes Erleben, das sich in der menschlichen Sprache, die wir jetzt haben, im Grunde überhaupt nicht ausdrücken lässt, außer man übersetzt es in sinnliche Bilder. Das ist die einzige Möglichkeit im Grunde heute. Und daher, wenn Imaginationen geschildert werden und Erklärungen angeknüpft werden, dann überträgt man sie immer in sinnliche Bilder. Aber sie werden heute beim hochentwickelten Hellsehen nicht automatisch in sinnlicher Form erlebt. Also die Übersetzung erfolgt nicht automatisch, das war aber beim alten Hellsehen der Fall.

Das alte Hellsehen: Eine automatische Übersetzung in sinnliche Bilder. Mit der Gefahr, dass man einer Halluzination erliegt 0:15:13

Beim alten Hellsehen war das tatsächlich der Fall, dass also die Imaginationen sich praktisch automatisch in zwar traumartige, aber doch auch sinnesähnliche  Bilder übersetzt haben. Wenn man es heute auch noch so erlebt, dann - und es eben nicht eine bewusst herbeigeführte Übersetzung ist - dann ist die Gefahr sehr groß, dass man eigentlich einer Halluzination erliegt. Und das heißt, es ist dann sehr ungesund. Daher sind viele moderne geistige Wege, esoterisch-geistige Wege, die sehr schnell auch zu solchen Imaginationen kommen, die beruhen im Grunde immer darauf, dass solche sinnlichen Bilder oder sinnesähnliche Bilder erregt werden. Und das ist äußerst ungesund heute. Das ist zwar sehr verführerisch, weil es sehr schnell, es geht sehr schnell. Man kann unter Umständen mit zwei Übungsstunden zu so seinem Erlebnis kommen. Es wird zwar dann mit der Zeit schwieriger eher wieder dazu zu kommen, aber man kann anfangs einfach scheinbar beeindruckende oder tatsächlich beeindruckende Erlebnisse haben. Aber man hat keine Ahnung zunächst einmal, was sie bedeuten. Und meistens sind sie Spiegelungen schon von seelischen, geistigen Tatsachen, aber meistens seelisch-geistige Tatsachen, die nur uns selbst betreffen und die sich aber wie eine seelische Außenwelt widerspiegeln. Und in Wahrheit ist es das eigene Ego, das man sieht. Und wo auch sehr stark drinnen sind, ja, wie soll ich sagen, die eigenen unterbewussten seelischen Wünsche und Bedürfnisse. Also es ist jedenfalls ein sehr stark verzerrtes Bild und man kann nicht wirklich etwas damit anfangen. Also wenn man sich darauf stützen will, dann kommt man sehr leicht in die Irre. Vor allem, wenn man sich daraus Anweisungen erhofft für den eigenen Lebensweg oder so, dann ist eher die Gefahr, dass das eigene Ego gestärkt wird, aber nicht das wirkliche Ich.

Das moderne Hellsehen: Das Ich übernimmt die Herrschaft und wir bekommen ein Bewusstsein von unserem wirklichen, eigentlichen Ich (zum Unterschied von unserem Ego) 0:17:21

Und der moderne geistige Entwicklungsweg muss ganz darauf hin gehen, dass das Ich die Herrschaft übernimmt und dass wir ein Bewusstsein von unserem wirklichen, eigentlichen Ich bekommen. Und das Ego gerade dadurch von einer höheren Warte aus betrachten können. Und das wird also sehr problematisch, wenn das Ego die höhere Instanz zu spielen beginnt. Weil dann richtet man das Leben in Wahrheit nach den im Grunde sehr irdischen Bedürfnissen des Egos ein. Also nach irdischem Wohlbefinden usw. Es ist nichts gegen irdisches Wohlbefinden zu sagen, aber das ist nicht das eigentliche Ziel der geistigen Entwicklung, sondern das ist ein Durchgangspunkt. Wir sollen sehr wohl Wohlbefinden, Freude, ja sogar Lust im sinnlichen Sinne durchaus erleben können in dieser Welt. Aber das Wesentliche ist, dass es uns etwas über das Geistige sagt, das dahinter steht und das das Eigentliche ist. Weil dieses Geistige können wir mitnehmen. Das, was wir hier nur als Sinnliches oder am Sinnlichen erregtes Seelisches erleben, das können wir nicht mitnehmen, nicht einmal ins Leben nach dem Tod. Das ist sehr, sehr schnell weg. Und schon gar nicht für eine fernere Zukunft. Also das hat keinen bleibenden Wert.

Was ist das Geistige im Menschen? Was das Seelische? Was das unsterblich Seelische? - Das Seelische als solches ist nicht unsterblich 0:18:46

Wir werden uns noch intensiver auch beschäftigen müssen damit nämlich: Was ist das Geistige des Menschen? Was ist das Seelische des Menschen? Und was ist das unsterblich Seelische? Es ist nämlich nicht von vornherein gesagt, dass das Seelische als solches etwas Unsterbliches ist. Das heißt etwas, was für die Zukunft erhalten bleibt und weiter geht. Es ist also in der Regel wenig von dem, was wir im Seelischen hier im Erdenleben tragen, was wir mitnehmen können. Das meiste davon - weg. Es hat eben nur eine Aufgabe hier im Erdenleben, und wenn die erfüllt ist, dann ist es wertlos geworden im Grunde.

Also das heißt, das sind alles Dinge, wo wir heute aber mit einer sehr bewussten Geisteswissenschaft, wie sie in der Anthroposophie angestrebt wird, einfach tiefer hineingehen können in Rätselfragen, die die Weisen und Philosophen schon seit langer Zeit bewegen. Nämlich zumindest seit der Zeit, wo sie nicht mehr ein zwar noch auf altem Hellsehen beruhendes, aber doch ein geistiges Wissen hatten aus diesen unmittelbaren Eingebungen, die aber nicht mit dem Ich verbunden waren, sondern die ihnen geschenkt wurden. Heute wird uns dieses geistige Wissen nicht mehr geschenkt oder nicht mehr nur geschenkt, sondern wir müssen uns erheben zu dieser Wahrnehmung, zu diesem geistigen Erlebnis. Ich meine, natürlich nehmen wir dann etwas wahr, was aus der geistigen Außenwelt kommt, aber wir müssen uns erheben.

Und früher war es so, dass sich dieses Geistige zu uns hernieder gesenkt hat, so könnte man sagen, unter Umgehung des Ich sogar. Wir haben es ja auch besprochen bei der ägyptischen Epoche bzw. schon im allerersten Vortrag, wenn ich mich recht erinnere, dass etwa bei der ägyptischen Einweihung ganz bewusst, das Ich, das noch ganz schwach war, noch kaum präsent war, noch kaum wirksam war, ausgeschaltet wurde, weil es viel zu schwach noch war, um aus eigener Kraft in das wirklich höhere Geistige einzudringen. Also damals in der alten Zeit war es gerade dann der Fall, wenn ich das Ich ausgeschaltet habe, dann konnte sich die geistige Welt zu mir hernieder neigen und konnte meine Seele durchdringen, und ich konnte dann wirkliche, man könnte sagen objektive geistige Erkenntnis erwerben bis zu einem gewissen Grad. Konnte sie auch zu einem Verständnis bringen mit einer gewissen Schulung. Also es war auch eine Inspiration da. In einzelnen Fällen auch eine Intuition.

Intuition heißt, eins werden - identisch werden - mit den geistigen Wesenheiten 0:21:34

Intuition heißt, dass ich wirklich mit den geistigen Wesenheiten, die ich erlebe, eins werde. Und trotzdem mich selbst nicht verliere. Also Intuition heißt mit geistigen Wesen praktisch identisch werden. In dem Moment des Erlebens. Und trotzdem komme ich wieder zu mir zurück, ohne mich zu verlieren und auch das andere geistige Wesen besteht natürlich weiter. Das ist also eine ganz, ganz hohe geistige Erfahrung, die im Grunde nicht einmal beim Johannes so vollständig da sind. Es sind Ansätze natürlich dazu da. Aber bei ihm ist schon das Großartige, dass er sehr, sehr stark ausgeprägt hat, die Stufe der Inspiration. Und darum kommt bei ihm sehr oft dieses Wort: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist zu den Gemeinden spricht.“ Weil er mit dem, was er spricht, ja im Grunde auch die Inspiration bei den Menschen auslösen will oder fördern will, die ihm zuhören, die vielleicht dann seine Schriften lesen. Weil das auch ein Übungsbuch letztlich dazu ist, diese Inspiration zu wecken. Das ist ganz wichtig.

Moderne Geisteswissenschaft heißt, sich bewusst durch eigene Tätigkeit zur Imagination und zur Inspiration zu befähigen 0:22:49

Also das heißt, was wir heute mit einer bewussten Geisteswissenschaft anstreben, ist eben einerseits ganz bewusst durch eigene Tätigkeit sich zur Imagination, zu einer wirklich sinnlichkeitsfreien Imagination zu erheben. Das heißt also, zu einer geistigen Wahrnehmung, die so konkret, aber natürlich ganz anders geartet ist, als die Wahrnehmung, die wir gegenüber der Sinneswelt haben, aber jetzt eben im seelisch-geistigen Bereich. Das ist das Erste. Und das Zweite, was aber unbedingt dazukommen muss, ist eben die Inspiration, die uns dieses Bild deutet, die uns dieses Bild erklärbar macht. Rudolf Steiner spricht oft auch davon, dass es um die Fähigkeit des Lesens der geistigen Schrift geht. Und damit meint er aber genau dasselbe.

Weil man kann die Inspiration auch so auffassen, dass ich in den Bildern, die ich jetzt imaginativ geschaut habe, lesen zu lerne, was sie bedeuten. Und zwar, was sie bedeuten insbesondere, wenn ich sie von einem ganz bestimmten Gesichtspunkt auch ansehe. Man kann nämlich Imaginationen - eine ein und dieselbe oder zumindest ähnlich geartete Imagination - von sehr verschiedenen Blickwinkeln betrachten und daraus sehr verschiedene, wie soll ich sagen, Deutungen herauslesen, die in Wahrheit zwar alle miteinander zusammenhängen, aber doch in jeder bestimmten Situation ist dann nur eine ganz bestimmte dafür wirklich gültig.

Alle Entwicklungsprozesse vollziehen sich in sieben Stufen - mit der vierten Stufe als die Mitte, um die sich alles dreht, wo Vergangenheit (das Gewordene) und Zukunft (das Werdende) aneinander stoßen 0:24:25

Das erklärt zum Beispiel, warum Rudolf Steiner sehr oft Dinge in einem Vortrag so schildert und in einem anderen Vortrag eine ganz andere Erklärung dazu gibt, obwohl eigentlich dieselbe Imagination, sogar dasselbe Symbol vielleicht dahinter steckt. Das ist im Übrigen bei der Apokalypse des Johannes auch der Fall. Also etwa, wenn wir - ich habe das glaube ich auch schon einmal erwähnt - jetzt von den sieben Gemeinden sprechen, in denen sich die sieben Kulturepochen widerspiegeln, dann ist das ein möglicher Blickpunkt. Man kann aber diese sieben Gemeinden, diese sieben Entwicklungsstufen, im Grunde auf alle Entwicklungsprozesse beziehen. Weil alle Entwicklungsprozesse vollziehen sich in sieben Stufen. Die Siebenzahl ist so etwas ganz Charakteristisches für die zeitliche Entwicklung, mit der vierten Epoche oder mit der vierten Stufe als die Mitte, um die sich alles spiegelt. Und es ist immer das, was am Anfang ist, also die erste Stufe, die spiegelt sich in der 7. Stufe in gewisser Weise wieder, die zweite in der vorletzten, in der sechsten Stufe und die dritte spiegelt sich in der fünften Stufe wieder. Und die vierte ist die Mitte, um die sich alles dreht.

Und diese Mitte ist immer für uns als Betrachter genau der Punkt, wo wir stehen. Das ist genau der Augenblick, dieser Moment der Gegenwart, der im Grunde gar nicht fassbar ist, weil er, kaum dass er da ist, schon wieder weg ist. Also eigentlich existiert er gar nicht. Er existiert nur in dem Sinn, dass hier Vergangenheit und Zukunft aneinander stoßen. Das heißt das Gewordene, das wir hinterlassen und das Werdende, das noch vor uns liegt. Und da ist der entscheidende Punkt.

Das Ich wird sich seiner selbst bewusst - es existiert nicht, es wird beständig. Das Bild des Phönix, der aus der eigenen Asche wieder aufersteht 0:26:22

Da ist auch der Punkt, wo unser Ich sich seiner selbst bewusst wird. Auch das wäre so ein Aspekt zu sehen, wie sich unsere künftigen Entwicklungsmöglichkeiten, an dem, was wir bereits geworden sind, spiegeln und in dem Moment taucht unser Ich-Bewusstsein auf. Also aus dem, was wir schon geschaffen haben und eigentlich abgelegt haben, hinter uns gelassen haben, und in dem, was wir vielleicht noch gar nicht ahnen, was aber aus der Zukunft an Möglichkeiten auf uns zukommt. Die aber auch in unserem Ich drinnen stecken. Also wir sind immer der Schnittpunkt genau, oder die Schnittlinie zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und so ist es bei allen Entwicklungsprozessen. Alles, was jetzt im Moment passiert, ist immer dieser Schnittpunkt aus dem bereits Gewordenen und aus dem, was noch werden kann. Was als Zukunft möglich ist. Und es ist immer ein breiter Fächer, der möglich ist.

Und darin wählen wir aus. Und das heißt, wir müssen uns, wenn wir heute unser Ich-Bewusstsein entwickeln wollen in der Bewusstseinsseele - da geht es ja auch ganz besonders um unser Ich-Bewusstsein, das ist das Zentrum des Ganzen - dann müssen wir einerseits sehen, was haben wir bereits abgelegt, hinter uns gelassen? Das ist die Vergangenheit. Aber wohin geht die Zukunft? Die lässt sich nämlich aus der Vergangenheit nicht ableiten, sondern die muss in jedem Moment neu geschaffen werden. In jedem Moment. In jedem Moment. Das ist nämlich das Wesen des menschlichen Ich, dass es sich selbst im Grunde in jedem Moment neu schafft. In jedem zeitlosen Moment. Man kann eben vom Geistigen - und das Ich ist eben etwas Geistiges, es ist das Geistige schlechthin - nicht einmal sagen, es existiert. So wie irgendetwas anderes existiert. Wie Gegenstände existieren. Man kann es nicht einmal so sagen, wie Ätherkräfte, Bildekräfte, die vielleicht existieren oder Seelisches, das in einer gewissen Weise existiert.

Sondern es ist nicht. Es wird beständig. Und bevor es etwas Festes wird, ist es schon wieder verflogen und es ist ein neues Werden drinnen. Darum eben dieses schöne Bild, das dafür steht, das die Alchemisten ja gerne verwendet haben eben, der Phönix, der seiner eigenen Asche steigt. Es ist immer dieser Moment, also da ist etwas, was aus der Schlacke, aus der Asche - aber die Asche bleibt eigentlich zurück - ersteht und wieder in Feuer aufgeht. Dieses Feuer ist eigentlich dieser geistige Blitz, dieser geistige Moment, da in dem Moment, wo der Phönix wie in einem Blitzstrahl wieder im Feuer verbrennt, und das ist kein Brennen, das einen Zeitraum einnimmt, sondern das ist eigentlich ein Moment. Es ist dieser eben zeitlose Moment, in dem nur ist es drinnen und dann rieselt schon wieder die Asche herunter und es entsteht wieder. Aus demselben entsteht wieder dieser prächtige Vogel sozusagen, man könnte sagen, dieser Vogel ist das Seelische, das wir rundherum um das Ich bauen und dann zerstrahlt es schon wieder. Das Ich löst das Ganze auf. Und dann erneuert es sich wieder. Und das geht endlos weiter.

Und im Grunde, in unserem Seelenleben tun wir auch dasselbe. Das ist das Seelische nämlich. Das wird miterneuert im Grunde. Aber so, dass es in seiner Gestalt, die es bereits gewonnen hat, immer wieder erneuert wird. Immer wieder erneuert und einen Schritt weiter gebracht wird, weiterentwickelt wird. Also das ist das, was das Seelische ausmacht, unser wirkliches Seelisches. Also da ist im Zentrum dieses Ich drin, das eigentlich nicht ist, sondern immer nur wird. Und es baut ein Seelisches, das auch ständig im Fluss ist, das eigentlich so wie dieser Vogel Phönix in Wahrheit auch immer wieder erzeugt wird, wieder zerfällt, erzeugt wird, wieder zerfällt und das machen wir unser ganzes Leben lang. Also das heißt, dieser - genau gesprochen - beschreibt dieses Bild des Vogel Phönix unser Seelisch-Geistiges. Vor allem auch so wie wir es während des Erdenlebens haben. Da passiert ununterbrochen genau das. Nehmt es einfach einmal als Bild. Ich weiß, es sind - nämlich genau da stehen wir jetzt an der Grenze, wo nämlich auch diese Verstandestätigkeit, die wir noch aus der griechisch-lateinischen Zeit mitnehmen, im Grunde nicht mitkann.

Das Verstandesdenken als Spiegelbild des Vergangenen 0:31:43

Dieses Verstandesdenken, das wir nämlich aus der griechisch-lateinischen Zeit gewonnen haben, das ist zwar aus einem alten Hellsehen heraus entstanden - es ist sozusagen der letzte Rest davon - aber zum Schluss ist es hinein gestorben in die abstrakte Logik. Und in etwas, was interessanterweise nur mehr ein Scheingebilde ist. Nicht wahr, im Anfang der griechischen Philosophie, wo es beginnt, da wirken noch real geistige Kräfte herein. Jetzt ist es, was der heutige Intellekt ist, ist nur mehr reines Spiegelbild. Nämlich ein letztes Spiegelbild von etwas Vergangenem. Es spiegelt sich immer die Vergangenheit drinnen. Also im Verstandesdenken ist immer ein Spiegel des Vergangenen. Das heißt auch, dass dieses Verstandesdenken nicht kreativ sein kann. Grundsätzlich nicht sein kann.

Imaginationen als kreative Momente in den Wissenschaften - dadurch wird etwas Neues impulsiert 0:32:39

Dass es jetzt in der Wissenschaft trotzdem auch Gott sei Dank hier und da ein paar kreative Momente gibt, die sind eh sehr selten in Wahrheit, liegt nur darin, dass da jetzt etwas anderes auch hineinspielt. Also wo zum Beispiel die großen Entdeckungen sei es einmal in der Naturwissenschaft oder so drinnen sind, da kommt etwas anderes hinein. Da kommt ein Element hinein, das eben gerade nicht aus dem Verstand abgeleitet ist, sondern das etwas Neues impulsiert. Und das wird dann natürlich jetzt wieder bearbeitet mit dem Verstand. So geht es dann weiter. Weil nur das, was verstandesmäßig ist, kann man in Büchern oder in Datenbanken oder sonst wo niederlegen. Den schöpferischen Moment selber kann man eigentlich nicht fassen. Aber in Wahrheit steckt daher hinter jeder wissenschaftlichen Entdeckung, egal - also hinter jeder wirklichen Entdeckung - steht ein geistiges Erlebnis dahinter, das aber dem Forscher meistens unbewusst bleibt. Dahinter steckt etwas, nämlich eine Imagination, die zumindest mit einer leisen Inspiration verbunden ist. Weil sonst würde er das Bild, das er vielleicht nur ganz unterbewusst erlebt hat, nicht fassen können, was es bedeutet oder wo es ihn hinleitet. Das kann man bei allen großen Forschern finden. Die haben das Entscheidende immer gefunden durch diese Impulse. Und die ziehen sich aber durchs Leben durch. Das sind so Impulse, die immer wieder hineinkommen und immer stärker werden. Da geht eine Imagination immer wieder durch in bestimmten Lebensepochen und sie beginnt sich immer mehr zu klären. Da spielt natürlich dann das äußere Grübeln eine Rolle, sich beschäftigen, die Gedanken kreisen darum. Und dann kommt aber wieder mal irgendwo unbewusst oder höchstens traumbewusst dieses Erlebnis und wieder eine Inspiration dazu und das hilft ihm, dass er den Verstand in die richtige Richtung lenkt, um es jetzt auch äußerlich niederschreiben zu können.

Anmerkung einer Zuhörerin: "Es vermischt sich dann!"

Es vermischt sich dann, ja. Und es bleibt als Schlacke, als Asche, die Asche des Phönix, als diese Schlacke bleiben dann letztlich die Verstandesbegriffe übrig. Die bleiben zurück sozusagen. Das ist das, was in den Bibliotheken und Datenbanken drinnen zu finden ist. Das ist die Schlacke.

Albert Einsteins Bild auf einem Lichtstrahl zu reiten 0:35:13

Ich meine, das war bei den Physikern, das war beim Isaak Newton der Fall, das war beim Albert Einstein der Fall. Ich meine, der Albert Einstein war nicht der große, geniale Mathematiker. Das ist das Interessante. Ich meine, mathematisch war eigentlich durchschnittlich. Überhaupt am Anfang. Und alles, was er gebraucht hat, haben ihm andere Leute Impulse gegeben. Er hat es halt dann mühselig gelernt. Bis zum Schluss, wie er zur Krönung sozusagen seines Lebenswerks kam mit der Allgemeinen Relativitätstheorie. Da war er dann so weit, dass er sich selber die Mathematik soweit angeeignet hat, dass er zwei, drei Tage früher fertig war mit dem Beweis seiner Sachen als der damals größte Mathematiker seiner Zeit. Der hat nämlich parallel auch an den Formeln gearbeitet. Also die Grundidee war vom Einstein. Das ist auch tatsächlich also aus einem fast traumartigen Erlebnis heraus entstanden. Und nur die Umsetzung in die Formeln, das ist halt die Knochenarbeit. Das ist die Verstandesarbeit. Aber dann war er einmal irgendwann so weit, dass er selber, weil er einfach immer dieses Bild irgendwo so halbbewusst hat, ihn das immer begleitet und das hat ihn geleitet. Und ohne dem findet man in Wahrheit die Lösung der Formeln nicht.

Und dieses, wie soll ich sagen, Bild für dieses physikalische Prinzip, das da dahinter steckt, das hat dem David Hilbert, einer der größten Mathematiker des 20. Jahrhunderts, das hat ihm eigentlich gefehlt. Ich meine, er kannte es natürlich so, wie es Einstein erzählt hat, aber das hat nicht wirklich in ihm gelebt.

Frage einer Zuhörers: "Entschuldigung, was für ein Bild?"

Dieses imaginative Bild, von dem der Einstein ausgegangen ist. Ich meine, es hat damit begonnen, dass er schon als Kind sich einfach vorgestellt hat: Wie ist das, wenn ich auf einem Lichtstrahl reite? Und das hat ihn sein Leben lang verfolgt, dieses Bild. Und aus dem ist zuerst einmal die Spezielle Relativitätstheorie entstanden. Die war aber noch in gewisser Weise unvollständig. Es ist daraus interessanterweise seine Arbeit entstanden über den sogenannten lichtelektrischen Effekt, wo er nämlich die Quantennatur des Lichts nachgewiesen hat. Also dass Licht etwas ist, was nicht einfach nur so dahin strahlt, sondern was, na ja, was ein Lichtimpuls ist. Man könnte Lichtblitz sagen. Es sind eigentlich Lichtblitze, die entstehen. Und in Wahrheit steckt dahinter aber, dass das Licht etwas Wesenhaftes hat, das war ihm natürlich nicht bewusst. Aber in Wahrheit steckt dahinter, dass das Licht etwas Wesenhaftes ist. Also eine, wie soll man sagen, jeder Lichtstrahl ist in gewisser Weise eine geistige Persönlichkeit, eine geistige Individualität. Und das ist es auch in Wahrheit.

Ich meine, von dem hat der Einstein nichts geahnt. Nichts. Ich meine, für ihn war der ganze Kosmos und die wunderbare Ordnung des Kosmos war für ihn identisch mit Gott. Das nannte er Gott. Die Weisheit des ganzen Kosmos, die da drinnen steckt, das ist das Göttliche für ihn. Also sonst hat er sich nicht weiter mit geistigen Wesenheiten oder was beschäftigt. Aber trotzdem steckt ein geistiger Impuls dahinter. Und trotzdem diese ganze Theorie dann natürlich etwas höchst Abstraktes geworden ist. Aber sie ist aus einem geistigen Impuls heraus entstanden. Und was wir heute als Schlacke haben, das ist halt etwas Abgestorbenes davon. Und heute graupeln sie halt mit dem immer noch stark herum und versuchen, das weiterzuentwickeln und sind bis heute gescheitert, es weiterzuentwickeln im Großen und Ganzen. Es gibt viele Hypothesen und Ansätze, wie man weiter tut. Aber so richtig etwas Griffiges ist noch nicht da. Da müsste noch ein neuer geistiger Impuls herein. Also auf das warten wir noch. Es wird vielleicht auch irgendwann irgendein, durchaus ein Naturwissenschaftler kommen, der einen weiteren geistigen Impuls einfängt und das weiterbringt.

Die Physik ist daran zu erkennen, dass es die Materie nicht gibt - es gibt nur Wirkungen, die in Wahrheit aus dem Geistigen kommen 0:39:48

Und diese Erkenntnisse sind sehr, sehr wichtig. Weil erstens einmal gerade auf dem Gebiet der Physik. Weil gerade die Physik drauf und dran ist oder beziehungsweise es eh schon geschafft hat, das alte klassische materialistische Weltbild - also alles besteht aus irgendetwas Gegenständlichem, was ich greifen kann - aufgelöst hat. Also das ist in der Physik mittlerweile klar. Die Materie in dem Sinn, wie man es sich vorgestellt hat, gibt es nicht. Die gibt es nicht. Ja, es gibt in Wahrheit, selbst die Grundbausteine der Materie, die man Elementarteilchen nennt, in Wahrheit gibt es die auch nicht. Es gibt nur Erscheinungen, die hereinblitzen. Und die kann ich messen. Die kann ich registrieren. Wunderbar. Da kann ich Fotografien machen und die hinterlassen auf einer Fotoplatte eine Spur des sonst was, aber das sind nur Wirkungen, die zurückbleiben. Aber da ist nichts. Da ist kein Elektron, das durchsaust in Wirklichkeit. Es sind Wirkungen, die gewissen Gesetzmäßigkeiten folgen. Nichts anderes. Und diese Wirkungen sind in Wahrheit etwas, was aus dem Geistigen kommt, teilweise auch aus dem Ahrimanischen natürlich, das spielt eine Rolle. Weil das, was dann letztlich als unser Körperliches erscheint, da werden diese Wirkungen in gewisser Weise eingefangen und eingefroren in gewisser Weise. In der Erscheinung zumindest. Ist zwar eine Illusion, aber doch eine recht hartnäckige Illusion. Mein Polsterl da (das Kissen) eine weiche Illusion. Das da oben eine eher härtere, der Dickschädel. Aber die Wirklichkeit sind eben diese Wirkungen, das heißt die geistigen Kräfte dahinter.

Die Naturforscher sind prädestiniert dafür, wenn sie ihren Weg bis zum Ende gehen, an das Geistige heranzukommen 0:41:44

Und das ist sicher einmal das erste Wichtige, dass es auch in der äußeren Forschung, weil die ja heute ganz im Zentrum unseres Bewusstseinsseelenzeitalters steht, dass es in Wahrheit keinen Fortschritt dort gibt ohne geistige Impulse. Ohne zumindest unterbewusst oder halbbewusster geistiger Wahrnehmungen. Und daher sind also gerade auch Naturforscher, die wirklich führend sind, führend in dem Sinn, indem sie solche Erlebnisse bewusst oder unbewusst haben, prädestiniert dafür, an das Geistige heranzukommen. Das ist nur der Weg, der weiter gegangen werden muss, so dass zumindest die Naturforscher der nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte sich dieser geistigen Impulse wachbewusst werden. Dann stehen sie unmittelbar im Geistigen drinnen. Und dann werden sie erkennen, dass dort die Wirklichkeit zu suchen ist und nicht in dem, was als äußere Schlacke zurückbleibt. Es ist auch gut, das zu beschreiben natürlich. Diese Gesetzmäßigkeiten finden wir in der äußeren Welt. Aber es ist eben nur die Schlacke, die Asche des Phönix. Nicht dieses geistige Wesen, das aufersteht darin.

Wir brauchen heute ein über das Verstandesdenken hinausgehendes völlig neues Denken - ein schöpferisch-lebendiges Denken 0:43:03

Und damit spreche ich das an, was ich schon im letzten Vortrag gesagt habe. In unserem Zeitalter geht es vor allem darum, dass unser Denken ein völlig anderes werden muss, ein völlig anderes. Eben das von diesem Abgestorbenen weggeht, ich will nicht sagen, dass man es ganz verlieren soll, als Untergrund kann sie als Fähigkeit da bleiben. Wir brauchen es auch. Aber was darüber hinaussteigen muss, ist eben dieses schöpferisch- lebendige Denken, das eben schöpft aus der Wirklichkeit. Das heißt aus der geistigen Welt bewusst schöpft. Also das heißt das, was große Forscher heute unbewusst machen, völlig bewusst machen. Dann komme ich ganz automatisch zu geistigen Begegnungen.

Die Imaginationen des Wolfgang Pauli 0:43:56

Ein gutes Beispiel, das ich in meinen Vorträgen immer wieder gern erwähne, weil ich halt einfach aus dem naturwissenschaftlichen Bereich komme beruflich gesehen. Wolfgang Pauli. Wolfgang Pauli war auch einer der großen Physiker des 20. Jahrhunderts. Weniger auf dem Gebiet der Relativitätstheorie, sondern auf dem Gebiet der sogenannten Quantentheorie. Im Übrigen diese Quantentheorie, ein ganz wesentlicher Impuls dafür kam aber lustiger Weise vom Herrn Einstein, der später die Quantentheorie völlig abgelehnt hat, eben indem er den elektrischen Effekt geklärt hat. Und geklärt hat, dass also Licht so etwas ist, was als Lichtimpuls kommt. Als, ja als Lichtteilchen, wenn man so will, aber eigentlich als Lichtwesen herauskommt. Er hat das als erster bewiesen und gezeigt, dass es das wirklich gibt. Die Idee mit den Quanten, also das ist das Lichtquantum sozusagen. Das ist das Quantum, von dem man spricht, das heißt, es kommt zu Lichtblitzen. Und das gilt aber für alles andere auch. Nicht nur für das Licht, sondern für alles andere auch. Da ist man dann weiter draufgekommen.

Und erstmals hatte die Idee der Max Planck. Um 1900 hat er das veröffentlicht. Und hat eben solche Lichtquanten zwar schon eingeführt, aber als rein rechnerisches Prinzip. Er hat nie daran gedacht, dass das irgendeine Realität haben könnte, sondern es war einfach ein Trick, um die Sachen berechnen zu können. Und der Einstein war der, der bewiesen hat, dass es eine nicht nur physikalische Realität hat, sondern in Wahrheit auch eine geistige Realität, die dahintersteckt.

Ja, und dieser Wolfgang Pauli war also ein Quantenphysiker. Er hat sehr wesentlich dazu beigetragen, dass wir verstehen, wie heute die chemischen Elemente aufgebaut sind. Warum sie so aufgebaut sind, wie sie sind. Hängt mit dem Atombau zusammen, aber wobei Atome halt auch nicht Gegenstände in Wahrheit sind, sondern Wirkungen. Aber in diesen Wirkungen gibt es Gesetzmäßigkeiten, die der Pauli also erkannt hat und sehr gut beschrieben hat. Das sogenannte Pauli-Prinzip, so nennt man das. Der Pauli war auch also ein extrem intellektuell ausgerichteter Mensch, aber auch einer, der im Hintergrund Imaginationen hatte. Die sind sogar in seinem Lebenslauf dann immer stärker herausgekommen und immer bewusster geworden. Nicht wahr, er hat von sich einmal gesagt: "Also ich bin antimetaphysisch getauft." Also mit der Metaphysik, mit dem Jenseitigen, will ich nichts zu tun haben. Das interessiert mich nicht. Ich bin ein rational denkender Mensch.

War er auch - brillanter Kopf. Aber er hatte auch diese Imaginationen, die wurden immer stärker. Er war natürlich absolut theoretischer Physiker, also für die theoretische Physik. Experimente haben ihn überhaupt nicht interessiert. Da hat er die Finger davon gelassen. Schon während des Studiums hat er geschaut, dass er möglichst herum kommt darum. Ihn hat interessiert, wie kann ich das berechnen? Das Rechnen konnte er schon in der Schule gut. Es gibt sogar die Legende, nicht wahr, dass der Mathematiklehrer einfach schon verzweifelt - war übrigens ein Österreicher der Pauli, muss ich dazu sagen - ja, dass der Mathematiklehrer schon zwei Stunden an der Tafel herumrechnet und selber die Lösung für das Problem nicht findet, das er eigentlich den Schülern beibringen will. Und dann endlich sagt: "Pauli, bitte sagen Sie mir endlich die Lösung!" Natürlich hat der Pauli die schon in den ersten Minuten gelöst gehabt.

Das Jahr 1900 - Entdeckung der Quantentheorie durch Max Planck, Beginn der Anthroposophie, Beginn eines neuen lichten Zeitalters (Ende des Kali Yuga) 0:47:47

Frage einer Zuhörerin: "Wann hat der ungefähr gelebt?"

Im 20. Jahrhundert. Er ist gestorben 1958, glaube ich. Und ist geboren 1900.

Ist ein interessantes Datum übrigens 1900. Es ist sehr interessant, dass da erstmals der Max Planck die Idee hat für die Quantentheorie, dass da jetzt so Leute wie der Pauli geboren werden. Weil 1900 fängt im Grunde auch die Anthroposophie an, fängt die eigentlich geisteswissenschaftliche Vortragstätigkeit von Rudolf Steiner an. Also zuerst halt in der Theosophischen Gesellschaft noch. Und 1900 beginnt ein neues lichtes Zeitalter. Es ist abgelaufen das finstere Zeitalter, das sogenannte Kali Yuga, wie es die Inder genannt haben. Und R. Steiner hat den Ausdruck auch oft gebraucht. Wo im Grunde die geistige Wahrnehmungsfähigkeit der Menschheit, zumindest die naturgegebene geistige Wahrnehmungsfähigkeit der Menschheit im Wesentlichen erloschen ist. Es gab natürlich Reste, die noch weiter gewirkt haben, auch während dieser dunklen Zeit, aber doch für den größten Teil der Menschen wurde es ausgelöscht. Aber eben aus dem Grund, damit der Mensch seine eigenen Seelenfähigkeiten entwickeln kann. Ist nämlich ganz interessant, dass dieses Kali Yuga beginnt kurz vor der ägyptisch-chaldäischen Zeit. Fängt also so etwa 3200 vor Christus an. Genau 3201 laut Rudolf Steiner. Er schildert das sehr dramatisch, wie damals innerhalb von Wochen, schreibt er oder sagt er, innerhalb von Wochen in großen Teilen der Menschheit diese Hellsichtigkeit, die sie ursprünglich noch hatten, erloschen ist bei den meisten Menschen.

Der Beginn des Kali Yuga im Jahr 3201 vor Christus kurz vor Beginn der ägyptisch-chaldäischen Zeit. Die dabei einsetzende Verdunkelung des Hellsehens war Voraussetzung für die Entwicklung des Seelischen 0:49:55

Frage einer Zuhörerin: "Und das war, wann genau?"

Das Jahr 3201. Genau. Man kann es in dem Fall wirklich sehr genau eingrenzen, weil das innerhalb von Wochen ist. Also da hat sich innerhalb eines ganz kurzen Zeitraums schlagartig die Seelenverfassung oder die Bewusstseinsverfassung der Menschheit geändert. Und man muss dazu sagen, dass bis zu diesem Zeitpunkt hin die seelischen Wesensglieder des Menschen - ich werde gleich noch zu sprechen kommen darauf - also das, was man insgesamt als das Seelische des Menschen nennt. Zwar schon vorgebildet und in einer gewissen Weise in Funktion, aber die eigentliche Entwicklung beginnt jetzt erst in der ägyptisch-chaldäischen Zeit. Und die ägyptisch-chaldäische Zeit beginnt also so  zwei- bis dreihundert Jahre danach. Nachdem diese Verdunklung stattfindet. Diese Verdunkelung des Hellsehens war die Voraussetzung, dass sich das entwickeln kann, was wir heute unser Seelisches nennen im eigentlichen Sinn. Als das ist ganz interessant.

Seelenentwicklung im Laufe der Kulturepochen - der innere Seelenraum wird erhellt durch Lichtblitze des Ich. Das Erleben einer Außenwelt hängt zusammen mit dem Erleben einer Innenwelt 0:51:16

Und das heißt aber auch diese Seelenentwicklung hängt eben zusammen mit unserem Ich, das langsam darin immer stärker wirksam wird. Und diese Seelenentwicklung beginnt also im Grunde so, man muss sich das so vorstellen, wie dieser Seelenraum, der da jetzt entsteht, ist zunächst noch ein ganz dunkler, dumpf empfundener Raum, der da ist. Und erhellt wird er aber durch diese geistigen Blitze des Ich. Und die kommen immer häufiger. Und die verändern auch diesen seelischen Innenraum, der jetzt entsteht. Und fangen eben dadurch gerade an, ihn weiter zu entwickeln, ihn auszubauen. Also man muss sich vorstellen, das ist wie ein ganz finsterer, dunkler Innenraum, der entsteht im Menschen und der wird jetzt durch Blitze, von innen einmal beginnt er sich zu erhellen. Und zugleich mit dem tritt aber auch etwas anderes ein, es tritt das wachere Gegenübertreten der Außenwelt ein. Das hat sich schon angekündigt in der urpersischen Zeit, aber jetzt, in der ägyptischen Zeit, wird das deutlicher, dass eben auch von außen jetzt immer wacher hereinkommt oder immer deutlicher hereinkommt die sinnliche Außenwelt.

Ich meine, man muss denken in der vorangehenden Epoche gab es zwar schon ein sinnliches Erleben, also ich meine damit ein bewusstes sinnliches Erleben - die Sinne hatten die Menschen natürlich schon viel, viel länger und die Tiere hatten sie noch viel früher - aber es geht jetzt nicht darum, dass die Organe da sind, sondern was man Seelisch und mithilfe dieser Organe erleben kann. Und dieses Erleben einer Außenwelt hängt zusammen damit, dass ja eigentlich im Grunde zuerst beginnt ein Erleben einer Innenwelt. Aber einer Innenwelt, die zunächst gerade noch ganz dunkel ist. Das ist das, was bei den Ägyptern jetzt so richtig beginnt. Bei den Persern ist das alles noch ein bisschen anders. Und sie erleben die Außenwelt auch anders.

Urpersische Epoche: Gegensatz von Licht und Finsternis, hell/dunkel, der lichte Ormuzd und der dunkle Ahriman 0:53:39

Es gibt keine direkten Angaben dazu von Rudolf Steiner. Aber wenn man zurückschaut auf die urpersische Zeit, kann man sehr deutlich sehen, es ist ja nicht umsonst die Religion von Licht und Finsternis, die aus dieser Zeit kommt, der Gegensatz des lichten Ormuzd mit dem dunklen Ahriman. Also was da als erste Mal ins Bewusstsein kommt, habe ich auch in den Vorträgen, wo es um die ägyptische Epoche bzw. um die persische Epoche ging, geschildert. Das hatte auch zur Folge, dass sie zwar beginnen, die Außenwelt zu erleben, aber sie erleben sie in dem Gegensatz von Licht und Finsternis. Das heißt, als Hell und Dunkel. Und zwar als erstes, das erste, was sie erleben, ist eigentlich das helle Sonnenlicht bei Tag und der finstere Nachthimmel mit den Sternen am Abend, in der Nacht. Und der Himmel ist ganz schwarz, bis auf die hellen Punkterl die da drinnen sind. Das ist das erste, was man erlebt.

Durch den Rest der sinnlichen Außenwelt sind sie damals genauso instinktiv gegangen wie die Menschen vorher. Nicht wahr, es gab schon Menschen vorher, die konnten umgehen mit Werkzeugen, mit allem möglichen schon, ich meine der erste Werkzeuggebrauch geht nach äußerer Forschung fast drei Millionen Jahre zurück. Also da gibt schon die ersten Homo habilis und so, die die Werkzeuge benutzen. Die konnten also geschickt damit umgehen, ohne dass sie in ihrem Bewusstsein sich als Wesen von der Außenwelt unterschieden hätten. Ohne dass sie sich unterschieden hätten. Also wenn man glaubt, der erste Ur-Ur-Ur-Mensch sitzt jetzt da und sieht einen Stein und sagt, den könnte ich jetzt irgendwie bearbeiten und einen Faustkeil daraus machen, dass der das so, wie wir erlebt hätte, nur dass er diesen Stein so gesehen hätte, wie wir, war nicht der Fall und schon gar nicht, dass er diese verstandesmäßig bewusste Überlegung dazu gehabt hätte. Sondern er hat ihn genommen, und was er erlebt hat dabei, war ganz etwas anderes. Etwas völlig anders.

Das Bild, das er in seinem Seelischen hatte, er hat ein reiches Seelisches gehabt oder ein Erleben, aber das war kein Innenleben. Es war ein Leben in Imaginationen. Und er war Teil dieser imaginativen Welt. Das heißt, in seinem Seelischen war er Teil der Seelenwelt. Und was er als Geistiges erlebt hat, waren die geistigen Wesenheiten, die ihn umgeben haben. Und sich selber hat er noch gar nicht als Ich oder irgend so etwas empfunden. Sondern sein Bewusstsein war das Bewusstsein, er ist ja verschmolzen mit dem Bewusstsein dieser geistigen Wesenheiten, die um ihn sind. Geisterfüllung. Im Grunde also noch sehr ähnlich dem Bewusstsein, wie es heute auch die Engelwesenheiten haben. Also dieses Bewusstsein war ausgefüllt eben mit dem, was die geistige Welt über ihm ist. Und keine Unterscheidung, keine räumliche Unterscheidung zwischen Innen und Außen. Nichts dergleichen. Und in Abstufungen hält das durch, ganz lange, bis eigentlich in Wahrheit erst in der urpersischen Zeit dieses Erleben zumindest beginnt, der helle Tag, die Sonne da oben, als sozusagen dieses Zentrum des Strahlenden, ja vielleicht der Schatten unten am Boden. Das nimmt man auch wahr. Also ein Gegensatz. Da unten ist etwas Dunkles, das Schatten wirft und vor allem dann in der Nacht eben auch dieser komplett schwarze, tiefschwarze Himmel, wo es aber auch solche Lichtpunkte gibt.

Das heißt, bei Tag ist es der Ormuzd, der das Ganze überleuchtet und in der Nacht ist es eigentlich aber auch der finstere Ahriman, der da irgendwo rundherum ist. Weil wenn man diesen dunklen Himmel erlebt und man muss sich zurückdenken in eine Zeit, wo es natürlich noch kein elektrisches Licht gab. Wo es zwar schon das Feuer gab, aber sonst kein künstliches Licht. Also wo die Nächte wirklich noch so dunkel waren, dass man dann nicht mehr sieht in der Nacht, wo der Himmel in den Boden übergeht. Das ist eins. Ich habe das selber erlebt. Ich erzähle die Geschichte gerne, weil sie mich einfach so tief beeindruckt hat, das war ich noch relativ jung, also 22 oder 23 oder so in der Größenordnung. Da war ich mit meiner Gattin war auf Kreta und hinaufgefahren ins Ida-Gebirge. Und dort war es wirklich so stockdunkel, dass du nicht gesehen hast, wo hört der Himmel auf und wo fangt der Boden an. Wir sind mit dem Auto hinaufgefahren, mit den Scheinwerfern hat man gesehen zum Glück, okay, da kann man stehen bleiben und da kann man auch sicher stehen, ohne dass man irgendwo hinunter fällt. Und dann Scheinwerfer aus und dann - stockdunkel. Stockdunkel. Der Himmel stockdunkel, der Boden stockdunkel. Nicht einmal zu ahnen, wo das übergeht. Keine Silhouette der Berge sichtbar. Nichts. Nichts. Nur die Sterne. Und die Sterne so groß wirklich wie Feuerräder. Ich werde das nie vergessen. Das waren im Erleben keine Punkte, das waren Feuerräder. Wenn ihr kennt, das Bild vom van Gogh mit der Sternennacht, mit diesen Riesenpatzen so wirklich so spiralig, die sich da drehen. Genau so war das. Man den Eindruck gehabt hat, die Sterne sind solche Feuerräder. Die bewegen sich, die drehen sich, das war ein unmittelbares Erlebnis. Aber auf dem total finsteren, schwarzen Hintergrund.

Und das muss man sich in etwa, kann man sich vorstellen, sich hineinversetzen, das ist die Art, wie in der Nacht zum Beispiel die alten Perser die Welt erlebt haben. Sinnlich erlebt haben. So fängt es an. Und bei Tag das gleißende Licht der Sonne. Dieses Zentrum, von dem alles ausstrahlt und von dem sie eigentlich nur dieses strömende Licht bewusst erleben und den Schatten, den es am Boden wirft. Das ist der Gegensatz von Ormuzd und Ahriman, den sie erleben.

Beim Übergang von der urpersischen Zeit in die ägyptische Zeit beginnt ein anderes Seelenerleben - ein Innenerleben. Und als Gegenschlag dazu taucht die Sinnenwelt auf 1:00:20

Anmerkung einer Zuhörerin: "In der Wüste kann man das auch gut erleben."

Ja, ja, in der Wüste kann man das sehr gut erleben. Und im Hochgebirge eben auch. Natürlich. Ja, aber erst jetzt, wenn wir übergehen von der persischen Zeit in die ägyptische Zeit, jetzt beginnt ein ganz anderes Seelenerleben, nämlich ein Innenerleben. Und das beginnt aber zunächst einmal damit, dass da innen etwas ist, was aber noch ganz dunkel ist. Nur irgendwie blitzt irgendetwas. Und dieses Blitzen da drinnen erzeugt so diese Stimmung, da ist etwas in mir. Ich erlebe da etwas in mir. Ich weiß nicht, was es ist. Keine Ahnung noch. Aber da ist etwas. Und als Gegenschlag oder eben gerade erst dadurch, dass dieses Finstere, aber doch Spürbare, weil eben durch die Blitze bewusst gemachte, als Gegenschlag dazu taucht jetzt die Sinneswelt auf. Und zwar jetzt nicht mehr Schwarz-Weiß nur, sondern langsam auch in Farben. In Schattierungen.

Man muss denken also in der urpersischen Zeit, also das was ich geschildert habe, ist mit ziemlicher Sicherheit das Erlebnis, wie es am Anfang der urpersischen Zeit, das ist so im sechsten Jahrtausend vor Christus, fängt es so in etwa vermutlich an, wie ich das beschrieben habe. Und mit der Zeit geht es über, dass man die Welt in stärkeren Konturen beginnt zu erleben, aber mehr oder minder in Schwarz-Weiß. In Graustufen. Nicht in Farben. Nicht in Farben. Der Mensch hatte zwar sicher zu der Zeit schon grundsätzlich von seinen Augen her die Fähigkeit, später einmal Farben auch bewusst wahrzunehmen, aber sie war noch nicht ausgeprägt.

Einschub Evolution: Pentachromaten - Tetrachromaten - Bichromaten 1:02:21

Ist übrigens eine sehr interessante Sache, dass die, wenn man sich die Evolution anschaut, also jetzt ganz äußerlich, wie sie geschildert wird, da hat man einmal die ganz einfachen Tiere, Fische - viel weiter will ich jetzt nicht zurückgehen - Fische bzw. Vorformen von Fischen, einfache wie zum Beispiel die Neunaugen. Neunaugen sind so was fischartiges, sind  aber nicht eigentlich wirklich Fische. Und diese Neunaugen, die gibt es heute noch, aber die reichen weit, weit in die Vergangenheit zurück. Diese Neunaugen haben eine ganz interessante Eigenschaft. Sie sind sogenannte Pentachromaten. Das heißt, sie haben fünf verschiedene farbempfindliche Sinneszellen auf der Netzhaut. Fünf verschiedene. Diese fünf verschiedenen Farbzellen helfen ihnen also, na ja, die Lichtwelt da draußen, die wirkt, in einer sehr differenzierten Weise widerzuspiegeln. Sagen wir es einmal vorsichtig so. Nicht, dass sie das so bewusst erleben würden. Aber sie können sich also sehr gut dadurch in den ganzen Schattierungen orientieren.

Mit der Zeit der Entwicklung nimmt die Zahl dieser Farbrezeptoren ab. Das ist das ganze Interessante. Sie nimmt ab. Also es gibt dann bei den Wirbeltieren, bei den Reptilien, bei den Amphibien und so bis zu den Sauriern, auch für die Saurier gilt das vermutlich, es ist es ein bisschen schwer nachzuweisen, weil man nur mehr die Skelette heute hat, aber es gibt sehr starke Vermutungen, das waren alles Tetrachromaten. Die haben vier verschiedene Farbrezeptoren. Dann geht's weiter. Zu den Säugetieren, ist die sozusagen modernste Erfindung in der Evolution, nachdem die Dinosaurier ausgestorben waren, geht es ja dann explosionsartig mit der Entwicklung der Säugetiere voran. Und die Säugetiere sind alle nur Bichromaten. Praktisch. Fast alle. Fast alle. Das heißt, sie haben nur mehr zwei Farbrezeptoren. Das heißt, sie können sich an Farben orientieren. Sie haben das Sinneswerkzeug dazu, aber sehr schlecht. Sie orientieren sich vielmehr an Hell und Dunkel. Und - erst beim Menschen taucht langsam wieder ein zusätzlicher Farbrezeptor auf, sodass wir jetzt in der Regel Trichromaten sind. Also gesunde, normalen Menschen sind Trichromaten. Es gibt einzelne Ausnahmefälle bei Frauen, die auch Tetrachromaten sein können, wobei es aber meistens für die Wahrnehmung keinen Unterschied macht, weil sie sie nicht gesondert ins Bewusstsein heben können. Das hängt mit den Nerven zusammen, weil die Nerven sich dann nicht entsprechend spezialisiert haben, dass die wirklich gesondert diese Impulse weitergeben.

Anmerkung eines Zuhörers: "Tetra heißt doch...?"

Tetra heißt vier. Aber wir Menschen sind Trichromaten. Und das heißt, wir sind bis zu einem gewissen Farbsehen vorherbestimmt auch wieder. Aber das taucht langsam auf. Also es beginnt aus einem, man kann sagen fast Schwarz-Weiß-Sehen, geht es in ein Farbsehen über. Man kann das historisch verfolgen in historischen Dokumenten. Rudolf Steiner selber hat darauf hingewiesen, dass selbst die Griechen noch eine gewisse Blaublindheit zum Beispiel hatten. Dass sie sehr viel empfänglicher waren für die aktiven Farbtöne, also Rot-, Gelbtöne, bis ins Grünliche hinein, aber die eigentlichen Blautöne nicht. Das schlägt sich bis ins Farbliche hinein in der Sprache wieder, zum Beispiel die Farbe, wir sagen für die Farbe Purpur, ein prächtiges Rot oder so ein Rotviolett. Für die Griechen war es eigentlich nur dieses Prächtige. Aber nicht als Farbe da. Weil wir bezeichnen zum Beispiel auch die weißen Schwäne als purpureus: prächtig. Das heißt, da spielt nicht die Farbe in Wahrheit eine Rolle, sondern diese prächtige Wirkung, diese eindrucksvolle Wirkung, die davon ausgeht. Also man kann das wirklich sogar in der Sprache teilweise nachweisen, dass da scheinbar die Griechen noch ein bisschen Blaublind waren.

Während - und das ist nämlich interessant - weil die Ägypter wahrscheinlich schon eine gewisse deutliche Empfindung für die Blautöne hatten, die die Griechen wieder nicht hatten. Es ist ganz interessant. Also es geht nicht immer so systematisch. Aber es taucht auf jeden Fall langsam auf, die Welt in Farben zu erleben. Aber erst in der ägyptischen Zeit. Da blüht das auf. Und jetzt kommen eben zu den Konturen, zu den Schatten und Umrissen, die man sieht, die Farben dazu. Zu dem Schwarz-Weiß, zu den Graustufen, die noch die Perser erlebt haben, jetzt kommen die Farben dazu. Im Bewusstsein. Also wir sprechen immer davon, was die Menschen im Bewusstsein erleben. Und immer ist aber im Hintergrund, da ist in mir auch so irgendetwas. Da ist etwas. Es ist noch dunkel. Ich weiß nicht, was es ist, aber es ist dunkel. Es ist dunkel, aber es ist da.

Also diese Unterscheidung - da beginnt die Unterscheidung: Innenwelt / Außenwelt. Und diese Innenwelt, diese eigene Innenwelt, die da beginnt, damit beginnt das Seelische im eigentlichen Sinne. Also vorher ist es noch ein eigentlich Seelen-Leibliches. Damit ist zwar schon Bewusstsein verbunden, das ist im Astralleib drinnen. Aber es ist noch nicht das wirklich Seelische, noch nicht diese Abgrenzung als eigene Innenwelt. Aber da beginnt das, langsam, dumpf zu spüren das Seelische, das ich früher einmal - man hat es noch in der Erinnerung aus den Schilderungen, das ich früher als Seelenwelt, das seelische Außenwelt erlebt hab - irgend so etwas ist jetzt in mir, so eine ganz kleine Seelenwelt in mir. Die ist da. Dumpf. Im Gegenzug dazu aber erwacht auch die Außenwelt.

Bei den Ägyptern beginnt ein Innenerleben, die Entwicklung der Empfindungsseele und damit ein differenzierteres Erleben einer Außenwelt - Außenwelt und Innenwelt bedingen einander 1:09:53

Also Außenwelt und Innenwelt im Erleben bedingen einander. Das ist ganz wichtig. Daher etwas, was auch für unsere heutige Zeit sehr wichtig ist - und darum erzähle ich jetzt so ausführlich diese ganzen Geschichten - auch weil sich gerade das Ägyptische in unserer Zeit sehr stark spiegelt und auch eine Aufgabe ist heute, das auf eine andere, höhere Ebene zu heben. Nicht wahr, wir sind eben über den vierten Punkt - wir haben vorher über die Siebenzahl gesprochen - haben davon gesprochen, dass die vierte Stufe, das ist die griechisch-lateinische Zeit die Mitte bildet und alles andere spiegelt sich herum. Also die dritte Epoche, das ist die ägyptische, spiegelt sich in unserer, das ist die fünfte. Das heißt, wir haben einiges aufzuarbeiten von dem, was bei den Ägyptern begonnen hat. Bei den Ägyptern hat begonnen diese eigentliche Entwicklung mit der sogenannten Empfindungsseele. Und die Empfindungsseele ist das, was uns das Bewusstsein für eine Außenwelt gibt, für eine sinnliche Außenwelt. Das fängt einerseits an. Und andererseits für eine dumpfe Innenwelt. Aus dieser dumpfen Innenwelt beginnen zum Beispiel langsam so was wie Emotionen. Ich sage bewusst einmal Emotionen, ich sage noch nicht Gefühle, Gefühle ist schon etwas Veredeltes. Das aber von innen etwas aufsteigt. Aber das ist noch sehr dunkel. Das schaue ich nicht.

Emotionen und überschäumende Begierden, ein Mehr an Lustvollem zu erleben 1:11:16

Frage einer Zuhörerin: "In der ägyptischen Zeit?"

In der ägyptischen Zeit.

Zuhörerin weiter: "Und jetzt sind die Emotionen oft überschäumend?"

Jetzt sind sie überschäumend. Sie waren sicher damals auch überschäumend und auch noch ungezähmt, weil man sie nicht bewusst fassen konnte. Vielleicht auch gerade diese Aufgabe, diese Emotionen zu zähmen, nämlich wirklich zu zähmen und nicht zu ertöten, das ist eine wesentliche Aufgabe unserer Zeit heute. In der ägyptischen Zeit, auch das ist sehr typisch, geht es vielfach darum, diese Emotionen, also diese blinden astralen Kräfte, die herauskommen, die Begierdenhaft sind, die aus dem triebhaften Bereich kommen, also Triebe haben immer etwas zu tun eigentlich mit unmittelbaren Lebensbedürfnissen, Wachstumstrieb, Fortpflanzungstrieb - das ist eigentlich ursprünglich etwas ganz Reines. Wir sprechen ja bei der Pflanze von einem Trieb, ganz zu Recht. Das ist einfach ein Ausdruck der Lebenstätigkeit. Das ist also eigentlich etwas ganz was Neutrales. Aber in dem Moment, wo das beginnt, ins Seelische hinein zu spielen, fängt dabei an Lust oder Leid erlebt zu werden, also Lust, wenn der Trieb sich eben entfalten kann, Leid, wenn er irgendwie gehemmt wird. Und es entfaltet sich aber im Astralischen vor allem die Begierde natürlich, dieses Lustvolle mehr zu erleben. Mehr. Mehr davon. Mehr. Das kommt durch. Und man war sich in der ägyptischen Zeit sehr deutlich bewusst, dass man das zähmen aber vor allem bekämpfen muss auch.

Der Stierkult als Ausdruck des In-Zaum-Haltens von Begierden - das minoische Kreta und die Stierspiele 1:13:10

Aus der Zeit kommt der Stierkult. Also erstens einmal war es nicht umsonst, es stand im Sternkreiszeichen des Stiers die ägyptische Kultur. Also es kommt aus diesen Stierkräften. Diese Stierkräfte haben etwas zu tun mit dem Astralischen, was da aus der Tiefe herauskommt. Aber die müssen in Zaum gehalten werden. Die müssen vielleicht sogar bekämpft oder abgetötet werden. Also das ist eines der Ideale, dass auch entstand, diese Kräfte zumindest weitgehend abzutöten. Weil sie einfach genau diesen dunklen Nebel da erzeugen. Es bleibt eben alles dumpf. Dieses Begierdenhafte ist nämlich in Wahrheit dumpf. Nicht wahr, wenn ein Mensch ganz von seinen Begierden getrieben ist, dann ist er nicht ganz wach bei sich. Dann treibt ihn eben etwas. Und dann ist er eben auch mit dem Bewusstsein nicht wirklich klar dabei.

Und daher gibt es immer wieder so etwas wie Stierkult, Stierspiele. Ich meine, heute in Spanien der Stierkampf, das ist so ein letzter Rest aus der Zeit in Wahrheit. Das kommt von dort. Von dort kommt es. Den Stier bezwingen, das ist eigentlich die eigenen Triebkräfte da unten. Etwas eleganter haben es die Kreter gemacht, die Minoer. Da gab es diese Stierspiele. Die haben nicht den Stier getötet, sondern da ging es darum, das das war ja wirklich eine Einweihungsschulung, um die es ging, dass man die Stiere auf den Einzuweihenden, oder einen wilden Stier auf den losgelassen hatte und er musste sich in eleganter Form über die Hörner des Stieres schwingen. Das heißt, der Stier kommt auf ihn zu, und er musste im rechten Moment, wenn der praktisch so weit vor ihm ist, packen bei den Hörnern und einen Salto drüber machen. Das haben natürlich eine Reihe nicht überlebt.

Den Stier bezwingen: eine Einweihungsschulung vergleichbar den ägyptische Einweihungsriten 1:15:12

Aber ja, ich meine, in der ägyptischen Einweihung ist das ja dann auch oft so, dass die Einweihungsschüler durch die Prüfungen, die als Vorbereitung zur eigentlichen Einweihung stattgefunden haben, dass da ein nicht so kleiner Teil dabei umgekommen ist. Weil das Prüfungen die härteste körperliche Ansprüche gestellt haben. Und ganz bewusst den Einweihungsschüler schrittweise sich steigernd in Lebensgefahr gebracht haben. Ich habe das im ersten Vortrag schon erzählt, bis dann die große Einweihung kam, dass er in diesen dreieinhalbtägigen todesähnlichen Schlaf versetzt wurde. Wo wirklich eine solche Lockerung des Geistig-Seelischen und sogar der Lebenskräfte stattfindet, dass eine Art traumartiger Einblick in die Welt jenseits des Todes möglich wird. Das war der Sinn dieser Entwicklungsriten. Und das ging eben damals nur so, dass man den Menschen wirklich an den Rand des Todes brachte. Ganz real. Für heute ist das natürlich nichts mehr. Also alles was in die Richtung geht, ist heute komplett verfehlt. In diese Richtung wirken zum Beispiel auch Drogen. Drogen wirken auch in diese Richtung.

Anmerkung einer Zuhörerin: "Aber wenn man auch nichts isst, ist es ja dann auch so ein eigener Zustand!"

Ja. Ganz genau. Ganz genau. Und daher ist also ein gewisses Maß halten, aus dem bewussten Entschluss des Ich ist natürlich absolut gut. Aber strenge Askese, also bis zum sich Herunterhungern oder was, um sich jetzt geistig zu entwickeln, ist heute ganz schädlich. Jedenfalls körperlich sowieso schädlich und für die geistige Entwicklung führt es sicher in die falsche Richtung. Weil was wird geweckt nämlich in Wahrheit durch überzogene Askese? Es werden die Begierden nämlich nicht abgetötet, sondern geweckt. Nach äußerlich unterdrückt man es zwar immer mehr und mehr. Aber man drückt sie in Wahrheit hinunter. Und da drunten wachsen sie. Nicht wahr, man kennt das, wenn man jetzt ein paar Tage Hunger gelitten hat, dann stürzt man sich mit einer ziemlichen Gier auf das Essen drauf. Und selbst wenn der Asket es jetzt ein Leben lang schafft, diese Triebe zu unterdrücken, aber sie wachsen im Untergrund. Er schult vielleicht seine Kraft, sie niederzuhalten. Aber da im Untergrund züchtet er eigentliche eine, wie soll ich sagen, eine triebhafte Atombombe heran.

In der heutigen Zeit geht es weniger darum, die Triebkräfte zu unterdrücken, als darum sie zu verwandeln. Das heißt auch sich ihnen seelisch zu stellen 1:17:45

Anmerkung einer Zuhörerin: "Das ist auch so beim Alkohol...."

Ja, richtig. Ja, ja. Das kann dann zum Ausbruch kommen. Und heute in unserer Zeit geht es in jedem Fall darum, nicht diese Triebkräfte zu unterdrücken, sondern wirklich zu verwandeln. Und das heißt auch, sich ihnen zu stellen. Aber jetzt eben nicht durch die körperliche Herausforderung, so wie es in der ägyptischen Zeit war, da war das praktisch das Grundprinzip. Sondern jetzt wirklich auf rein seelischem Gebiet. Im rein Seelischen. Das muss ich wirklich jetzt da drinnen in mir mit mir selber abmachen. Und auch den Mut zu haben, halt immer weiter hinunter zu schauen, was da schlummert. Und wir haben, ja Gott sei Dank oder weiß ich nicht - aber es ist ein Faktum - in der Regel als durchschnittlicher Mensch von heute keine leiseste Ahnung davon, was da unten unter der Schwelle des Bewusstseins schlummert. Bei jedem Menschen. Also außer er ist schon so ein großer Eingeweihter, dass er das alles schon hinter sich gebracht hat. Aber das ist wirklich bei wenigen der Fall.

Und daher sagt Rudolf Steiner gerade für unsere heutige Zeit: Es gibt keinen Menschen auf Erden, vielleicht ein paar Eingeweihte ausgenommen, die das in den Griff schon bekommen haben, der nicht zu den abscheulichsten Taten, die man sich nicht einmal vorstellen kann, fähig sein kann. Und was da an der Oberfläche ist, ob er oberflächlich im bürgerlichen Privatleben oder Zivilleben, ein sehr kultivierter, natürlich sehr moralisch scheinender Mensch ist und es auch tatsächlich seinen Handlungen nach ist. Das hindert nicht daran, dass unter Umständen in einer bestimmten Situation diese Kräfte von unten durchbrechen können. Und er keine Herrschaft darüber hat. Das heißt, er ist denen dann hilflos ausgeliefert.

Das Hervorbrechen unbeherrschbarer Triebkräfte hintanzustellen setzt die bewusste Tätigkeit aus dem eigenen Ich voraus, d. h. Bewusstsein auf die seelisch-geistige Innenwelt zu lenken 1:20:00

Frage einer Zuhörerin: „Und was kann ihn dann wirklich daran hindern, dass das zum Ausbruch kommt?"

Naja. Nur die bewusste Tätigkeit aus dem eigenen Ich. Und das ist eben die heutige Aufgabe. Diesen Kräften bewusst entgegenzutreten. Und da fängt schon also an jetzt, die Blickwendung vom bloßen Bewusstsein nach der Außenwelt - die eben bei den Ägyptern begonnen hat - Bewusstsein zunächst einmal tatsächlich nach der seelisch-geistigen Innenwelt auch zu lenken. Das ist einmal das Erste. Und sich daher auch auseinanderzusetzen mit den dunklen, aber sehr kraftvollen Impulsen, die da schlummern. Dunkel nennen wir sie deshalb, weil sie unterhalb der Schwelle des Bewusstseins sitzen. Deswegen sind sie dunkel. Also die haben keinen schwarzen Anstrich oder so was. Sondern sie sind deswegen dunkel, weil wir uns ihrer noch nicht voll wach bewusst sind und sie daher auch nicht unter unserer Herrschaft haben. Das ist der Punkt. Das Helle, Geistige, nennen wir eben das, was wir bewusst bereits aus der Kraft des Ich in der Hand haben. Wo eigentlich immer das Ich dieser Lichtpunkt ist, der seine Blitze aussendet und der die Seelenwelt jetzt erhellt. Einmal unsere Seelenwelt oder sogar die seelische Außenwelt, die es auch gibt. Da geht es dann noch weiter.

Das Astralische ist das Ungezähmte in uns, in das auch die Widersachermächte eingreifen. Diese Kräfte zu zähmen, dabei hilft uns die im Ich wirksame Christus-Kraft 1:21:27

Aber - da mit Bewusstsein tiefer hinein zu steigen, ist heute eine wichtige Sache. Weil wenn wir das nicht tun, dann ist auch das geistige Bewusstsein, das für die seelische Außenwelt oder für die geistige Außenwelt erwacht, nicht davor gefeit, dass sich diese in uns unbewussten Impulse hinein mischen und das ganze Bild komplett verzerren. Also das heißt, wir müssen eigentlich, bevor wir ein klares Bild der geistigen Welt über und um uns bekommen, müssen wir ein klares Bild für unsere eigene geistig-seelische Konstitution sozusagen bekommen. Also was da drinnen alles wurlt. Und eben gerade im Astralischen, also das Astralische ist im Grunde das noch Ungezähmte, aus dem später einmal als erste Stufe etwas Seelisches und dann noch etwas Höheres wird. Aber die erste Stufe ist, dass wir diese dunklen Kräfte, die da unten sind, diese, ja tierischen oder sogar - man könnte sagen - übertierischen Kräfte, weil sie sind eigentlich stärker als die Kräfte, die bei den Tieren drinnen sind. Die sind noch stärker. Sie sind nur bei uns gefesselt, aber sie sind da. Sie sind da. Also das Potenzial, das da drinnen ist, ist stärker als die schlimmste äußere Bestie. Der Löwe in seiner Gier ist nichts gegen den Menschen in seiner Gier, wenn da wirklich die tiefsten Kräfte herauskommen. Daher ist der Mensch sozusagen die gefährlichste Bestie, die es geben kann potenziell. Und das Wichtige ist, weil wir heute ja in der Epoche stehen, wo wir das bewusst in den Griff bekommen müssen, da fängt es an jetzt gefährlich zu werden, weil bis jetzt haben höhere geistige Mächte geholfen, das eben da unten zu halten.

Ja, wir hatten sehr, sehr viel Hilfe, dass diese Kräfte, dass wir an diese Kräfte nicht vorsätzlich oder vorzeitig herankommen. Und diese Hilfe wird geringer oder zumindest in der alten Form geringer. Aber sie ist in einer viel höheren Art heute da, weil diese Kraft, ja die Christus-Kraft in unserem Ich wirkt. Die Ich-Kraft ist identisch mit der Ich-Kraft. Das habe ich jetzt x Mal schon vorgelesen, das ist die gleiche Vollmacht des Ich, die ich von meinem Vater erhalten habe. Das liegt da drinnen. Und das ist die einzige Kraft, die nämlich diese Kräfte da unten nicht nur unterdrücken, das heißt unter die Schwelle des Bewusstseins drücken kann, sondern verwandeln kann. Und das, dieser Impuls hat begonnen mit dem Erdenleben des Christus. Dass das überhaupt möglich ist, dass wir Menschen daran arbeiten können und dass überhaupt also die geistige Welt an diesen Kräften arbeiten kann, weil man muss denken, diese - wie soll ich sagen - verdorbene Astralität, die hängt ja zusammen mit der Wirkung der Widersacher-Kräfte. Die erzeugen eigentlich diese falschen Begierden. Da spielt der Luzifer eine Rolle, aber durchaus auch der Ahriman im Hintergrund.

Ursprünglich sind astralische Kräfte sehr weisheitsvolle Kräfte, die mit der Sternenwelt zusammenhängen. Sterne und Planeten sind geistige Wesenheiten, die allesamt von Christus, dem Weltenbaumeister, dem Vishva Karman bei den Indern, hervorgebracht wurden 1:24:49

Das heißt, diese Art von Kräften gibt es in der höheren geistigen Welt nicht. Die astralen Kräfte für sich sind ganz hohe, ganz weisheitsvolle Kräfte. Das Astrale, das heißt ja darum Astral, weil es mit der Sternenwelt auch zusammenhängt. Mit der wunderbaren Ordnung der Sternenwelt. Mit der Weisheit, die im ganzen Kosmos zu finden ist. Ich meine, man muss sich denken, da sind Milliarden und Abermilliarden von Sternen da draußen. Alles Kolonien geistiger Wesenheiten. Jeder Stern ist eine Kolonie geistiger Wesenheiten. Und man muss auch denken, die überwiegende Mehrzahl dieser Sterne hat wahrscheinlich auch Planeten. Und jeder Planet ist Wohnort geistiger Wesenheiten. Ob die auch physisch in Erscheinung treten oder nicht, ist ein ganz anderes Kapitel. Also ich rede jetzt nicht über die kleinen grünen Männchen, die Vielzitierten.

Aber mit Sicherheit sind also alle diese Sterne Wohnorte geistiger Wesenheiten. So groß ist der Kosmos. So groß ist die Kraft. Und das ist alles etwas, was letztlich tätig durch den Christus hervorgebracht wurde. Weil er ist der Weltenbaumeister, der tätige Weltenbaumeister. Der Vater ist der, der im Hintergrund schwebt. Aber der eigentliche Weltenbaumeister, der Vishva Karman, wie es die Inder nannten, ist der Christus. Und da gehört eben diese ganze kosmische Welt, diese riesige kosmische Welt dazu und wir sind mit dieser ganzen kosmischen Welt verbunden. Und die Seelenkräfte, die in diesem ganzen Kosmos wirken, die wirken auch in unserem Astralleib. Das muss man sich denken. Das Potenzial also steckt da drinnen.

Durch den Einfluss der Widersacherkräfte haben wir die Möglichkeit, unser Ich-Bewusstsein in Freiheit zu entwickeln 1:26:42

Aber - durch die Widersacher verfälscht. Weil die greifen also da hinein. Der Luzifer greift besonders den Astralleib an, der Ahriman besonders den Ätherleib und in der Kombination sind sie besonders tückisch mit Schädigungen bis in den physischen Leib hinein. Eben die Zerstörungskraft, die bis in den physischen Leib wirken. Aber - die zugleich uns die Möglichkeit geben, hier jetzt unser kleines Ich-Bewusstsein einmal zu entwickeln. Also gerade indem wir während unseres Lebens im Grunde unseren Körper vernichten und die Gottheit das sozusagen zulässt ja in Wahrheit, man muss sich denken, jetzt ist der Mensch das, was nach einer ganz langen Schöpfungsgeschichte - die ja nicht nur die Erdenentwickelung, sondern noch drei planetarische Entwicklungsstufen vorher umfasst, wir haben das schon angedeutet - das alles gipfelt darauf, dass so ein Menschenleib entstehen kann. Ein Menschenleib, in dem ein menschliches Ich sich seiner selbst in Freiheit bewusst werden kann. Und die Gottheit lässt aber zu, damit wir unser Ich-Bewusstsein entwickeln, dass wir diesen Körper jetzt während unseres im Grunde kurzen Erdenlebens letztlich vernichten und gerade dadurch unser Ich-Bewusstsein haben. Das fängt ganz früh an, da überwiegen zwar noch die Aufbaukräfte, aber es sind schon am Anfang die Abbaukräfte auch da. Also der Tod liegt uns nicht nur erst in der Wiege, sondern schon vorher liegt er in uns drinnen. Da fängt das bereits an und geht halt bis zum Lebensende durch. Aber dadurch entwickeln wir das Ich-Bewusstsein.

Und aus dem heraus müssen wir heute anfangen diese unteren astralen Kräfte, die so mächtig sind, wie diese Astralität draußen, zu verwandeln. Es darf einen jetzt die Größe nicht irritieren. Dass man sagt, ja das ist unser kleiner Astralleib und wie groß ist der Kosmos? Nur vom Seelisch-Astralischen gesehen hat das mit der Größe überhaupt nichts zu tun! Seelisches ist nicht etwas Räumliches. Das ist nicht da oder dort. Es ist nicht der ganze Kosmos mehr Seelisches, als das, was da drinnen ist. Der Mikrokosmos ist ein vollständiger Kosmos. Wir haben alle Kräfte da drin zur Verfügung, die draußen auch sind. Die sind im Astralleib drinnen. Darum heißt er so!

Also man kann konkreter sagen, der Mikrokosmos, also diese kleine Welt in uns, ist nicht einfach nur ein Spiegelbild von dem draußen, sondern da ist dasselbe Kräftepotential drinnen in Wahrheit. Weil sonst würden sie überhaupt nicht existieren? Es ist eben nicht nur ein Spiegelbild, sondern es ist eine Realität. Und trotzdem kann sie jeder Mensch, jede Individualität halt in seiner eigenen, individuellen Form gebrauchen bis zu einem gewissen Grad. Das ist der Sinn, damit wir auch diesen eigenen Kosmos bekommen, diese eigene Innenwelt. Also daher ist der Mikrokosmos, ist eigentlich dieser schwarze, dumpfe Innenraum, den erstmals die Ägypter begonnen haben zu erleben. Das ist sozusagen der, könnte man sagen, der Kosmos, bevor noch irgendetwas drinnen war. Ein Leerraum der entsteht.

Stimmt im Übrigen ganz überein mit der Schöpfungsgeschichte. Namentlich so, wie es die Kabbalisten schildern. Die schildern das vielleicht fast deutlichsten. Die das so schildern wie, dass durch die Gottheit eine Art Raum frei gegeben wird, in dem sich die Schöpfung entfalten kann. Und dann schlägt ein geistiger Funken ein in diesen Leerraum. Dieser Leerraum beginnt sich zunächst einmal zu füllen mit ungeheuren Triebkräften, könnte man sagen. Und in das schlagen aber immer wieder geistige Impulse ein, die beginnen das zu ordnen und in diesem Sinne zu zähmen. Aus dem geht die Schöpfung hervor. Die ganze Schöpfung draußen. Und genau dasselbe im kleinen Abbild spielt sich aber bei der seelischen Entwicklung ab.

Weil R. Steiner schildert in seinen Vorträgen über die Schöpfungsgeschichte auch sehr deutlich das erste Kapitel der Genesis, also diese Schöpfungsgeschichte, das sogenannte Sechs-Tage- Werk spielt sich nicht äußerlich ab. Braucht man nicht glauben, dass da, wenn von Sonne und Mond die Rede ist, das gemeint ist, was wir heute draußen sehen. Sondern das spielt sich rein in der Seelenwelt ab, in der Astralwelt. Aber im Großen. Und wenn wir unser Seelisches entwickeln, spielt sich das in unserem Inneren ab. Da ist einmal dieser Astralkosmos, das ist dieser dunkle Leerraum in uns, dieser dunkler Raum, den wir in uns, dieser Innenraum, dieser seelische Innenraum, den wir empfinden. Und da blitzt immer wieder etwas hinein. Und das kommt aber jetzt aus unserem Ich. Das blitzt hinein. Und das erhellt nicht nur den Raum, sondern es beginnt ihn zu gestalten.

Jeder Gedanke, den ich mir bilde, ist eine Begegnung mit einer geistiger Wesenheit 1:32:31

Frage einer Zuhörerin: "Das Geistige hat im Ich auch einen Einfluss?"

Das Geistige ist das Ich. Das ist das, was da hinein schlägt. Weil Geistiges besteht immer aus individuellen geistigen Wesenheiten. Und da ist immer so etwas wie ein Ich-Prinzip drinnen. Ich meine, man kann das auf höhere Stufe stellen, aber es bleibt trotzdem dieses Individuelle drinnen. Weil es gibt nicht ein Geistiges, das so - wie soll ich sagen - nebulos im Geistkosmos herum schwebt. Oft in der Philosophie hat man gesprochen von der Ideenwelt. Die Ideenwelt schwebt irgendwo herum. Da merkt man aber nur dann, sie haben nur die alleräußerste Schicht. Sie merken nicht, dass eigentlich hinter jeder Idee oder hinter jedem Gedanken, den ich bilde, hinter jeden Denkvorgang, den ich erlebe, eine geistige Wesenheit steckt. Ich begegne einer geistigen Wesenheit. Jeder Gedanke, den ich bilde durch mein Denken, weil die geistige Tätigkeit ist das Denken, nicht der fertige Gedanke, aber der ist halt das Produkt der geistigen Tätigkeit. Aber im Grunde passiert dabei nichts anderes, als dass ich eine geistige Wesensbegegnung habe. Mit einem geistigen Wesen mich komplett verbinde. Und aus dem heraus schaffe ich den Gedanken. Das ist sozusagen die Spur, die davon zurückbleibt im Bewusstsein. Also das heißt, in Wahrheit ist im Denken immer schon die Intuition drinnen. Ohne die geht es gar nicht. Eins werden mit einem geistigen Wesen. Das sind die wirklichen Begegnungen im Geistigen. Aber das heißt immer Begegnung mit einem anderen geistigen Wesen. Einswerden letztlich mit ihm. Für einen Moment. Im Geistigen spielt sich sowieso alles in der Zeitlosigkeit ab. Darüber haben wir ja schon am Anfang gesprochen. Im Augenblick. Im Moment.

Unsere Aufgabe heute ist es, bewusst dieses Seelische, das durch die Widersacher verdorben wurde, in den Griff zu bekommen, das negative Astralische aufzulösen und positives Astralisches zu schaffen 1:34:42

Ja. Also wir müssen heute bewusst dieses Seelische, das durch die Widersacher in gewisser Weise verdorben wurde, bewusst in den Griff bekommen und verwandeln, das Negative aufzulösen und stattdessen ein positiv Astralisches wieder zu schaffen. Das ist die erste Stufe, die noch aber halb oder dreiviertelviertel oder siebenachtel unbewusst erfolgt. Das beginnt bereits bei der Seelenentwicklung. Da fängt das bereits an. Also dass wir anfangen, uns unseren eigenen Innenwelt-Kosmos zu bilden, in dem die Schöpfungsquelle unser eigenes Ich ist. In dem aber wir dann vorfinden trotzdem schon alles mögliche Seelische. Seelenkräfte, die halt zunächst einmal von außen hereingenommen sind. Und jetzt aber zumindest von uns verwandelt werden. Weil noch ist unser Ich - jedenfalls zur ägyptischen Zeit war das insbesondere der Fall - nicht soweit, dass es eigenes Astralisches hätte schaffen können. Sondern das wird von außen genommen, das bildet jetzt einmal zunächst diesen dunklen Untergrund, aber es fängt an, das Ich langsam hineinzublitzen. Ganz langsam. Ganz langsam.

Und die erste Frucht ist eben, dass als Gegenschlag zu dieser Innenwelt, zu diesem Mikrokosmos in mir, die Außenwelt da ist. Und das nennt R. Steiner jetzt die Empfindungsseele, was da entsteht. Da ist einerseits die sinnliche Wahrnehmung, die Sinnesempfindungen, die sich jetzt beginnen in Farben schon zu differenzieren. Bei den Ägyptern stark. Dass das bei den Griechen wieder scheinbar jetzt wieder zurückgeht und das mit der Blaublindheit, dass das also ein bisschen verdunkelt wird, hat einen interessanten Grund, das ist ein gewisser ahrimanischer Einschlag, der hineinkommen muss, damit dann später die Verstandesseele entwickelt werden kann. Gerade dort bei den Griechen. Das nur so als Unterton.

Aber die Griechen müssen also diese Empfindungsseele entwickeln und das heißt, sie müssen kämpfen jetzt mit diesen, durch die Widersacher verdorbenen Seelenkräften, die da unten sind, oder sagen wir besser astralische Kräfte. Und sie müssen diese astralischen Kräfte zu eigenen Seelenkräften umwandeln. Das ist der Punkt.

Frage einer Zuhörerin: "Und das kommt dann darauf an, welche eigenen Kräfte ich entwickelt habe?"

Ganz genau. Ganz genau. Und äußerlich kommt es dann in den Stierkulten und so weiter zum Ausdruck. Und das ging aber damals eben noch nicht wirklich, dass man sich jetzt in der Meditation hinsetzt und das rein innerlich macht, das ging in der Form nicht. Jetzt ist es eigentlich der Weg, der notwendig ist. Aber das beginnt als Möglichkeit in Wahrheit mit der Zeitenwende. Jetzt beginnt also die Möglichkeit nämlich wirklich aus dem Ich heraus diese Kräfte eben aufzulösen, umzuwandeln und sogar neue schöpferisch hereinzubringen.

Aber gehen wir zurück zur Empfindungsseele der Ägypter. Also die haben das jetzt, diese Innenwelt, in der ein starker Kampf stattfinden muss, aber als Erlebnis haben sie noch vor allem einmal als Gegenschlag die Außenwelt. Und daher auch das, was sie seelisch innerlich erarbeiten müssen, machen Sie durch Tätigkeiten in der Außenwelt. Das heißt, zum Beispiel diese Stierkulte, diese Dinge. Der Ägypter hätte sich nicht in eine Ecke setzen können und ich meditiere jetzt, dass ich meine Seelenkräfte in die richtige Reihe kriege. Sondern er braucht diese äußere Schulung. Und am Ende ist er vielleicht so weit, dass er es jetzt rein innerlich kann. Aber selbst da muss noch das Ich letztlich ausgeschaltet werden, dass er jetzt zum wirklichen Einweihungserlebnis kommt. Also er macht es äußerlich!

Das ist auch die Zeit - ich habe das eh glaube ich das letzte Mal erwähnt - wo die Klageweiber aufkommen. Ein Mensch ist gestorben und jetzt sind Klageweiber da, die schluchzen und heulen und die haben vielleicht mit der Familie gar nichts zu tun unter Umständen. Dass äußerlich diese dramatische Stimmung da ist. Und die saugt man gewissermaßen hinein und verinnerlicht sie. Der Punkt ist nämlich der, dass die Menschen eigentlich aus diesem Außenerlebnis das Seelische hineingezogen haben oder dadurch das Seelische ausgebildet haben. In späterer Zeit, waren die Klageweiber dann, die hast du für Geld bestellen können und dann ging es vor allem darum, bekannt zu machen, ja, diese bedeutende Persönlichkeit ist gestorben, es müssen alle wissen. Aber das ist eigentlich schon die Verfallszeit.

Anmerkung einer Zuhörerin: "Aber die Musik ist jetzt auch eigentlich auch prägend dafür!"

Ja, natürlich. Natürlich auch das. Auch das heute, wenn man irgendeine Trauermusik oder so etwas spielt oder den Trauermarsch. Es ist immer, es klingt nach. Die ganzen Begräbnisrituale im Grunde und die Feierlichkeit, die damit verbunden ist, ist im Grunde immer noch ein Rest aus dieser alten Zeit. Wir brauchen etwas draußen, damit wir es innerlich ganz stark erleben. Wenn wir das draußen nicht hätten, dann würden wir das nicht stark genug erleben. Es wirkt immer noch nach. Es wird sich verändern in der Zukunft. Es wird sich ganz verändern.

Anmerkung einer Zuhörerin: "Aber manche feiern mit weißen Kleidern, dass er erlöst ist und es ihm besser geht!"

Ja, ja. Natürlich. Also bei den Indern zum Beispiel war das immer üblich einmal, die haben immer den Tod gefeiert als Befreiung in die geistige Welt. Und daher wird es mit weißen Gewändern gefeiert. Das ist nichts Negatives. Ich meine, bei uns hat man mit einem gewissen Recht das Bewusstsein halt für die dunkle Seite, weil die halt notwendig ist, um dieses Wachbewusstsein zu fördern. Und in Wahrheit haben wir daher sehr stark den Blick für diese dunkle Seite entwickelt. Auch in unserer Kultur, gerade heutzutage, ich meine, wir umgeben uns mit lauter ahrimanischen Dingen, wie sie vor nur ganz kurzer Zeit nicht da waren. Ich meine, man denke, was allein durch die Technik in die Welt gekommen ist. Damit sage ich jetzt gar nichts Negatives. Weil es ist eine Notwendigkeit in unserem Zeitalter, eben um das Bewusstsein zu entwickeln.

Aber im Grunde ist alles, wo man das Auge hinauswirft, sicher es gibt Pflanzen oder sonst was dazwischen, aber überall rundherum die Technik. Und die gibt es so in dem Ausmaß seit dem 19. Jahrhundert. Ich meine, so Ende 18. Jahrhundert fängt es ein bisschen an mit den Dampfmaschinen und Ding. Vorher war das alles, ja primitive mechanische Geräte gab es schon bei den Römern, aber im Prinzip ist das nicht vergleichbar mit dem, was jetzt seit Mitte des 19. Jahrhunderts dann zu dieser riesigen Industrie ausgewachsen ist und überall zu finden ist. Und das ist alles Ahrimanisch, ist alles Ahrimanisch. Deswegen kann man es trotzdem benutzen. Muss man sogar, wenn man unserem Zeitalter gerecht werden will. Aber das ist alles das Tote. Das ist alles das Tote. Das ist die Schlacke. Da wende ich den Blick auf die Schlacke, die zurückbleibt und nicht auf das Geistige, das aufsteigen kann. Das ist nämlich auch ein Aspekt dieses ahrimanischen Impulses, den wir heute haben, dass genau der notwendig ist, dass wir im Geistigen aufsteigen können. Er ist notwendig!

Unsere Aufgabe heute ist es, diese dunklen Kräfte zu erkennen und bewusster mit diesen Begierdekräften umzugehen. Damit beginnen wir den Luzifer zu erlösen und wenn wir das auch auf die abtötenden ahrimanischen Kräfte beziehen, dann arbeiten wir bereits mit Hilfe des Christus am Ätherleib 1:42:55

Also wir sollten uns nicht wünschen, ja, bitte, besiegt schnell den Ahriman für uns, dass wir ihn los haben, dann sind wir frei für das Geistige. Dann sind wir gerade nicht frei dafür. Dass wir frei ins Geistige gehen können, braucht genau diesen Gegenschlag. Nur durch diese immer vorhandene Finsternis im Untergrund haben wir die Möglichkeit, uns frei aus eigenem individuellem Ich-Impuls dem Geistigen zuzuwenden. Jeder dunkle Gegenschlag gibt uns da eine Möglichkeit dazu. Das ist das Wichtige! Also das, was damals die Urperser als Gegensatz von Licht und Finsternis, von Ormudz und Ahriman hatten, das spielt sich heute da drinnen ab. Oder muss sich da drinnen abspielen. Dass wir ununterbrochen uns mit beiden auseinandersetzen.

Und dadurch aber auch die Aufgabe dieser dunklen Kräfte erkennen und bewusster mit ihnen umgehen. Damit beginnt die Erlösung dieser ahrimanischen Kräfte. Nicht wahr, indem wir überhaupt mit diesen Begierdekräften in uns umgehen und durch das Ich umzugestalten, beginnen wir den Luzifer zu erlösen in Wahrheit. Und wenn wir das jetzt also auch auf diese abtötenden ahrimanischen Kräfte beziehen, dann arbeiten wir bereits mithilfe des Christus am Ätherleib, weil da schießt der Ahriman vor allem seine Impulse hinein, da tötet er etwas, da nimmt er dem Möglichkeiten, Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, die aber notwendig sind, eben um das Bewusstsein zu entfalten. Und wir müssen lernen, das zu heilen. Und wir können es nur heilen und damit Ahriman erlösen, in dem Grad, in dem wir es schaffen, ohne Zerstörung eines körperlichen Werkzeugs dieses Bewusstsein zu behalten. Das ist der Punkt.

Zuhörerin: "Ohne?"

Ohne Werkzeug dieses physischen Leibes namentlich. Nicht wahr, wir haben - habe ich am Anfang erwähnt das Ich-Bewusstsein dadurch im Grunde, dass wir unseren Körper zerstören bis ins Physische hinein. Natürlich wird das Ätherische angekränkelt auch. Und alles wird betroffen. Aber wir zerstören ihn bis ins Physische hinein. Und das hilft uns, weil das Physische jetzt dadurch als unser Spiegel für unser Ich dienen kann, dass wir überhaupt zu einem Bewusstsein einmal kommen. Aber wir kommen dadurch erstens einmal eh nicht zum Bewusstsein des wirklichen Ich, sondern nur seines Spiegelbildes. Das heißt, das, was wir im Alltagsleben unser Ich nennen, ist eigentlich nur ein Spiegelbild. Und ein Verzerrtes auch noch dazu. Und - aber es ist eine Vorbereitung zumindest, dass wir merken, aha, da ist wer. Wir sehen zwar nur das da drinnen, aber warte, da irgendwo ist auch was. Wir können es halt jetzt physisch angreifen da. Aber geistig können wir nichts angreifen. Aber indem wir da schauen, merken wir, aha, irgendwer schaut auf das Spiegelbild. Das ist das Erste, was einem auffallen kann.

Dazu müssen wir aber erst wissen, dass das, was wir als Ich im Alltagsleben wahrnehmen oder erleben, dass das nur ein Spiegelbild ist. Das ist schon der erste Aufwachprozess, ja, aber ich bin nicht das Spiegelbild, sondern ich schaue mich nur da drin, aber ich bin etwas anderes als der Spiegel. Daher, wie R. Steiner gesagt hat, der richtige Ausspruch des Philosophen Descartes, der gesagt hat: "Ich denke, also bin ich!" wäre die Erkenntnis zu sagen: Ich denke, also bin ich nicht! Weil das, was ich als Ergebnis meines Denkens sehe, ist nur ein Spiegelbild. Unsere ganzen Gedanken sind nur ein Spiegelbild und nicht die geistige Realität. Und das sind alles die Punkte, wo wir also in der Aufgabe drinnen sind, die wir heute haben: Die Bewusstseinsseele zu entwickeln und sie aufs Geistige zu richten.

Die Bewusstseinsseele, soweit wir sie aufs Äußere nur richten, ist sozusagen der letzte Schliff dessen, was wir in der ägyptischen Zeit begonnen haben. In der ägyptischen Zeit war dieses Bewusstsein für die Außenwelt schon da, aber natürlich lange noch nicht so wach, wie wir es heute haben. Heute ist es extrem wach und heute fühlen wir uns also total stark getrennt davon. Auch noch nicht hundertprozentig, merkt man zum Beispiel an dem, was wir gerade besprochen haben, die Trauergebräuche oder so, die Feier die draußen ist, die Musik, die spielt und das ganze Brimborium rundherum, das uns immer noch hilft es eigentlich innerlich zu erleben. Stark genug zu erleben.

Es ist eine große Hilfe des Christus, dass er uns nur das zumutet, was wir auch bewältigen können und das andere noch unten in der Verdrängung hält 1:48:03

Anmerkung einer Zuhörerin: "Oder in der ganzen Tiefe wahrzunehmen, weil am Anfang verdrängt man es ja. Und das Begräbnis, was dann das Endgültige ist, wenn ein wirklich geliebter Mensch stirbt, verdrängt man es ja. Also bei mir war das so, weil ich schon ein paar Leute verloren habe, die ich doch sehr geliebt habe, aber das Begräbnis ist für mich dann so, huch, weil das ja später ist."

Ja, ja, natürlich. Natürlich. Es wird auch lange noch seine Bedeutung behalten. Aber es wird irgendwann einmal verschwinden. Nämlich dann, wenn wir das wirklich ganz in unserem rein seelischen Erleben bewältigen können. Und das geht eben nur dann, wenn man stufenweise bis hinuntersteigen und genau dann diese Dinge, die wir jetzt verdrängen oder die sogar von höheren Mächten verdrängt wurden, die da unten sind, weil die gefährlichsten Sachen - soweit hilft uns die geistige Welt immer noch ohne unser Zutun - dass die Kräfte, mit denen wir überhaupt noch nicht fertig würden, im Normalfall, wenn nicht die Widersacher total störend eingreifen, dass die da unten gehalten werden. Weil das sind nicht wir, die das schaffen, die da unten zu halten. Sondern da haben wir Hilfe dabei, dass die unten gehalten werden. Und auch das ist eine der ganz großen Hilfen, die der Christus gibt, dass er eigentlich uns immer nur das zumutet, was wir auch bewältigen können. An dem wir zwar vielleicht auch scheitern können, dann müssen wir halt einen nächsten Durchgang machen. Aber was wir bewältigen können.

Wir werden also schicksalsmäßig normalerweise nicht mit etwas konfrontiert, das wir nicht als Individualität, als geistiges Wesen, bewältigen können. Das ist der Sinn der ganzen Übung. Und es geht aber auch immer ganz individuell und ich sage jetzt fast logischerweise bis an die Grenze des Erträglichen. Und das ist auch ganz individuell. Weil was für den einen fast unerträglich ist, ich für den anderen brrr, das irritiert ihn gar nicht. Das ist ganz interessant. Es hängt eben einfach mit dem individuellen Schicksal zusammen. Es können nur manchmal ein bisschen die Widersacher natürlich hineinspucken und dann kann es gefährlich werden. Vor allem dann, wo das Individuelle ausgeschaltet wird. Also der Christus kann uns insofern sehr stark dort helfen, wo das Ich zumindest eine gewisse innere Bereitschaft hat, sich zu entwickeln. Dort, wo das Ich diese Bereitschaft überhaupt nicht hat, da haben die Widersacher doch eine ziemliche Kraft, hinein wirken zu können. Und das kann dann natürlich auch in so Massenereignissen herauskommen.

Am gefährlichsten sind der fanatische Idealismus und der Patriotismus 1:51:09

Also wenn man nur denkt, was in der Nazi-Zeit passiert ist und so. Da ist das ja laufend passiert, dass Menschen systematisch dort hingeführt wurden, dass diese Kräfte herausgeholt werden. Das ist ganz raffiniert. Die bei jedem schlummern drinnen. Und wo viele es nicht geschafft haben, dem zu widerstehen. Aus verschiedensten Gründen, aus Angst, aus allem Möglichen heraus. Aus Patriotismus oder aus idealistischen Motiven heraus. Ich meine, zum Beispiel idealistische Impulse, wenn sie nicht aus ganz klarem nüchternen wachen Ich-Bewusstsein kommen, können brandgefährlich sein. Die gefährlichsten Leute sind die aus fanatischem Idealismus. Die Weltverbesserer aus fanatisch-idealistischen Impulsen, das sind die Gefährlichsten. Weil die wollen es erzwingen, dass die Welt nach dem, was sie glauben erkannt zu haben, geändert wird. Und sie erkennen nicht ihre eigene Einseitigkeit. Aber sie glauben mit der tiefsten Faser ihres Herzens daran, das bringt den Frieden und die Liebe der Welt. Und in Wahrheit bringt es den Untergang oder zumindest einen großen Schaden. Also da gehört ein ganz waches Bewusstsein dazu.

Weil nämlich dieser - wie soll ich sagen - fanatisierte Idealismus, ist ja kein wirklicher Idealismus, sondern etwas total Luziferisches. Es ist eine unheimliche Begeisterung, wie toll das ist, man begeistert sich eigentlich an der eigenen Idee, die man gefunden hat. Und merkt nicht, und sieht nicht, dass die Idee in Wahrheit ein ziemlicher Krüppel noch ist und die Wirklichkeit nicht annähernd erfasst. Und wir neigen heute unheimlich dazu, weil ein Punkt eben der Bewusstseinsseelenentwicklung, sofern sie nach außen gerichtet ist, nur am Äußeren hängt, neigt unheimlich zur Illusion. Wir tauschen uns über die Wirklichkeit. Wir sehen sie eigentlich gar nicht. Und diese Täuschung wird jetzt in riesig schnellen Schritten immer stärker. Unsere ganze Technik trägt mit dazu bei. Man muss denken, die Nachrichten, die Berichte über Video, über Fernsehen, die hereinkommen, von Orten der Welt, die wir nie gesehen haben, deren Verhältnisse wir in Wahrheit überhaupt nicht kennen, aber wir sehen ein paar Bilder und die prägen das, was wir empfinden dabei. Und das hat mit der Wirklichkeit, die sich dort abspielt, überhaupt nichts zu tun. Selbst wenn das Bild, das Foto, wirklich dort aufgenommen wurde, weil das sagt überhaupt nichts, weil es aus dem Zusammenhang herausgerissen ist. Und abgesehen davon, dass ja in der Richtung wahnsinnig viel manipuliert wird. Das ist ganz stark.

Unterschied Realität und Wirklichkeit: Realität ist das Abgestorbene aus der Vergangenheit, Wirklichkeit ist das, was wirkt, das Werdende, das in die Zukunft führt 1:54:11

Aber wir haben es auch so. Wie wach leben wir draußen, nämlich der Naturwelt gegenüber als moderne Menschen, wir stehen immer der Technikwelt hauptsächlich gegenüber. Viele Menschen zumindest. Oder wir schauen es an durch das Mikroskop oder durchs Fernrohr. Das ist schon nicht mehr die unmittelbare Beziehung dazu. Das ist schon die Spiegelung der Spiegelung der Spiegelung in Wahrheit. Und damit beginnt aber nämlich interessanterweise das, was wir jetzt noch als Realität empfinden - wir haben das letzte Mal auch den Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit auseinander gehalten - die Realität ist das Abgestorbene der Vergangenheit, die Wirklichkeit ist das, was wirkt und in die Zukunft führt. Aber trotzdem. Auch wenn wir uns dem allen gegenüberstehen, es versinkt für uns immer mehr in Illusion. Der Tisch, den ich da angreifen kann ist noch eine Realität wenigstens, keine Wirklichkeit keine richtige, aber immerhin eine Realität. Aber wenn ich jetzt anfange da hineinzuspintisieren in die Atomwelt, Molekülwelt, und sie mir vorstelle, wie ich solche Dinge, dann komme ich in eine vollkommene Illusion hinein. Ich meine, die Naturwissenschaft ist mittlerweile so weit, dass sie diese Illusion erkannt hat, dass sie erkannt hat, das ist nur eine Illusion. Die Bilder, die wir uns machen, die machen wir uns.

Das heißt, wir lagern immer mehr unsere selbstgemachten seelischen Vorstellungsbilder über die Wirklichkeit drüber. Wie war das? Ja, bis heute sagen das noch viele, ja, das Wirkliche sind eigentlich die Atome dahinter. Das war so im 19. Jahrhundert das Gängige und es hat sich bis heute noch sehr viel gehalten davon. Also nur die wirklichen Physiker wissen, dass es ein bisschen anders ist, nämlich wenn ich unter Atomen nicht nur einem Namen nehme, sondern halt wirklich mir kleine Dinge vorstelle. Aber wie viele glauben denn draußen noch daran, dass das so ist? Und das hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Und sie glauben, ich muss das, was ich vor mir habe, erklären aus diesem Unwirklichen. Aus dem noch Unwirklicheren, als das ist. Weil die Atome sind nicht einmal eine Realität. Sie sind vielleicht eine Wirklichkeit, weil etwas wirkt. Aber Realität sind sie keine. Dinge sind sie nicht.

Und das Denken will aber sozusagen oder dachte zumindest lange, bis auf die Spitzenphysiker, ich erkläre diese großen Dinge durch diese kleinen Dinge, die ich Atome nenne. Und glaube dann eine Erklärung zu haben, indem ich sie auf das Grundsätzliche und Echtere zurückgeführt hätte. Und das ist aber eben nicht der Fall. Solange ich also in der Vorstellung überhaupt befangen bin, dass was in Wahrheit nur, recht handgreifliche Illusion, Spiegelbild ist, ist die Wirklichkeit. Das ist es aber nicht. Es ist das bis zur Realität verdichtete Spiegelbild. Aber nicht mehr. In Wahrheit nicht vorhanden. Nein, für die Praxis können wir es schon brauchen, Gott sei Dank, sonst täte ich da nicht sitzen können darauf.

Aber wir betrachten jetzt die Dinge aus der geistigen Perspektive. Und aus der sehen wir, dass das eigentlich nur eine vorübergehende Art ist, die Welt zu erleben, damit wir bestimmte Seelenfähigkeiten entwickeln. Also wir haben jetzt die Spiegelung gehabt von der ägyptischen Zeit mit der Empfindungsseele, wo jetzt immer mehr das Bewusstsein hinauswächst in die sinnliche Welt und dann seine Blüte im Grunde erlebt in der griechisch-lateinischen Zeit. Da sind wir dann wirklich im sinnlichen Genuss draußen, vor allem bei den Römern dann auch, vor allem im Genuss. Dass man wirklich diese sinnliche Welt draußen - die Griechen finden Sie vor allem ästhetisch und schön und gut auch irgendwo, wenn sie sich in ihrer idealen Gestalt zeigt. Bei den Römern wird es dann insbesondere das Mittel zum Genuss sehr stark, wenn man ehrlich ist. Also da geht es schon ein bisschen weiter. Aber da ist eigentlich ein Höhepunkt. Und dann geht es eigentlich in gewisser Weise weg schon wieder.

Durch das ganze Mittelalter hindurch ist überhaupt diese Auseinandersetzung mit der Außenwelt sehr reduziert. Man sucht jetzt mehr eine gedankliche oder zuerst gefühlsmäßige Innenwelt, also gerade im Christentum kommt diese Verinnerlichung. Dieses innere Erleben. Der Glaube. Der Glaube ist, ich werde, im Gefühlsleben, in meiner Mitte habe ich die Gewissheit des Göttlichen. Ich erlebe sie. Und man erlebt sie, man erlebt es anders als heute normalerweise der Mensch. Weil heute sagt man, glauben, ja ich muss es glauben, weil ich es halt nicht wahrnehmen kann oder Ding. Der wirklich gläubige mittelalterliche Mensch hat da das Geistige sehr wohl erlebt konkret. Allerdings konnte er es nicht in klare Gedanken fassen. Aber dass es da ist und dass es wirkt, das war der Inhalt des Glaubens. Das war Wirklichkeit. Nicht Realität, sondern Wirklichkeit.

Und das geht, geht hinauf im Grunde bis zum Ende des Mittelalters. Hochblüte in der Scholastik. Eben so Denker wie Thomas von Aquin, der das ganz stark hat, aber auch ganz stark den Intellekt hat. Der aber natürlich an der Kippe ist in Wahrheit, dieses Erlebnis aus der Mitte zu ertöten. Das ist nämlich der nächste Schritt. Es beginnt genau dort. Der Thomas von Aquin ist deswegen so genial, weil er beides noch hat. Er hat diese absolute Glaubenssicherheit da drinnen und er hat aber auch den logisch gebildeten Verstand. Damit bringt er das, was jetzt die mittlere Epoche, die griechisch-lateinische Zeit - und die geht laut R. Steiner eben wirklich bis zum Beginn der Neuzeit, also bis zum Ende des Mittelalters, weil da alles noch ganz stark aus diesem Impuls gespeist ist - dort kommt es zur Blüte beim Thomas von Aquin. Diese Verstandes- und Gemütsseele. Das ist das, was diese mittlere Epoche entwickelt.

Also Ägypter: Die Empfindungsseele. Die griechisch-lateinische Zeit: Die Verstandes- oder Gemütsseele bzw. Verstandes- und Gemütsseele müsste man besser sagen, weil es total miteinander verbunden ist. Auch wenn ein Aristoteles ist, der mit der Logik beginnt und damit schon in genialer Weise im Grunde einen Vorgriff macht, auf das, was später kommen wird. Weil wenn ich nur logisch vorgehe, dann erstirbt es. Dann ist es wirklich nur mehr äußere Kombinatorik. Dann ist es das Denken, was man heute versucht mithilfe der Computer zu simulieren. Das passiert nur mehr auf Regeln, die ablaufen. Die sind völlig logisch. Und nach dem läuft es ab. Ich kann sogar eine Scheinkreativität erzeugen, indem ich einen Zufallsgenerator einbaue. Dann habe ich verschiedene Wege, wie es weitergehen kann. Der Computer wählt das aus. Wenn ich das ein paar Stufen hintereinander mache, ist das Ergebnis von außen her nicht mehr vorhersehbar. Und es erscheint, als wäre es kreativ. Aber in Wahrheit ist es nur eine der möglichen Kombinationen, die es gibt. Ist also völlig geistlos und völlig unkreativ.

Aber auf die Art können heute schon vollautomatisch Bilder gemalt werden im Stil eines alten Meisters, die so genau sind, dass sie selbst Experten täuschen. Ja, die selbst Experten täuschen! Solche Versuche hat man gemacht. Also die machen Bilder im Stil alter Meister, aber nicht einfach Kopien, sondern sie entwerfen ein neues Bild. Das der nie gemalt hat, irgendein Motiv, ein Neues. Aber ganz im Stil des Meisters. Das ist so täuschend ähnlich, dass Experten. es auf den ersten Blick - also wenn sie jetzt nicht das Alter der Farben und das untersuchen - aber vom Vorbild her nicht unterscheiden können, ob das echt ist oder nicht. Da muss ich ja zuerst untersuchen, stimmt die Leinwand, stimmt die Farbe und so weiter. Das braucht dann physikalische Untersuchungen, daran sieht man dann, okay, die Farbe ist nicht so alt, die hat es damals nicht gegeben, dann kann es also nicht echt sein. Aber rein vom Handwerklichen, vom Stilistischen her können sie es nicht unterscheiden. Der Computer wird einfach mit x Bildern dieses Künstlers trainiert und kombiniert. Er kriegt genau heraus, die Strichführung, wie führt der den Pinsel, wie stark drückt der auf und so weiter? Das ist drinnen. Aber das ist nur, trotzdem es neu ist, ist es trotzdem eine Kopie, weil es ist nur aus den alten Sachen letztlich zusammengesetzt in Wahrheit. Aber es ist raffiniert natürlich.

Das Verstandesdenken aus der griechisch-lateinischen Zeit führt immer mehr in die Illusion hinein 2:04:19

Aber das ist dann der reine, abgestorbene Verstand und wirklich an der Grenze eben vom Mittelalter zur Neuzeit beginnt dieses Absterbende im Verstandesmäßigen voll die Überhand zu gewinnen. In der griechisch-lateinischen Zeit war das noch gesund, weil es eben Verstandes- und Gemütsseele war. Wenn ich von der Verstandes- und Gemütsseele die Gemütsseele wegstreiche, dann ist aus dem Denken, aus dem Verstandesdenken etwas völlig Unwirkliches geworden. Solange das beide zusammen waren, war die Wirklichkeit drinnen, weil die ist eigentlich über das Gemüt hineingeströmt. Da ist die geistige Wirklichkeit immer noch hineingekommen. Wenn ich das jetzt abtrenne - und das ist eben heute der Fall - muss auch in gewisser Weise der Fall sein, weil sich Denken, Fühlen und Wollen separieren muss - habe ich auch am Anfang gesagt, aber dann ist das oben, der Verstand, etwas völlig Ausgehöhltes. Und daher führt dieses Verstandesdenken immer mehr in die Illusion hinein. Und das Geniale bei den Naturwissenschaftlern, die jetzt immer mehr in das hineingehen ist, dass sie endlich soweit kommen, dass sie merken, das ist alles Illusion.

Anmerkung eines Zuhörers: "Ihre eigenen Forschungsergebnisse?"

Ja. Ja. Eigentlich ist das alles eine Illusion. Sagen sie auch. Es ist ein Modell. Es ist pff...es passt zwar irgendwo, aber sie überlegen auch gar nicht mehr. Jetzt - ist es die Wirklichkeit oder nicht. Nein, es ist ein Modell. Also die durchschnittlichen Physiker oder Naturforscher gehen auch gar nicht anders an die Sache heran, sie sagen, wir können nur Modelle der Wirklichkeit machen. So drückte man sich explizit aus.

Anthroposophie als ein Erfassen dessen, wie wir weiter schöpferisch-geistig in die Zukunft hinein wirken 2:06:24

Ja, das ist, glaube ich, der Punkt, bei dem wir heute stehen bleiben werden. Weil ich sehe, es ist 21:12. Also wir haben jetzt zumindest durch die drei wesentlichen Seelenglieder. Und haben angedeutet zumindest, dass heute die Aufgabe ist, die Bewusstseinsseele zu entwickeln und vor allem auch sie in das Geistige oder in Richtung des Geistigen zu wenden. Das ist die drängende Aufgabe. Das Verstandesmäßige aus der Vergangenheit, das ist jetzt praktisch vollkommen abgestorben. Damit kann ich nur mehr diese Zaubertricks machen. Technik kann ich damit ganz gut machen in der praktischen Ausführung. Aber der schöpferische Impuls muss trotzdem von wo anders kommen. Wie wir es auch bei den Physikern oder sonst wo gesehen haben. Keine große Entdeckung wurde gemacht, ohne dass so ein Impuls herein kommt. Ohne den ist es sinnlos. Das ist das Wichtige.

Ich denke, wir werden das nächste Mal damit noch weiter tun. Weil das ist der Schritt, der uns dann wirklich hineinführt: Was ist Anthroposophie? Welche Bedeutung hat sie? Und welchen Blickwinkel eröffnet es uns daher dann auch auf die Apokalypse? Weil im Grunde ist das, was in der Apokalypse steht, ist etwas, was wir jetzt mit der Anthroposophie fortsetzen. Nicht wahr, ein bewusstes Erfassen dessen, wie wir weiter zu wirken haben geistig für die Zukunft. Ganz bewusst. Ganz wach. Und das steckt schon sehr stark in der Apokalypse drinnen. Also auch in dem Impuls des Johannes, da ist etwas total Zukunftsgerichtetes. Er weist also schon ganz deutlich über seine Epoche, in der er drinnen steht - seine Zeit ist die griechisch-lateinische Zeit - hinaus in die Zukunft. Also da ist ein ganz starker Impuls drinnen. Ja, aber damit schließe ich für heute. Ich danke euch. Ich entschuldige mich, dass es schon wieder so lang geworden ist. Trotzdem, wer noch Fragen hat, ist gerne herzlich willkommen. Wenn nicht, dann sag ich euch winke, winke. Danke für´s dabei sein. Schönen Abend euch allen. Danke.

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Schlüsselwörter

Gemeinde von Sardes - die fünfte Kulturepoche - Entwicklung der Bewusstseinsseele - stark ausgeprägtes Gegenstandsbewusstsein - rationaler, nüchterner Verstand - wissenschaftliches Denken - wir haben Denken / Fühlen / Wollen als stark separierte Seelenkräfte entwickelt - logisches Denken - ein rein sachliches Denken, das nicht von Sympathie und Antipathie beeinflusst ist - der nächste Schritt: ein Bewusstsein für die geistige Innenwelt zu entwickeln, sprich uns selbst als geistige Wesenheit zu erleben - das erste Aufflackern des Ich-Bewusstseins im dritten Lebensjahr - das Aufleuchten des Ich im 21. Lebensjahr - der stärkste Ich-Impuls beim Sterben im Moment des Todes - anfängliche Ereignisse im individuellen Leben und in der Menschheitsentwicklung stehen mit späteren Ereignissen in gesetzmäßigem Zusammenhang, sprich die ersten Lebensjahre spiegeln sich wider in den letzten Lebensabschnitten - der Bewusstseinsimpuls ist mit Absterbensimpulsen verbunden - unser Ich-Bewusstsein haben wir nur dadurch, weil wir unsere Leibeshüllen haben, also physischen Leib, Ätherleib (Lebenskräfte) und Astralleib (Träger des Seelischen) - Ziel: unser Bewusstseinslicht im rein Geistigen erhalten zu können, ohne die Leibeshüllen zu benötigen, sprich ohne sich wieder neu inkarnieren zu müssen - Imagination heißt geistiges Schauen: also eine Art bildhaftes Erleben, ein rein seelisches Erlebnis (nicht sinnlich) - seelisches Erleben heißt gewoben aus Sympathie- und Antipathiekräften, also ein sich Verbinden mit geistigen Wesenheiten oder ein sich Zurückziehen von geistigen Wesenheiten - wenn wir Imaginationen schildern wollen, dann müssen wir sie in sinnliche Bilder übersetzen - altes Hellsehen bedeutet, dass sich Imaginationen automatisch in sinnliche Bilder übersetzt haben (heute ungesund) - neues modernes Hellsehen heißt, dass unser Ich die Herrschaft übernimmt und wir ein Bewusstsein unseres Ich bekommen - sinnliches Erleben verliert sich nach dem Tode, geistiges Erleben können wir mitnehmen - Was ist das Geistige im Menschen? Was ist das Seelische im Menschen? Was ist das unsterblich Seelische? Anthroposophie als bewusste Geisteswissenschaft - Rätselfragen der Philosophie - Intuition heißt Einswerden mit geistigen Wesenheiten - Geisteswissenschaft heißt sich bewusst zu einer Imagination, frei von Sinnlichem, zu erheben, sprich zu einer geistigen Wahrnehmung zu kommen - Siebenzahl: Entwicklungsprozesse vollziehen sich in sieben Stufen - die vierte Stufe ist die Mitte - die Mitte ist der Moment der Gegenwart, wo Vergangenheit (das Gewordene) und Zukunft (das Werdende) zusammentreffen - die Zukunft wird in jedem Moment neu geschaffen, das ist das Wesen des Ich - der Phönix, der aus der eigenen Asche steigt - das Verstandesdenken aus der griechisch-lateinischen Zeit ist aus einem alten Hellsehen entstanden und hineingestorben in die Logik - Verstandesdenken ist immer ein Spiegel des Vergangenen - Imaginationen als kreative Momente der Wissenschaften, wo ein neuer Impuls gesetzt wird - Albert Einsteins Ritt auf dem Lichtstrahl - Allgemeine Relativitätstheorie - einem traumartigen Erlebnis folgt die Knochenarbeit - Spezielle Relativitätstheorie - Quantennatur des Lichts - Licht als etwas Wesenhaftes - jeder Lichtstrahl ist eine geistige Wesenheit - Die Physik sagt: Materie in dem Sinn, wie wir uns das vorgestellt haben, gibt es nicht - Elementarteilchen sind Wirkungen - die Wirkungen kommen aus dem Geistigen - die Naturforscher sind prädestiniert dafür, wenn sie ihren Weg konsequent zu Ende gehen, an das Geistige heranzukommen - wir brauchen heute ein neues, über den Verstand hinausgehendes Denken, ein schöpferisch-kreatives Denken - Wolfgang Pauli - Lichtquanten - Quantentheorie - Kali Yuga: Beginnt kurz vor der ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche (3002 v. Chr.) und endet 1900 - die bei Beginn des Kali Yuga einsetzende Verdunkelung des Hellsehens war Voraussetzung für die Entstehung des Seelischen - die Seelenentwicklung hängt zusammen mit unserem Ich, das allmählich immer stärker wird - zuerst ein dumpfer Seelenraum mit gelegentlichen Lichtblitzen - ein dunkler Innenraum, der durch die Lichtblitze langsam heller wird und gleichzeitig tritt das wachere Gegenübertreten der Außenwelt ein - urpersische Zeit mit Gegensatz von Ormuzd und Ahriman, Licht und Dunkel - Urmenschen wie der Homo habilis zum Beispiel lebten rein in Imaginationen, ständig in Geisterfüllung - beim Übergang von der urpersischen Kulturepoche zur ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche beginnt ein neues Seelenerleben, ein Innenerleben und gleichzeitig taucht die Sinneswelt deutlicher auf - Sinneswelt nicht mehr nur in Schwarz-Weiß, sondern in Farben - Einschub Evolution: Pentachromaten, Tetrachromaten, Bichromaten - Blaublindheit der Griechen - Entwicklung der Empfindungsseele bei den Ägyptern - es entsteht die Begierde, ein Mehr an Lustvollem zu erleben - Stierkulte als Ausdruck der Zügelung von Begierden - minoische Stierspiele - Stierkulte sind vergleichbar der ägyptischen Einweihung - heute geht es darum Triebkräfte nicht zu unterdrücken, sondern zu verwandeln - Triebkräfte zu beherrschen setzt eine bewusste Tätigkeit aus dem eigenen Ich voraus - daher die Aufgabe heute: den Blick nicht ausschließlich auf die Außenwelt sondern auch auf die seelisch-geistige Innenwelt zu richten - sich bewusst mit den kraftvollen astralischen Impulsen auseinandersetzen - das ungezähmte Astralische in etwas Höheres verwandeln - das Astralische ist stark von den Widersacherkräften beeinflusst - das ursprünglich Astralische sind pure Weisheitskräfte (Ordnung der Sternenwelt) - bei der Zähmung des Astralischen hilft uns der Christus - die Möglichkeit der Zähmung gibt es für den Menschen erst seit dem Erdenleben des Christus mit dem Mysterium von Golgatha - Christus der Weltenbaumeister - Vishva Karman bei den Indern - durch den Einfluss der Widersacherkräfte haben wir die Möglichkeit ein freies Ich-Bewusstsein zu entwickeln - wir müssen damit beginnen, die unteren astralen Kräfte zu verwandeln und dadurch die Widersacher zu erlösen - Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit: Realität ist das Abgestorbene der Vergangenheit, Wirklichkeit ist das, was wirkt, und in die Zukunft führt - reines Verstandesdenken ohne Gemütsdenken ist Illusion - Anthroposophie ist das Erfassen, wie wir weiter geistig wirken in die Zukunft

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Literaturangaben

Rudolf Steiner, Alexandra Riggins: Die sieben apokalyptischen Siegel, Triskel Verlag 2005, ISBN 978-3-905893-02-1;

Rudolf Steiner: Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums, GA 8 (1989), ISBN 3-7274-0080-3;

Rudolf Steiner: Die Apokalypse des Johannes, GA 104 (1985), ISBN 3-7274-1040-X;

Rudolf Steiner: Aus der Bilderschrift der Apokalypse des Johannes, GA 104a (1991), ISBN 3-7274-1045-0;

Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, V: Apokalypse und Priesterwirken, GA 346 (2001), ISBN 3-7274-3460-0;

Emil Bock, Das Neue Testament, Übersetzung in der Originalfassung, Urachhaus, Stuttgart 1998, ISBN 3-8251-7221-X