Apokalypse des Johannes - 120. Vortrag von Wolfgang Peter

Aus anthro.world

Themenschwerpunkt

Eingebunden in die Wochensprüche des Sommers, die uns mitnehmen hinaus in die Schönheit und Lebendigkeit der Natur, erzählt uns Rudolf Steiner von den dort wirkenden Elementarwesen, die uns mahnen, uns unsere Unzulänglichkeiten und Verfehlungen vorhalten und uns eine Ahnung geben von ihrem zu unserem Wohle unermüdlich schaffenden Wesen.

Anknüpfend an die Ausführungen zur kosmischen Entwicklung des Menschen, die von der Siebenerzahl geprägt ist, nehmen wir in Goethes Faust II Anteil an den sich in der Seelenwelt abspielenden Geschehnissen der Walpurgisnacht und lernen mehr und mehr, welch gewaltige Aufgaben und Erfahrungen uns auf dem langen Weg zu unserem großen Ich bevorstehen, das kein Sein kennt, sondern nur Werden und Vergehen.

Schauen wir auf unsere nächsten Entwicklungsschritte, so wird uns das Überwinden der Geschlechterspaltung nach Ablegen aller Einseitigkeiten am Ende unserer Inkarnationen in gar nicht so ferner Zukunft möglich sein.

Mit der noch nie dagewesenen Geschwindigkeit des Umbruchs, dem wir uns derzeit gegenüber sehen und der verbunden ist mit einem schmerzlichen, aber heilsamen Abschied von Gewohnheiten, können wir uns auf den notwendigerweise weiterhin unruhigen Verlauf des Bewusstseinsseelenzeitalters vorbereiten. Es mag ein Trost sein: Für das Ich geht es immer weiter!

Schlüsselwörter

Der 18. Wochenspruch greift die Begegnung mit dem Weltenwort aus dem 17. Wochenspruch wieder auf und umreißt mit dem "Welten-Keimeswort" die ganze Lebensaufgabe des Menschen - der Keim als Anstoß individuell schaffend tätig zu werden zu unserem kleinen Ich-Bewusstsein - unser wirkliches Ich spiegelt sich im Ätherleib - in der Sommerzeit sind die Elementarwesen besonders aktiv - ein Austausch mit den Elementarwesen ist für uns möglich - die verschiedenen Arten von Elementarwesen - Baumgeister und Berggeister können sehr mächtig und weise sein - Elementarwesen können sehr inspirierend, aber auch sehr grimmig sein - Elementarwesen mildern die Schäden, die wir durch unsere Kultur in die Natur hineinbringen - wir rauben der Natur ihre Kräfte und entwickeln daraus unser Ich-Bewusstsein - es beginnt jetzt, dass wir der Natur etwas zurück schenken - unser geistiges Verhalten gegenüber der Natur hat eine größere Wirkung als alles Äußerliche - Schaffen aus dem Nichts: die Kunst ist nicht es zu tun, sondern etwas davon zu wissen - "Die Elementarwesen als Vermittler zwischen der Erde und dem Geistkosmos": Rudolf Steiner vermittelt uns, wie uns die Gnome, Undinen, Sylphen und Feuerwesen mahnen und was sie über ihr eigenes Wesen aussprechen - ein zusammenfassendes Wahrspruchwort Rudolf Steiners zum Wirken der Elementarwesen - Aufwachen zu uns selbst und unserer Arbeit an der Welt: alles andere ist im Grunde unwichtig - die Erdenwelt wird immer etwas Unvollkommenes bleiben, wenn die Entwicklung richtig läuft - die soratischen Kräfte wollen eine vollkommene, ewig währende materielle Welt - die Siebenzahl: die Zahl der zeitlichen Entwicklung - wir arbeiten nicht für einen Plan: wir werden einfach gestaltend tätig in jedem Schritt - wir haben viel gelernt in unserem Scheitern - zum "Landwirtschaftlichen Kurs" Rudolf Steiners: der Schritt des Bauern düngt - der Entwicklungsgedanke ist der große Fortschritt gegenüber der griechisch-lateinischen Zeit - unser Bewusstseinsseelenzeitalter: immer bewusster tun, um die Hilfe der über uns stehenden geistigen Wesenheiten zu erhalten - mit der Zeitenwende beginnt der Umschwung: wir sind jetzt aus uns selbst Werdende - Bewegungen, Blicke, Worte, Stimme individualisieren und damit eigentlich schon alles tun - sieben Entwicklungsschritte: im Großen wie im ganz Kleinen - zum zweihörnigen Tier, das dem Christus ganz entgegensteht - Entzweiung bis in die Lebenskräfte hinein: Geschlechtertrennung - Überwindung der Geschlechtlichertrennung in der Zeit nach unseren Verkörperungen - Missbrauch der Sexualität: der Königsweg zur schwarzen Magie - zu den sieben Entwicklungsstufen: Goethes tiefes, aber sicher nicht voll bewusstes Verstehen kommt im Faust II zum Ausdruck - zum Verstehen des Geschehens im Faust II - Goethe und seine Veränderung von Worten - Sprache wird immer individueller: individuell heißt schöpferisch - das "Welten-Keimeswort" zur Reifung bringen - die alte Sprache zerlegen: "Ich mache alles neu" - ich bin etwas Anderes - vom Menschenwerden im Faust II in der Walpurgisnacht: der Philosoph Thales, Nereus, der sich ununterbrochen wandelnde Proteus und der Homunculus, der eigentlich gar nichts Stoffliches ist - vom äußeren Sprechen zum geistigen Sprechen - der Homunculus als hermaphroditisches Seelenflämmchen, das sich eine Körperlichkeit schaffen will - Proteus wandelt sich mit dem Homunculus durch alle Formen bis zur Menschwerdung - "Und bist du endlich Mensch geworden, so ist es aus mit dir": Was du daraus machst, ist Deines! - Goethe war sich des Wiederverkörperungsgedankens sehr bewusst: geistige Entwicklung braucht immer wieder neue Inkarnationen, um die Fehler der Vergangenheit auszugleichen - die Kabiren: die Götter des Menschenwerdens - Odysseus zwischen Skylla und Charybdis: Umgehen mit den entfesselten Naturkräften - Gesang der Sirenen, Nereiden und Tritonen - "Der Scheiternden Retter" unseres Ich - das Scheitern gehört zum Ich dazu, denn wir wachsen nur am Scheitern: an dem, was wir ruinieren in der Welt, es überwinden und etwas Besseres draus machen - das Wesen des Geistigen ist, alles zu vergeistigen: das Materielle aufzulösen - die gewaltige Leistung des Christus: sich in einen physischen Leib zu zwängen, ohne ihn vorzeitig zu zerstören - woraus unsere Doppelgänger bestehen - für das Ich wäre es das Leichteste: die Welt bei der ersten Berührung zu zerstören - Wassergötter: die Walpurgisnacht spielt sich in der Seelenwelt ab, in der Astralsphäre der Erde - Meeresstille in uns herstellen - die drei Kabiren: die Kräfte, die unseren physischen Leib, unseren Ätherleib und unseren Astralleib schaffen - der vierte der Kabiren bringt das Denken mit - Eindringen ins Tote bedeutet Erwachen - der Christus ist der menschlichste aller Menschen - Goethe nennt sieben Kabiren und sogar noch einen achten und geht damit weit über die griechische Mythologie hinaus - das Ich will hin zum "Unerreichlichen" - das "Unzulängliche" wird "Erreichnis", nicht "Ereignis" - das "Unbeschreibliche": es kann nicht beschrieben, aber getan werden - das "Ewig-Weibliche": das reine Seelisch-Astralische ist hermaphroditisch - die Götter sind immer männlich und weiblich: das Spiel der beiden Elemente - wenn der Ich-Funke gezündet wird: die Führung durch den Geist - ohne Werden und Vergehen ist keine Weiterentwicklung möglich - wir tragen die Kraft des reinen Nichts in unserem Ich - wir selbst sind die "Hungerleider" nach dem "Unerreichlichen" - Worauf wartet die Welt? Das Entstandene Pflegen und Verwandeln - die Geschichte der Welt: bis hinein in die Naturgesetze - jenseits aller Gesetzmäßigkeiten: das Ich - Ich-Bewusstsein: ich bin ein "besitzloser" Fremder - Ich bin beides: Werden und Vergehen; aber nicht "Sein" - unsere Taten sind die Spuren, die von uns zurückbleiben, aber wir sind nicht die Taten - in unserem Atem liegt unser wirkliches Ich, aber durch zu viel Astralisches kann er zu wenig durch-Icht sein - die drei Kabiren, die im Olymp zu erfragen sind, sind die höheren, die geistigen Wesensglieder des Menschen, die unsere eigene Schöpfung sind - die Entwicklung könnte abbrechen! - unser Alltags-Ich mit seinen Befindlichkeiten hat nichts mit unserem Ich zu tun - das Leiden gehört zu unserem Weg hier auf der Erde dazu: dadurch werden große Schritte möglich - die Welt der Vorsehung ist für unser Ich noch viel zu klein! - indem wir ein Ich haben, schöpfen wir aus dem Nichts - wir haben für unsere Ich-Entwicklung notwendigerweise Widersacherkräfte in uns eingearbeitet: das Tier mit den sieben Häuptern und den zehn Hörnern - mit der Aufrichtekraft beginnt sich eine Gestalt zu bilden, die das Ich tragen kann - vom Tun der Füße über das Tun der Hände zum Gehirn und zu den Sinnen - Geschlechterspaltung: miteinander lernen und zueinander finden - in unserer inneren Haltung alle Einseitigkeiten überwinden und in eine gemeinsame Menschheit gehen - unsere niederen Wesensglieder aus eigener Kraft verwandeln - der achte der Kabiren und die achten Sphären - unser Ich wird tätig, indem es das Seelische verwandelt - unsere unbewusste Arbeit am Ätherleib in der urindischen Zeit: jeder Mensch hat jetzt seinen eigenen Ätherleib - heute bewusst unser Seelisches umarbeiten - was wir durch unsere Fehler verbrochen haben, müssen wir bis zum Ende unserer Verkörperungen ins Nichts auflösen: zurückbleibende Schlacke ist Futter für die soratische Welt - Liebe fordert Freiheit und Liebe fordert getrennt sein, um das Getrennte in Freiheit zu überbrücken - Partnerschaften und Familien werden sich grundlegend ändern: einander in Freiheit und Liebe begegnen - in unserer Übergangszeit ändern sich sehr viele alte Dinge: wird es zerstörerisch oder auf gute Weise passieren? - alle Traditionen überprüfen und nur das übernehmen, was aus dem Ich kommt - es gibt keinen Ratgeber mehr - scheinbares Scheitern als Anregung nehmen - mit Offenheit für die Zukunft leben: unser Ich kommt ganz real von außen auf uns zu - ein Beispiel: wie sich Wolfgangs wissenschaftliche Karriere und damit auch sein Leben ganz ungeplant geändert hat - für das Ich geht es immer weiter - liebe Gewohnheiten werden sich ändern und das wird heilsam sein

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120. Folge Apokalypse des Johannes von Wolfgang Peter.jpg
- 120. Folge -

Weitere Vorträge von der Apokalypse des Johannes von Wolfgang Peter findest du hier: Vortragsreihe Apokalypse des Johannes von Wolfgang Peter

Transkription des 120. Vortrags (von Ghislaine und Susanne am 9. August 2022)

Begrüßung und Einstieg in den 18. Wochenspruch 0:00:39

Meine Lieben, dann begrüße ich euch zum 120. Vortrag zur Apokalypse. Ich möchte euch wieder wie üblich begrüßen mit dem Wochenspruch. Und ich möchte dann noch ein bisschen was anderes lesen: Zu den Elementarwesen, was jetzt so schön zu unserer Zeit dazupasst und eben auch zu dem Wochenspruch sehr gut dazupasst. Wir hatten ja das letzte Mal im 17. Wochenspruch schon die Begegnung mit dem Weltenwort und das wird jetzt im 18. Wochenspruch in ganz besonderer Weise noch einmal aufgegriffen. Es lautet so:

Kann ich die Seele weiten,

Dass sie sich selbst verbindet

Empfangnem Welten-Keimesworte?

Ich ahne, dass ich Kraft muss finden

Die Seele würdig zu gestalten,

Zum Geisteskleide sich zu bilden.

Da ist die ganze Lebensaufgabe des Menschen irgendwo drinnen. Wir haben etwas empfangen: das Weltenwort. Aber wir haben es empfangen als Welten-Keimeswort. Das heißt, wir bekommen nicht einfach irgendwas Fertiges, sondern wir bekommen einen Keim, aus dem wir etwas machen müssen. Es ist eine Art Anstoß, ein Impuls, aus dem wir schaffend tätig werden heraus - jeder individuell auf seine Weise. So geht heute die Schöpfung weiter. Das verändert die Welt. Den kleinen, winzigen - scheinbar winzigen - Beitrag, den jeder Mensch dazu leisten kann. Ich habe das letzte Mal schon davon gesprochen: eigentlich tun wir das ununterbrochen. Wir können gar nicht anders, weil wir eben Menschen sind. Nur, wir verschlafen es halt meistens. Wir merken es gar nicht. Wir tun in vielem mehr, als wir bewusst mitbekommen; sowohl im Guten, im Schöpferischen - und oft auch im Negativen auch. Wir haben… unser Bewusstsein ist noch so klein und so eng. Wir wissen ja auch jetzt schon aus vielen Vorträgen heraus, unser Tagesbewusstsein, unser kleines Ich-Bewusstsein, ist erstens einmal nur ein  Spiegelbild, in Wahrheit, es ist so, so, so winzig klein noch im Grunde. Es beginnt aber jetzt die Zeit, wo wir - wenn wir wollen - aus eigener Kraft dieses Bewusstsein für unser eigenes Ich, das so das erste Mal um das dritte Lebensjahr herum so aufleuchtet irgendwie - manche können sich daran erinnern, manche nicht, aber von dort strahlt es aus im Grunde - aber jetzt können wir dieses kleine Pünktchen, das da aufsteigt im Grunde, zu einer immer größer werdenden Flamme entfachen. Das heißt, diese Welten-Keimesworte wirklich ganz individuell zu einem starken Leben in uns entfachen. Das ist die große Aufgabe, die wir als Menschen im Grunde haben. Dazu sind wir hier. Dazu brauchen wir aber auch unser kleines Ich-Bewusstsein, unser Ego-Bewusstsein, das wir mit Hilfe des physischen Leibes vor allem einmal in uns entwickeln.

Wenn wir das haben, dann geht der nächste Schritt weiter: wirklich dieses Ich-Bewusstsein, dieses geistige Ich-Bewusstsein, jetzt immer stärker zu entfalten. Das heißt, wir lernen es am Physischen, aber dieser erste Ich-Impuls, der um das dritte Lebensjahr auftaucht, der hat schon etwas zu tun mit den Kräften des Ätherleibes, mit den Lebenskräften. Da spiegeln wir uns eigentlich. Unser wirkliches Ich spiegelt sich im Ätherleib - und das ist es, was zurückkommt. Wir erfassen das sehr, sehr schwach.

Entschuldigt, ich muss kurz aufheben. Da kommt, glaube ich, noch ein  Besucher, der nicht rein kann… Servus Renate… ja, ich glaube, es hat schon wer gedrückt… Ich mach’s selber, Sekunde. Entschuldigt mich bitte einen Moment… So, das sind die kleinen Hindernisse, die auftauchen. Jetzt muss ich kurz erstmal schauen, aber… Das nächste Hindernis ist, dass im Livestream kein Bild zu sehen ist… Gibt es eine Rückmeldung, bitte, aus dem... Ah, jetzt ist das Bild wieder da. Gut, bin ich beruhigt. Ja, also Einstieg ein bisschen mit kleinen Hindernissen.

Ich möchte euch jetzt zu dem Wochenspruch dazu…

Bitte schaut, dass die Tür gut zu ist, sonst pascht (abpaschen = weglaufen/durchgehen) der Kater ab. Vielleicht. Na, der liegt zwar am (auf dem?) Tisch aber… Passt. Danke. So.

Die Sommerzeit ist die Jahreszeit, in der die Elementarwesen in der Natur höchst aktiv sind und uns viel erzählen können 0:06:36

Also, wir stehen ja jetzt in dieser Sommerzeit drinnen, wo die Elementarwesen ganz besonders aktiv sind. Eigentlich sind wir umschwirrt und umflirrt von den Elementarwesen, die jetzt die Pflanzen, die Blumen, die ganze Natur bearbeiten, also ganz, ganz, ganz heftig tätig sind. Und wo wir auch seelisch eigentlich uns sehr gut verbinden können mit diesen Elementarwesen. Und diese Elementarwesen erzählen uns etwas. Wir müssen "nur" - "nur" sehr unter Anführungszeichen - "nur" darauf hören, was sie zu uns sprechen. Aber, wenn wir uns mit offenem Gemüt, wie soll ich  sagen, mit einer gewissen Liebe zur Natur, mit der Natur verbinden, dann ist ein Austausch da, auch wenn wir es vielleicht noch nicht bewusst mitbekommen. Es kann oft auch so ein...

Bitte, falls ein Mikro offen sein sollte, abschalten. Jetzt haben wir ein Echo. Ah... So... So... Ja. Wir haben heute ein paar kleine technische Hindernisse. Das wird uns aber nicht aufhalten. In keinster Weise.

Also, denkt an die Natur. Denkt an die Pflanzen, die draußen sind. Denkt an das rieselnde Wasser, an die großen Wasserflächen, wo überall Elementarwesen tätig sind, geführt von höheren Wesenheiten. Zum Beispiel, die Engel haben sehr viel mit dem Wasser zu tun. Engel reichen herunter nicht bis ins Physisch-Mineralische, aber sie reichen hinunter bis in die Wasserwelt. Wenn man einen großen See oder was hernimmt, da sind Dutzende, Hunderte vielleicht, Engel beteiligt, die sich diese Wasserfläche teilen, irgendwo, sie berühren, eintauchen, irgendwo, ihre Spuren dort hinterlassen im Fließen dieser Gewässer, in den Wellen, die sich bewegen. Da leben sie drinnen. Elementarwesen natürlich auch. Ganz klar, auch die Wasserelementarwesen namentlich; aber auch die Luftelementarwesen, die das Wasser durchmischen, wenn ein bisschen der Wind aufkommt oder so. Und noch höhere Elementarwesen: Das Licht, das alles durchflutet. Die also gar nicht zu den vier klassischen Gruppen der Elementarwesen, also des Festen, des Flüssigen, des Luftigen, des Wärmeelements… Aber natürlich gibt es auch Lichtelementarwesen, die darüber sind, die alles durchhellen, irgendwo. Und die alle sprechen zu uns. Und oft kann man es später einmal… Man erlebt es jetzt, man wird sich gar nicht bewusst, dass die Elementarwesen da sind. Man möchte es vielleicht, man möchte sie erleben, aber man erlebt sie im Moment gar nicht. Aber oft kann es sein in der Nachwirkung. Tage später kommt es heraus, dann kann das ein ganz starkes Bild sein. Dann kann dieses lichtvolle, aber auch kraftvolle Wesen da sein, die großen und kleinen Elementarwesen. Es gibt welche, die ganz flüchtig sind, die entstehen und vergehen schon wieder: kaum sind sie da, sind sie schon wieder weg. Oder es sind auf einmal zehnmal mehr, und es sind weniger dann wieder plötzlich. Also, die sind in ständiger Bewegung, die sind nicht abzählbar, im Grunde. Kaum fängt man an zu zählen, stimmt es schon wieder nicht. Die sind in ständiger Bewegung.

Wir können ganz besonders mächtigen, uralten, weisen und inspirierenden Elementarwesen begegnen… 0:10:29

Aber es gibt auch mächtige, uralte Elementarwesen, die im Grunde die ganze Erdgeschichte mitgemacht haben, die dann, ja, vielleicht als Baumgeister oder als sowas wirken - oder in grossen Felsenformationen als Berggeister und dergleichen da sind. Das sind mächtige, sehr, sehr weise Elementarwesen, die sehr inspirierend sein können. Oft denkt man sich: "Ah, ich bin jetzt durch die Natur gegangen und, ach, jetzt ist mir eine gute Idee gekommen." Ja, woher kommt denn die Anregung, der Anstoß? Es kann oft von den Elementarwesen sein. Also, ich habe da einen Baum (Wolfgang zeigt zum Fenster hin), eine eigentlich, ja, schon ziemlich hohe, aber im Grunde sehr bescheiden ausschauende Lärche. Die ist mir fast täglich eine Inspiration. Der habe ich viel zu verdanken.

Elementarwesen können aber auch manchmal sehr grimmig sein. Sie können uns manchmal vorwerfen, wie wenig wir von der Natur verstehen, wieviel sie zu tun haben, damit die Erde überhaupt noch überleben kann, weil wir so viel falsch machen. Das trifft dann besonders, interessanterweise, Menschen, die sich geistig stark entwickeln und die jetzt vielleicht glauben: "Ja, wir können viel beitragen dazu, um das besser zu machen, irgendwo, indem wir gute Gedanken und so weiter entwickeln." Und dann kommt vielleicht das große "Niet!" Verschwindet eigentlich. "Ihr seid geistig gar nicht reif noch dazu, ihr habt noch so viel zu lernen. Ihr könnt das alles nicht. Eure Impulse stören nur." Wir haben es einmal ganz stark in einem eigentlich wunderschönen Waldstück erlebt und plötzlich… Wir sind gegangen, es war sehr schön, Bächlein rieselt, alles - und irgendwann war das Gefühl da: Pah! (Wolfgang ahmt einen Zustand des Unwohlseins nach.) Es ist so, als wie wenn uns wer hinauswerfen wollte. Das war ganz stark. Und ja, wir sind dann wirklich gegangen. Es war so richtig… "unheimlich" will ich nicht sagen, aber es war deutlich zu spüren: Der Wald will uns nicht; der sagt: "Raus." Dabei, rundherum waren Kinder und Familien, und was. Die haben sich wunderbar wohl gefühlt. Aber unsereins ist rausgeworfen worden. Tage später ist das Erlebnis dann so richtig ins Bild gekommen. Und da wurde mir ganz klar: Das sind mächtige Elementarwesen - noch stärker als Baumgeister oder was -, die wirklich für so ein ganzes großes Territorium zuständig sind und im Grunde alle Hände voll zu tun haben, die Schäden halbwegs zu mildern, die wir durch unsere ganze Kultur notwendig hineinbringen - bis zu einem gewissen Grad notwendig.

Wir berauben die Natur, um unser Ich-Bewusstsein zu entwickeln - es ist Zeit zurückzuschenken! 0:13:28

Nicht wahr, dass die menschliche Kultur - und das menschliche Ich - Bewusstsein sich entwickeln konnte und weiter entwickeln kann, beruht auf einem - ja, man muss es ganz deutlich sagen - einem radikalen Raubbau der Natur. Wir rauben der Natur ihre Kräfte und daraus entwickeln wir unser Ich-Bewusstsein. Wir können noch sehr wenig der Natur zurück schenken. Aber es beginnt jetzt. Es beginnt jetzt, wenn wir uns unseres Ichs bewusst werden - und zwar der geistigen Seite unseres Ichs bewusst werden. Wenn wir also merken, wie wirklich die Lebenskräfte zum Spiegelungsorgan für unser wirkliches großes Ich werden, für dieses große Ich, das draußen, überall draußen lebt, in der ganzen Welt, nicht nur in der Erde, sondern im ganzen Kosmos eigentlich lebt. Dort ist unser wirkliches Ich. Wir glauben immer noch naiverweise, das ist irgendwas, was dadrin sitzt (Wolfgang zeigt auf seinen Kopf), womöglich sogar im Gehirn oder irgendwo. Nein! Da tritt nur ein Spiegelungspunkt auf. Dass wir das haben, da können wir schon froh sein. Da sind wir schon sehr weit, dass wenigstens dieser kleine Spiegelpunkt ist: "Aha, ich bin ein Ich. Ich habe zwar keine Ahnung, was das ist oder wie es ist, aber immerhin, ich bin ein Ich."

Der Preis dafür, dass sich das entwickeln konnte, ist wirklich hoch. Er ist sehr hoch, indem wir wirklich den Elementarwesen in der Natur viel Arbeit damit machen und auch, ja, viel Leid - manchmal auch Freude - zufügen. Aber es geht langsam auf eine Zeit hin, wo wir wirklich ganz bewusst Wohltuendes für diese Elementarwesen tun können. Und dann werden wir damit alleine schon etwas Wohltuendes für die Natur machen. Das liegt nicht jetzt in großartigen Veranstaltungen alleine, die wir machen. Ich meine, sicher, wir haben jetzt viel Technik, die alles ruiniert, und da ist viel zu verbessern, aber das sind im Grunde die Äußerlichkeiten. Was die viel, viel größere Wirkung, die langfristige Wirkung hat, ist in Wahrheit, wie wir uns geistig zur Natur verhalten. Wie wir uns geistig zu uns selbst verhalten. Wie wir unser Ich-Bewusstsein entwickeln. Wie weit wir damit immer noch zerstörende Kräfte wachrufen - oder indem wir uns mit dem Christus verbinden, lebensspendende Kräfte entwickeln.

Die Elementarwesen sind Vermittler zwischen Erde und Geistkosmos: das Mahnen der Gnomen, Undinen, Sylphen und Feuerwesen 0:16:07

Das liegt in jedem Wort drinnen, das wir sprechen. Das liegt in jeder Bewegung drinnen, die wir machen. Das liegt in jedem Schritt drinnen, den wir machen - auf ganz individuelle Weise. Nicht wahr, wir haben schon das letzte Mal angesprochen, es ist oft die Frage gekommen: Schaffen aus dem Nichts heraus, das ist die Tätigkeit des Ichs, schöpferisch - ohne irgendeine Voraussetzung - zu sein, ganz aus dem Ich heraus. "Ja, wie mache ich das?" Wir tun es ununterbrochen. Die Kunst ist gar nicht, es zu machen. Die Kunst ist, etwas davon zu wissen. Das ist das, was wir jetzt lernen können. Was wir jetzt lernen sollen. Das ist im Grunde die Aufgabe der Geisteswissenschaft, der Anthroposophie: das ins Bewusstsein zu heben. Etwas, was wir immer wieder tun schon, aber halt gemischt auch mit all dem Negativen, was wir tun - weil wir uns auch immer wieder in unserem Ego, in unserem kleinen Ich, von den Widersachern verführen lassen. Da tobt im Grunde in uns ein Kampf zwischen diesen verschiedenen Kräften. Oder jedenfalls ist da eine Aufgabe zu bewältigen. Das ist dieses "Seelenkleid", das wir uns zubereiten sollen, das halt immer bewusster durchdrungen werden soll von unserem wirklichen Ich - und dann wird uns auch immer mehr davon bewusst werden. Also, dazu mahnen uns die Elementarwesen. Und das lese ich euch jetzt einmal vor. Also, der Übertitel über das Ganze ist: "Die Elementarwesen als Vermittler zwischen der Erde und dem Geistkosmos". Und in dem Geistkosmos lebt unser wirkliches Ich. Also, es ist auch eine Vermittlung zu unserem wirklichen Ich. Es sind Worte der Mahnung.

Die Gnomen:

"Du träumst dich selbst Und meidest das Erwachen."

Die Undinen flüstern uns zu:

"Du denkst die Engelwerke Und weißt es nicht."

Die Sylphen, die Luftgeister:

"Dir leuchtet die Schöpfermacht,

Du ahnst es nicht;

Du fühlest ihre Kraft

Und lebst sie nicht."

Die Feuerwesen, die Salamander:

"Dir kraftet Götterwille

Du empfängst ihn nicht;

Du willst mit seiner Kraft

Und stoßest ihn von dir."

"Du willst mit seiner Kraft", mit der göttlichen Kraft. Eigentlich, in unserem Willen drinnen, die Willenskraft ist göttliche Kraft. Aber wir stoßen das immer wieder weg und wir geben immer wieder Platz den Widersachern. Wir geben Platz den Interessen unseres Egos, in dem sehr viel die Widersacher drinnen sind. Und damit schimpfe ich aber nicht über das Ego, wir müssen es entwickeln. Daher ist in dem allen auch eine gewisse Notwendigkeit drinnen.

Aber wir sind in einer Zeit, wo sich vieles ändern kann, ändern soll, ändern muß, wenn es eine gute Zukunft werden soll. Das liegt in unserer Hand, nur in unserer Hand. Hilfe bekommen wir: alle, die wir nur haben wollen, aber wir müssen es wollen - aus Freiheit heraus.

So, jetzt sprechen sich die Elementarwesen selbst aus, was sie sind, wie sie sind, die Charakteristik ihres eigenen Wesens.


Die Gnomen:

"Ich halte die Wurzelwesenskraft,

Sie schaffet mir den Formenleib."

Also, das auch, was bei uns im Physischen drinnen ist - bis ins Mineralische hinein.

Die Undinen:

"Ich bewege die Wasserwachstumskraft, Sie bildet mir den Lebensstoff."

Die Sylphen, die Luftgeister:

"Ich schlürfe die luft'ge Lebekraft. Sie füllet mich mit Seinsgewalt."

Im leisen Lüftchen, im heftigen Sturm, überall dadrinnen wirkt es.

Die Feuerwesen:

"Ich däue die Feuerstrebekraft…"

Ich "däue", ein heute kaum mehr geläufiges Wort.

"Ich däue die Feuerstrebekraft,

Sie erlöst mich in Seelengeistigkeit."

Also, da geht's hinauf in die Geistigkeit.

Und so sagen sie jetzt alle zusammen:

"Erstrebe zu wachen!", sagen die Gnomen.

"Denke im Geiste!", sagen die Undinen.

"Lebe schaffend atmendes Dasein!", so sprechen die Sylphen.

"Empfange liebend Götterwillenskraft!", die Feuerwesen.

Und noch ein Text dazu aus den Wahrspruchworten von Rudolf Steiner, der das alles jetzt zusammenfasst, dieser Wahrspruch:

"Ich suche im Innern

Der schaffenden Kräfte Wirken,

Der schaffenden Mächte Leben.

Es sagt mir

Der Erde Schweremacht

Durch meiner Füße Wort,

Es sagt mir

Der Lüfte Formgewalt

Durch meiner Hände Singen,

Es sagt mir

Des Himmels Lichteskraft

Durch meines Hauptes Sinnen,

Wie die Welt in Menschen

Spricht, singt, sinnt."

Das als kleine Anregung. Für die Transkription werde ich euch den Text schicken, dass ihr das wortwörtlich habt.

Aufwachen zu uns selbst und zur Arbeit an der Welt: dazu sind wir da! 0:22:12

Ihr müsst jetzt gar nicht viel verstehen und grübeln drüber, einfach es aufnehmen. Eintauchen in das. Das ist dem Bewusstsein jetzt dieser Sommerzeit gemäß, dass wir ein bisschen träumend, ahnend draußen sind. Aber es ist eben auch der Aufruf, wach zu werden drinnen; wach zu werden für die Welt, an deren Gestaltung wir aufgerufen sind mitzuarbeiten.

Daher, zugleich heißt es: Aufwachen zu uns selbst, an der Arbeit an der Welt. Dazu sind wir da. Das ist das Wesentliche. Alles andere ist im Grunde Vorbereitung, notwendige Vorbereitung dazu, aber das ist alles das Unwesentliche. Das heißt, das was wir in unserem Ego von uns wissen und halten: "Ich bin da und da geboren, die Abstammung, habe diese Eltern gehabt, habe den Beruf erlernt und so weiter, die Schule besucht", ist alles im Grunde vollkommen unwichtig. Ist unwichtig. Ist eigentlich nur ein… ja, es ist so unwichtig - oder wichtig - wie der Boden, der uns trägt. Aber es ist die Vergangenheit. Es ist die Vergangenheit, die es gilt, mit jedem weiteren Schritt zu überwinden und etwas Neues draus zu machen. Dann, wenn wir das tun, dann arbeiten wir für die Welt - und zugleich auch für die Entwicklung unseres wirklichen Ichs. Wie gesagt, das hat nichts zu tun mit irgendeiner besonderen intellektuellen Leistung. Überhaupt nicht. Man kann sich da nichts dazu ausdenken. Es geht darum wirklich, um das, was wir ganz spontan tun im Grunde. Drum diese Verwandtschaft mit dem Künstlerischen. Ein Künstler, der sich das ganze Werk im Kopf vorher ausdenkt, ist kein Künstler. Ja, er kann innen ein Bild schaffen. Aber wenn er es tut, wird es trotzdem wieder anders. Das ist nichts, was berechenbar wäre, nichts, was verstandesmäßig kalkulierbar wäre, sondern was aus der Tat entspringt. Und wenn ich sehr wach bin, sehe ich im Tun, erlebe ich im Tun: Das ist es, das passt. Und an der Ecke merke ich: Nein, das ist es noch nicht. Weil jedes Werk, das wir schaffen können, notwendig unvollkommen ist. Die Erdenwelt, wenn sie richtig läuft in ihrer Entwicklung, wird immer etwas Unvollkommenes bleiben. Das gehört dazu. Das Vollkommene ist das Ende einer Entwicklung, ist eigentlich in Wahrheit der endgültige Tod. Dort ziehen uns die Widersacher hin, dort ziehen uns die soratischen Kräfte hin. Daher, wie ich es schon oft gesagt habe, die wollen eigentlich die perfekte, vollkommene Welt - in einer gewissen Weise. Sie wollen es noch dazu in einer fast perversen Art, indem sie es einfach im Materiellen wollen. Sie wollen die perfekte, vollkommene, ja, nach ihrem Wunsch ewig währende materielle Welt. Es gibt drin keine Entwicklung mehr. Es gibt ein Durchspielen, ja, von Millionen, Milliarden, Billiarden verschiedener Möglichkeiten, aber es gibt nichts wirklich schöpferisch Neues drinnen. Dort wollen wir nicht hin.

Dort wollen wir nicht wirklich hin. Das heißt, wir müssen noch tiefer verstehen, wie sich der Mensch entwickelt, wie die menschliche Entwicklung läuft, wie das zusammenhängt aber auch mit dem - zum Beispiel - mit dem siebenköpfigen Tier, von dem wir jetzt schon sehr oft gesprochen haben, weil in dieser Siebenzahl liegt ja etwas sehr Wichtiges drinnen. Die Siebenzahl ist grundsätzlich einmal immer die Zahl der zeitlichen Entwicklung. Also es ist… und das Wort "Entwicklung" ist da so wichtig drinnen. Weil, wäre die Erde vollkommen - oder könnte sie in kürzerer oder längerer Zeit vollkommen werden - dann würde der Entwicklungsgedanke aufhören. Im Vollkommenen gibt es keine Entwicklung mehr. Da ist alles perfekt. Und das ist viel, viel zu wenig. Das, was in unserer Ich-Kraft drinnen liegt, was im Willen auch der Gottheit drinnen liegt oder, ich möchte fast sagen, im Wunsch der Gottheit - weil die Gottheit uns überlässt, es zu tun - das ist ja das Große, was passiert ist. Wir arbeiten nicht für einen Plan, den wer da oben gemacht hat, sondern wir, ja, wir entwerfen auch keinen Plan, sondern wir werden einfach gestaltend tätig. Wie gesagt, in jedem Schritt, in jeder Handbewegung, in jedem Blick, mit dem wir die Natur betrachten, mit dem wir einen anderen Menschen betrachten, in dem tun wir es. Wir tun es ununterbrochen. Es ist im Grunde keine Hexerei es zu tun, weil wir Menschen sind und ein menschliches Ich haben, das schon eine gewisse Portion an Freiheit sich erobert hat. Dass uns das gelungen ist, ist ja manchmal fast wie ein Wunder, aber es ist uns gerade gelungen, weil wir noch nicht mit unserem Verstand hineingepfuscht haben. Wir haben sehr viel gelernt in unserem Tun, in unserem Scheitern dabei - und es noch einmal probieren und wieder probieren. Und immer wieder ist es nicht vollkommen, aber es ist vielleicht einen Schritt weiter - und der Schritt macht es aus.

Unsere innere Haltung: der Schritt des Bauern düngt! 0:27:52

Das ist der Schritt, auf den die ganze Welt wartet. Das ist das tolle Wort, was wir... Wir lesen ja jetzt am Sonntag - also, jetzt im August nicht, da haben wir eine Pause - aber bis jetzt haben wir gelesen den "Landwirtschaftlichen Kurs"  (s. Themenbezogene Leseanregungen). Und da ist ab und zu das Wort gefallen, das steht nicht wirklich jetzt in dem "Landwirtschaftlichen Kurs" drinnen, aber es gehört irgendwie so dazu: Der Schritt des Bauern düngt. Der Schritt des Bauern düngt. Also, da geht’s nicht einmal drum: Wie geht er jetzt und schaut, was ist los, sondern wie er nur über sein Feld geht. Mit welcher inneren Haltung er über sein Feld geht, das macht für die Erde einen Unterschied. Das gilt natürlich nicht nur für den Bauern, sondern die Art, wie wir durch die Welt gehen, wie wir die Erde betreten - mit jedem Schritt. Der Schritt kann zerstörerisch sein - oder er kann belebend sein für die Erde.

Der Entwicklungsgedanke entsteht als großer Fortschritt erst nach der griechisch-lateinischen Zeit in unserem Bewusstseinsseelenzeitalter 0:28:56

Das liegt einfach nur daran, wie wir uns in unserem Ich weiterentwickeln - nur an dem, an nichts anderem. Also, der große Gedanke - auch der Anthroposophie - ist dieser Entwicklungsgedanke, der drinnen ist. Im Grunde ist es, dass das ins Bewusstsein kommt, der große Fortschritt gegenüber der griechisch-lateinischen Zeit. Dort war eigentlich der Blick noch zurückgewendet - zumindest bis zur Zeitenwende - zurückgewendet auf die Vergangenheit, aus dem alles nach dem alten Prinzip entstanden ist: eine schöpferische Quelle, wo alles von oben herunter gießt und gegossen wird und, naja, wo dadurch versucht wird, eine immer bessere Welt zu machen. Aber in Wahrheit ging es nur darum, den Boden zu bereiten für uns, auf dem wir schreiten können. Und jetzt geht eine Entwicklung in die Freiheit los. Eine Entwicklung, wo jeder Schritt im Grunde, jede Handbewegung, jeder Griff, jeder Blick die Welt verändert - verändern kann in ganz positivem Sinne, wenn wir es wollen.

Wir stehen eben jetzt im Bewusstseinsseelenzeitalter - und da heißt es, das, was wir schon lange tun, manchmal besser, manchmal schlechter, immer bewusster zu tun. Also, wenn ihr fragt: "Wie tue ich das, aus dem Nichts heraus, in völliger Freiheit, etwas zu schaffen?" Bis hinein, eine ganze neue Seelenwelt, im Grunde, zu erschaffen. Da fängt es an… und was dann davon in die Natur übergeht, da helfen uns dann sowieso andere, über uns stehende geistige Wesenheiten, weil wir das noch nicht können - aber der Impuls geht von unserem Ich aus, ergreift unser Seelisches, wirkt in die Seelenatmosphäre der Erde und von dort dann in die Lebenskräfte - und dann bis ins Physische, ins Wärmeelement, ins Luftelement, ins Wasserelement, ja, bis ins kristalline Element hinein. Bis dorthin wirkt es. Wir müssen also verstehen: Das Werden des Menschen. Das Werden des Menschen in seiner Gewordenheit aus der Vergangenheit. Und mit der Zeitenwende beginnt der Umschwung, dass wir immer, immer aus uns selbst, immer mehr aus uns selbst, Werdende sind: dass es da im Grunde niemals einen Abschluss gibt; dass wir immer im Aufbruch sind. Es ist ja interessant, ich glaube, ihr werdet wahrscheinlich unsere Zeit, in der wir gerade aktuell drinnen stehen, auch im gewissen Sinn als Umbruchszeit empfinden. Etwas Besseres kann uns eigentlich gar nicht passieren. Also, zumindest in meiner Lebenszeit ist mir keine Zeit entgegengekommen, die besser geeignet wäre, um einen neuen Aufbruch zu schaffen, einen neuen geistigen Aufbruch zu schaffen, wirklich neu zu sagen: Aber zählen tut nur, was du aus deinem Ich machst - und wie du das hineinlegst in jede deiner Bewegungen, deiner Blicke, deiner Worte, in deine Stimme, in alles das, in die Art, wie du fühlst, wie du empfindest. Alles das. Indem du das individualisiert, tust du eigentlich schon alles. Was dazukommt, ist, dass wir wach werden können dafür und sehen, wie sich damit die Welt verändert - langsam, immer, immer mehr.

Immer wieder: sieben Entwicklungsschritte im Großen wie im ganz Kleinen - und dagegen wirkt das uns hinunterziehen wollende Tier… 0:33:01

Es geht also um letztlich sieben, immer wieder um sieben Entwicklungsschritte - im ganz Großen wie im ganz Kleinen. Also, weiß ich nicht, im ganz Kleinen sind es vielleicht die sieben Tage der Woche oder wo, in dem wir uns etwas vornehmen können und da was durchziehen und vielleicht mitbekommen, wie sich das ändert, wie jeder Tag seine eigene Qualität drinnen hat und wie sich etwas entwickelt. Oder im ganz Großen sind es die sieben großen kosmischen Entwicklungsstufen, diese planetarisch-kosmischen Entwicklungsstufen, von denen wir schon oft gesprochen haben. Also, es sind sieben Stufen. Das ist ganz interessant. Und das führt uns jetzt dann auch dazu, vielleicht ein bisschen Anknüpfung zu finden an die Kräfte, die dem entgegenstehen, also das, was uns zu dem Tier mit den sieben Hörnern machen will, ah, mit den sieben Köpfen und den zehn Hörnern. Die haben sich wieder vorgedrängt, die Hörner, ja klar, weil die Hörner, die sind noch das ganz Spezielle da, die sind es, die es noch schlimmer machen. Die Köpfe wären noch gar nicht so schlimm, wie dann die Hörner schlimm sind. Weil, da kommt noch ein Zwiespalt. Und ihr müsst euch denken: Die haben immer… es sind immer zwei Hörner drauf (Wolfgang ahmt mit den Händen zwei auseinandergehende Hörner auf seinem Kopf nach), zwei Hörner dann auf den Köpfen, auf diesen Köpfen.

Unverständliches aus der Teilnehmerrunde.

Naja, es gibt die sieben Köpfe, es ist oft in den Abbildungen. Es sind dann wirklich davon die ersten vier mit nur einem Horn - es sind sozusagen noch Einhörner - und dann kommen noch sechs (drei!) dazu, die zweihörnig sind, die Zweihörnigen. Das erinnert uns nämlich schon wieder an was? An das zweihörnige Tier, das also ganz dem Christus entgegensteht, in dem sich ganz die soratischen Kräfte verbildlichen. Im Grunde sind es auch irgendwie wieder wir, wenn wir halt so mit Haut und Haar diesen soratischen Kräften folgen, dann kommt diese ganz starke Entzweiung. Das sind die Kräfte, die hinarbeiten wirklich auf diese letztlich große Entzweiung. Das heißt, es wird einen Weg geben, der die Erdentwicklung in fruchtbarer Weise fortsetzt - und es wird einen Weg geben, der in das Reich dieser soratischen Wesenheiten abdriftet. Das sind so die Kräfte, die, ja, deutlich hervorgekommen sind das erste Mal in der atlantischen Zeit, in der Mitte der atlantischen Zeit. Seit da ist es schon irgendwo spürbar.

Entzweiung der Lebenskräfte: nach unseren Verkörperungen werden wir die Geschlechtertrennung überwinden 0:36:10

Seitdem leben wir mit diesem Impuls drinnen. Es ist zum Beispiel, um nur eines zu nennen, es ist… diese Entzweiung ist bis in unser Physisches, ja, bis in unsere Lebenskräfte hinein drinnen. Es hängt, zum Beispiel, auch zusammen mit der Geschlechtertrennung. Die Geschlechtertrennung ist ein Zeichen dessen. Ich meine, ihr könnt euch lebhaft vorstellen: Wie schaut's denn jetzt mit Engeln aus, Erzengeln, Urengeln? Sind die männlich oder sind die weiblich? Weder noch. Weder noch. Das ist für sie überhaupt nichts Fassbares. Sie sind nicht gespalten in diese zwei unvollkommenen Hälften. Diese Spaltung eröffnet uns zwei Wege: Der eine Weg ist, zur Liebe zu finden - die letztlich dazu führt, dass diese beiden Geschlechter sich vereinigen, und zwar so vereinigen werden in der fernen Zukunft, dass eben wirklich diese Geschlechtlichkeit komplett überwunden wird. Also, eben dann natürlich erst, wenn wir nicht mehr auf Erden in so einem physischen Leib, wie wir es jetzt sind, verkörpert werden. Vorher geht das nicht. Aber dann wird sich das einmal aufheben, indem wir in allen unseren Wesensgliedern die weibliche und die männliche Seite so in uns vereinigt haben, dass wir wieder ein Ganzes sind. Bis da hinunter. Aber jetzt sind wir in der Entzweiung drinnen und das manifestiert sich am deutlichsten, am stärksten - und daher in gewisser Weise als Möglichkeit zum Höchsten, aber auch zum Tiefsten hinunter - gerade in der Beziehung zwischen den Geschlechtern, etwa in der Sexualität drinnen. Das kann zu etwas ganz Hohen führen, es kann aber auch ganz hinunterführen. Nicht umsonst ist, zum Beispiel, gerade der Missbrauch der Sexualität der Königsweg zur schwarzen Magie. Also, der Königsweg, der hinunterführt in das Reich der soratischen Kräfte. Aber es kann genauso auch ein Weg in den Himmel hinauf sein. Aber das liegt daran, wie wir damit umgehen. Die Frage ist: Wie bewusst gehen wir damit um? Also, in all diesen Dingen wird sehr, sehr viel mehr Bewusstsein notwendig sein.

Zurück zu den Siebenerstufen: Goethes Faust II und Goethes tiefe "Ahnungen" um das Werden des geistigen Wesens "Mensch" 0:38:38

Aber ich möchte zu diesen sieben Entwicklungsstufen. Ich hatte nämlich schon, ich glaube, seit mindestens zwei oder drei Vorträgen vor, euch eine entsprechende Passage aus Goethes Faust dazu vorzulesen, wo man sieht, welch tiefe, na, sagen wir mal "Ahnungen", welch tiefes, aber sicher nicht voll bewusstes Wissen Goethe hatte von diesen Dingen. Und namentlich im zweiten Teil seines Faust ist es drinnen. Ich meine, der erste Teil des Faust, das ist so die Vorbereitung, in Wahrheit. Das ist so die erste Einstimmung, aber da sind tolle Sachen natürlich drinnen, aber es ist nichts im Vergleich zu dem, was im zweiten Teil des Faust drinnen ist, der, ja, auf den ersten Blick - wie es halt immer bei so großen Sachen ist - wahrscheinlich für die meisten völlig unverständlich ist. Man schaut sich das an, es sind vielleicht schöne Bilder. Und es ist schon was Gutes, wenn ich zumindest soweit offen bin, dass ich sage: "Ich verstehe überhaupt nicht, was meint er damit? Um was geht es hier überhaupt? Keine Ahnung. Aber es ist schön. Es berührt mich." Wenn das da ist, ist das Wichtigste da. Weil, zu verstehen, das wirklich zu verstehen, es in klare Begriffe zu fassen, dazu muss man, ja, noch wacher sein, als es Goethe selbst sein konnte. Weil, er hat mit Sicherheit das meiste von dem, namentlich was er in den zweiten Teil des Faust hineingelegt hat, nicht selbst verstanden. Aber er hat gewusst, dass es richtig ist. In seinem Willen, in seinem schöpferischen Willen hat er gespürt: Das passt. Das drückt das richtig aus. Sicher hat er gespielt mit Elementen, die ihm bekannt waren, er hat viel entnommen aus der griechischen Mythologie, aus der Überlieferung heraus, aber er hat ganz was Eigenes draus gemacht. Er hat sich nicht gescheut, das alles zu verdrehen und zu verbiegen - bis in die Worte hinein. Wenn ein Wort nicht in den Reim hineinpasst, den er haben will, dann ändert er das Wort. Was soll's denn! Ich glaube, ich hab's euch eh schon öfters gesagt: Wenn auf "jung" und irgendwo "genug" kommen sollte, das reimt sich nicht. Dann wird halt "genung" draus. Ende. Das Wort wird man sicher nicht im Duden drinnen finden, aber es ist die einzig richtige Antwort drauf. Es passt einfach.

Sprache individualisieren: "Ich mache ALLES neu!" 0:41:19

Weil Sprache etwas ist - haben wir auch das letzte Mal, glaube ich, schon gesprochen drüber - Sprache ist etwas, was immer individueller werden wird, wenn wir dran arbeiten. Individuell heißt schöpferisch. Schöpferisch in jedem Moment. Keine Wörterbücher mehr, die gibt's nicht. Keine Nationalsprachen mehr. Die gibt's nicht mehr. Individualsprache. Ich schaffe sie im Moment des Sprechens, weil es mir gelingt, meine Seele so fein zu formen, dass sie so die Sprachorgane ergreift, dass sie wirklich genau das zum Ausdruck bringen, was ich jetzt im Inneren erlebe und was ich weitergeben will dadurch. Das ist ein schöpferischer Akt. Ja, dann wird das Welten-Keimesworte, ja, zum Reifen gebracht, von dem wir heute im Wochenspruch gelesen haben. Dort geht es hin. Manchmal denkt man sich heute: "Ja, hmm, wie die Künstler oft mit der Sprache umgehen, manchmal denkt man, jetzt zerstören sie's, verballhornen sie's, was machen sie?" Es kann beides sein. Es muss die alte Sprache zerlegt werden - von hinten bis vorne - um neu geschaffen zu werden. Dort geht's hin. Ja, das geht nicht in einem Augenblick. Nur die Zerstörung allein ist es auch nicht. Es ist aber die Zerlegung und dann: Neues, Neues zu machen. Zerlegung bis in die Stäubchen hinein; dort aus dem schaffend zu werden. Es gibt keine Grenzen. Heute, jeder, der ein bissel Künstler sein will, den kann man nur aufrufen: Es gibt keine Tabus mehr. Es muss alles neu sein, alles neu. Der Christus sagte selbst: "Ich mache alles neu." Das Ich macht alles neu. Alles neu. Dazu gehört ein unglaublicher Mut, sich auf das einzulassen, zu sagen: "Okay, ich habe so viel gelernt, ich weiß so viel, ich habe mir so viel erarbeitet - und das alles muss ich loslassen können. Ich habe so viele Freunde, die mir helfen können und sonst was. Sie können mir Impulse geben, aber eigentlich, wenn ich wirklich in die Welt hinausschaue: Es ist mir alles fremd. Ich bin etwas Anderes." Das ist das Ich-Erlebnis. Ich bin etwas Anderes. Und aus dem heraus muss ich tätig werden. Dann bin ich bei mir, dann bin ich beim Göttlichen in mir. Um das geht's!

Goethes Faust II: die Wandlungen des Homunculus in der Walpurgisnacht 0:43:52

Wie sich das entwickelt, wie dieses Menschenwerden sich vollzieht, das schildert Goethe jetzt im zweiten Teil des Faust in der klassischen Walpurgisnacht. Das ist vielleicht der turbulenteste und der am schwersten verständliche Teil dieses ganzen zweiten Teils vom Faust. Da tauchen alle möglichen mythologischen Gestalten auf. Es sind wunderbare Bilder, aber prrr… um was geht's? Da muss man schon sehr genau hineinschauen. Also, bei der Szene, um die es geht: Es treten auf zwei Philosophen, die im Gespräch miteinander sind. Und einer davon ist der Thales und der möchte so gerne wissen, wie die Welt entstanden ist, wie sie weitergeht, wie das Werden der Welt ist und so. Sie befragen den Meeresgott Nereus, der schickt sie weiter zu Proteus. "Proteus", das hat was zu tun… "Proteus", das Erste". Er ist auch ein Meeresgott. Er ist der Meeresgott des Ursprungs, des Anfangs. Das Typische für ihn: Er ist nicht zu fassen. Er verwandelt ununterbrochen seine Gestalt, kaum erscheint er, ist er schon wieder anders. Er ist einmal da, einmal dort - und der Thales ist ganz verzweifelt, aber er weiß: Wir brauchen ihn. Denn mit dem Thales gemeinsam fliegt oder schwebt in seinem Glas der Homunculus, das Menschlein - oder eben nicht ganz Menschlein, eben das, was Mensch werden möchte. Der Homunculus wurde von Fausts Adlatus, von seinem Gehilfen Wagner, ja, wie soll man sagen, "herangezüchtet" in einer Retorte. Nur dieser Homunculus ist eigentlich gar nichts Stoffliches. Er ist, wie der Wagner selbst sagt - oder wie auch der Homunculus selber, er kann nämlich sprechen sehr wohl… Wie das geht bei einem nichtstofflichen Wesen, ist eine andere Frage - aber dann spricht er halt im Geistigen. Geht ja genauso gut. Also das heißt, was geistig gesprochen ist, was äußerlich gesprochen ist, das ist in Goethes Faust… geht das quer durcheinander, da merkt man gar nicht, wo das eine ins andere übergeht. Eigentlich geht es immer ums geistige Sprechen. Das ist ja in Wahrheit auch der Hintergrund des äußeren Sprechens. Ob es dann äußerlich auch ertönt - ja, auf der Bühne muss man es machen - aber in Wirklichkeit ertönt es im Geistigen eben.

Also, es geht darum: dieses Seelenflämmchen, das halt so gern verkörperlicht wäre. Dieses Seelenflämmchen ist im Übrigen hermaphroditisch, das heißt, weder männlich noch weiblich, es ist nicht geschlechtlich geschieden. Es ist beides oder keins von beiden, wie immer man es nehmen will. Es vereinigt die beiden Kräfte in sich, aber es will sich eine Körperlichkeit schaffen. Dazu braucht es jetzt offensichtlich… so rät der Meeresgott Nereus, indem er sagt: Geht zum anderen Meeresgott, nämlich zum Proteus, der sich ständig verwandelt. Du musst als Seelenflämmchen hineingeführt werden in die Welt der Elemente, aber in die Welt der Elemente in ihrer beständigen Verwandlung und Weiterentwicklung. Das passiert dann auch später. Der Proteus nimmt dann wirklich diesen Homunculus, ja, auf seine Schultern, im übertragenen Sinne, und stürzt sich mit ihm in die Wellen des Meeres und wandelt sich mit ihm durch alle Formen: von den einfachsten Fischlein hinauf durch bis letztlich zum Menschen. "Und bist du endlich Mensch geworden, so ist es aus mit dir." Bumm. So ist es aus mit dir; denn dann stehst du dort - das sagt der Proteus zwar nicht mehr - aber dann, was du dann machst, was dann aus dir noch werden kann, das musst du selbst machen. Ganz alleine. Bis dorthin kann ich dich führen, dass du in der Menschengestalt dastehst. Aber was du daraus machst, ist Deines. Und niemand anderen Tat mehr, nur mehr deine - und das, ja, in Wahrheit, durch viele, viele Inkarnationen.

Goethe und der Gedanke der Wiederverkörperung 0:48:47

Das steht jetzt da nicht so deutlich ausgesprochen drinnen im Faust, aber Goethe war sich des Wiederverkörperungsgedankens sehr stark bewusst und war sich sicher, dass so die Entwicklung läuft. Lag ja in der Goethezeit überhaupt ganz, ganz stark drinnen, dass man gesagt hat: Das ist doch eigentlich die höhere Fortsetzung des Entwicklungsgedankens, der in der Natur, ja, bis zu einem gewissen Punkt hinführt - aber dann muss die geistige Entwicklung erfolgen und die braucht immer wieder neue Inkarnationen. Das ist ja eigentlich fast zwingend. Ich meine, bitte, was bringt man in einem Leben weiter? Also, wenn ich mir die eigenen Unvollkommenheiten anschaue und mir derer bewusst werde, dann… pfff… dann muss ich sagen: "Um Gottes Willen, wie soll das zu schaffen sein? Was ist da noch alles zu tun, um einmal die Fehler der Vergangenheit auszugleichen und dann überhaupt die nächsten Schritte in die Zukunft zu gehen?" Das ist ein so gewaltiges Werk, dass man es sich gar nicht vorstellen kann, wie das ist. Muss man auch nicht. Man muss nur den nächsten Schritt tun. Nur den nächsten Schritt. Der eröffnet schon wieder ein neues Feld. Das ist der Schritt, der die Welt düngt - und die uns selbst uns immer näher bringt, unserem wahren Ich.

Die Kabiren sind die Götter des Menschenwerdens: der Weg des "listigen" Odysseus 0:50:10

Aber wir brauchen Hilfe dabei. Hilfe gab's in der griechischen Mythologie - in der griechischen Überlieferung - auch, auf die Goethe jetzt zurückgreift. Es gab die Götter des Werdens, des Menschenwerdens. Die wurden vor allem verehrt - das sind gar nicht die klassischen griechischen olympischen Götter, die sind eigentlich, ja, eher untergeordnete Wesen im Vergleich zu dem, was diese Wesenheiten geleistet haben, die genannt werden: die Kabiren. Die Kabiren, die besonders verehrt wurden in der Nord-Ägäis, insbesondere auf der Insel Samothrake, aber auch auf anderen Inseln. Die Insel Samothrake galt als - vor allem in der damaligen Zeit - als sehr von Stürmen, von Unwettern, von Überschwemmungen und weiß Gott was gepeinigte Insel, die mitten im Sturm der Elemente drinnen steht. Dieser gewaltige Sturm der Elemente, das ist sozusagen der Platz, in dem diese Kräfte des Menschen werden sich entfalten können. Und die wurden dort verehrt. Auf das nimmt Goethe jetzt Bezug. Also, nachdem Thales jetzt den Rat empfangen hat, mit dem Homunculus sich zum Proteus zu begeben, wechselt die Szene - die verschwinden irgendwo im Hintergrund - und es kommen die Sirenen. Die Sirenen mit ihrem verwirrenden Gesang im Grunde, ja, mit dem Gesang, der aus dem Geistigen kommt, in Wahrheit

Ihr wisst, dass der Odysseus es auf seinen Fahrten auch… er musste sich die Ohren verstopfen, dass er den Sirenengesang nicht hört, weil man wahnsinnig wird dabei. Weil man in den Wahn verfällt. Das heißt, man verliert eigentlich die Besonnenheit des Verstandes und kommt ganz in dieses geistige nicht nur Schauen, sondern in das geistige Tönen hinein. Unser Bewusstsein ist sowas von überfordert davon, dass man völlig verwirrt wird. Der Odysseus hat sich halt die Ohren verstopft, Nummer eins, und zweitens hat er sich an den Mast binden lassen… Nein, er hat sich eigentlich ausgesetzt sogar dem Gesang der Sirenen, aber er hat sich an den Mast binden lassen, damit er nicht jetzt, weiß ich nicht, in seinem Wahn dann in dem, was da auf ihn zukommt, sich hineinstürzt ins Meer. Er hat versucht auszuhalten diese Kräfte, diesen Sirenengesang auszuhalten und durchzutauchen, wo dieses Schiff, mit dem er dann sich auf die Heimreise begibt nach dem Trojanischen Krieg, das durchzusteuern zwischen den Kräften, die ihn auf verschiedene Weise in den Abgrund ziehen. Also zwischen den Meeresungeheuern Skylla und Charybdis; eins schlimmer als das andere. Naja, wir kennen die beiden Widersacherseiten, die dadrinnen stehen. Da führt ein ganz schmaler Pfad durch - und er, der Odysseus, muss das Schiff lenken. Die Ohren verstopfen, musste sich nämlich die Besatzung seines Schiffes, so war's nämlich, nicht er, sondern die Besatzung. Die haben sich die Ohren verstopft, dass sie den Sirenengesang nicht hören. Die haben also brav gerudert und der Odysseus hat aber das Schiff gesteuert - und er hat ausgehalten diesem Sirenengesang.

Er ist durchgegangen - und damit ist er einen riesigen Schritt weitergekommen. Weil, er hatte dieses Verstandesbewusstsein schon sehr stark entwickelt, drum ist er der "listenreiche Odysseus". Er ist überlegen den vielen anderen, weil er schon so gescheit ist, sozusagen, und Pläne aushecken kann. Also mit dem irdischen Verstand eben auf die Idee mit dem trojanischen Pferd und so weiter kommt und damit letztlich den Sieg bewirkt über Troja. Also, große Geschichte… aushält also auch diese Fahrt eben zwischen den beiden Meeresungeheuern durch, wo die See ganz gewaltig tobt, und er steuert das Schiff aber sicher durch. Eben mit diesen Kräften, mit diesen entfesselten Naturkräften, in gewisser Weise umzugehen und daraus zu gestalten immer mehr den Menschen, darum geht es bei den Kabiren auch. Also, vor allem einmal zu gestalten die Leibeshüllen des Menschen: seinen physischen Leib, seinen Ätherleib, seinen Astralleib. Na ja, und dann ist die Frage, was da kommt. Aber ich lese euch mal wieder ein Stückchen. Heute haben wir ein bissel Leseabend.

Also, die Sirenen singen schon einmal:

"Was sehen wir von weiten

Das Wellenreich durchgleiten?"

Und jetzt kommen die Nereiden und Tritonen. Die bringen jetzt diese Götter, die bringen sie. Also, auf den Schwingen der Nereiden und Tritonen, das sind auch Wasserelementarwesen, also die eben dazu gehören, zu dem Nereus zum Beispiel dazu, in gewisser Weise, also Kinder oder Nachkommen von ihm sind. Sie singen jetzt folgendes:

"Was wir auf Händen tragen

Soll allen euch behagen…

Sind Götter die wir bringen;

Müsst hohe Lieder singen."

Die Sirenen darauf:

"Klein von Gestalt

Groß von Gewalt,

Der Scheiternden Retter,

Uralt verehrte Götter."

"Der Scheiternden Retter": unsere mit dem Christus verbundene Ich-Kraft 0:56:22

"Der Scheiternden Retter", also derer, die scheitern. Die scheitern. Immer wieder scheitern in diesen tobenden Elementen. Ja, das sind wir! Wir, unser Ich ist es, das im Toben der Elemente, der seelischen Elemente, auch ununterbrochen scheitert, immer wieder scheitert. Das Scheitern gehört zum Ich dazu. Wir wachsen im Grunde nur am Scheitern. Dass dann einmal was gelingt, das ist, sozusagen, die Draufgabe. Auf das können wir uns schon nicht mehr stützen. Das ist nur der Impuls, wieder mehr Kraft zu haben, aus dem nächsten Scheitern herauszukommen. Wir gehen durch. Also, wenn ihr fragen wollt: "Wo zeigt sich das Ich in seiner schöpferischen Kraft?" Dort, wo es durch’s Scheitern durchgeht - und trotzdem durchkommt. Also, es sind unsere Fehler, unsere Ver-Fehlungen - bis in die schlimmsten Verfehlungen hinein. Nicht, dass ihr jetzt sagt: "Na, bitte schön, ja, dann macht's nur Verfehlungen, eins nach dem anderen." Der Punkt ist, wir strengen uns an mit unserem Ich - und scheitern trotzdem. Wir kommen aber trotzdem durch - und wir bewältigen es wieder und wir können wieder was gutmachen. Und indem wir das wiedergutmachen, was wir, sozusagen, verbrochen haben, an dem wächst unsere Ich-Kraft. An dem wächst unsere Ich-Kraft. Weil, wir können im Grunde nichts anderes als alles, was da ist, zersplittern, zerstören, zerschmettern, um es neu zu machen. Es ist halt nur die Frage, wie dosiert wir das machen. Ich meine, wenn wir gleich von Haus aus die ganze Welt zerstören, wird es sehr schwierig, aus dem Ich heraus das wiedergutzumachen. Da müssten wir gleich wieder eine ganze Welt neu schaffen, das schaffen wir halt nicht. Aber im Grunde wachsen wir an dem. Ja, das ist jetzt einmal ein sehr konträres Bild zur üblichen Anschauung: Wir wachsen an dem, was wir ruinieren in der Welt - dann das überwinden und daraus etwas Besseres machen, als es vorher war. So geht der Weg.

Das Wesen des Geistigen ist es, alles Materielle aufzulösen - und dabei aber nicht alles zu zerstören, sondern zu wandeln 0:58:40

Es ist ganz klar: Wir leben in der physischen Welt und wir bringen ein Geistiges hinein. Und das Geistige, was tut es? Was ist sein Wesen? Alles zu vergeistigen! Das heißt, letztlich das Materielle aufzulösen. Ich meine, wenn unser Geistiges ungebremst hineinstürzen würde in die materielle Welt, dann wären wir schlimmer als Millionen Atombomben, sozusagen. Wir würden die Welt zersplittern. Stellt euch vor nur, die gewaltige Leistung des Christus, also der schöpferischen Kraft, der geistigen-schöpferischen Kraft des ganzen Kosmos, sich in einen physischen Leib hineinzuzwängen - ohne ihn vorzeitig zu zerstören! Denn eigentlich müßte eine einzige Berührung dieser Leibeshülle mit dem Christus ihn in Tausende Stücke sprengen. Das wäre eigentlich das Normale.

Es kommt eine nicht verständliche Bemerkung aus der Teilnehmerrunde.

Ja, je größer die geistige Kraft ist, desto stärker ist diese Wirkung. Wir machen's im Vergleich dazu, Gott sei Dank, sehr dosiert, aber es wird immer mehr werden. Daher wird mehr Zerstörung sein, die aber auch immer schneller in einen neuen Aufbau geht. Das heißt, es geht immer mehr in eine Umwandlung hinein.

Ja, was sagen uns die Kabiren dazu? Die also "der Scheiternden Retter" sind, also unsere Retter sind, uns die Kräfte zuführen, die wir brauchen, um aus unserem Ich heraus tätig werden zu können. Nicht wahr, wir können noch nicht alles aus uns selbst heraus schaffen. Das Ich ist einmal das, was sich ununterbrochen selbst schafft. Das Ich "ist" niemals. Das Ich hat kein Sein

Wenn heute so viele Wissenschaftler, vor allem die Gehirnforscher und so sagen, aber auch die Psychologen: "Das Ich, das gibt's eigentlich gar nicht. Es gibt vielleicht das Ego, aber da gibt es viele Egos." Ja, ja, das sind unsere ganzen Doppelgänger, die wir in uns haben. Das ist eine Vielgestalt, weil "Doppelgänger" ist eigentlich nur so ein Pauschalbegriff für eine Vielzahl von Wesenheiten, die wir geschaffen haben, naja, durch die Fehler, die wir gemacht haben, die wir in uns tragen. Das ist im Grunde... steckt hinter dem, was man von uns angreifen kann. Das steckt vielfach hinter dem, was in uns lebt. Ja, selbst im Seelischen ist noch wahnsinnig viel davon drinnen. Weil, gerade der Doppelgänger zeigt sich, indem dieses Seelische in uns zum Bild wird, sich ausdrückt als Bild. Das ist eigentlich in Wahrheit die Summe der Verfehlungen. Aber ohne die wären wir nicht die, die wir sind, das ist jetzt einmal eine andere Perspektive. Aber dass das trotzdem nicht mündet in ein totales Zerstören, sodass alles sich ins Nichts auflöst - denn das Geistige würde das alles ins Nichts auflösen -, sondern dass trotzdem das Physische, selbst bis ins härteste Physische hinein, lange genug bestehen bleibt, damit wir uns hier entwickeln können, das ist die große Kunst. Also, es wäre eigentlich für das Ich das Leichteste, die Welt bei der ersten Berührung zu zerstören. Pfff… sie vergeistigt's… Wir würden dann, wenn wir das in einem Moment tun würden, nichts gewonnen haben für unser Ich. Weil, es wäre dann blinde Zerstörung - und nicht Verwandlung zu etwas Neuerem, Höherem.

Eine Stimme tönt aus dem Computer: "Okay, das habe ich online zu 'es wäre eine blinde Zerstörung und nicht Verwandlung zu etwas Neues führen' gefunden. Schau mal…" Okay, ich glaube das tue ich jetzt… Da leistet die Technik  ihre eigenen Beiträge…

Faust II in der Walpurgisnacht: drei Kabiren kommen und bringen den physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib - der vierte der Kabiren ist noch zögerlich 1:02:54

Ich melde euch jetzt das, was mit den Kabiren zusammenhängt.

Also, die Sirenen haben jetzt gesungen:

"Klein von Gestalt

Groß von Gewalt,

Der Scheiternden Retter,

Uralt verehrte Götter."

Also, was ganz was Großes, die schon eine lange, lange Entwicklung hinter sich haben. Jetzt kommen wieder die Nereiden; sie bringen also diese Götter:

"Wir bringen die Kabiren,

Ein friedlich Fest zu führen;

Denn wo sie heilig walten,

Neptun wird freundlich schalten."

Neptun, der Wassergott, wieder ein Wassergott. Also, lauter Wassergötter. Warum soviel Wasser da drinnen? Die ganze Walpurgisnacht, die klassische, spielt sich im Grunde rund um das Wasser herum ab. Das ist nicht das äußere Wasser. Es ist die Seelenwelt. Die bewegte Seelenwelt ist das. Das Seelische, das in der Natur waltet; das heißt, die Seelenatmosphäre, die Astralatmosphäre der Erde, in der sich auch unser Seelisches entwickelt. Wir müssen eben aufpassen, dass wir nicht die Wogen dieser Astralwelt draußen zum Schäumen bringen - und andererseits, dass wir nicht verschlungen werden, einfach geschluckt werden von der Astralwelt da draußen. Wir müssen eigentlich, ja, lernen, die Meeresstille da in uns herzustellen, aber auch in gewisser Weise um uns herum. Also:

"Wir bringen die Kabiren,

Ein friedlich Fest zu führen;

Denn wo sie heilig walten,

Neptun wird freundlich schalten."

Jetzt wird's interessant:

"Drei haben wir mitgenommen,

Der Vierte wollte nicht kommen,

Er sagte, er sei der Rechte

Der für sie alle dächte."


Puh, was heißt das jetzt schon wieder? Also, da kommen drei Kabiren - oder drei werden mitgebracht von diesen Wassergeistern, von diesen Astralwesen, wenn man so will. Es hat was zu tun mit diesen drei Kabiren jetzt, die mitgekommen sind. Die haben eine Verwandtschaft mit diesen alten Naturkräften. Ja, es sind die Kräfte, die unseren physischen Leib, unseren Ätherleib, unseren Astralleib schaffen. Das sind die drei, also unsere unteren drei Wesensglieder, wenn man so sagen kann. Das, was zunächst die Hülle ist, die unser Ich bekommen hat, um sich zu verkörpern. Aber da ist noch ein vierter, der zumindest zu der Zeit, um die es da geht, noch nicht kommen wollte. Das ist der, der mit dem menschlichen Ich zusammenhängt. Das Ich ist noch nicht ganz da, aber er charakterisiert sich ganz richtig, er sagt: "Er ist der, der für alle dächte." Er ist der, der das Denken mitbringt. Er ist der, der - wie soll ich sagen - das Bewußtsein für die geistige Welt in klare Gedanken fassen kann als Voraussetzung dafür, dass wir hier auf Erden zum klaren Ich-Bewusstsein kommen können. Dazu brauchen wir nämlich das klare Denken. Und dazu muß sich diese geistige Ich-Kraft wirklich bis ins Physische hinein senken. Und es ist Zeit, dass der kommt. Wir sind mit diesem noch nicht fertig. Wir sind noch nicht fertig. Denn wir sind fertig dann, wenn wir dem Christus darin nachgefolgt sind, mit unserem Ich durchgedrungen zu sein bis ins kristalline Element in unserer Leiblichkeit, das heißt bis in die Tiefen des Knochensystems hinein - und zwar in das Kristalline im Knochensystem. Knochen bestehen ja nicht nur aus Kristallen, sondern sie sind gebunden hinein in Eiweiß und dergleichen. Aber der Kern sind wirkliche Kristalle, die da drinnen sind - und bis dahinein soll unser Ich dringen, bis da hinein. Und dabei immer mehr und mehr erwachen.

Je tiefer wir ins Feste dringen, ins Tote eigentlich dringen, desto mehr erwachen wir und desto mehr durchdringen wir mit unserem Geistigen die Welt. Ich meine, im Grunde, das Interessante ist, dass nämlich gerade das Kristalline eigentlich ganz offen ist fürs Geistige. Das ist auch ganz offen und… ja, man könnte sagen, die Mineralwelt wartet mit Freude darauf, dass wir uns bis dort hineinbegeben und in dieser Welt erwachen. Das ist das, was wir schaffen müssen, ja, bis zum Ende unserer physischen Verkörperungen auf Erden. Da müssen wir dem Christus nachfolgen. Er war der erste Mensch, ich sage jetzt ganz bewusst "Mensch", der das getan hat: Das höchste Göttliche, das ganz Mensch geworden ist. Ganz Mensch geworden ist. Niemand ist noch so sehr Mensch geworden wie der Christus. Der Christus ist der menschlichste aller Menschen, sozusagen - in diesem Sinne. Und hat uns das Bild gegeben dafür - oder den Weg gezeigt -, dass wir es werden können. Aber Jeder auf einem individuellen Pfad. Jeder auf seine Weise. Also, dieser vierte der Kabiren ist der wichtigste. Das ist der wichtigste zunächst einmal. Weil, da geht's jetzt los:

"Der Vierte wollte nicht kommen,

Er sagte, er sei der Rechte

Der für sie alle dächte."

Die Sirenen drauf:

"Ein Gott den andern Gott

Macht wohl zu Spott."

Goethe geht im Faust II weit über die griechische Mythologie hinaus: es gibt sieben Kabiren - und im Verborgenen sogar noch einen achten! 1:09:19

Die Sirenen sind immer sehr, sehr, naja, spöttisch, sagen wir es mal so vorsichtig. Die bringen es immer in Verwirrung. Aber jetzt geht es noch weiter. Die Verwirrung geht auf andere Weise weiter. Die Nereiden und Tritonen, die ja jetzt wenigstens die drei ersten Kabiren gebracht haben, sagen jetzt weiter noch - und das ist das Tolle: Da geht eigentlich der Goethe deutlich weiter, als es bei den Griechen in der Mythologie noch üblich war, denn dort hat man von drei Kabiren gesprochen. Gelegentlich taucht ein vierter auf, der dann sogar noch ermordet wird und dergleichen. Das ist ganz interessant. Aber beim Goethe geht's weiter. Und jetzt wird's ganz entscheidend erst.

Und da sagen die Nereiden und Tritonen:

"Sind eigentlich ihrer sieben."

Die Sirenen:

"Wo sind die drei geblieben?"

Also die drei, die jetzt noch fehlen. Vier haben wir schon gehabt. Wo sind denn die? Von denen weiß man ja gar nichts.

Und die Nereiden weiter:

"Wir wüssten's nicht zu sagen,

Sind im Olymp zu erfragen;

Dort west auch wohl der Achte,

An den noch niemand dachte.

In Gnaden uns gewärtig,

Doch alle noch nicht fertig."

"Färtig" muss man eigentlich sagen, nicht wahr. Weil es heißt "gewärtig" und "färtig", eigentlich. Wenn man sagt "gewärtig" und "fertig", ist es gar nicht ganz im Sinne von Goethe. Man muss es ein bissel anders aussprechen, in Wahrheit. Also:

"Wir wüssten's nicht zu sagen,

Sind im Olymp zu erfragen;"

…in der geistigen Welt…

"Dort west auch wohl der Achte,

An den noch niemand dachte.

In Gnaden uns gewärtig,

Doch alle noch nicht fertig.

Diese Unvergleichlichen

Wollen immer weiter,

Sehnsuchtsvolle Hungerleider

Nach dem Unerreichlichen."

Faust II - das Ende: das sehnsuchtsvolle Streben nach dem "Unerreichlichen", das aber durch das Ich zum "Erreichnis" werden kann 1:11:27

"Nach dem Unerreichlichen", um das geht's. Dort will das Ich hin. Nach dem, was jenseits aller Möglichkeiten liegt. Nach dem, was im Grunde unerreichlich ist. Ich erinnere nur, wie der Faust II endet:

"Alles Vergängliche

Ist nur ein Gleichnis;

Das Unzulängliche…"

Und damit ist gemeint das Unerreichbare. Unzulänglich heißt nicht, ja, was halt nicht gut geworden ist, sondern das heißt: das, was nicht erreicht werden kann. Wo man nicht hinlangen kann.

"Alles Vergängliche

Ist nur ein Gleichnis;

Das Unzulängliche

Hier wird’s Erreichnis."

Ich sag's jetzt so, wie es eigentlich gehört. Es steht in den meisten Goethe-Ausgaben - und es steht sogar einmal auch in einer Handschrift von Goethe selber so: "Ereignis". "Ereignis" ist falsch. Es geht nicht um ein Ereignis. Es geht darum, dass das Unzulängliche, das nicht Erreichbare, erreicht wird. Und das kann nur durch das Ich erreicht werden. Dort, wo es ganz bei sich selbst dann ist, wo es ganz zu sich gefunden hat. Also:

"Das Unzulängliche

Hier wird’s Erreichnis;

Das Unbeschreibliche,

Hier ist es getan."

"Das Unbeschreibliche": Es ist in keine Worte zu fassen, mit keinen Gedanken zu erfassen - aber es ist zu tun, aus dem heraus ist zu handeln.

"Hier ist es getan;

Das Ewig-Weibliche

Zieht uns hinan."

Faust II - der Schluss: das "Ewig-Weibliche" als die beiden Seiten der Gottheit 1:13:19

"Das Ewig-Weibliche" ist hier, ja, eigentlich ein Weibliches, das jenseits von männlich und weiblich ist. Es ist das reine Seelisch-Astralische. Das ist damit gemeint. Es ist dieses "Ewig-Weibliche" natürlich wieder ein, sozusagen, Hermaphroditisches, das beide Elemente in sich vereinigt, in Wahrheit. Das ist halt eine Zeit lang verloren gegangen, das Bewusstsein dafür. Zum Beispiel im Indischen: in der indischen Mythologie ist wenigstens immer noch, dass die Götter immer männlich und weiblich aufgetreten. Sie haben zumindest immer eine Gefährtin. Ich meine, wir, aus dem Alten Testament heraus - und dann auch im Neuen Testament - ist es eigentlich nicht genannt, diese weibliche Seite der Gottheit. Aber sie gehört immer dazu. Es gehört immer dazu. Es ist immer dieses Spiel dieser beiden Elemente, die aber nicht getrennt sind voneinander, sondern die eins sind. Ein Seelisches, das ganz durchgeistigt ist, und ein Geistiges, das ganz beseelt ist. Das Eine ohne dem Andern ist nämlich nichts.

Wenn der Ich-Funke gezündet wird: vom Werden und Vergehen durch das Wandeln mit unserer Ich-Kraft 1:14:36

Nicht wahr, wir haben das Ich bekommen als Opfer der Elohim, der Schöpfergeister, als Funke. Dieser Funke für sich genommen, ist noch gar nichts, im Grunde. Er ist nichts. Im wahrsten Sinne des Wortes: Nichts. Erst wenn dieser Funke zündet, tätig ist, ja, die Erde beginnt mit zu entzünden, das Feuer auf die Erde zu tragen… Naja, das kann auch verwüsten, dieses Feuer, natürlich. Es kann verwüsten, es kann aber auch einziehen in die Lebewesen der Natur. Es kann, zum Beispiel… langer, langer Weg in der Evolutionsgeschichte bis die warmblütigen Tiere, zum Beispiel, auftreten. Da ist was von unserem Ich-Funken in diesen Wesen schon drinnen. Noch nicht so, dass sich das selbst bewusst werden könnte da drinnen. Aber da ist der Ich-Funke dadrinnen. Es ist das Feuer, das gezähmte Feuer. Das ist eben nicht mehr das zerstörende, sondern das verwandelte Feuer. Das ist die Umkrempelung, die auch die völlige Umkrempelung der Erde (ist) - aber in wohldosierter Weise, in voll beherrschter Weise. Es kann eben auch, wenn es rein nur das Astralische ist, so wie es in der Erde tätig würde… wenn es nicht vom Geist geführt ist und ganz in den Bereich der Widersacher fällt, dann wäre es die zerstörendste Kraft schlechthin.

Wir müssen es also führen aus dem Ich heraus, dann kommen wir dorthin. Ja, dann erreichen wir das Unerreichliche in gewisser Weise. Aber wir erreichen es in der Art, dass wir immer wieder drüber hinausgehen. Immer wieder drüber hinausgehen. Aber in jedem Moment, wo wir etwas schaffen aus dem Ich, ist dieses Ziel erreicht. Und ist schon wieder weg. Es hinterlässt was. Und das ist notwendig, um die Zukunft zu gestalten, aber es wird - wie alles irgendwann früher oder später - verschwinden, weil es ein Hindernis für die Weiterentwicklung ist. Das heißt, es wird verwandelt werden. Es wird einmal ganz aufgelöst werden. Die ganze physische Erde wird sich auflösen. Es wird sich die ätherische Erde auflösen. Es wird sich die seelische Erde auflösen. Es wird ins Geistige gehen - ins gestaltete Geistige. Auch das wird verschwinden. Es wird ins ungestaltete, keimhafte Geistige gehen. Und dann wird auch das verschwinden.

Dann wird es sich zurückziehen in die höchsten Regionen letztlich: das was die Inder das Nirwana nennen. Was etymologisch durchaus zu tun hat mit, wenn wir sagen: nicht wähnen. Wir sind einerseits vom Wahn - wähnen hat was mit dem Wahn zu tun - befreit. Wir können dort nichts mehr wähnen. Es ist wirklich nichts mehr. Nichts. Das reine Nichts. Und nur in diesem reinen Nichts kann das völlig freie Schöpferische tätig werden. Und diese Kraft tragen wir in unserem Ich. Das heißt, in jeder Sekunde, in jedem Sekundenbruchteil, in jedem Augenblick, wo wir aus unserem Ich heraus tätig sind, erreichen wir das Unerreichliche. Wir sind selber diese Hungerleider nach dem Unerreichlichen. Und wenn wir uns an das halten, dann kommen wir weiter. Damit sage ich nicht, dass wir sofort alles, was schon geworden ist, gleich heute zerstören sollen. Dann stünden wir nur vor Trümmern und hätten noch nicht die Kraft es umzuwandeln. Wir müssen schon froh sein, dass viel entstanden ist und dass wir es auch pflegen müssen, es bewahren müssen bis zu einer gewissen Weise, aber wohl wissend, dass wir es auf längere Sicht weiterentwickeln, weiter verwandeln müssen. Darauf wartet die Welt. Das drückt Goethe in dieser Geschichte mit den Kabiren aus.

Das unbeschreibliche Ich: ein völlig "besitzloser" Fremder, der durch seine Taten spricht 1:18:52

Ich lese euch das Ganze noch einmal in einem Schwung durch. Es ist ganz gut, das einfach einmal so künstlerisch aufzunehmen, weil in Wahrheit: wir sind Künstler, wenn wir aus dem Ich heraus tätig sind. Wir sind nicht planende Architekten, wir sind nicht Techniker - in dem Moment. Nicht, dass wir das nicht brauchen. Ich schätze das sehr und bin auch sehr viel in dem Bereich tätig. Aber das ist nicht das eigentlich Schöpferische. Zum Beispiel, für eine neue Erfindung muss ich das alles können: Ich muss wissen, wie die Welt geworden ist, nach welchen Gesetzen das Gewordene funktioniert. An dem muss ich mich halten, wenn ich etwas Funktionierendes zusammenbringen will. Da kann ich mich nicht einfach darüber hinwegsetzen. Die Welt hat eine Geschichte, die Geschichte eben dessen, was sie geworden ist. Das liegt bis in die Naturgesetze hinein drinnen. Wenn ich gegen die verstoße, zerstöre ich die Welt; aber um sie verwandeln zu können, brauche ich etwas, was jenseits aller dieser Gesetzmäßigkeiten ist. Das ist das andere. Wie gesagt: Wir haben es alle. Indem wir Menschen sind, haben wir es alle - und unbewusst tun wir es ununterbrochen. Die Frage wird nicht gehen: Was ist das Ich? (Wolfgang schüttelt den Kopf und berichtigt sich durch die zweite Formulierung) Was ist es nicht? Ja... auch nicht die Frage, was ist das Ich. Es ist eine nicht beantwortbare Frage, im Grunde. Ich kann es nur durch meine Tat verwirklichen - in jedem Moment immer wieder neu verwirklichen. Ich kann lernen, mit der Zeit, jeden dieser Momente mit dem Bewusstsein zu verfolgen. Dann erlebe ich, was das Ich ist, immer wacher.

Dann erlebe ich, was das Geistige wirklich ist. Rudolf Steiner sagt das ganz richtig: Das erste geistige Erlebnis, das wir haben, ist das Ich-Erlebnis. Ja, schon dieses kleine Ich-Erlebnis, dieses winzige, aber höchst bedeutungsvolle, das das Kind so um das dritte Lebensjahr herum hat. Das ist eigentlich was ganz Großartiges, da leuchtet dieses aus dem Nichts Kommende, sich selbst immer wieder neu Schaffende herein und hinterlässt einen Eindruck. Und nämlich den Eindruck: Ich bin was anderes als alles das, was um mich ist, in Wahrheit. Ja, selbst leise schwingt irgendwo mit, dass es sogar ganz was anders ist als mein Körper und das alles. Es ist was anderes. Es ist ein Moment... ja, sich als Ich zu spüren - und zugleich ein, ja, Moment der unglaublichen Einsamkeit auch. Weil alles, was ich so bewusst rund um mich selbst an meinem Körper erfassen kann, all das bin Ich nicht. All das bin Ich nicht. Und als Kind kann man das aber in der Regel als was Großartiges erleben. Man erlebt es natürlich jetzt nicht so wach, wie ich euch das jetzt schildere, aber man erlebt den ersten Ansatz dessen, was für das Ich-Bewusstsein notwendig ist: sich fremd in der ganzen Welt zu fühlen. Fremd unter all den nächsten Verwandten, nächsten Freunden, die um mich stehen, bin ich trotzdem ein völlig Fremder. Ein völlig "besitzloser" Fremder, könnte man sagen. Weil, alles was ich besitze, selbst mein Körper, bin nicht Ich. Ich bin das alles nicht. Und trotzdem zu spüren, auch wenn das alles weg ist, wenn es das alles nicht gibt, bin Ich trotzdem.

Wobei das Wort "bin", weil es ja das Sein ausdrückt, schon wieder falsch ist. "Werde" ich - ununterbrochen. Ich werde und vergehe zugleich. Ich bin beides: Werden und Vergehen. Werden aus dem Nichts, vergehen ins Nichts. Das bin Ich. Und mehr gibt es eigentlich darüber nicht zu sagen. Weil alles, was man inhaltlich sagen könnte, ist schon nicht mehr Ich. Aber wir können natürlich sprechen über die Taten, die wir gemacht haben, weil durch die Taten, durch die Spur, die wir in der Welt hinterlassen - Spuren, die wir auch immer wieder verwischen und neu gestalten -, aber durch das entwickeln wir uns weiter. Daher ist das ganz, ganz wichtig. Aber genauso wichtig ist zu wissen: Die Taten als solche, die Spuren, die davon zurückbleiben, das sind wir alles nicht - aber wir wachsen daran, indem wir diese Spuren hinterlassen. Also, der Schritt des Bauern düngt das Feld. Und er macht ihn selbst immer wieder und immer mehr mit jedem Schritt zu dem Ich, das er... ist... wird… - ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll - das in ständiger Tätigkeit, in ständiger Veränderung, ist, in jedem Moment eigentlich das Unerreichliche erreicht - ohne dann irgendwo zu sein, im Grunde. Nur: Mit dem nächsten Schritt erreicht er schon etwas mehr. Das heißt, sein Ich wird noch kräftiger, was zu tun - und mit dem nächsten Schritt wieder.

Es ist jeder Schritt, ja, jeder Atemzug sogar. Denn auch in unserem Atemzug, in unserem Atem, liegt unsere Individualität, unser wirkliches Ich drinnen. Ja, gestört durch das Ego und die Widersacher, sonst was, wenn wir hektisch sind oder in die Emotion kommen. Da kommt viel Astralisches, was die Widersacher anstacheln, hinein. Dann ist unser Atem nicht durch-Icht oder zu wenig durch-Icht. Wahrscheinlich kann alles passieren. Aber wo wir wirklich so ganz, ganz uns in unserem Ich erfassen, eben in dem Moment: Ich bin ein Ich - dann atme ich aus dem Ich heraus. Und das ist eine Tat. Das ist eine Tat, die die Welt verändert und die mich mir selbst näher bringt. Das ist da alles drinnen.

Faust II - in der Walpurgisnacht: die Verse noch einmal im Zusammenhang gelesen 1:25:30

Also, das ist in diesem kleinen Abschnitt von Goethes Faust drinnen. Ich lese es noch einmal.

Die Sirenen:

"Was sehen wir von weiten

Das Wellenreich durchgleiten?"

Nereiden:

"Was wir auf Händen tragen

Soll allen euch behagen…

Sind Götter, die wir bringen;

Müsst hohe Lieder singen."

Sirenen:

"Klein von Gestalt

Groß von Gewalt,

Der Scheiternden Retter,

Uralt verehrte Götter."

Darauf die Nereiden und Tritonen:

"Wir bringen die Kabiren,

Ein friedlich Fest zu führen;

Denn wo sie heilig walten,

Neptun wird freundlich schalten…

Drei haben wir mitgenommen,

Der Vierte wollte nicht kommen,

Er sagte, er sei der Rechte

Der für sie alle dächte."

Sirenen:

"Ein Gott den andern Gott

Macht wohl zu Spott."

Nereiden und Tritonen:

"Sind eigentlich ihrer sieben."

Sirenen:

"Wo sind die drei geblieben?"

Die drei oberen. Nereiden:

"Wir wüssten's nicht zu sagen,

Sind im Olymp zu erfragen…"

In der geistigen Welt.

"Dort west auch wohl der Achte,

An den noch niemand dachte.

In Gnaden uns gewärtig,

Doch alle noch nicht fertig.

Diese Unvergleichlichen

Wollen immer weiter,

Sehnsuchtsvolle Hungerleider

Nach dem Unerreichlichen."

Die drei im Olymp zu erfragenden Kabire sind unsere höheren Wesensglieder, die unsere eigene Schöpfung sind 1:27:08

Das sind wir. Das sind wir. Und was sind die drei, die im Olymp zu erfragen sind, in der geistigen Welt zu erfragen sind? Na, das sind die höheren, die geistigen Wesensglieder des Menschen, die wir schaffen, die wir machen. Die sind ganz unsere eigene Schöpfung, auch wenn sie in der Vergangenheit vorbereitet wurden, "veranlagt wurden", wie es so schön heißt. Aber was sie wirklich werden, wird nur durch uns - oder es wird nicht. Es könnte die Entwicklung abbrechen damit, mit einer Art irdischen Ich, das, ja, zunächst einmal genascht hat an der Freiheit, das aber dann letztlich irgendwann das aufgibt - und den Weg der soratischen Wesenheiten geht. Dann würden wir diese höheren geistigen Wesensglieder in Wahrheit nicht entwickeln. Oder wir würden das, was wir schon entwickelt hätten, sogar verlieren - wenn wir auch nur eine Minute, eine Sekunde, einen Augenblick aufhören würden, daran zu arbeiten. Jetzt denkt ihr: "Puh, wann habe ich denn das gemacht das letzte Mal?" Ununterbrochen! Gott sei Dank. Gott sei Dank. Gott sei Dank.

Unser wirkliches Ich hat mit den Befindlichkeiten unseres Alltags-Ichs nichts zu tun 1:28:36

Und Gott sei Dank wurde uns die Gnade gegeben, so lange das unbewusst tun zu dürfen und zu können. Wir hätten es ja gar nicht anders geschafft. Aber wir sind jetzt, hier und jetzt, auf dem Sprung darauf, uns dessen wenigstens ahnend bewusst zu werden. Um mehr geht's ja gar nicht. Das ist dann ein weites Feld. Aber dessen bewusst zu werden! Und eben nicht zu verwechseln unser Alltags-Ich, das, was da drin ist mit unseren ganzen Befindlichkeiten: "Ähhh! Heute geht's mir so schlecht. Und ahhh! Super war ich heute, ich war so toll, was ich gemacht hab! Nah! Ich bin so gescheit. Nah, ich bin so dumm, ich bin so arm, ich bin so krank, ich bin so dieses, ich bin so jenes…" Ja, verständlich, gehört zum Menschsein dazu, dass wir durch all das durchgehen. Nur in Wahrheit, unser wirkliches Ich hat damit überhaupt nichts zu tun. Um ehrlich zu sein, es versteht's gar nicht. Es muss es lernen erst, das zu verstehen, irgendwo.

Und damit ist unser Ich schon weiter als zum Beispiel das, was die Engel können. Jetzt angenommen, wir rufen unseren Engel an und schildern ihm unsere Nöte. Er hört den Anruf. Unsere Nöte mit- oder nachempfinden, kann er überhaupt nicht. Das versteht er einfach nicht. Das ist etwas, was es in seiner Welt in dieser Art nicht gibt. Das gibt's nur… Auch dieses Leiden, das wir durchmachen auf unserem Weg, das gibt's hier. Das gibt's hier auf der Erde. Ja, letztlich an dem lernen wir sehr viel. Das sind alles die Dinge, die dazu gehören. Ich sage das nicht leichtfertig. Es gibt so viele Menschen, die so schweres Leid durchmachen müssen - und aus der Perspektive ihres Ichs heißt es aber nichts anderes: "Ich mache eine ganz, ganz starke Entwicklung durch." Oder sie haben jedenfalls die Chance dazu, sie durchzumachen. Nicht, dass wir uns irgendein Leid wünschen dürften oder irgendwem wünschen dürften: "Damit du dich gut entwickelst, sei froh, dass du so viel Leiden hast!" Das darf eigentlich nur unser Ich sagen, wenn es sich seines eigentlichen Wesens bewusst wird. Dann darf es sich sagen: "Mensch, es geht dir so schlecht, aber du bist begnadet. Du bist begnadet, daraus etwas zu machen, und es kann ein großer Schritt geschehen." Und es ist ganz egal: es kann eine schwere Krankheit sein, an der man vielleicht auch stirbt. Um das geht's nicht. Für das wirkliche Ich geht’s um das nicht. Es macht für das wirkliche Ich einen Sinn, dass es sich auf Erden verkörpert als Baby - und vielleicht kurz nach der Geburt stirbt.

Die Heimat unseres Ichs liegt über der Welt der Vorsehung - die wirkliche geistige Welt kennt keine Vorsehung 1:31:47

Diese kurze Berührung kann ein entscheidender Schritt gewesen sein. Kann, sozusagen, was Wichtiges sein aus der geistigen Welt - oder noch konkreter gesagt, aus der Perspektive des Ichs. Das Ich ist, seinem Wesen nach… es stammt aus etwas viel, viel Höherem als aus dem, was wir normalerweise als geistige Welt bezeichnen. Ich meine, wenn Rudolf Steiner oft von der geistigen Welt oder so spricht, meint er halt die untere und die sogenannte obere geistige Welt - oder mit den alten theosophischen Ausdrücken: das untere Devachan und das obere Devachan, also die Welt, in der die Götter leben, also die Welt, zu der auch die ganzen Schöpfergötter dazugehören. Aber das ist noch lange nicht das Höchste. Darüber gibt es die Sphäre, mit der der Christus sehr stark verbunden ist: die Welt der Vorsehung. Aber auch das ist für das Ich noch viel zu klein. Die Welt der Vorsehung: Das ist immer noch das, was die Welt irgendwie nach einem Plan oder nach einer gegebenen Ordnung leitet, im weitesten Sinne. Ja, die notwendig ist dafür, dass da der Ausgleich ist für Dinge, die in der Vergangenheit schiefgegangen sind, dass das ausgebessert wird.

Aber die wirkliche geistige Welt kennt keine Vorsehung, sie kennt überhaupt die Zeit nicht, sondern sie tut. Sie tut. Das ist das, was der höchste Bereich des Nirwana ist, wenn wir es jetzt mit dem indischen Begriff bezeichnen. Dieses wirkliche Schöpfen aus dem Nichts heraus. Und indem wir ein Ich haben, tun wir das. Sonst hätten wir es nicht. Das heißt, wir können es. Oder noch genauer gesagt: Wir können gar nicht anders. Der Weg geht jetzt dorthin, sich dessen immer stärker bewusst zu werden. Wie werden wir uns dessen bewusst? Naja, indem wir zum Beispiel jetzt verstehen lernen eben auch dieses Tier mit den sieben Häuptern und den zehn Hörnern, von dem es in der Apokalypse heißt: Es war da und ist jetzt nicht da und wird aber wieder kommen. Also merkwürdig. Naja, es war ganz stark in der Vergangenheit, namentlich in der atlantischen Zeit da, und hat bis ins Physische hinein gewirkt. Das hat sich eigentlich in der Gestaltung des Physischen verwirklicht. Nicht, dass es jetzt als äußeres Tier so herumgelaufen ist, aber dass die ganze Welt so geworden ist mit all den Tieren, die rundherum sind, die alle Splitter aus dem Ganzen sind, und dass letztlich wir mit unserer Menschengestalt herausgetreten sind, das sind alles Stufen der Verwirklichung dieses Tieres, irgendwo. Und das heißt, wir haben kräftig eingearbeitet auch eben diese ganzen Widersacherkräfte. Notwendig sie eingearbeitet. Da gibt es nichts, was wir vermeiden hätten können. Dann hätten wir verzichtet auf die Ich-Entwicklung.

Mit der Aufrichtekraft beginnt die Menschengestalt dazustehen - beginnend bei den Füßen 1:35:25

Es kam dann bis ins Physische hinein die Geschlechtertrennung. Davon haben wir heute schon gesprochen. Und dann kommen die zwei Hörner, vorher sind wir wenigstens noch ein Einhorn. Das Einhorn gilt ja eigentlich in der Mythologie als was sehr Lichtes und Positives. Das heißt, von diesen alten ersten Entwicklungsstufen - ich habe das schon das letzte Mal oder die vorigen Male genannt, also Stier, Löwe, Adler und dann endlich das Menschenantlitz - im Grunde ist das der Zeitpunkt, wo wir, ja, einigermaßen in der Menschengestalt dastehen. Also, wo sich das beginnt anzukündigen, sagen wir einmal so. Wo sich das beginnt anzukündigen mit der Aufrichtekraft und mit dem allem, was drinnen ist. Man darf sich nicht vorstellen, dass da schon wirklich äußerlich physisch so ein Gesicht sichtbar wäre. Aber es beginnt jetzt ganz deutlich der Prozess, dass eine Gestalt sich bildet, die fähig ist, das Ich zu tragen. Das ist meine aufrechte Gestalt. Das fängt interessanterweise bei den Füßen an. Der Schritt des Bauern düngt…  na, es ist damals noch gar nicht der Bauer, aber es ist der Schritt, der sich vorbereitet. Wir betreten die Erde jetzt bis ins Physische hinein. In der lemurischen Zeit war das noch lange nicht bis in die dichtesten Elemente hinein. Aber jetzt geht's in der atlantischen Zeit wirklich bis letztlich ins Fest-Stoffliche hinein. Dann verwirklicht sich auch im Tierreich zunächst… man kann das ja verfolgen, also von den niederen Tieren, die zunächst auch noch mehr zweigeschlechtlich sind oft oder so; wo diese Trennung also auch noch nicht so da ist.

Und dann manifestiert sich das immer mehr hinein - und für uns bedeutet das jetzt: Endlich kommt in der atlantischen Zeit - nach dem Stier, nach dem Löwen, nach dem Adler - das Menschenantlitz heraus, weil sich die Gestalt aufzurichten beginnt. Je mehr sie sich aufzurichten beginnt, interessanterweise, das wirkt bis hinauf: dass die Kiefer sich zurückziehen, dass der Kopf sich anders ausbildet, sich aufzuwölben beginnt, das alles geht vom Schritt aus, vom Tun mit den Füßen. Von dem geht es aus. Dann, als Voraussetzung dafür, dass wir tun mit den Händen. Dass wir tun mit den Händen, das bildet weiter, das bildet unser Gehirn, das bildet unsere Sinne weiter - und so fort. Bildet sie weiter im Übrigen in einer Art, die eben viel weniger spezialisiert ist, viel weniger einseitig ist als bei den Tieren, eigentlich schwächer ist als bei den Tieren. Die Tiere riechen besser. Ich meine, im Sehen sind wir teilweise ganz gut, aber der Adler kann es trotzdem besser. Also, dass wir beginnen das Tierische in uns zu überwinden: dann ist das Antlitz da, aber jetzt ist auch da eben die Spaltung in die Geschlechter.

Die Geschlechter - eine Herausforderung zur Überwindung der Einseitigkeiten, um ganz Mensch zu werden 1:38:43

Über das haben wir heute gesprochen, das ist die ganz große Herausforderung. Daher ist auch die Art, wie die Geschlechter miteinander umgehen, ein ganz entscheidender Punkt - und wird es bis zur letzten Sekunde, bis zur letzten Verkörperung des letzten Menschen auf Erden sein: Wie die Geschlechter einander begegnen, wie sie zueinanderfinden, wie sie aneinander, miteinander lernen, jeder für sich ein Ganzes zu werden. Jeder für sich. Es ist nicht einfach so, dass Manderl und Weiberl verschmelzen - und dann wird's, ich weiß nicht was, aber wir lernen. Wir lernen. Wir lernen aneinander, selbst - jeder für sich - ganz zu werden. Wir lernen aus den jeweils einseitigen Erfahrungen, die jedes der beiden Geschlechter heute auf Erden bis zu einem gewissen Grad mit sich bringen kann, einfach dadurch, dass wir andere Leiblichkeit haben. Das heißt ja nicht, dass… darf man nicht in ein Klischee verfallen: Ach, Männer können nur das, Frauen dürfen nur das... oder so. Sondern über das sind wir, Gott sei Dank, na, auf dem Weg, darüber hinauszukommen - jetzt sage ich es vorsichtig. Ich meine, es wird sehr viel davon gesprochen, ja, wie ist es mit Gleichberechtigung und Quotenregelung und so weiter. Wenn man schaut, wieviel in der Praxis verwirklicht ist, ist es noch immer viel zu wenig. Wir sind also noch nicht "Menschen" geworden, wir sind noch immer zumindest Manderl und Weiberl.

Wir sind noch immer a Österreicher oder, weiß ich nicht, Serbe oder Russe oder Amerikaner. Na, beim Amerikaner ist es schon wieder ein bisschen schwieriger, weil, was sind die eigentlich? Von der Abstammung her: alles durcheinander. Alles durcheinander, irgendwo. Lebt davon, dass eigentlich da die totale Mischung drinnen ist, aber auch das stetige Problem damit, also, da sind die Afrikaner… oder sonst etwas. Und wir müssen über das alles hinauskommen, über das alles hinauskommen. Das ist ein ganz starker Impuls in der Anthroposophie drinnen, eben über dieses Abstammungsmäßige hinauszukommen - selbst über das Geschlechtliche in dem Sinn hinauszukommen: nämlich von unserer inneren Haltung. Äußerlich werden wir es brauchen bis zur letzten Verkörperung, weil sonst gäbe es schon die vorletzte nicht mehr - oder weiß ich nicht. Das muss so sein. Aber eben, weil wir das auch lernen müssen miteinander, diese Einseitigkeiten zu überwinden. Dann gehen wir wirklich als eine gemeinsame Menschheit in die Phase über, wo wir eben nicht mehr physisch da sein werden. Aber alles das mit all den Problemen, die damit verbunden sind, müssen wir durchmachen, um ganz Mensch zu werden, um unser Ich wirklich ganz entfalten zu können - insofern dazu die Verkörperung auf der Erde notwendig ist. Da müssen wir durch das alles durch.

Aufgaben und Stationen unserer Menschwerdung im Siebenerplan bis zum achten der Kabiren 1:42:10

Das heißt: Welche Aufgabe haben wir? Wir haben die Aufgabe, alle unsere niederen Wesensglieder aus eigener individueller Kraft zu verwandeln. Das ist die große Zukunftsperspektive einmal. Und die geht aber hinaus natürlich noch über unsere Erdentwicklung. Sie geht hinaus bis zur letzten großen kosmischen Verkörperung unserer Erde, also bis zu diesem Zustand, den Rudolf Steiner dann als den "Vulkan-Zustand" bezeichnet. Eine Welt, die, ja, in gewisser Weise so ähnlich sein wird wie der alte Saturn, die Wärmewelt. Da wird das Physische auf dem Vulkan auch nur mehr eine Wärme sein, aber auf einer ganz anderen und höheren Stufe, als sie damals war: eben ganz durchgestaltet schon von unserem Ich, von den Ichen der Menschheit. Wenn wir das haben, dann sind wir bereit, das zu machen, um was es eigentlich geht: Dann sind wir der Achte, der kommt. "Der Achte, an den noch niemand dachte" - im guten Sinne, im besten Sinne. Darüber haben wir auch schon gesprochen: Der Begriff "8. Sphäre" und so weiter kann mehrere Bedeutungen haben, und zwar positive, ganz positive, und ganz negative.

Um die Negativen zu nehmen, ist eben die 8. Sphäre die der soratischen Wesenheiten. Wenn wir dort hineingehen, dann gehen wir diese Weggabelung, die in die materielle Verdichtung hineingeht, die als Ziel anstrebt einen ewig materiellen Kosmos, in dem es einen Weg durch die Vergeistigung nicht mehr gibt und wo es aus Sicht dieser Wesenheiten auch nicht notwendig ist, weil, es ist ja eine vollkommene Welt. Was soll es noch zu entwickeln geben? Was hätte eine schöpferische Kraft noch zu bewirken dort? Es geht eigentlich drum, ja, den ganzen Reichtum durchzuspielen, immer wieder durchzuspielen, der in dieser Welt vorhanden ist - in dieser vollkommenen Welt, die nach Anschauung dieser soratischen Wesenheiten eh so groß und so gewaltig ist, dass es quasi unerschöpfliche Möglichkeiten gibt. Und sie sind trotzdem endlich. Sie sind trotzdem endlich.

Ja, aber was müssen wir tun dazu?  Einmal natürlich unser Ich-Bewusstsein entwickeln. In der Zeit stehen wir längst drinnen, dass es da ist. Es ist einmal das kleine Ich-Bewusstsein. Wir wissen: ich bin ein Ich, aber meistens nehmen wir dann schon dazu unser Ego und halten unser Ego für unser Ich. Das ist dann schon wieder falsch. Also: "Ich habe das und das gelernt; ich bin das; ich mag das; ich mag das nicht; der ist mir sympathisch; der ist mir unsympathisch; das ist mein Freund; nein, den mag ich nicht." Das ist alles Ego. Das ist alles Ego, im Grunde. Aber unser wirkliches Ich - also da fängt’s an - aber dieses Ich wird tätig, indem es das eigene Seelische verwandelt, da fängt’s an.

Die kleine Verwandlung hat unbewusst begonnen in der ägyptisch-chaldäischen Zeit. Damals war der Mensch... also, er brachte mit sich seinen physischen Leib, der in der atlantischen Zeit ausgereift ist bis zur heutigen Form. So sind wir in die nachatlantische Zeit - also eben durch die ganzen nacheiszeitlichen Überschwemmungen, wo das Antlitz der Erde sich stark geändert hat - sind wir also in unserer praktisch modernen menschlichen Gestalt schon herumgewandelt. Schon in den letzten Phasen der Atlantis war das der Fall - und insbesondere dann, als wir aus diesen Überschwemmungszeiten herausgekommen sind. Was war das Nächste dann?

Wenn wir herausgekommen sind aus der atlantischen Zeit, ging es darum, am Ätherleib zu arbeiten. Das war in der urindischen Zeit der Fall. Die dient der Ausbildung des Ätherleibes, der Lebenskräfte. Man kann sich gar nicht vorstellen, welche Kraft die Menschen damals noch hatten - aber unbewusst oder halb bewusst - mit diesen Ätherkräften umzugehen; große Macht drüber hatten, die allerdings immer noch viel, viel kleiner war als die, die die Menschen in der atlantischen Zeit hatten. Der große Unterschied ist: In der atlantischen Zeit haben die Menschen die Ätherkräfte beeinflussen können eines weiten Gebietes, das weit über ihre Leiblichkeit hinausging. Wenn sie dann gemeinsam sich zusammengetan haben, konnten sie also die Lebenskräfte im Grunde der ganzen Natur beeinflussen, rein durch ihre geistige Tätigkeit, eigentlich. Also, in gewisser Weise wirkt so etwas natürlich nach in der urindischen Zeit. Daher hatten namentlich die Menschen, die damals sehr weit entwickelt waren, auch gewisse Fähigkeiten noch, mit diesen Ätherkräften heilend zu wirken auf andere Menschen - teilweise auch auf Tiere - oder einen wohltuenden Einfluss auf Pflanzen zu haben. Aber im Vergleich zu dem, was die Atlantier hatten, wenig, weil sie nämlich jetzt die Ätherkräfte - das war die eigentliche Aufgabe - sie immer mehr in sich hineinzuziehen. Es hat begonnen bereits in der atlantischen Zeit, aber in der Urindischen ist es wirklich so, dass man sagen kann: Jetzt hat jeder Mensch seinen eigenen Ätherleib. Das ist ganz wichtig. Das heißt, er hat seine Lebenskräfte, die sich von den Lebenskräften aller anderen unterscheiden. Er hat sie aber noch nicht bewusst aus seinem Ich heraus gestaltet, aber sie unterscheiden sich. Das waren aber trotzdem Kräfte, wo einer dem anderen auch etwas geben konnte von diesen Lebenskräften, was der andere nicht hatte. Und auf die Art konnte man eben auch heilend wirken. Trotzdem muss der andere Mensch, der diese Lebenskräfte aufnimmt, damit er sie überhaupt verwenden kann, sie sich zu eigen machen. Zu eigen machen. Das ist in den alten Zeiten - also auch in der urindischen Zeit - alles noch sehr unbewusst passiert einfach.

Heute muss man sehr viel wacher damit umgehen. Ich meine, wir können noch nicht sehr gut wirklich bewusst hineinarbeiten in die Ätherkräfte - eigentlich von uns selbst aus gar nicht. Es reicht schon, wenn wir in unser Seelisches hineinarbeiten, da haben wir schon genug zu tun - nämlich bewusst unser Seelisches zu verwandeln. Bewusst es zu verwandeln. Wirklich alle die - vor allem all die negativen - Dinge, die sich durch die Begegnung mit den Widersachern eingeschlichen haben, Schritt für Schritt auszumerzen. Davon sollte oder muss eigentlich… jedenfalls der Teil, der mit der ganzen Erdentwicklung zusammenhängt, der muss bewältigt werden bis zum Ende der Erdentwicklung. Damit werden wir noch nicht einen vollständig eigenen Astralleib haben. Wir arbeiten einmal unser Seelisches stark um. Wir fangen an, Teile des Astralleibes, weitere Teile des Astralleibes, umzuarbeiten. Aber mit allem gelingt uns das während der Erdentwicklung sicher noch nicht. Aber es hilft uns der Christus dabei. Also er hilft uns nicht dabei, das Seelische umzuarbeiten - auch nicht das Astralische. Aber er hilft uns dabei, dass Wirkungen davon, wohltuende Wirkungen, auch bis in den Ätherleib hineingehen. Das können wir selber noch nicht. Aber das wird dann die nächste Aufgabe sein, die wir angehen müssen. Also, auch das Ätherische, den ganzen Ätherleib umzuarbeiten, sodass er unsere Schöpfung ist, unsere individuelle Schöpfung.

Nicht aufgelöste Verfehlungen im Seelischen werden als Schlacke Bausteine in der soratischen Welt 1:51:18

Also das heißt, erstes Ziel des Ichs ist: Den Astralleib mit dem Seelischen - das ist der erste Schritt - aber dann, den ganzen Astralleib zu unserer individuellen Schöpfung zu machen. Es wird selbst das uns nicht während der Erdentwicklung vollkommen gelingen, macht aber auch nichts. Aber wir müssen zumindest so weit kommen, dass wir aus unserem Seelischen all das - oder in unserem Seelischen all das - ins Nichts geworfen haben, was wir durch unsere Fehler dran verbrochen haben. Nur so können wir das Karma ablegen. Was wir nicht bewältigen davon, das wird Schlacke sein, die zurückbleibt. Und das ist Futter für die Welt der soratischen Wesenheiten. Das ist mit der Baustoff für diese soratische Welt, die die dann verwenden können - mit verwenden können - um ihre perfekte Welt zu bauen. Es ist interessant. Das heißt, teilweise das, was aus unserer Sicht die schlimmsten Verfehlungen sind, sind für diese Wesenheiten die glänzendsten Bausteine für eine perfekte Welt - aus ihrer Sicht.

Liebe fordert Freiheit - Liebe fordert getrennt sein, um das Getrennte in Freiheit zu überbrücken 1:52:39

Für eine Welt, die funktioniert, auf jeden Fall, aber die eben nicht das ist, was mit der menschlichen Freiheit, mit der Möglichkeit zur Liebe, aus Freiheit heraus... Liebe fordert Freiheit, Liebe fordert "getrennt sein", um das Getrennte aus Freiheit überbrücken zu können. Also, ohne dass vorher Getrenntheit da ist, wo zum Beispiel auch Partner, die sich innigst lieben, wenn sie sich nicht in ihrer Fremdheit erkennen, in ihrer Andersartigkeit erkennen, sondern nur das Gemeinsame sehen, das ist das Alltags-Ich, das ist das "Ah, super! Wir haben die gleichen Interessen. Wir lieben das Gleiche. Wir sind beide Frühaufsteher oder wir sind beide Langschläfer, wie auch immer. Super." Das ist alles… hat mit dem Ich nichts zu tun. Ich meine, das gehört natürlich für eine Partnerschaft irgendwo dazu, dass man da einen Weg findet, miteinander umzugehen. Wenn einer ist, der ist bis vier Uhr in der Nacht auf und "Um Gottes Willen, ich will schon um zehn Uhr schlafen gehen. Wie geht das?" Und man kann trotzdem eine gute Partnerschaft leben. Das ist sogar eine Herausforderung damit umzugehen. Das heißt dann Liebe, das überbrücken zu können, einen Weg zu finden. Das heißt dann nicht, man muss ununterbrochen Handerl haltend miteinander gehen. Es kann auch einer fort ans andere Ende der Welt, ist zwei Monate dort und macht was. Und dann kommt man wieder zusammen. Das kann alles sein.

Das ist heute wichtig daher auch… Das klassische Bild einer Partnerschaft oder einer Familie, wie es früher war, funktioniert ja ganz offensichtlich heute nicht mehr so oft und man kann sagen: "Hah, es bricht alles zusammen, was war!" Es wird aber sich ändern. Es hat sich schon geändert. Man kann sagen: "Hah, ja, was ist jetzt mit den Kindern? Das behütete Heim ist weg!" Es wird sich auch das ändern. Es werden viel mehr Menschen notwendig sein und verantwortlich sein dafür, dass die Kinder trotzdem in einer guten Atmosphäre aufwachsen. Weil viele Kinder diese Fremdheit brauchen. Dieses Herausfallen aus dem geschützten Milieu der Vererbung, dessen was aus der Vergangenheit kommt; hineingestellt zu sein, hineingeworfen werden vielleicht gerade in was ganz Fremdes - und trotzdem dort liebevollen Menschen zu begegnen. Vielleicht, sozusagen, eine Wahl-Familie  zu finden, die - aus der Freiheit aber - das Kind wählt. Das Kind kann es noch nicht bewusst, aber wo ihm Menschen entgegenkommen, die dieses Kind aus Freiheit annehmen, aus wirklicher Freiheit nämlich - nicht nur: "Ach, wir haben einen Kinderwunsch, den können wir uns nicht erfüllen. Jetzt adoptieren wir mal ein Kind, damit es uns gut geht", sondern es wegen des Kindes zu machen. Zu sagen: "Okay, wir könnten das machen. Wir könnten dich aufnehmen, weil du es brauchst." Und da gehört ein Gespür dafür, dass da vielleicht eine geistige Begegnung möglich ist. Also, es wird sich vieles, vieles ändern.

Wir sind in einer Übergangszeit einfach. Ich meine, Steiner sagt so oft: Jede Zeit ist eine Übergangszeit. Klar. Unsere ist eben auch heute eine Übergangszeit - und eine ziemlich große, wo viele, viele alte Dinge sich ändern werden, wo wir lernen müssen. Das kann auf schlechte Weise passieren, das kann zerstörerisch passieren, das kann viel Leid erzeugen - und das ist heute oft der Fall. Es kann aber auch auf gute Weise gehen - und es gibt sozusagen kein Tabu dafür, was denkbar wäre. Es wird eigentlich so kommen müssen, dass alles das, das Zusammenleben der Menschen überhaupt, das Aufziehen der Kinder, die Partnerschaft, es kann alles anders werden. Es kommt nur darauf an, dass die Menschen, die da zusammenfinden, es gemeinsam frei gestalten - wie auch immer. Wie auch immer. Eigentlich also sich hinwegsetzen über letztlich alle Traditionen, die da sind. Sie haben uns getragen, sie werden uns auch noch eine Zeit tragen, aber die Menschen, die vorangehen, werden sie nicht mehr beachten, weil sie Traditionen sind, sondern nur dann, wenn sie sagen: "Das ist eh genau das, was auch aus meinem Ich kommt" - mit der speziellen individuellen Note drinnen.

Unser Ich kommt uns ganz real von außen zu in den Dingen, die uns begegnen 1:57:50

Aber wir müssen heute immer, in Wahrheit, wenn wir, ja, ich sage, wenn wir unser Leben wirklich gut bewältigen wollen, dann müssen wir offen sein für die ungewöhnlichsten Dinge. Wir müssen erfinderisch sein, im Grunde, zu sagen: "Okay, da funktioniert was nicht, also sprich anders." Anders. Es gibt aber niemanden, keinen Ratgeber, der mir das sagen kann, was ich tun kann. Ich meine, weiß ich nicht, ein Mensch, der begleitet, kann einem nur Mut machen: Probier was anderes. Du musst es finden. Ich kann dir nicht sagen, wie, was, wo. Ich kann dir nur sagen: Besinne dich auf dich selbst, im Grunde. Nimm Situationen, die scheinbar ein Scheitern sind, die schwer sind, nimm sie als Anregung, sie sind immer eine Chance. Sie sind immer eine Chance. Suche, suche die Schwierigkeiten, sozusagen, geradezu auch dort, wo es gar nicht notwendig ist. Das Ich tut das eh. Wir haben… Wir suchen uns immer die Problempunkte. Aber bitte, nehmt es trotz allem mit dem berühmten Körnchen Salz. Das heißt nicht, wir müssen uns jetzt ununterbrochen in jede Schwierigkeit hineinstürzen, die uns entgegenkommt. Kaum ist irgendwo ein Problem am Horizont: Hah! stürz ich mich schon hinein. So ist das nicht gemeint. Es geht einfach drum, dass ich mit einer gewissen Offenheit für die Zukunft lebe. Ich sag, offen heißt: Es muss nicht alles immer so sein, wie es immer war. Es kann sich ändern. Und wenn es eine Gelegenheit mehr gibt aus irgendeinem Grund, dann gehe ich nicht einfach achtlos vorbei. Weil, woher kommt unser Ich? Es kommt uns von außen zu - und zwar ganz real in den Dingen, die uns begegnen, in den guten und in den schlechten Dingen, die uns begegnen, in den menschlichen Begegnungen, in den Naturdingen, die uns begegnen. Wir müssen nur wach sein dafür.

Wir erzählen unserem kleinen Ich eigentlich in diesen Begegnungen, was gerade ansteht. Wenn jetzt da irgendwas passiert und irgendwas uns aus dem Weg wirft, jetzt ist eine Panne im Auto und was ganz Wichtiges, ein wichtiger Termin, der entscheidend ist für den Beruf - und jetzt geht alles schief dort. Aber die Panne mit dem Auto sagt mir: Sei froh, dass du dort nicht hingegangen bist.

Ich meine, mir ist es fast passiert. Ich meine, ich habe unwissend meiner ganzen wissenschaftlichen Karriere eine andere Wendung gegeben: Ich sollte nach Amerika gehen. Ich wurde der, der beauftragt war zu erforschen, ob ein bestimmtes Projekt durchführbar ist, ob das Sinn macht. Und alles schien danach, Sinn zu machen. Alle, die wir dran beteiligt waren, waren mit Begeisterung dabei. Nur - die Arbeit hat gezeigt, und an dem konnt ich nicht vorbei, dass das Ganze eine Schnapsidee ist. Kurz gesagt. Eine völlige Schnapsidee. Damit habe ich ein ganzes Projekt gesprengt - und es hat meinem Leben eine ganz andere Wendung gegeben. Ich bin nicht nach Amerika gegangen, sondern ich bin dageblieben - und kurz darauf bin da ich der Anthroposophie begegnet. Und das war entscheidend. Und das Spannende ist: Mit den Leuten, mit denen damals das Projekt eigentlich gescheitert ist, mit denen arbeite ich aber heute, von hier aus, immer noch zusammen - in einer ganz anderen Weise, mit einem ganz anderen Projekt. Das heißt, der Stolperstein, der reingekommen ist, den ich mir eigentlich selber gelegt habe… Weil, wenn ich nicht so verteufelt gründlich dabei gewesen wäre, hätte es sehr leicht dorthin führen können, dass das Projekt gestartet worden wäre. Dann hätten wir wahrscheinlich zwei, drei Jahre gearbeitet dran, um dann drauf zu kommen, dass nichts Vernünftiges raus kommt. Aber ich habe wie einen Spürsinn gehabt und habe den unbewusst, völlig unbewusst… ich weiss gar nicht, wie das passiert ist, dass ich genau den wunden Punkt gefunden habe. Das hat mich richtig hineingestoßen drauf, wo der Hase im Pfeffer liegt. Also, das ganze Leben hat sich geändert. Und im Nachhinein sage ich: "Genau so war’s richtig. Genau so war’s richtig." Aber im Moment damals war ich, weiß ich nicht, enttäuscht, fuchsteufelswild, was auch immer. Ich meine, meine Gattin und ich, wir haben uns gefreut auf Amerika; wir waren voll drauf, dorthin ins schöne Kalifornien rüberzugehen. Pfff… alles nichts. Alles anders als geplant. Völlig. Aber - passt.

Für das Ich geht es immer weiter…

Also, drum sage ich mir heute: Wurscht, was auch passieren kann. Wenn die ganze Welt umsteht und wenn ich nur mehr das Gewand habe, das ich am Leib habe - vielleicht nicht einmal das - es geht weiter. Für das Ich geht es immer weiter. Und wenn es in den Tod hineingeht, geht es erst recht weiter. Also, pfff… ich weiß, das ist jetzt sehr extrem ausgedrückt. So extrem wird's ja wohl nicht immer kommen. Das muss es nicht. Aber zumindest kleine Veränderungen, einfach wo Gewohnheiten, liebe Gewohnheiten sich ändern und dergleichen, das wird auf uns zukommen. Und das wird heilsam sein. Davor sollten wir uns nicht schrecken.

Ausklang 2:03:23

Aber jetzt mache ich Schluss. Fünf Minuten Überzeit. Ich danke euch fürs Dabeisein. Freut's euch auf die Elementarwesen, die draußen herumschwirren, die auch im Zimmer herumschwirren. Überall sind sie. Bis zum nächsten Mal. So, ich verabschiede mich auch beim Livestream. Vielen Dank fürs Dabeisein. Bis zum nächsten Mal.

Themenbezogene Leseanregungen

Zu Wolfgangs Ausführungen zu den Elementarwesen:

Rudolf Steiner: Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes (9. Vortrag, gehalten am 4. November 1923 in Dornach; GA 230) sowie

Rudolf Steiner: Wahrspruchworte (GA 40, S. 162; aus "Eurythmie als sichtbare Sprache: Laut-Eurythmie-Kurs", 14. Vortrag, gehalten am 11. Juli 1924 in Dornach; GA 279)

Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft ("Landwirtschaftlicher Kurs", Juni 1924; GA 327)

Wolfgang liest die Apokalypse des Johannes aus: Das Neue Testament, in der Übersetzung von Emil Bock, herausgegeben von der Christengemeinschaft in der Deutschen Demokratischen Republik, 1988 (nach unserer Kenntnis nur mehr antiquarisch erhältlich)