Apokalypse des Johannes - 5. Vortrag von Wolfgang Peter

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Themenschwerpunkt

Der Vortrag hat die ägyptisch-chaldäische Kulturepoche zum Schwerpunkt, die in der Apokalypse der dritten Gemeinde Pergamon entspricht. Die Unterschiede zwischen den beiden teilweise auf Atlantis zurückreichenden Wanderungsströmungen, einen nördlich-chaldäischen Volksstrom, der die Aufmerksamkeit mehr ins außen gerichteten hat (Astrologie, Sternenkundige) und einen südlich-ägyptischen Volksstrom, der die Aufmerksamkeit mehr ins Innere des Körpers gerichtet hat (Organe), werden herausgearbeitet. Beide Strömungen suchen jedoch die Einheit zwischen Makro- und Mikrokosmos, der nördliche mehr im Außen, dann das Innere beiziehend, der südliche mehr im innen, dann das Äußere mit hereinnehmend. Wir erfahren viel Wissenswertes über die beiden Schüler des Zarathustra, Hermes trismegistos, der den Astralleib des Zarathustra bekommen hat und Moses, der den Ätherleib des Zarathustra erhalten hat. Die Entwicklung von der Aufrichtekraft, der Ich-Kraft – dem sich Aufrichten beim Kleinkind - über das Erlernen der Sprache, das äußere „profane“ gesprochene Wort (Logos proforikos), dann das innere Wort (Logos endothetikos), das Denken bis zur Erkenntnis „Ich bin, der ich bin“ wird gezeichnet. Der Rest des Vortrags beschäftigt sich ausführlich mit dem Osiris-Mythos und seiner ursprünglich imaginativen Bedeutung als seelisch-geistiges Erlebnis. Horus gilt dabei als Überwinder der Todeskräfte, ein Bild das sich später im Erdenleben des Christus mit dem Golgatha-Ereignis und der Auferstehung des Christus fortsetzt.

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- 5. Folge -

Weitere Vorträge von der Apokalypse des Johannes von Wolfgang Peter findest du hier: Vortragsreihe Apokalypse des Johannes von Wolfgang Peter

Schlüsselwörter

Ägyptisch-Chaldäische KulturepocheChaldäer: nördlicher Strom mit Bewusstsein überwiegend für das Außen (Sternendeuter)Astrologie der ChaldäerÄgypter: südlicher Strom mit Bewusstsein überwiegend für das Innen (Organe)Verbindung zwischen Makrokosmos und MikrokosmosZwei Schüler des Zarathustra: Hermes trismegistos und MosesTabula smaragdinahermetische LehreWie unten, so obenMoses: ein ägyptischer EingeweihterMoses zieht mit seinem Volk, den Israeliten, ins gelobte LandÄtherleibAstralleibIch-BewusstseinAstralleib bei TierenDas Erbe des ZarathustraZarathustra übergibt Hermes die Kräfte seines AstralleibsZarathustra übergibt Moses die Kräfte seines ÄtherleibsAstralisch: das heißt Kosmisch-Räumlich (Sternenwelt)Ätherisch heißt Entwicklung in der ZeitMoses: Genesis. WeltschöpfungDie hebräische Sprache: Kraft der Imagination, des seelisch-geistigen ErlebensGenesis: der erste Satz beginnt mit „Bereschit“Zwölf Stämme des israelitischen VolkesZwölf Kräfte des Tierkreises (Zodiak)Ahura Mazdao und Ahriman entspringen einer gemeinsamen QuelleBileam und Balak: Dreimalige Verwandlung des Fluches in SegenHirtenstab und Aufrichtekraft (Ich-Kraft)KundaliniZusammenhang: Aufrichtekraft und SpracheSchlangenbeschwörerEntwicklung des DenkensLogos proforikos, Logos endiathetosOsiris-MythosOsiris, Isis, Seth und NephtisDer Tod des OsirisIsis´ Suche nach dem Leichnam des OsirisTyphon (Seth) zerstückelt den Leichnam des Osiris: Zersplitterung in die SinneswahrnehmungEntwicklung der Sinneswahrnehmung beim KindAufrichtekraft, Sprache, Denken, Ich bin ein IchIch-Bewusstsein beruht auf Sterbeprozessen im NervensystemAnubis: der Sohn von Nephtis und Osiris. Einbalsamierung der Toten in ÄgyptenHorus: der Sohn von Isis und Osiris. Überwindung der TodeskräfteChristus als Überwinder der Todeskräfte72 Gehilfen des SethTierkreis (Zodiak)gesamter Umlauf 25.920 Jahre12 Tierkreiszeichen á 2.160 Jahre, entspricht etwa einer KulturepocheWeltentag entspricht 72 Jahredie dritte Gemeinde: Pergamon

Transkription des vierten Vortrags (von Bruno im Juli 2022)

Begrüßung und Einleitung – Sieben Gemeinden, Sieben Kulturepochen 0:00:32

Ja, meine Lieben. Wir stehen also mitten in der Apokalypse, wobei in der Mitte ist übertrieben gesagt. Wir stehen eigentlich noch ziemlich am Anfang. Wir sind also jetzt bei den sieben Gemeinden. Also das ist ja der Anfang eigentlich, dass sieben Briefe an sieben Gemeinden gerichtet werden. Sieben Gemeinden in Kleinasien, die in gewisser Weise repräsentativ sind für die sieben Kulturepochen in der sogenannten nachatlantischen Zeit. Also seit die Eiszeit zurückgegangen ist, seit die wirkliche Kulturentwicklung beginnt, gibt es sieben Kulturepochen, von denen aber erst fünf – ich kann nicht einmal sagen fertig sind – weil in der fünften stehen wir mitten drinnen, auch nicht mitten drinnen in Wahrheit, sondern im ersten Drittel. Also in Wahrheit haben wir ja heute noch immer sehr viel Nachklingen der vierten Kulturepoche, das ist die griechisch-lateinische Zeit, also wo die Philosophie entstanden ist, wo diese großartige, in gewisser Weise großartige Beherrschung der äußeren Welt durch die Römer gekommen ist. Halt ein bisschen kriegerisch, aber bitte, so geht das halt in der Welt. Und die ersten beiden Epochen waren die urindische und die urpersische. Die hatten wir bereits besprochen und letztes Mal gingen wir zur ägyptisch-chaldäischen Zeit und sind lang noch nicht durchgekommen, sind eigentlich noch gar nicht bis zum Kern gekommen, weil es doch ein riesiges Thema ist.

Ägypter und Chaldäer – Zwei wesentliche Volksströmungen nach den eiszeitlichen Überflutungen 0:02:07

Und das heißt, ich möchte heute vor allem fortsetzen mit der ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche und dann noch einmal schauen, wie sich das eben widerspiegelt auch im Text der Apokalypse. Diese ägyptisch-chaldäische Kulturepoche, da ist erstens einmal schon interessant, dass Rudolf Steiner sie ganz richtig mit einem Doppelnamen bezeichnet: Ägyptisch und Chaldäisch, weil es tatsächlich zwei sehr unterschiedliche Strömungen in gewisser Weise sind, die zu dieser Kulturepoche beitragen. Also das hängt zusammen, dass also wie die eiszeitlichen Überflutungen waren und wie die Wanderungszüge dann nach Osten gegangen sind, dass es vor allen einmal einen nördlichen Strom gab, aus dem hat sich entwickelt das persische Element sehr stark und eben auch das chaldäische Element. Und andererseits ein südlicher Strom, der dann nach Ägypten gegangen ist. Und die haben zwei sehr unterschiedliche Aufgaben.

Der nördliche Strom – die Chaldäer: Sternendeuter (Außen) 0:03:13

Nämlich die chaldäische Seite, also die nördliche Strömung, das hängt also mit den Babyloniern zusammen, alles dort was im Zweistromland sich abspielt, also zwischen Euphrat und Tigris. Dort spielt sich das ab. Die wenden ihr Bewusstsein mehr nach außen, und zwar nach außen, vor allem zur Sternenwelt.

Das heißt, dort sind die großen Sternendeuter, könnte man sagen, die aber eben nicht nur äußerlich die Sterne betrachten, das ist das eine, aber sie sehen auch noch hellsichtig etwas, was dahintersteckt, eben an geistigen Wesenheiten oder sie ahnen es zumindest noch. Also das macht diese Astrologie, wenn man will, der Chaldäer aus, die berühmt waren, aber die eben auch ganz toll waren in Beherrschung bereits der äußeren Beobachtungen. Die haben also auch Sternenkataloge aufgestellt, die die Griechen noch verwendet haben, ja die bis zu einem gewissen Grad selbst Kopernikus noch im Anbruch der Neuzeit verwendet hat. So präzise waren diese Aufzeichnungen. Alles ohne Fernrohre mit einfachsten Mitteln im Grunde. Aber sie waren doch zumindest schon so raffiniert, dass sich gewisse Peilinstrumente entwickelt haben, mit denen sie das genau bestimmen konnten. Und sie waren also sehr fleißig und sehr aufmerksam in der Richtung.

Der südliche Strom – die Ägypter: Innenwelt (Innen) 0:04:36

Und der andere Strom, der südliche Strom, sind die Ägypter. Die wenden sich mehr, viel stärker ins Innere. Natürlich spielt die Sternenwelt auch eine große Rolle, aber sie sehen es vor allem in Bezug zum Innenleben des Menschen. Also zu dem, was man seelisch-geistig innerlich erlebt. Also man könnte sagen, der Einweihungsweg bei den Chaldäern ist einer, der nach außen geht, also das Geistige in der Natur draußen namentlich in der Welt zu sehen und die Ägypter sind die, die die Innenwelt anschauen in ihrem Zusammenhang mit den Sternen, aber zum Beispiel mit dem Bau des ganzen Organismus. Womit hängt das Herz zusammen? Womit die Leber? Womit die Lunge? Alles das hat ja seine Entsprechungen im Kosmischen. Also das Herz zum Beispiel hängt mit den Sonnenkräften zusammen, die Lunge mit den merkurialen Kräften. Und so geht das weiter. Die Galle hängt sehr stark mit den Marskräften zusammen. Also wenn einem die Galle überläuft, dann ist halt ein bisschen der Mars zu sehr tätig. Das kriegerische Element.

Also es geht darum, Makrokosmos und Mikrokosmos zusammen zu schauen. Das tun in gewisser Weise beide Strömungen, aber eben von einem unterschiedlichen Ausgangspunkt. Die Chaldäer suchen es draußen und schauen dann: Wie hängt es mit den Menschen zusammen? Und die Ägypter schauen primär nach innen und sagen dann im zweiten Schritt: Wie hängt das mit dem draußen zusammen?

Hermes trismegistos (König Menes): Begründer der ägyptischen Kultur 0:06:15

Da gab es ja den mythischen Begründer der ägyptischen Kultur, den Hermes, also die Griechen haben ihn dann Hermes genannt, haben das also mit dem Hermes, mit dem Götterboten auch in Zusammenhang gebracht. Äußerlich wird er oft auch geschildert als der mythische König Menes, der historisch eigentlich in Wahrheit nicht wirklich fassbar ist, also der in einer Zeit lebt bevor noch wirkliche Überlieferungen da sind. Das gehört alles zusammen. Hermes wurde dann später auch genannt Hermes trismegistos, der dreimal Große oder der dreimal Gelehrte. Also er ist ein sehr Weiser. Dieser Hermes war im Übrigen ein Schüler des großen persischen Eingeweihten Zarathustra. Über diese zweite Kulturepoche, in der der Zarathustra als großer Eingeweihter eine wichtige Rolle spielt, haben wir bereits gesprochen. Und dieser Zarathustra hatte zwei bedeutende Schüler.

Tabula smaragdina (Smaragdtafel) – die hermetische Lehre: mystischer Weg 0:07:23

Der eine, der Hermes ist sein einer Schüler, also der ist sehr stark drinnen im Zusammenhang zu schauen, das Innere des Menschen mit der Konstellation der Sterne. Also gerade diesen Zusammenhang Mikrokosmos/Makrokosmos zu schauen. Und was dann in der sogenannten hermetischen Tabula smaragdina festgehalten wurde, also die Smaragdtafel, da stehen also die Grundsätze dieser hermetischen Lehre – wir sprechen ja heute noch von einer hermetischen Lehre, von einer Geheimlehre, wir sagen, wenn man ein Glas luftdicht abschließt, es ist hermetisch abgeschlossen – das hängt damit zusammen, dass die Mysterien, die Hermes begründet hat eben erstens Geheimlehren damals tatsächlich waren, die nur auf einen kleinen Kreis beschränkt waren, die aber vor allem eben auch mit dem Inneren zu tun hatten. Also das, was im Inneren beschlossen oder abgeschlossen ist. Man könnte sagen der mystische Weg ist das in einer gewissen Weise. Die Vertiefung ins eigene Innere spielt also eine große Rolle.

Moses: ein Eingeweihter in die ägyptischen Mysterien 0:08:42

Das war also dieser eine Schüler des Zarathustra, der Hermes, Hermes trismegistos und der zweite: Moses. Moses, der dann die Israeliten aus Ägypten wegführt ins geheiligte Land, ins gelobte Land. Und dieser Moses war auch ein Eingeweihter in die ägyptischen Mysterien. Also ihr kennt ja vielleicht die Geschichte, dass der Moses als Knabe ausgesetzt wurde in einem Schilf Körbchen und dann so auf dem Nil dahin getrieben ist. Und dann wurde das Körbchen angeschwemmt just beim Palast des Königs, also des Pharaos. Und die Schwester des Pharaos hat sich angenommen um das Kind und er wuchs dann praktisch – oder eigentlich die Mutter sogar des Pharaos war es – weil er wuchs nämlich gemeinsam mit dem Pharao auf, mit dem zukünftigen Pharao, der also damals auch nur ein kleines Kind war.

Moses zieht mit seinem Volk ins gelobte Land 0:09:45

Und die wurden praktisch gleich behandelt, haben die gleichen Mysterien durchgemacht, bis dann später halt der große Bruch kam, als Moses erkannt hat, dass sein jüdisches Volk, aus dem er stammt – da ist er aber dann erst später draufgekommen, dass er aus dem Volk stammt – weil er dachte, er ist auch ein geborener Ägypter halt und in dem Palast geboren. Aber als er dann darauf kam, dass er eigentlich aus dem jüdischen oder israelitischen Volk besser gesagt stammt und dass das Sklavendienste zu verrichten hat in Ägypten, da hat er gesagt, so kann das nicht gehen, die Bedingungen müssen sich ändern. Das ließ sich aber in Ägypten nicht durchführen. Und dann zog er halt mit seinem Volk in das gelobte Land.

Das Erbe des Zarathustra 0:10:29

Und das Interessante ist, dass diese beiden Schüler des Zarathustra sehr unterschiedliche Qualitäten von Zarathustra mitbekommen haben, und zwar nicht nur als Lehre, einfach dass er ihnen erzählt hat, seine Geheimnisse, sondern es ging so weit, dass dieser Zarathustra einen Teil seiner Kräfte an diese beiden Schüler übergeben hat, nämlich in einer späteren Inkarnation dieser beiden Schüler.

Lebenskräfte – Ätherleib 0:11:00

Und zwar, wenn ihr ein bisschen mit Anthroposophie vertraut seid, was ja bei den meisten von euch der Fall ist, dann wisst ihr, wir haben nicht nur den äußeren physischen Körper, sondern wir haben auch einen Lebensleib, also die Lebenskräfte, was R. Steiner auch den Ätherleib nennt. Ohne dieser Lebenskräfte hätten wir im Grunde nur in einen Leichnam vor uns. Diese Lebenskräfte im Übrigen, einen kleinen winzigen Teil davon, den verwenden wir auch für unser Denken. Also dieselben Kräfte, die unseren Körper immer wieder regenerieren und erneuern und durchgestalten, das sind dieselben Kräfte, mit denen wir denken. Ein bisschen etwas davon wird abgezogen. Und das hat Folgen. Die werden wir heute besprechen. Darum erwähne ich das auch gesondert.

Bewusstsein – Astralleib 0:11:49

Allerdings, wenn wir nur lebendig wären, dann wären wir zwar mehr als ein Leichnam, auch mehr als ein Mineral, das auch tot ist in gewisser Weise, aber wir wären nur so vom Status einer Pflanze. Die Pflanze lebt auch. Sie ist mehr als ein Mineral. Sie lebt, aber sie hat kein waches Bewusstsein. Sie hat ein Bewusstsein, wie wir es im Schlaf, im tiefen Schlaf haben. Also wenn wir nicht träumen, wenn wir nichts von uns wissen, wenn es normalerweise für uns finster ist in der Nacht. Also außer man ist so weit geistig entwickelt, dass man auch in der Nacht hellsichtig etwas erlebt, aber das trifft wahrscheinlich für die Mehrzahl der Menschen heute noch nicht zu. Sondern wir sind froh, dass es einmal ein bisschen dunkel ist.

Ich-Bewusstsein – ein schwarzes Loch in der Wand 0:12:37

Und das ist auch wichtig, weil diese Unterbrechung in der Nacht, diese Finsternis, ist im Übrigen ein wichtiges, ganz wichtiges Moment, um unser Ich-Bewusstsein zu entwickeln. Ich habe das letzte Mal und das vorletzte Mal, glaube ich, auch schon gesagt: Von unserem wirklichen Ich wissen wir ja in Wahrheit gar nicht sehr viel. Wir wissen, dass wir es haben, aber das ist schon alles. In Wahrheit ist es wie ein schwarzer Punkt oder schwarzes Loch in der Wand. Wir sehen es eigentlich nur, weil es die schöne weiße Fläche stört. Aber was es wirklich selber ist, da wissen wir nichts. Da müssten wir eigentlich durch das Loch in der Wand durchkriechen und schauen. Und dieses schwarze Loch, das erleben wir jede Nacht im Grunde. Oder wir verschlafen es aber. Wir verschlafen es. Aber es ist wichtig. Für das Tagesbewusstsein tragen wir nämlich immer mit, da ist etwas Dunkles in der Nacht, was wir nicht ergründen können. Aber das sind wir eigentlich. Bei Tag ist es im Unterbewusstsein. Aber genau das macht aus, dass wir uns immer als Ich fühlen. Als bewusster, individueller Mensch. Und dann ist unser Bewusstsein heute erfüllt, hauptsächlich mit unseren sinnlichen Erlebnissen oder mit dem Verstandesgedanken, die wir uns heute machen. Sicher Gefühle, Emotionen, die vielleicht herauskommen aus einer teilweise auch unbekannten Tiefe, sagen wir es einmal so, aber wenn das schwarze Loch in der Nacht nicht wäre, hätten wir unser Ich-Bewusstsein nicht, das wir heute im Alltag haben.

Astralleib bei Tieren 0:14:20

Daher ist es bei Tieren zum Beispiel anders als bei Menschen. Die haben dieses schwarze Loch in der Nacht nämlich nicht. Auch wenn sie schlafen, ist immer ein gewisses schwaches vielleicht, aber traumhaftes Bewusstsein da. Und bei Tag ist dieses traumartige Bewusstsein mehr auf die sinnliche Außenwelt gerichtet, in der Nacht mehr auf die Innenwelt. Aber das Tier ist nie ganz – da wird es nie ganz finster. Nicht einmal bei den einfachen Tieren. Da ist auch Tag und Nacht ein gewisses Bewusstsein da. Es ist natürlich jetzt, sagen wir bei einem Regenwurm, insgesamt noch sehr, sehr dumpf. Aber trotzdem, es ist eigentlich immer da und es schwankt einmal mehr nach außen, einmal mehr nach innen. Das ist der typische Rhythmus des Empfindungslebens und das ist das, was R. Steiner mit großem Recht als Astralleib bezeichnet. Der ist der Träger dieser Erlebnisse. Also wenn wir nicht auch einen Astralleib hätten, dann wären wir überhaupt nicht bewusst. Auch wenn wir das Ich hätten, wenn der Astralleib nicht da wäre, dann wäre das Ich-Bewusstsein heute nur ein schwarzes Loch. Also nicht vorhanden.

Zarathustra übergibt Hermes die Kräfte seines Astralleibs 0:15:39

Also was wir eigentlich erleben, hängt sehr stark mit dem Astralleib zusammen. Und das Ich spukt zwar ein bisschen hinein, aber so genau durchschauen wir das noch nicht. Und dieser Zarathustra hat jetzt seinen Schülern eben nicht nur eine Lehre mitgegeben, sondern er hat dem Hermes die Kräfte seines Astralleibs übergeben. Zarathustra war nämlich bereits also lange in vorchristlicher Zeit ein so hoher Eingeweihter, dass sein Astralleib nach dem Tod – weil trotzdem er ein hoher Eingeweihter war, musste auch er sterben – aber der Astralleib blieb erhalten. Das ist beim durchschnittlichen Menschen nicht der Fall. Da löst sich der größte Teil des Astralleib auf, weil er eigentlich noch nicht, ja man könnte sagen, geläutert genug ist, das heißt noch nicht bereit ist, auch in höhere geistige Regionen aufzusteigen.

Bei einem Menschen wie Zarathustra, bei einem Eingeweihten wie Zarathustra ist das aber sehr wohl der Fall. Und daher kann dieser Astralleib erhalten bleiben. Eins zu eins. Und er selber braucht ihn gar nicht wieder, weil wenn er zu einer neuen Inkarnation herabsteigt, ist er so weit, dass er sich aus dem Nichts heraus einen erschaffen kann. Das ist dann das, was R. Steiner als Geistselbst nämlich bezeichnet. Wir haben das letzte Mal darüber gesprochen, Geistselbst ist die Fähigkeit in Wahrheit einen Astralleib aus dem Nichts heraus zu erschaffen. Wir anderen, die halt noch nicht so weit sind, müssen uns mit dem zufrieden geben, was wir finden, vorfinden bei unserem Weg in die irdische Inkarnation. Da müssen wir aus der sogenannten Astralwelt, aus der Seelenwelt halt diese Kräfte zusammensammeln. Und die passen besser oder schlechter. Heute oft sehr schlecht, weil die Astralwelt, namentlich im erdnahen Bereich, ich sage einmal vorsichtig, sehr belastet ist. Belastet letztlich durch die Spuren der Untaten, die wir in unserem irdischen Leben bewirkt haben. Das verdirbt halt das Astralische. Aber so ein Mensch wie Zarathustra konnte sich einen aus dem Nichts heraus erschaffen. Und daher kann er dann sehr leicht seinen Astralleib nach dem Tod abgeben und ihn anderen zur Verfügung stellen.

Und so hat er eben seinen Astralleib diesem hohen Schüler Hermes zur Verfügung gestellt. Und der konnte daher sehr gut umgehen mit den Seelenkräften, die auch in uns wirken. Weil der Astralleib ist eben die Basis für all unsere Seelenkräfte, die wir haben: Denken, Fühlen, Wollen. Das spielt sich alles im Astralleib ab. Unter der Herrschaft des Ich bereits bis zu einem gewissen Grad. Aber der Träger ist der Astralleib. Der Sternenleib. Astralleib heißt Sternenleib. Würde uns jetzt etwas zu weit führen den Zusammenhang genauer zu erläutern. Aber jedenfalls war dieser Zusammenhang ganz offensichtlich dem Hermes sehr bewusst, weil er hat eben genau geschaut, wie ist das Innenleben und zwar sowohl das physiologische Innenleben als auch eben das seelische Innenleben? Wie hängt das mit der Sternenwelt zusammen? Mit der kosmischen Welt? Und daher dieser große Spruch, mit dem eigentlich die Tabula smaragdina beginnt oder was die Kern Kernaussage davon ist. Da heißt es: „So oben, wie unten.“ Also das heißt, was im Makrokosmos, im Kosmos da draußen in der Sternenwelt ist, ist das Gleiche in gewisser Weise, was in unserem Inneren, in unserem Mikrokosmos sich abspielt.

Natürlich sausen da keine Planeten herum, aber eben so äußerlich hat man damals weder den Kosmos noch die Innenwelt angeschaut, sondern man hat gesehen, da sind seelisch- geistige Kräfte, die draußen im Kosmos wirken und es gibt seelisch-geistige Kräfte, die in mir wirken. Und die bestimmen letztlich auch, wie unsere Physiologie ausschaut. Die kommt von dort also nicht so, wie man es sich heute materialistisch denkt, okay, da ist irgendwie durch einen Zufallsprozess aus dem Urschlamm halt langsam physischer Leib entstanden, der irgendwann so weit war, dass er auch Emotionen und Gedanken ausschwitzen kann - so stellt man sich das halt heute naturwissenschaftlich vor – sondern die Wahrheit ist, es ist umgekehrt, es steigt aus dem Geistigen herab über das Seelische, ergreift die Lebenskräfte, die sich danach gestalten und die formen zuletzt das Physische.

Das heißt, es ist das Letzte, aber es ist ein durchgehender Weg. Und das war die große Lehre, die der Hermes geben konnte. Und das ist die Grundlage der ägyptischen Kultur. Und bei den Chaldäern war es eben umgekehrt. Die haben primär hinaus geschaut und dann im zweiten Schritt das Innenleben gesehen. Beim Hermes, der geht eigentlich vom inneren Erleben aus und schaut, wie ist es da oben? Wie hängt das zusammen?

Zarathustra übergibt Moses die Kräfte seines Ätherleibs 0:21:06

Ja, jetzt müssen wir auf den Moses zurückkommen, der ja auch in diese ägyptische Zeit hineingehört, der also gemeinsam mit dem Pharao aufgewachsen ist, auch eingeweiht war in die ägyptischen Mysterien. Der hat vom Zarathustra nicht den Astralleib überliefert bekommen, sondern den Ätherleib. Also auch der Ätherleib des Zarathustra war so hoch entwickelt, dass er nach dessen Tod erhalten blieb und an einen Schüler weitergegeben werden konnte. Das heißt, der musste sich nicht mühsam aus der Lebenswelt, aus der Ätherwelt einen Ätherleib zusammensuchen, sondern er hat wirklich einen ganz hochwertigen Ätherleib bekommen eben vom Zarathustra. Und das ist jetzt interessant.

Das Astralische ist das Kosmisch-Räumliche. Das Ätherische ist die Metamorphose (Verwandlung) in der Zeit (Entwicklung) 0:21:57

Das Astralische hängt eben mit der Sternenwelt sehr stark zusammen, also mit dem Kosmisch-Räumlichen, wenn man so will, was wir als Weltall um uns äußerlich zumindest sehen. Das Ätherische hat mit Entwicklung zu tun. Mit etwas, was in der Zeit abläuft. Es ist eine Verwandlung, eine Metamorphose in der Zeit. Das ist das Ätherische. Und wenn man wirklich im Ätherischen bewusst wird, das erleben kann, dann – das habe ich jetzt schon mehrmals in den Vorträgen erzählt – dann kann man sogar in der Zeit sich frei bewegen. Das heißt, man kann frühere Entwicklungszustände sehen, man kann künftige voraussehen bis zu einem gewissen Grad. Also es ist nicht so, dass die Zukunft fest vorherbestimmt ist. Es kommen aus der Zukunft immer mehr Möglichkeiten entgegen, als sich dann in einem konkreten Moment verwirklichen. Aber man kann zumindest sehen, welche Möglichkeiten da auf uns zukommen. Und man kann sehen, was in der Vergangenheit passiert ist.

Moses: Genesis – Weltschöpfung 0:23:07

Das kann also ein Mensch, der in den Ätherkräften schauen kann. Und das konnte der Moses sehr gut. Und aus diesem Schauen der Entwicklung konnte Moses eben dann seine Entwicklungslehre, wenn man so will, nämlich die Genesis der Bibel schildern. Also die fünf Bücher Moses schildern ja – also vor allem im ersten Buch – die Schöpfung der Welt. Also er kann zurückschauen. Er kann wirklich hellsichtig zurückschauen, das erleben und das in gewaltige Bilder hineinlegen. Bilder, die dann in die Sprache gegossen werden, in die hebräische Sprache.

Die hebräische Sprache: Kraft der Imagination und seelisch-geistiges Erleben 0:23:57

Also wir haben uns bei uns im Zweig über Jahre mit der Schöpfungsgeschichte beschäftigt anhand des hebräischen Urtextes. Und wenn man sich nämlich diesen Urtext anschaut, spürt man, dass in dieser hebräischen Sprache in jedem einzelnen Wort ein gewaltiges imaginatives Bild dahinter steckt. Es ist nicht einfach so ein Begriff, wie wir ihn heute haben, sondern das ist ein Bild, das dahinter steckt. Und Moses hat das sehr bewusst in diese Sprache hinein gegossen, weil er wusste, die Zeit ist vorbei, wo eine Mehrheit der Menschen das noch hellsichtig schauen kann. Er war dadurch auserwählt, weil er Schüler des Zarathustra gewesen war in einer früheren Inkarnation, dass er dessen Ätherleib übernommen hatte. Dadurch konnte er das noch. Aber die Mehrzahl der Menschen konnte das nicht mehr. Und wir haben öfters auch schon über diese imaginative Fähigkeit gesprochen, über dieses geistige, seelisch-geistige Erleben, das ja eigentlich ganz anders ist als unser sinnliches Erleben. Nur unsere modernen Sprachen haben für diese Erlebnisse keine Ausdrücke. Weil seit Tausenden von Jahren die Menschheit das im Großen und Ganzen nicht mehr erlebt, deswegen fehlen ja auch die Worte dafür.

„Bereschit bara Elohim et haSchamaim we et haArez“ 0:25:28

Im Hebräischen ist aber noch ein starker Anklang von dem da. Also nur das erste Wort, wenn die erste Zeile: „Bereschit bara Elohim et haSchamaim we et haArez.“ Also: „Im Anfang schufen die Elohim den Himmel und die Erde.“ Das erste Wort „Bereschit“, „im Anfang“, würde man es übersetzen, dieses einzige Wort, in dem steckt bildhaft die ganze Schöpfungsgeschichte drinnen, so wie sie Moses schildert. Und zwar viel, viel mehr, als jetzt tatsächlich Wort für Wort in der Bibel steht. Das Gesamtbild ist schon im ersten Wort drinnen enthalten und man könnte es dann genau nachvollziehen, wie die nächsten Worte jetzt noch genauere Fassetten hineinbringen. Das erste ist halt sozusagen ein grobes Bild. Aber allein, wenn man das jahrelang meditieren würde und sich in die Kräfte der Laute einlässt, in das B, das R, das drinnen ist, starke astralische Kraft in dem R, also wo es rollt, „Bereshit“, das I, der Lichtstrahl, der hineinfällt, ein Schöpfungslichtstrahl, der hineinfällt, der einschlägt in T. Das ist ein Bild für das, was passiert bei der ganzen Schöpfungsgeschichte. Ich will nicht zu weit abweichen, weil sonst kommen wir vom Ägyptischen weg. Aber er ist gehört eben insofern hinein, als eben Moses ja auch in diese ägyptische Zeit hineingehört.

Die zwölf Stämme des israelitischen Volkes 0:27:02

Also Moses, der eben einerseits diese ägyptische Einweihung durchgemacht hat, andererseits aber auch mit dem israelitischen Volk verbunden war. Ich sage bewusst das israelitische Volk, weil es ja eigentlich aus zwölf Stämmen besteht, von denen nur einer der Stamm Juda ist, aus dem dann die Juden im engeren Sinn heraus entstehen, die also dann das weitertragen, aber da kommen wir dann schon in die nächste Kulturepoche. Also zunächst sind es die zwölf Stämme Israels. Und die zwölf Stämme Israels hängen ja wieder zusammen mit der Sternenwelt in Wahrheit. Denn wie viele Tierkreiszeichen haben wir? Zwölf. Das ist nicht zufällig, dass wir von zwölf Tierkreiszeichen sprechen. Davon sprechen die Chaldäer in ihrer Astrologie. Davon sprechen aber genauso die Ägypter.

Also sie alle wussten, da sind zwölf Kräfte, die gestaltend wirken auf den Menschen, auf sein Inneres, zunächst auf sein seelisches Inneres wirken und von da auf die Lebenskräfte bis in den physischen Körper hinein dann. Also diese Zwölfzahl ist sehr wichtig. Und diese Zwölfzahl spiegelt sich eben auch wieder in den zwölf Stämmen Israels. Also das Volk Israel, die Israeliten, das sind zwölf und davon ist einer der Löwe aus Juda. Also im Zeichen des Löwen, das ist der jüdische Stamm dann. Das ist im Übrigen der mutigste Stamm. Das ist der Stamm, der am stärksten dann hinausgeht, um das in die Welt hinein zu stellen. Die Juden waren immer starke Kämpfer auch. Mussten sie auch sein.

Bileam und Balak: Dreimalige Umwandlung des Fluches in Segen 0:28:50

Wir haben das letzte oder vorletzte Mal davon gesprochen, wie diese Israeliten verflucht werden sollten. Und da war die Rede von der Lehre des Bileam, der Baal erklärte. Bileam war so ein Prophet, aber nicht ein israelitischer Prophet eben, sondern einer, der aber bei den Midianitern zuhause war. Die waren im gelobten Land angesiedelt. Und als die dann merkten, dass der Moses mit seinem ganzen Volk dorthin zieht, waren sie natürlich nicht so besonders erfreut darüber, weil abzusehen war, dass die dort Gebiete beanspruchen werden. Und daher hat Balak, der König der Medianiter, den Bileam beauftragt: „Verfluche dieses israelitische Volk!“ Und der Bileam tut das dann auch brav, nur es funktioniert irgendwie nicht, weil jedes Mal wandelt sich dieser Fluch in eine Segnung des israelitischen Volks um. Drei Mal hintereinander.

Also es geht irgendwie schief. Also das heißt, da war wirklich natürlich eine höhere Mission dahinter, dass dieses israelitische Volk wirklich nach Palästina einzieht, in dieses palästinensische Land.

Ja, also dass wir den Faden nicht ganz verlieren. Es gab also den Zarathustra mit diesen zwei Schülern: Hermes, Moses. Beide spielen für die ägyptische Kultur eine große Rolle, eben weil der Moses ja auch Eingeweihter war in die ägyptische Kultur. Er hat das also alles durchgemacht. Er kannte das. Und er hat sich ja dann auch, das braucht man ja nur in der Bibel nachlesen, in der Auseinandersetzung dann mit dem Pharao, wie er auszieht mit dem israelitischen Volk, dass er sogar mächtiger ist als der Pharao. Also dass seine geistigen Kräfte stärker sind.

Der Hirtenstab – eine Herrscher-Insignie: Ausdruck der Kundalini 0:32:36

Eine wichtige Herrscher-Insignie war der Hirtenstab. Das war ein Herrscher-Zepter auch bei den Ägyptern, also das sich abgeleitet jedenfalls vom Hirtenstab, und wenn man sich diesen Stab anschaut, da ist die Aufrichtekraft drinnen. Das hat etwas zu tun mit unserem Rückgrat. Das Rückgrat, in dem die mehr unbewussteren astralischen Kräfte stark wirken, das sich aber aufrichtet bis hinauf, und dann, der ist ja oben gekrümmt dieser Stab, also dann bis hinauf geht es bis ins Ich-Bewusstsein hineinhebt. Das war das Symbol. Und das war ja die Aufgabe der ägyptischen Zeit, also das Astralische zur Empfindungseele zu verwandeln, Nummer eins, und vorzubereiten, dass da das Ich jetzt langsam sich seiner bewusst werden kann. Und die Eingeweihten nehmen ja immer etwas voraus, was im Grunde in der nächsten Kulturepoche dann erst so richtig da sein wird. Weil der Ich-Impuls kommt dann ganz stark in der nächsten Kulturepoche. Aber die Eingeweihten – und die Pharaonen waren auch Eingeweihte – die hatten das vorherzunehmen. Und so einen Stab hatte sowohl der Pharao, natürlich seinen Herrscherstab, aber so einen Stab hatte auch der Moses und so ist er dann auch vor den Pharao getreten und da gibt es ja dann die bekannte Szene, wo er seinen Stab hinwirft und der verwandelt sich in eine Schlange.

Kundalini: Astralkräfte unter der Herrschaft des Ich 0:34:23

Das ist diese Schlange. Die Inder nennen das die Kundalini-Schlange. Das sind diese astralischen Kräfte, die da drinnen sind, aber sie sind unter der Herrschaft des Ich bereits. Er beherrscht sie. Beim Inder ist diese Kundalini-Schlange zunächst einmal noch ganz zusammengerollt, sagt man, ganz unten in den untersten Bereichen, also dort, wo die Zeugungskräfte sind und das alles eine Rolle spielt, dort sind die stärksten astralischen Kräfte auch drinnen. Und diese Schlange muss sich aber aufrichten.

Und das hat seine Tradition äußerlich dann in den Schlangenbeschwörern, die es heute noch bei den Indern gibt. Mit ihren harmonischen Tönen (Wolfgang imitiert eine Flöte), mit der Musik richtet sich die Schlange auf. Das ist eigentlich nur äußeres Bild für das, was innerlich da ist. Diese Kräfte nicht mehr nur aus dem Unbewussten wirken zu lassen, sondern sie aufzurichten und bis ins Bewusstsein hinein zu heben. Und dafür ist dieser Hirtenstab das Symbol. Hirtenstab – Hirten sind was? Pfleger, Heger und Beherrscher der Tiere in gewisser Weise. Der tierischen Kräfte. Das sind genau diese astralen Kräfte. Und das geht aber nur dadurch, dass er die Ich-Kraft bereits hat und die Ich-Kraft ist es auch, die uns als Menschen aufrichtet.

Aufrichtekraft (Ich-Kraft) – Sprache 0:35:50

Also das kleine Kind, wenn es sich aufrichtet, dann wirkt diese Kraft bereits in ihm, diese Ich-Kraft in ihm. Das ist die Voraussetzung, dass dann die Sprache kommen kann, dass er nicht nur irgendwelche tierischen Laute ausstoßen kann, sondern dass er eben diese Worte formen kann durch die geistige Kraft in Wahrheit, auch wenn es anfangs noch unbewusst ist. Aber er hat die Möglichkeit dazu. Und Sprache entwickeln nur Wesen, die einen aufrechten Kehlkopf haben. Also da ist die Aufrichtekraft eine Voraussetzung. Jetzt werdet ihr sagen: Aber die Papageien? Die können doch auch irgendwie sprechen. Die wissen zwar nicht, was sie sprechen, aber sie können die Laute formen zumindest. Ja richtig! Die Vögel haben auch einen aufgerichteten Kehlkopf. Das reicht zwar nicht, um bewusst damit umzugehen, aber sie können die Laute nachahmen. Die anderen Tiere, die eigentlich ihr Rückgrat parallel zur Erde haben, die können das nicht.

Sprache nach außen: Wort – Sprache nach innen: Denken 0:36:50

Also Aufrichtekraft, Sprache. Sprache, die zunächst nach außen geht, als Wort erklingt. Sprache, die aber auch verinnerlicht werden kann. Und damit hängt sehr stark die Entwicklung des Denkens zusammen. Ich habe das glaube ich, das letzte Mal oder vorletzte Mal erzählt, die Griechen kannten sehr deutlich diesen Unterschied. Sie sprachen vom Logos proforikos, vom ausgesprochenen Wort, vom profanen Wort, wenn man so will, und vom Logos endiathetos, vom inneren Sprechen. Und damit meinten sie das Sprechen in Gedanken. Also das heißt, es innerlich im Wort zu erfassen, aber innerlich.

„Ich bin, der ich bin“ 0:37:38

Also Moses ist dem Pharao überlegen bereits darin, diese Astralkräfte durch das Ich zu beherrschen. Und kein Zufall daher natürlich, dass dann auf den Weg nach Israel, dass ihm dann Jahwe erscheint oder der HERR erscheint, wie man will. Also es ist eigentlich ein Spiegelbild des Christus, das er erlebt, der dann auf dem Berg oben halt zu ihm spricht und sagt: „Ich bin, der Ich bin!“ „Der Ich-Seiende“. Auf die Frage eben des Moses, ja wenn ich zu meinem Volk zurückkomme, was soll ich sagen? Von wem bin ich denn jetzt geschickt worden? Und da sagt eben der HERR dann: „Ich bin, der ich bin. Der Ich-Seiende.“

Und das war ja dann die große Aufgabe des israelitischen Volkes im größeren Sinne und des jüdischen Volkes dann im engeren Sinn, so etwas wie ein Volks-Ich aufzubauen. Das heißt, diese Ich-Kraft zunächst einmal ganz stark im Volk zu verankern. Es ist noch nicht so das einzelne individuelle Ich das Wichtige, aber das Volk nimmt ein ganz konkretes Ich auf. Ein großes Ich sozusagen, wenn man will. In diesem Ich lebt die Kraft des Jahwe bzw. des Christus drinnen. Daher wird es eigentlich das vorchristliche Volk des Christus, wenn man so will. Und der Volksgeist, der wirkt im hebräischen Volk ist dann insbesondere der Erzengel Michael. Das ist ganz interessant. Michael, der jetzt in unserer Zeit auch wieder sehr stark wirkt, der sehr eng verbunden ist mit dem Christus, der ein gewisses sehr energisches, kämpferisches Element auch drinnen hat, aber geistig kämpferisches Element. Wir haben das in den Bildern der Apokalypse auch schon festgestellt im ersten Siegelbild zum Beispiel. Da wird gezeigt ja in Wahrheit der HERR, der Christus, als Gestalt, wo eine Feuerflamme, ein feuriges Schwert aus seinem Mund herauskommt. Ja, das ist die Kraft des Wortes. Die geistige Kraft des Wortes, die herauskommt. Und etwas von dieser geistigen Kraft hatte eben auch Moses erfasst. Darum konnte er wirklich in die Worte der Genesis so stark diese hellsichtigen Bilder hineinlegen, die er noch erleben konnte.

Und sozusagen hatte das Bewusstsein: Ich überlieferte das meinem Volk. Die werden zwar diese Bilder nicht mehr sehen, aber sie sind eigentlich in den Worten drinnen und unterbewusst erleben sie es dann trotzdem. Das heißt, es schwingt etwas mit, was sie zwar bewusst noch nicht ganz fassen können, aber im Untergrund sind die richtigen Bilder da. Und daher ist es praktisch unmöglich, den Originaltext in eine andere Sprache zu übersetzen. Weil da sind andere Laute und die Bilder sind ausgelöscht. Also, wenn es im Deutschen banal heißt: „Im Anfang schufen die Elohim den Himmel und die Erde.“ Dann ist es sinngemäß zwar richtig, aber die Bilder sind weg. Die sind einfach gar nicht mehr da.

Und das Auffällige ist ja übrigens an der biblischen Schöpfungsgeschichte, wenn man sie mit anderen Schöpfungsgeschichten vergleicht, dass sie im Grunde ziemlich kurz und ziemlich, ja fast abstrakt ist. Nur ein ganz kurzes Kapitel. Das erste Buch Moses, das erste Kapitel, das ist die Schöpfungsgeschichte. Die Entstehung der ganzen Welt. So kurze Schilderungen finden wir fast nirgends sonst so. Sondern da sind ausgiebige Bilder, was da alles passiert und was sich tut. Das ist da nicht. Aber dafür liegt es in den Worten drinnen. Die ganzen Bilder. Also man müsste eigentlich jedes Wort zu einem riesigen Panorama vergrößern, dann würde man das erleben. Dann wandelt man erst auf den Spuren des Moses. Also da sieht man, welche gewaltige geistige Kraft da drinnen war, dass er es geschafft hat, das hineinzulegen in diese Bilder. Und eben mehr das konnte, als es der Pharao konnte. Mit dem er gemeinsam aufgezogen wurde und genauso wie er die ägyptische Einweihung durchgemacht hat. Aber das, was Moses hatte, ging bereits einen Schritt darüber hinaus. Wurzelt zwar im Ägyptischen, führt aber bereits darüber hinaus. Das ist also ganz wichtig.

Osiris-Mythos 0:42:52

Ja. Jetzt haben wir so ein bisschen einen Einstieg in die ägyptische und chaldäische Kultur. Schauen wir noch ein bisschen weiter. Ein ganz zentraler Mythos in der ägyptischen Kultur ist der Osiris-Mythos. Also wie schaut das aus mit dem Osiris?

Der Osiris stammt eigentlich letztlich ab vom Sonnengott Ra oder Re. Da ist wieder im Übrigen das R drinnen. Nicht zufällig! R hängt immer zusammen mit starken astralischen Kräften, mit gewaltigen astralischen Kräften, sei es „Bereschit“ in der Schöpfungsgeschichte, sei es im Wort Ra, das die Ägypter verwenden. Also geballte astralische Kraft, wenn man so will, aber eben im besten Sinne. Astralische Kräfte sind ja eigentlich etwas ganz Hohes, etwas Kosmisches. Nur wenn sie verdorben sind, wo wir manchmal dazu beitragen, dann können sie auch etwas sehr Niederes sein. Aber eigentlich sind sie im Ursprung nach sehr hoch.

Osiris – Sohn des Geb (Erdengott) und der Nut (die Himmlische) 0:44:06

Also aus der Linie stammt der Osiris ab, aber nicht direkt, er ist nicht direkt der Sohn des Ra, sondern mehr so ein Enkel oder Nachkomme. Unmittelbarer Sohn ist er vom Geb und Nut. Geb ist der Erdengott. In vielen Mythologien ist die Erde mütterlich. Da ist sie männlich gezeichnet. Geb das männliche Prinzip und Nut, die Himmlische, die ist oft dargestellt als menschliche Figur, sogar oft mit einem Menschenkopf. Was bei den ägyptischen Götterdarstellungen ja nicht selbstverständlich ist, weil die sehr oft ja darstellen die Götter zwar in Menschengestalt, in aufgerichteter Menschengestalt, aber mit einem Tierkopf. Das soll ausdrücken nämlich, dass die ganz bestimmte astrale, tierische Kräfte, aber bis ins Menschliche hinauf gehoben haben, bis da hinauf (Wolfgang zeigt mit beiden Händen zum Kopf), bis ins Bewusstsein gehoben haben. Und jetzt hat der eine einen Ibis-Kopf oder weiß Gott was, oder ein anderer den Kopf eines Schakals und dergleichen. Wenige sind es, die mit menschlichem Antlitz dargestellt werden. Der Osiris ist einer derer, die mit menschlichem Antlitz dargestellt werden. Aber auch seine himmlische Mutter Nut wird meistens mit einem menschlichen Angesicht dargestellt. Und sie ist so in einer sehr artistischen Übung nach rückwärts gewendet, hat also den Rücken gebogen, stützt sich auf die Beine und die Hände. Und dieser Bogen, das ist der Himmel. Das ist der Himmel, der Sternenhimmel. Also die ganze Nut ist der Sternenhimmel eigentlich. Die sich da so artistisch auf die Erde aber stützt. Also unten wird sie gestützt vom Geb.

Die Sicht der Urinder, Urperser und Ägypter auf die Unterwelt (Hölle) 0:46:13

Weil die Ägypter hatten tatsächlich noch das Bild, dass die Erde eine Scheibe ist, über der sich der Himmel wölbt. Und darunter ist die Unterwelt. Das Totenreich. Da muss der Tote durchgehen. Also wir haben ja auch gerade darüber gesprochen, über dieses dunkle, unterirdische Reich, über die Unterwelt. Dass das aber trotzdem nicht ganz identisch ist mit dem, wo der Mensch nach dem Tod durchgeht oder was er dabei bewusst erlebt. Sondern dass es eigentlich zwei Bereiche gibt: Ein oberes Reich und ein unteres Reich. Und je weiter wir aber jetzt kommen in die ägyptische Zeit und dann weiter in die griechisch-lateinische Zeit gegen die Zeitenwende zu, umso mehr rückt ins Bewusstsein dieses untere Reich, das was man gemeinhin bei uns auch Hölle nennt.

Bei den Indern wäre das nicht gewesen. Der Tod, der Tod ist Aufsteigen ins Geistige. In eine wunderschön leuchtende seelische und dann in eine höhere geistige Welt. Von der Unterwelt spüren die noch gar nichts.

Aber bei der urpersischen Zeit, die darauf folgt, fängt das bereits an, der Gegensatz zwischen dem lichten Reich des Ormuzd und dem dunklen Reich des Ahriman. Da kann man schon ahnen, dass da irgendwas Finsteres unten ist. Es ist für die Iraner dieser urpersischen Zeit noch die ganze Erde so eine dunkle Welt und was da drunter ist vielleicht noch dunkler, aber immerhin, sie sehen, mit dem muss man sich auseinandersetzen.

Jetzt die Ägypter spüren ganz deutlich, da ist ein oberes, himmlisches Reich und da ist unten ein ganz dunkles Reich. Und der Tote muss aber dort irgendwo durch auch. Und man muss schauen, wie bringe ich ihn wieder hinauf, hinauf ins helle Reich, dass er dort durchgeht, um dann aus dem hellen Reich heraus wiedergeboren zu werden, auf die Erde nämlich. Also bei den Ägyptern gab es ja durchaus sehr stark auch den Gedanken der Wiedergeburt.

Osiris, Isis, Seth und Nephtis 0:48:46

Ja, also Geb und Nut sind die Eltern des Osiris – und seiner Schwester Isis und seines Bruders Seth und der Zwillingsschwester der Isis, der Nephtis. Also vier. Vier sind es, die zusammengehören, die also alle in dem einen Mutterleib sozusagen entstehen oder ich weiß nicht, wie das genau abgelaufen ist. Das wird nicht genauer geschildert. Aber jedenfalls vier Kinder haben Geb und Nut, also Osiris, Isis, Seth und Nephtis. Die spielen alle jetzt eine wesentliche Rolle in dem Osiris-Mythos.

Also, es fängt schon damit an, dass die Sage erzählt, dass Osiris und Isis einander schon im Mutterleib so sehr geliebt haben, dass sie dann später auch ein Paar wurden. Also das ist ja typisch für die ägyptische Zeit und war äußerlich bei den Herrschergeschlechtern so, dass die Geschwisterehe bevorzugt wurde. Also man hatte damals – und das hat offensichtlich damals funktioniert – dass gerade die Geschwisterehe bewirkt hat, dass die besten Anlagen ausgewählt wurden sozusagen und die besten Bedingungen für die Inkarnation. Das gilt aber wirklich nur für diese Zeit. Später ist mit Recht ja Inzest, wie wir es heute nennen, verpönt, weil es eigentlich zu einer Verschlechterung des Erbguts führt und so weiter. Aber damals nicht. Also gerade die Pharaonen haben sehr oft ihre Schwester geheiratet und damit ihre Dynastie gestärkt. In der Spätzeit wird das schon problematisch. Und erst recht wird es problematisch dann in der griechisch-lateinischen Zeit. Also da ist auf diese Tour nichts mehr zu holen. Und das sieht man oft dann später bei den römischen Kaiser oder so, die oft auch eine sehr starke Zuneigung zu ihren Geschwistern haben. Und vielleicht dann sogar eine Ehe oder eine Verbindung eingehen. Aber da kommt nichts Gutes heraus mehr. Also da ist die Zeit vorbei.

Seth – die Griechen nennen ihn Typhon 0:51:08

Bei den Ägyptern spielt das eine Rolle und namentlich in der Mythologie. Also Isis und Osiris sind schon im Mutterleib ganz stark miteinander verbunden und tatsächlich werden sie ein Paar und sie herrschen dann über die Erdenwelt. Sie sind die Herrscher der Erdenwelt. So heißt es. Ja, und der Bruder Seth, in der griechischen Mythologie nennt man Typhon. Und im Wort Typhon – mit dem hängt das Wort Taifun zusammen. Taifun ist eigentlich ein Wirbelsturm. Typhon heißt so etwas wie ein starker Lufthauch, eine starke Luftströmung. Da werden wir noch darauf kommen, warum das wichtig ist, dieser Zusammenhang. Jedenfalls dieser Typhon war ja ziemlich eifersüchtig darauf, dass Osiris der Herrscher über die Erdenwelt war und nicht er. Und hat halt die ganze Zeit gesonnen, wie kann er der Herrscher werden? Wie kann er den Osiris loswerden? Das ist das eine.

Anubis – Sohn des Osiris und der Nephtis 0:52:20

Das zweite ist, die Gattin des Typhon war – wie nicht weiter zu verwundern – die Nephtis. Also die andere Schwester, die Zwillingsschwester der Isis. Die Nephtis allerdings, die schon verbunden war jetzt mit dem Typhon, hatte aber auch Gefallen am Osiris. Und da sie ja aussah wie die Isis, gelang es ihr tatsächlich eine Liebesnacht sozusagen zu verbringen mit dem Osiris. Man darf sich das natürlich nicht im äußeren Sinne vorstellen. Es ist ein mythologisches Bild, dass diese Kräfte sich miteinander verbinden. Aus dieser Verbindung des Osiris mit der Nephtis wird nämlich dann ein wichtiger Sohn geboren. Der Anubis. Der Anubis, der eine wichtige Rolle spielt im Reich der Toten dann und der begleitet auch die Toten, wenn sie gerade durch die Unterwelt gehen, der eine sehr große Rolle spielt bei der Einbalsamierung der Toten und der auch eine große Rolle spielt im Osiris-Mythos. Wir werden dann gleich noch sehen wo. Wo er eine große Rolle spielt. Ja, damit ist einmal die Einleitung gegeben zur Osiris-Geschichte.

Tod des Osiris 0:53:51

Also Typhon ist eifersüchtig auf den Osiris. Er will ihn loswerden. Aber er will ihn natürlich nicht einfach so erschlagen mit dem Schwert oder so etwas bildlich gesprochen. Sondern er will die ganze Geschichte ein bisschen schlauer angehen, damit er auch als legitimer Herrscher dann anerkannt wird. Und er lässt sich folgendes einfallen: Er lässt einen Sarkophag fertigen. Einen prächtigen Sarkophag. Und zwar genau nach den Maßen seines Zwillingsbruders – ja im Grunde auch ein Zwillingsbruder – Osiris. Und bei einem großen Fest, das sich abspielt, tut er so geradezu scherzhaft sagen, ja, ich gebe diesem Sarkophag denjenigen, der genau hineinpasst. Und da sind viele Gäste auf dem Fest. Ja, alle probieren es. Keiner passt wirklich hinein. Der eine ist zu kurz, der andere ist zu lang, keiner passt hinein. Als letzter probiert es Osiris. Sagt er macht im Scherz halt auch mit.

Und für ihn passt er genau. Und kaum legt sich der Osiris hinein in den Sarkophag, Deckel drauf und die 72 Gehilfen des Seth, Seth ist gleich Typhon, versiegeln den Sarg. Der wird mit Blei ausgegossen, also dass der nicht mehr heraus kann. Und der Sarg wird dann von den 72, ich betone wieder die 72, das muss ich vielleicht auch noch erläutern. Warum gerade 72? Von den 72 Gehilfen wird der Sarg jetzt in den Nil gestoßen und schwimmt dort einmal davon. Schwimmt also hinunter ins Nildelta. Schwimmt aufs Meer hinaus. Also irgendwo geht er verloren. Also der Osiris wird getötet dadurch natürlich. Jetzt müssen wir ein bisschen entschlüsseln dieses mythologische Bild. Das ist ja kein äußeres Geschehen. Also dem liegt nicht eine besondere historische Tat auch zu Grunde, wie etwa beim Trojanischen Krieg, da gab es ja wirklich einen historischen Hintergrund. Aber da ist es wirklich ein mythologisches Bild. Ein geistig geschautes Bild in Wahrheit. Wofür steht das? Was ist der Sarg? Was ist der Sarg in den wir hineingelegt werden und bei dem 72 Gehilfen mitwirken, dass wir in den Sarg hineinkommen überhaupt, dass wir da drinnen sind?

Typhon – Taifun – Waindhauch – Atem: der Atem macht uns sterblich 0:56:54

Na, der Sarg ist ein Bild für den physischen Leib des Menschen. Also wir alle, wenn wir zur Geburt heruntersteigen und uns im physischen Leib verkörpern, beziehen den Sarg. Da schon, nicht erst am Ende des Lebens, sondern schon vor der Geburt fangen wir an hinein zu schlüpfen in den Sarg. Und noch etwas ist dann verbunden, wenn endlich die Geburt jetzt da ist, dann fangen wir zu atmen an! Atem, Atemhauch, Windhauch, Typhon, Taifun, Seth – das ist der Bruder des Osiris, der Atem, der eingesogen wird. Das macht uns sterblich. Das ist es, was uns sterblich macht. Sicher andererseits ohne Atem können wir nicht leben. Aber es ist ein begrenztes Leben. Es wird verzehrt. Gerade durch diesen Atemhauch. So wie eine Flamme verzehrt wird, indem die Luft kommt und den Brennstoff verbraucht. So ist es bei uns im Atem. Das steckt hinter dem Typhon.

Eine zweite Schöpfungsgeschichte: Zweites Kapitel der Genesis - Adam 0:58:12

Gegenbild dazu. Moses. Schöpfungsgeschichte. Genesis, zweites Kapitel. Da gibt es ja noch eine Schöpfungsgeschichte. Nicht wahr, es gibt im ersten Kapitel eine Schöpfungsgeschichte. Da ist alles fertig. Der Mensch ist fertig, ist da. Und im zweiten Kapitel plötzlich: Ja, die Erde war wüst und leer. Und nichts, keine Bäume, gar nichts. Und die ganze Geschichte fängt von vorne wieder an. Also eine zweite Schöpfungsgeschichte. Wo dann Jahwe-Elohim, jetzt heißt er plötzlich Jahwe-Elohim. Im ersten Kapitel ist nur von den Elohim die Rede. Mehrzahl, eine Mehrzahl von Göttern. Also das heißt, die übliche Übersetzung: „Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.“ Ist ja schon falsche eine Übersetzung, weil es heißt: „Die Elohim schufen den Himmel und die Erde.“ El ist der hebräische Gottesname und him ist die Mehrzahl-Endung: Elohim. Also es sind mehrere. Das sind nur so kleine Details. Wie sehr Übersetzungen etwas verdrehen oder entstellen können in Wahrheit.

Also es gibt noch dann im zweiten Kapitel die Geschichte, wo jetzt Jahwe-Elohim, das ist nämlich einer dieser sieben Elohim, ein ganz besonderer, der schafft jetzt den Menschen laut biblischer Erzählungen aus einem Erdenkloß, aus der Ackererde. Adama, Ha Adama, die Ackererde oder die Erde überhaupt, der Erdenstoff, wenn man so will. Es ist natürlich auch nicht die Ackererde, wie wir sie heute kennen. Es ist einfach sagen wir einmal die Erdensphäre. Aus der Erdensphäre, aus den Materialien der Erdensphäre heraus wird jemand geschaffen aus der Ackererde, Adama und der kriegt daher sinnvollerweise den Namen Adam dann, weil er aus der Ackererde Adama geschaffen ist. Aber damit war er noch kein lebendiges Wesen, sondern damit war einmal der Körper halt sozusagen veranlagt. Und jetzt heißt es: „Jahwe blies ihm den lebendigen Atem ein.“ Und er begann zu leben. Also das ist die eine Seite dieses Begabt-Werdens mit dem Atem.

Atem – Typhon – Todesprozess 1:00:48

Die andere Seite ist, dazwischen fällt dann irgendwo in der biblischen Erzählung der Sündenfall hinein. Drittes Kapitel. Wie die Schlange dazu kommt, die berühmte. „Wie eine Mumie, die alte Schlange“, sagt der Mephisto im Faust. Da werden diese Atemkräfte plötzlich etwas Problematisches und führen eben jetzt zum Todesprozess in Wahrheit. Das heißt jetzt vom ersten Atemzug an beginnen wir in Wahrheit zu sterben. Im Anfang ist es noch sehr wenig, die Lebenskräfte sind noch viel stärker. Aber irgendwann einmal ist es so weit, dass der Typhon, eben dieser tödliche Atem, dass der die Überhand gewinnt. Und dann ist es irgendwann aus mit unserem Erdenleben. Also das steckt hinter diesem Bild der Tötung des Osiris. Das steckt dahinter! Das heißt, Osiris ist ein Bild für die menschliche Seele, in der aber die Ich-Kraft auch drinnen ist, die aber jetzt eben nicht mehr in den geistigen Höhen schwebt, sondern einmal auf die Erde herabsteigt, daher Herrscher über die Erde wird, gemeinsam mit seiner Gattin Isis.

Also man könnte sagen, der Osiris selber steht mehr für diese Ich-Kraft, die Isis für das Seelische. Beide zusammen beseelen und durchgeistigen jetzt den physischen Leib unten. Aber der Typhon sorgt dafür, dass der Osiris stirbt. Das heißt ins Totenreich übergeht. Und der wird dann auch später tatsächlich der Herrscher über das Totenreich. Ja, man kann sogar sagen: Durch die Tötung des Osiris entsteht nach der ägyptischen Mythologie überhaupt erst das Totenreich. Vorher gab es das nicht. Vorher gab es nur eine lichte Seelenwelt, aber nicht diese dunkle Seelenwelt. Durch die Tötung des Osiris entsteht die dunkle Welt, das Totenreich. Und da ist er der Herrscher darüber. Und da empfängt er dann die Toten. Und man kennt das ja dann aus den ägyptischen Texten, aus den Pyramidentexten usw. Er wird geprüft von Osiris, also der Tote, der hinüber kommt. Und wenn er für wert befunden wird, dann wird er selber zu einem Osiris. Daher steht dann in den Grabschriften oft der Osiris sowieso und dann folgt der Name …, ist eingetreten in das Totenreich oder so ähnlich. Also er nimmt selber an dieser Ich-Kraft teil.

Denn man muss denken, in der ägyptischen Zeit war das Ich etwas, was im Grunde noch nicht im Menschen herinnen war, sondern noch über ihm schwebte. Und er eigentlich erst nach dem Tod sich damit vereinigte. Also wenn er hinausging. Und das auch nur dann, wenn er sich entsprechend vorbereitet hat auf Erden. Das drückt sich also auch in diesem Osiris-Mythos aus. Also er wird von dieser Ich-Kraft empfangen, von dieser Osiris-Kraft. Osiris ist eigentlich eben diese Sonnenkraft ja, also die Kraft des Ra,  die über seine himmlische Mutter Nut herunter steigt auf die Erde. Und er ist schließlich auf Erden der irdische Vertreter des Sonnengottes. Das heißt die Ich-Kraft, die zunächst auf der Sonne ist, ist auf die Erde herabgestiegen. Aber einmal noch nicht für jeden erreichbar. Zunächst einmal nur er als Osiris.

Die Ich-Kraft des Menschen hängt mit Christus zusammen 1:04:45

Das liegt alles in der Mythologie drinnen und weist uns auch auf etwas, was ja R. Steiner sehr deutlich bespricht, die Ich-Kraft des Menschen hängt mit dem Christus zusammen. Der Christus war in der Vergangenheit aber der große Sonnengeist. In Wahrheit ist er es, der durch die Gemeinschaft der Elohim zum Beispiel bei der Schöpfungsgeschichte wirkt. Also durch die Gemeinschaft der sieben Elohim – sagt R. Steiner sind es – durch diese Gemeinschaft wirkt der Christus. Dadurch ist die Schöpfung in Gang gekommen. Also so wie es in der Bibel geschildert wird. Ab dem Zeitpunkt wo dann Himmel und Erde getrennt werden voneinander. Aber dieser Christus steigt herab auf die Erde stufenweise. In der urpersischen Zeit sieht ihn Zarathustra noch als die Große Sonnenaura. Also da ist er noch mit der Sonne verbunden. Ahura Mazdao, heißt eigentlich wörtlich übersetzt: Die mächtige Aura. Nichts anderes. Das Iranische, das Persische zählt ja zu den indogermanischen Sprachen, ist also ganz eng verwandt mit uns. Aber man sieht dort auch schon eine dunkle Kraft als Gegenpol da, die im Übrigen auch beide aus derselben Quelle stammen.

Urpersische Mythologie: Cercuane acarene (Tierkreis, Zodiak) – Ursprung von Ormuzd und Ahriman 1:06:16

Es ist ganz interessant: In der urpersischen Mythologie, die dann natürlich erst sehr, sehr viel später niedergeschrieben wurde, stammen sowohl der Ahura Mazdao, also die mächtige Sonnenaura und der finstere Ahriman, der dunkle Ahriman, der würde jetzt dem Typhon ein bisschen entsprechen vom Prinzip her, die sind beide entsprungen aus der nicht endenden Zeit, aus der unendlichen Zeit, aus der in sich zurücklaufenden Zeit. Ceruane acarene nannten das die Perser damals und damit meinen sie den Tierkreis. Ceruane acarene, das ist auch der Zodiak. Auch das Wort Zodiak kommt letztlich von dort für den Tierkreis. Die ewig im Kreis laufende Zeit. Und aus der werden geboren der Ahura Mazdao und auch der Ahriman, jetzt sage ich es Englisch, angry man, der zornige Mann. Er erzürnt den Ahura Mazdao, wobei der offensichtlich mehr Herrschergewalt verliehen bekommen hat, als er. Darum ist er der Zornige auch. Und er ist irgendwo in die Finsternis verbannt.

Und daher gibt es dort schon den Streit zwischen dem Ahura Mazdao und dem Ahriman in Wahrheit und in der ägyptischen Mythologie die Auseinandersetzung des Osiris mit dem Seth, wobei scheinbar zunächst der Seth die Oberhand gewinnt, weil er tötet ja den Osiris. Er schafft dadurch das dunkle Totenreich, die Unterwelt. Die immer bedeutsamer wird. Nicht mehr das Licht erreichen, in das die Inder hinaufsteigen und von dem sie eigentlich träumen und sagen, ja nichts kann eigentlich schöner sein, als dorthin hinauszugehen. Eigentlich ist es etwas Dunkles, da unten verkörpert zu sein. Wir wollen eigentlich hinauf wieder in diese seelisch-geistige Welt. Naja, jetzt geht der Weg einmal eher nach unten. Also ein sehr gewichtiges Motiv im wahrsten Sinne des Wortes wird jetzt diese Unterwelt. Und alle Wesen, die dort eine Rolle spielen besonders dann auch natürlich in der griechisch-lateinischen Zeit. Da redet man hauptsächlich von der Unterwelt, von der Welt der Schatten, also wo der Mensch, wenn er dort eingeht sich nur mehr schattenhaft empfindet, verglichen mit dem, wie es an der Erdoberfläche war.

Isis findet den Leichnam des Osiris 1:09:03

Ja, aber damit ist die ganze Osiris-Sage noch nicht fertig. Wir sind erst so bei Teil, na ich sag einmal Teil zwei. Erster Teil war: Isis und Osiris steigen herab und herrschen über die Erde. Teil zwei ist: Osiris wird getötet. Teil drei ist: Ja, Isis macht sich natürlich auf die Suche nach dem Leichnam ihres Gatten. Der ist also jetzt mit diesem offensichtlich hölzernen Sarkophag es wird auch als Kasten geschildert, das gab es ja – also diese Steinsarkophage waren eher Ausnahmen dann für die Pharaonen oder so – die üblichen Sarkophage waren aus Holz gebaut, sehr kunstreich gebaut. Also der konnte schwimmen dieser Sarkophag, ist über den Nil hinunter getrieben aufs Mittelmeer hinaus und ist dann bis nach Byblos getrieben. Das ist so am Libanon. So ein bisschen nördlich von Beirut, also Hafenstadt, gab es schon in der ägyptischen Zeit, es waren damals die Phönizier dort. Bis dorthin ist der Sarg getrieben, ist dann in den Wurzeln eines Akazienbaumes hängen geblieben, der offensichtlich dort bis herab gewachsen ist. Und als der Baum dann gefällt wurde, um daraus Säulen zu bauen für den Königstempel der Phönizier dort, fand man den Sarkophag und so hat die Isis ihn auch wiederfinden können. Sie hat also den Sarkophag mit dem Leichnam ihres Gatten wieder gefunden. Und hat den Sarkophag also dann mitgenommen.

Typhon zerstückelt den Leichnam: ein Bild für die Zersplitterung in die sinnliche Wahrnehmung 1:10:49

Ja, aber der Typhon ist nicht untätig. Dem passt das nicht. Er befürchtet, dass da die Isis mit ihren Zauberkräften, die sie auch hat, ja vielleicht den Osiris wiederbeleben könnte. Und dann ist es mit seiner Herrschaft erst wieder vorbei. Also was machte er? Er entwendet den Leichnam und zerstückelt ihn. Es wird der Leichnam zerstückelt. Die Angabe in wie viel Teile ist unterschiedlich. Oft ist angegeben in vierzehn Teile. Daher werden dann später in Ägypten auch verschiedene Gräber des Osiris verehrt an verschiedenen Stellen. Weil der Leichnam wurde im ganzen Land verstreut.

Was hat es jetzt wieder mit dieser Zerstückelung auf sich? Ja, da sagt man, es ist halt eine schaurige Geschichte, wie es gerne in Mythologien vorkommt. Nein, es ist etwas ganz Spezielles gemeint. Auch wir machen das nämlich durch, wenn wir auf Erden geboren werden. Wir werden alle zerstückelt. Unser einheitlich Seelisch-Geistiges, wenn es den Körper bezieht, dann ergreift es die Sinne, das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken, das Tasten. Wir werden, ja insgesamt, wenn man jetzt R. Steiner folgt, in insgesamt zwölf Sinne zersplittert. Nicht vierzehn jetzt, sondern zwölf. Aber es ist einmal diese Zersplitterung in die sinnliche Wahrnehmung. Daher seht ihr aber schon, seelisch-geistige Wahrnehmung kann man mit dem Sinnlichen nur sehr schwer vergleichen. Weil was bei uns zersplittert ist in Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, das ist im geistigen Wahrnehmen nicht getrennt voneinander. Wir haben ein sehendes Riechen, ein riechendes Hören, ein schmeckendes Tasten, wie auch immer. Also das kann man mit unseren Sinneseindrücken nicht vergleichen. Das wirklich seelisch-imaginative Erleben ist ein rein Seelisches und die Grundkräfte des Seelischen sind Sympathie, sich verbinden mit den seelischen Wesen, die um mich sind und Antipathie, mich auf mich selbst zurückziehen.

Das hat nichts mit unserer alltäglichen Sympathie oder Antipathie zu tun, sondern es ist einfach dieses Verbinden mit anderen seelischen Wesen, sich zurückziehen aufs eigene Wesen. Beide sind notwendig. Und tatsächlich, wenn wir durch die Seelenwelt durchgehen, auch nach dem Tod, bildet sich nach einer gewissen Zeit genau dieser Rhythmus aus. Mehr auf sich selbst bezogen zu sein, mehr sich verbinden mit der Außenwelt, das ist ein beständiger Rhythmus, wenn es richtig läuft. Heute, wo viele Menschen im Materialismus groß werden, ist es so, dass sie im Leben nach dem Tod zumindest anfangs oft ein großes Problem haben von sich loszukommen und sich Seelisch mit den anderen Verstorbenen, die drüben sind, aber auch mit den Zurückgebliebenen, die noch auf Erden sind, weil sie sind ja trotzdem noch Seelenwesen. Also sie sind eigentlich oder wären eigentlich für den Toten erreichbar. Aber nur wenn seine Sympathiekräfte nicht stark genug sind, sondern die Antipathiekräfte halt die Überhand haben, na da der bleibt er isoliert. Und das empfindet der Tote dann als sehr schmerzlich, weil er hat so ein gewisses Empfinden dafür, da draußen um mich sind so viele andere Seelen, aber ich komme nicht hin zu ihnen. Ich bin wie in einem Dämmerschlaf gegenüber dieser seelischen Außenwelt und bin nur mit mir beschäftigt. Und ich kann nicht, kann nicht hinaus darüber.

Imagination – seelisches Erleben: Sympathie und Antipathie 1:15:07

Aber das sind diese beiden Kräfte, die wir in der Seelenwelt haben. Und wenn wir eine Imagination erleben, also ein wirkliches seelisches Erlebnis haben, dann spielt sich das in einem differenzierten Erleben von Sympathie und Antipathie ab. Also dieses imaginative Bild, wenn man so will, ist gewoben aus Sympathie und Antipathie, Verbinden/Zurückziehen, Verbinden/Zurückziehen, aber in einer ganz differenzierten Weise. Ich meine, wir haben erleben so abgeschattet davon, was dann in den verschiedenen Sinneseindrücken, zum Beispiel, wenn wir den blauen Himmel anschauen, dann fühlt man sich Seelisch in gewisser Weise hingezogen dort. Blau ist so typisch, was Goethe beschreibt in seiner Farbenlehre, was uns seelisch hinaus zieht, mitzieht. Sympathiekräfte. Das Rot kommt auf uns zu, das stößt uns eigentlich in uns selbst zurück. Also das sind so die. Aber unsere Farberlebnisse sind so der schwache, schwache Abglanz dessen, was viel, viel reicher im rein seelischen Erleben ist. Also wie soll ich sagen, für ein Bild, das wir im Sinnlichen haben, sind es Tausend „Bilder“, aber Bilder, jetzt mit dem großen Anführungszeichen gemalt, als Sympathie und Antipathie im wirklichen Seelischen.

Daher ist es so wahnsinnig schwer, Imaginationen zu schildern, weil wir haben nur Worte für die Sinnesqualitäten, für die Sinnesausdrücke, für die sinnliche Welt. Unsere Sprache ist eben so. Und daher ist es wahnsinnig schwierig, das zu übersetzen. Man kann nur sagen, okay, Sympathie, das ist so ähnlich wie blau oder violett vielleicht sogar, was uns in die Ferne zieht, wo wir uns verbinden wollen damit. Und das Rötliche, das ist mehr etwas was mit Antipathie zu tun hat, was wir als aggressiv, als bedrängend empfinden und wogegen wir uns wehren irgendwo. Und daher kann man dann sagen, ja, der eine Mensch hat vielleicht sehr viel Rot in seiner Aura, das heißt in seinem Seelischen ist viel Rot drinnen. Dann schildere ich damit, dass da eine seelische Wahrnehmung da ist, die mich zunächst einmal zurück stößt. Das heißt, der macht sich selber sehr stark geltend und stößt mich aber in mich zurück. Das kann für mich sehr gut sein. Ich möchte nicht sagen, dass das jetzt ein böser Mensch deswegen sein muss, weil er kann mir gerade dadurch helfen, dass ich zu mir selbst komme. Weil wenn ich einer bin, der eh eher dazu neigt, in Sympathie zur Welt im All zu zerfließen, dann würde ich nie zu einem Selbstbewusstsein kommen. Also da ist es manchmal ganz gut, dass wer kommt und sagt Stopp und die Mauer aufstellt und mir entgegenbringt. Also das heißt bitte Sympathie und Antipathie im wirklichen Seelischen nicht mit unseren kleinlichen Sympathien und Antipathien verwechseln. Das ist etwas viel Größeres dort.

Entwicklung der sinnlichen Wahrnehmung beim Kind 1:18:27

Ja, und das heißt, es ist natürlich jetzt eine totale Zersplitterung und im Grunde auch Verarmung und Abtötung, wenn wir jetzt aus diesem seelischen Erleben, das wir vor der Geburt noch haben oder vor allem vor der Empfängnis noch haben, jetzt hineingestoßen werden in die sinnliche Welt. Zersplittert werden in alle Sinnesorgane, die wir noch nicht einmal gescheit gebrauchen können, nicht wahr, das Kind, wenn es einmal auf die Welt kommt, ja hell und dunkel und Geräusche schon eher, weil das Kind hört schon sehr wohl die Sprache der Mutter im Mutterleib. Also mit dem kann es schon besser umgehen. Und vor allem wenn die Mutter singt oder diese Dinge, das empfindet das Babys als wohltuend im Mutterleib schon. Aber mit dem Sehen ist es halt ein bisserl finster im wahrsten Sinne des Wortes. Also hinausgeworfen werden in die Welt, ins grelle Licht hinein, das ist schon höchst schmerzhaft. Das ist wirklich total schmerzhaft. Das ist ein Schock. Das ist wie jetzt das äußere Sonnenlicht durchbohrt mich. Es ist ein gewaltiger Schock im Grunde, da hinauszukommen. Und dann ist man trotzdem im Grunde fast blind für die Welt da draußen, obwohl die Augen gesund sind, aber irgendetwas unterscheiden kann ich nicht. Vorher hatte ich eine ganz reiche seelische Welt, wo ich was unterscheiden konnte. Und jetzt? Hell, dunkel, sonst nichts. Und es dauert ja eine ziemliche Zeit, bis das Kind dann das differenzieren kann, das haben wir auch das letzte Mal besprochen ein bisschen. Also dieses Zersplittert-Werden in die Sinnesorgane, das ist das eine.

Der Gebrauch der Sinnesorgane wird immer besser, je mehr das Kind auch lernt, sich aufzurichten. Das spielt eine große Rolle. Schon dass es die Augen bewegen kann und auf äußere Gegenstände richten kann, hängt schon mit der Aufrichtekraft zusammen. Bei den Tieren ist auch wieder anders. Tiere rollen nicht so die Augen hin und her wie wir, sondern die wenden sich als Ganzes hin. Der ganze Kopf wendet sich. Schaut euch einmal die Tiere an. Die Tiere verdrehen nie so die Augen, wie wir es verdrehen können. Wir sind da ganz beweglich. Und wenn wir einen Gegenstand erfassen, bewusst erfassen, dann geht das nur dadurch, dass wir mit unseren Blicken den Gegenstand abtasten, ihn abmalen eigentlich. Dadurch wird er uns erst als Gegenstand bewusst. Mit einer bestimmten Form. Anders geht das gar nicht. Also das alles muss das Kind lernen.

Aufrichtung – Sprache – Denken – Ich bin ein Ich 1:21:20

Und das ist schon Teil der Aufrichtekraft. Das geht überhaupt nur dadurch, dass er ein aufrechtes Wesen ist. Also aufrichten kommt dann, Hände gebrauchen, mit den Händen greifen können. Jetzt tasten wir nicht mehr nur mit den Blicken, sondern mit den Händen, fangen wir zu Tasten und zu Greifen an, ergreifen die Welt. Zum Schluss stellen wir uns auf die eigenen Füße. Wacklig, wackelig am Anfang, noch sehr wacklig. Aber wir spüren: Oh, zwischen Himmel und Erde stehen wir in einer ganz labilen Position. Das ist also die Position, die wir haben. Und nur durch unser Ich halten wir diese Position. Man braucht sich nur einmal aufrecht hinstellen und die Augen zu machen. Dann merken wir, dass wir ununterbrochen schwanken. Wir stehen nicht wie eine Steinsäule da. Hingestellt und uns steht von selber. Sondern wir müssen eigentlich ununterbrochen aktiv sein, um die Aufrechte zu halten. Das ist ein total aktiver Prozess! Nur verschlafen wir ihn normalerweise, weil wir halt auf die Außenwelt konzentriert sind. Aber wenn man die Augen vor allem einmal zumacht, dann merkt man sofort, man schwankt. Und unheimlich schwer ist es, auf einem Bein zu stehen, bei geschlossenen Augen. Das ist viel schwerer noch als bei offenen Augen. Weil da müssen wir so austarieren und ohne Anhaltspunkte. Sonst haben wir die äußeren Wände, den Boden, die Gegenstände, die anderen Personen als Punkterl, an denen wir uns orientieren können. Schwanke ich oder schwanke ich nicht? Wenn ich die Augen zumache, muss ich das alles in mir spüren. Das ist unheimlich schwierig in Wahrheit. Also das sind große Geheimnis eigentlich, die da das Kind durchlebt, dass es all diese Dinge in den Griff kriegt.

Und zum Schluss: Jetzt kommt die Sprache heraus mit dem aufgerichteten Kehlkopf. Zum Schluss fängt das Denken an. Jetzt verinnerliche ich das ganze Sehen, das Bewegen, das Ergreifen, das Begreifen, das Sprechen, das innere Sprechen, die inneren Bilder. Dann fängt das Denken an und in dem Moment, wo das wirkliche einmal stark aufleuchtet: Ich bin ein Ich. Ich bin etwas anders als alles, was um mich herum ist. Das ist der großartige Moment. Aber dann bin ich dort, wo ich jetzt endgültig zerstückelt bin in die Sinne und sogar schon in die Verstandesbegriffe.

Das ist nämlich das nächste, was bei der Zerstückelung der Rolle spielen wird. Zerstückeln die Welt in lauter einzelne Begriffe. Weil in Wahrheit in der geistigen Welt durchdringt sich alles. Alles durchdringt sich. Die Wesenheiten, die Toten, die Engelwesenheiten. Da kann ich nicht sagen, da ist jetzt die eine Engelwesenheit, daneben steht der andere und dahinter der Dritte. Sondern sie durchdringen einander. Die höheren Engelwesenheiten bestehen in gewisser Weise aus untergeordneten Engelwesenheiten. Und das wechselt sogar. Ja, es ist auch wahnsinnig schwer, in der Welt zum Beispiel, die Toten, die drüben sind voneinander zu unterscheiden. Das ist mit der Grund – weil wir als Menschen ja trotzdem noch relativ schwache seelisch-geistige Wesen sind, verglichen mit den höheren – dass ist wahnsinnig schwer ist, eine einzelne Tote sozusagen herauszufiltern. Im Grunde ist es…Was ist es? Es ist eine Geistessprache, in der sie zusammen leben und die wurlt durcheinander. Stellt euch vor, es ist ein Raum mit tausenden Menschen, die alle durcheinander sprechen. Und jetzt habe ich aber kein Bild von dem Menschen, sondern steh völlig blind da drinnen und muss aus dem Hören heraus unterscheiden. Ah, das ist der, das ist der, das ist der. An, da erkenne ich eine Stimme. Das ist der Pepi, den erkenne ich. Die anderen, denen ich vorher noch nicht begegnet bin, die erkenne ich nicht. Das ist ein gleichgültiges Rauschen im Hintergrund.

Und daher ist es so, dass wir in der Regel nur zu Toten gut Kontakt bekommen, die wir im Leben hier gut kannten. Deren geistige Stimme können wir drüben auch gut hören. Aber jemand, der uns nicht bekannt geworden ist, nicht. Wobei es nicht unbedingt eine äußere Begegnung gewesen sein muss. Es kann zum Beispiel sein, wenn sich einer viel mit Goethe beschäftigt hat, angenommen um ein Beispiel zu nennen und viel von ihm gelesen hat, viel von seiner Art dadurch mitbekommen hat, wie er spricht bzw. schreibt. Ich sage bewusst spricht, weil er ja später sehr viel diktiert hat nur und nicht mehr selber geschrieben hat. Und gerade da ist es sehr lebendig dann. Dadurch lernt man Menschen auch sehr gut kennen. Also wenn ich den Faust lese oder die Wahlverwandtschaften oder sonstiges oder den Werther von mir aus, in jungen Jahren, dann lerne ich diesen Menschen Goethe auch kennen, jedenfalls wie er damals war. Und dann kann ich unter Umständen seine Stimme drüben auch vernehmen. Das heißt ihn, obwohl er sich ja dann weiterentwickelt hat, der bleibt ja nicht so, wie er da war. Es ändert sich. Das kommt noch dazu.

Ja, das sind aber große Fähigkeiten. Und wenn wir aber jetzt heruntergeboren werden, passiert einmal das gegenteilige, wir sind zersplittert in die einzelnen Sinnesorgane und dann noch in die einzelnen Begriffe im Denken. Das der Papa, das ist die Mama, die sind nebeneinander. Im Geistigen gibt es das nicht. Im Geistigen sind die miteinander, ineinander. Da sind sie plötzlich nebeneinander. Und ich bin auch außerhalb. Aber dadurch lerne ich mich als ein einzelnes Wesen ergreifen und erkennen. Das ist wichtig. Dadurch kommt das Ich-Bewusstsein zu Stande. Also dieser Tötung durch den Typhon, wenn man so will, und der Zerstückelung dann noch des Leichnams, jetzt sind wir geboren, jetzt sind wir eh schon ein Leichnam, der im Sarg liegt. Und jetzt werden wir zerstückelt auch noch. Aber dadurch werden wir Ich-bewusst. Das will dieser Osiris-Mythos erzählen.

Damit sind wir aber immer noch nicht fertig. Weil man darf ja natürlich nicht glauben, dass die Seele sich damit, also die Isis sich damit zufrieden gibt, okay, jetzt hat der Typhon den Leichnam meines Osiris zerstreut in der Welt. Na, sie macht sich natürlich auf die Suche nach den einzelnen Teilen. Und die Seele versucht also wieder diese Zersplitterung aufzuheben. Das zu heilen irgendwo. Und es gelingt ihr tatsächlich die Stücke, die 14, wenn man so will, bleiben wir bei der klassischen Zahl 14, die meistens genannt wird. Sie sammelt sie zusammen. Und mit der Hilfe des Anubis. Wer ist der Anubis? Wir haben gesagt, dass der Anubis ist eigentlich der Sohn des Osiris und der Nephtis, der Schwester der Isis, weil die im Grunde den Osiris, ohne dass der das mitgekriegt hat, halt verführt hat. Weil sie ist die Zwillingsschwester der Isis. Also dem Osiris ist das gar nicht aufgefallen. Und der Anubis ist jetzt der, der ja dafür zuständig ist, dann bei der Einbalsamierung und bei diesen Dingen die Toten wieder heil zu machen in gewisser Weise. Eben in Form der Einbalsamierung und so weiter. Das war ja für die Ägypter sehr wichtig, dass der Leichnam dann erhalten bleibt. Und da war aber wichtig, dass man trotzdem die inneren Organe entnimmt, in eigene Gefäße gibt, weil sonst tritt der Verfaulungsprozess ein. Die müssen also extra konserviert werden in den sogenannten Kanopen-Krügen. Da waren die Organe drinnen und der Rest des Leichnams wurde dann also einbalsamiert, so dass er ja wirklich oft die Jahrtausende überdauert hat. Im Übrigen etwas, was den Menschen dann, auch wenn er gestorben ist, sehr stark an die Erde bindet. Auch im nachtodlichen Leben.

Ich-Bewusstsein geht einher mit Sterbeprozessen im Nervensystem 1:21:20

Das bereitet vor unseren heutigen Materialismus, ist aber auch die Voraussetzung gewesen, dass das Ich-Bewusstsein sich stärkt. Weil drüben haben wir unser Ich-Bewusstsein noch nicht so stark. Wir erwerben es hier unten. Und wir haben erst angefangen, es uns zu erwerben. Und das heißt, wir haben es stärker drüben auch, wenn wir da noch zurückschauen können und eine stärkere Bindung dann noch haben. Es ist überhaupt so, dass uns heute auch noch unser Ich-Bewusstsein im nachtodlichen Leben, dass wir es überhaupt haben, hängt mit dem Moment des Todes zusammen. Bewusstsein entsteht nämlich – also so, wie wir es heute kennen, unser normales Ich-Bewusstsein heute – entsteht dadurch, dass wir Sterbeprozess in uns haben. Die stehen ganz stark mit dem Nervensystem zusammen. Also das Nervensystem, namentlich im Gehirn oben, hat sehr viel damit zu tun, dass Gedanken, Emotionen, Sinneswahrnehmungen ins Bewusstsein gespiegelt werden. Das Gehirn erzeugt die nicht, aber es ist ein Spiegel. Aber der Spiegel funktioniert nur, wenn Todesprozesse, Absterbeprozesse drinnen sind. Zerstörungsprozesse. Die sind es auch, die uns letztlich tot machen. Eigentlich sterben wir im Prinzip vom Kopf her. Na, wie das alte Sprichwort sagt: „Der Fisch stinkt vom Kopf.“ Bei uns ist das auch so. Also von da oben geht das aus. Und das sind aber halt immer nur kleine Todesprozesse, die erhalten unser Alltagsbewusstsein. Der Tod ist der große Zerstörungsprozess, weil da wird jetzt der ganze physische Körper abgestoßen. Und man kann sich vorstellen, welch gewaltiges Licht dann aufleuchtet.

Und das Licht ist so stark, dass es uns eigentlich nach dem Tod, also nach den drei, dreieinhalb Tagen, wo man noch eine Lebensrückschau hat, da erinnern wir uns eigentlich noch an das Sinnliche. Aber dann müsste eigentlich dieses starke Licht aufleuchten. Nur wir werden eigentlich geblendet dadurch. Ganz stark geblendet und wenn wir geblendet sind, sehen wir auch nichts. Also es ist ja in Wahrheit oft so, wenn man ins Finstere schaut, sieht man nichts, und wenn man ins ganz Helle schaut, sieht man auch nichts. Also das heißt, wir müssen erst das Licht abdämpfen. Also auch da wieder ein Spiel von Licht und Finsternis.

Ja. Dieser Anubis jedenfalls, also der Sohn des Osiris – ohne dass der Osiris aber das zunächst mitgekriegt hat, dass das sein Sohn ist – der ist für die Einbalsamierung zuständig. Also zuständig, den Toten zu begleiten auch in der Unterwelt. Gemeinsam später dann mit dem Osiris, aber jetzt müssen wir erst einmal den Osiris selber retten. Und der Anubis hilft also jetzt der Isis, diese Leichenteile im übertragenen Sinne zusammenzufügen, den Leichnam einzubalsamieren. Und die Isis ist auch eine große Magierin, wenn man so will. Die Seele hat eine sehr starke Kraft, eine sehr starke Verwandlungskraft, sie kann sich nämlich in verschiedene Gestalten verwandeln. Na, das ist typisch für die Seele. Seelisch können wir uns sehr stark verändern. Der Körper macht das nicht mit, aber seelisch können wir schon ein Löwe auch werden. Oder wir können auch ein Spitzmauserl sein, das im Eck zittert vor der Katze, vielleicht sogar vor einer größeren Maus, weiß ich nicht.

Horus: Sohn von Osiris und Isis – der Überwinder der Todeskräfte 1:34:28

Anmerkung eines Zuhörers: „Schlange.“

W.: (lacht) Schlange überhaupt. Also es geht um diese seelische Wandlungsfähigkeit. Und tatsächlich, die Isis verwandelt sich jetzt in einen Vogel, in einen Schwarzmilan. Das ist ein Raubvogel, also so ein habichtartiger Raubvogel, den gibt es wirklich. Aber es ist natürlich nur Bild dafür, die Flügel, die Großen sind das Wichtige, das Seelische breitet seine Flügel aus, und das Seelische beginnt jetzt mit den Flügeln zu schlagen. Also ein bewegtes Seelisches, das da ist und mit dieser Kraft des Flügelschlagen gelingt es ihr jetzt, den von Anubis wieder zusammengesetzten und balsamierten Körper zu erwecken. Also das heißt, er wird wiederbelebt in einer gewissen Weise, zumindest für einen kurzen Moment, sodass eine Vereinigung von Isis und Osiris möglich ist, aus der ein gemeinsamer Sohn hervorgeht, der Horus. Also sie wird schwanger von dem Osiris sozusagen. Das ist das Bild dazu. Natürlich ist das alles Seelisch als geistiger Vorgang zu nehmen, aber das Bild ist also sehr detailreich. Und der Osiris kann aber nicht dauerhaft zurückkehren in die Erdenwelt, sondern er wird eben jetzt der Herrscher über die Unterwelt, über das untere Reich.

Aber der Horus-Knabe, der wird jetzt wichtig, um – ja, wie soll man es sagen – Osiris zu rächen. Also das heißt, die Kräfte des Typhon, Seth-Typhon, der den Osiris umgebracht hat, zu…naja zum Schweigen zu bringen, sagen wir es einmal vorsichtig so. Also dass diese todbringende Kraft wegfällt. Das wäre das Bild. Also das heißt, in dem Horus steht jetzt jemand da, der diese Todeskräfte überwinden soll. Der helfen soll dabei, diese Todeskräfte zu überwinden, indem er eben diesen Typhon überwindet, diesen Typhon niederschlägt. Damit er nicht schon als Knabe, dieser Horus, vom Seth vielleicht getötet wird, wird er im Versteck im Geheimen aufgezogen, also in den Sümpfen im Nildelta wird er aufgezogen, auf einer schwimmenden Insel sogar wird das geschildert, da wird er geboren und dort wird er aufgezogen. Und dann erst später, heißt es, besucht ihn einmal der Osiris auf Erden und gibt ihm halt Anweisungen, wie er mit dem Typhon-Seth, Seth-Typhon umgehen soll. Und das kommt dann später tatsächlich zum Kampf zwischen den beiden, zum erbitterten Kampf, in dem Horus die Oberhand behält.

Das Motiv der Überwindung der Todeskräfte findet seine Fortsetzung im Erdenleben des Christus 1:37:33

Das heißt ein Prinzip, das jetzt diese Todeskräfte überwinden kann. Na ja, im Großen setzt sich dieses Motiv dann fort mit dem Erdenleben des Christus. Der auf die Erde gestiegen ist, um für die Menschen den Tod zu überwinden letztlich, also durch die Auferstehung zu gehen. Der Christus ist ja der, der durch den Kreuzestod in das Totenreich hinabgestiegen ist, aber aus dem Totenreich auch wieder herausgestiegen ist. Und zwar in seiner vollen und ganzen Gestalt, in seiner Auferstehungsgestalt. Also das heißt, viel von dieser Erzählung des Christuslebens ist bereits vorgebildet, leise vorgebildet in der ägyptischen Mythologie. Ja, ganz klar, weil die das geistig geschaut haben. Und später hatte man noch ein Bewusstsein. So Leute selbst wie Augustinus noch hatten ein Bewusstsein dafür, ja die sogenannten Heiden, das waren halt Christen vor dem Erdenleben des Christus. Der hat keinen Unterschied noch gesehen. Das kam erst später, so – Kirchenpolitik. Wie die großen Kirchenlehrer dann anfangen und dogmatisch werden, dann waren das plötzlich die bösen Heiden und alles. Aber in Wahrheit haben die alle den Christus erwartet. Und diese Geschichte mit dem Osiris ist, so kann man sagen, fast die letzte oder vorletzte Stufe.

Die Bedeutung der 72 Gehilfen des Seth 1:39:08

Anmerkung einer Zuhörerin: „72.“

Danke! 72. 72. Danke. Das war sehr wichtig! Weil auf die habe ich neugierig gemacht und dann habe nichts gesagt dazu. Das wäre gemein, wenn ich nichts dazu sagen würde. Ja, wo kommen die 72 her? Die Zahl 72 oder auch 70? Es hängt eng miteinander zusammen. 70 ist zum Beispiel in der Bibel das biblische Alter. Das heißt, es ist das durchschnittliche Alter, das der Mensch erreicht, das ihm zugemessen ist. Man meint, es sei das kosmische Maß in Wahrheit, das ihm zugemessen ist. Und tatsächlich gibt es da einen Zusammenhang. Es gibt einen Zusammenhang mit dem Lebensalter des Menschen und mit den kosmischen Verhältnissen. Nehmen wir die großen kosmischen Verhältnisse. Nehmen wir auf Erden als Spiegelbild dazu die Kulturepochen.

Die Sonne, wisst ihr, bewegt sich rückläufig durch den Tierkreis im Laufe der Jahre und Jahrhunderte. Das ist also entgegen dem täglichen Lauf. Da gibt es eine Gegenbewegung. Dadurch verschiebt sich der Frühlingspunkt durch die ganzen Tierkreiszeichen zu. In 25.920 Jahren ungefähr ist man einmal den ganzen Kreis durch. In 2160 Jahren, das ist ein Zwölftel. Also wenn man das mal zwölf nimmt, kommt man genau auf die 25.920. Die 2160 Jahre, also dieses Zwölftel, ist etwa die Dauer einer Kulturepoche. Also die urindische Zeit dauert etwa so lang, die urpersische Zeit dauert etwa so lang, die ägyptische Zeit, ägyptisch-chaldäische Zeit besser gesagt dauert so weiter. Auch die griechisch-lateinische dauert so lang, daher geht sie eigentlich bis 1413 ungefähr, sagt Rudolf Steiner, also bis zu dem Anbruch der Neuzeit. Neuzeit ist erst unser gegenwärtiges Zeitalter und da stehen wir im ersten Drittel erst drinnen. Also da gibt es einmal einen Zusammenhang mit den großen Entwicklungsschritten.

Jetzt könnte man sich anschauen nicht nur die zwölf Monate im großen Weltenjahr, sondern schauen wir uns einmal einen Tag im großen Weltenjahr an. Da müsste man jetzt die 25.920 Jahre durch 360 teilen. Warum 360? Das ist zumindest das Maß, das die Griechen für die Jahreslänge hatten, ihr wisst aber das Jahr hat eigentlich 365 Tage plus noch 1/4 dann dazu, dass es das ja nicht schön ausgeht. Aber die Ägypter hatten 360 plus fünf extra Tage. Das ist also vor allem im Bürgerlichen, im ägyptischen Bürgerlichen, im öffentlichen Kalender in Ägypten war das so gehandhabt. Also das heißt, ein wirklicher Jahrestag ist 1/360 des Ganzen. Wenn ihr das alles nachrechnet, kommt man darauf, dass im Großen ein Weltentag natürlich viel, viel länger sein muss, weil die 360 Grad würden ja jetzt entsprechend den 25.920 Jahren, wenn ich das dividiere. Dann ist ein Weltentag genau 72 Jahre.

Rechnet es aus! 25.920 dividiert durch 360. Das heißt unser Erdenleben entspricht einem Weltentag draußen. Das uns zugemessene Erdenjahr ist also ein Weltentag im Großen. Und in Wahrheit müssen wir immer wieder viele Weltentage durchmachen, bis wir einmal fertig sind und reif sind. Also daher kommt die Zahl 72. Weil das ist die Zahl, die sozusagen bestimmt, nach welcher Zeit wir wieder die Erde verlassen müssen. Wenn ein Weltentag weiter gerückt ist, dann müssen wir die Erde wieder verlassen und gehen dann wieder durch die geistige Welt durch. Und das sind die 72 Gehilfen des Seth, die dazu beitragen, dass wir wieder in die Welt des Todes hinübergehen. Darum sind dort 72. Also das sind so typisch diese mythologischen Symboliken, die oft verwendet werden und die aber einen ganz realen konkreten Zusammenhang haben, die nämlich tatsächlich sagen, also unsere Lebensspanne auf Erden hat etwas mit den kosmischen Verhältnissen zu tun.

Das heißt natürlich nicht genau jetzt 72 Jahre. Gut jetzt, Schlag Mitternacht, jetzt muss ich sterben. Das wird keiner sagen. Keiner wird beschließen, dass er deswegen jetzt genau am 72. Geburtstag stirbt. Sondern es gibt eine Schwankungsbreite.

Anmerkung einer Zuhörerin: Lieber Peter, darf ich dazu kurz etwas sagen? R. Steiner hat ja gesagt, dass der Mensch eben ausgerüstet ist mit Lebenskräften genau für diesen Weltentag, diese 72 Jahre. Und alles, was darüber hinausgeht, das sind geschenkte Jahre. Bin schon wieder still!

W.: Richtig? Ja, ja, das sind Geschenkte. Nein bitte, bitte. Nur immer einmischen, das ist ja gut! Das passt ja genau zum Thema dazu, in dieser Ergänzung. Ja, das sind geschenkte Jahre und das sind eben auch Jahre, die uns ja in Wahrheit eine gewisse Verpflichtung auferlegen oder die wir uns selber auferlegen sollten damit, also mit diesem Geschenk auch umzugehen und aus dem was zu machen daraus.

Und die Abweichungen vom kosmischen Maß, das ist ja auch etwas sehr Typisches. Es gibt dieses kosmische Maß, aber der ganze Kosmos selber hält sich nie genau daran. Na ja, es ist ja schon beim Jahr so. Es sind nicht 360, wie es so ganz schön wäre, es sind aber auch nicht 365, sondern es sind 365 ¼ und ein paar Zerquetschte. Also es geht sich nie aus. So wie sich die Planeten um die Sonne bewegen. Es geht sich nie aus. Dadurch kommt dieselbe Konstellation niemals wieder. Die genau gleiche, niemals wieder. Eine ähnliche, ja. Eine sehr ähnliche vielleicht sogar. Also R. Steiner sagt einmal sogar, das Todeshoroskop in einem Erdenleben ist sehr ähnlich dem Geburtshoroskop in der nächsten Inkarnation. Also die Sterne stehen dann ähnlich. Das heißt, wir verlassen die Erde bei einer gewissen Konstellation und bei einer möglichst ähnlichen kommen wir wieder herein. Geht sich nicht immer ganz aus. Aber im Idealfall kommen wir da herein. Aber es ist eben immer nur ähnlich.

Weil die himmlische Welt ist eben keine Maschine und keinen Mechanismus. Ein Techniker täte sagen: „Na, da hams an pfusch gmacht! Wieso geht sich das nicht aus? Das muss so und so viele Zahnräder haben, so und so, das muss sich ausgehen.“ Ja dann ist es aber tot. Im Leben ist immer die Abweichung da, die macht es lebendig. Tatsächlich können sogar die Astronomen ausrechnen, und wäre das nicht der Fall, dass diese Abweichungen da sind, dann wäre das Planetensystem nämlich nicht stabil. Es würde zusammenstürzen. Es würde nach einer bestimmten Zeit – weiß nicht, nach ein paar Millionen Jahren von mir aus – zusammenbrechen. Gerade die Abweichungen sind essenziell. Die halten das Planetensystem am Leben, jetzt wollte ich schon fast sagen, das Lebenssystem am Leben, das ist es nämlich, das das ganze Planetensystem, unser Sonnensystem ist ein lebendiges System.

Daher entsprechen die Planetenbewegungen auch bestimmten Organprozessen. Darum kann ich die Sonne mit dem Herz vergleichen in gewisser Beziehung oder in Beziehung setzen dazu. Also der gute Hermes mit seinem „oben wie unten“ hatte schon ganz Recht. Da steckt schon was dahinter. Aber es ist auch immer dieses freie Schwingen drinnen. Es ist niemals mechanisch exakt vorher programmiert, auch nicht exakt vorhersehbar, sondern es ist immer ein Spiel drinnen. Es ist eine Ordnung, aber eine Ordnung, die ein freies Spiel trotzdem zulässt. Die schwingt. Ja, das sind die Weisheiten der ägyptisch-chaldäischen Zeit. Also, ich habe es heute vor allem von der ägyptischen Seite geschildert. Die Chaldäer, die nördliche Strömung, sieht es mehr vom Kosmischen draußen. Aber im Endeffekt kommen beide auf das gleiche hinaus.

Die dritte Gemeinde: Die Gemeinde von Pergamon – die ägyptisch-chaldäische Zeit 1:49:52

Ja, jetzt lese ich zum Abschluss, ich denke, die Zeit ist reif dazu, noch einmal was in der Apokalypse drinnen steht. Weil wir machen das Ganze ja jetzt nicht nur um über Ägypten zu sprechen, sondern vor allem um über die Apokalypse zu sprechen. Und da ist eben die dritte Gemeinde, die Gemeinde von Pergamon. Und die spiegelt wider die ägyptisch- chaldäische Zeit.

Und dem Engel der Gemeinde zu Pergamon schreibe: Es spricht zu euch, der das scharfe zweischneidige Schwert hat. Ich kenne und sehe deine Wohnstätte. Du wohnst, wo der Thron des Satans steht. Du hältst fest an meines Namens Kraft und hast deinen Glauben an mich nicht verleugnet, auch nicht in den Tagen des Antipas, der als mein treuer Zeuge in eurer Mitte getötet wurde an der Stätte der satanischen Macht. Aber ich muss dir doch einen Vorwurf machen. Einige von euch halten fest an der Lehre des Bileam, der Balak lehrte, den Söhnen Israels einen Fallstrick zu legen, indem er sie zum Essen des heidnischen Opferfleisches und zur Unzucht verleitete. Es sind unter euch auch solche, die in ähnlicher Art an der Lehre der Nikolaiten festhalten. Erstrebe die Sinneswandlung. Tust du das nicht, so komme ich unversehens über dich und werde gegen sie kämpfen mit dem Schwerte meines Mundes. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist zu den Gemeinden spricht. Wer überwindet, den will ich von dem verborgenen Manna geben und einen weißen Stein, in den ein neuer Name eingeschrieben ist, den niemand kennt, außer dem, der ihn empfängt.

Über das haben die letzten Male schon gesprochen. Manna hat was mit Manas zu tun, das ist der verwandelte Astralleib, der zum Geistselbst geworden ist. Geistselbst ist die Kraft aus dem Nichts einen Astralleib zu erzeugen. Und der weiße Stein? Auf dem ein Name eingeschrieben ist, den niemand kennt, außer dem, der ihn empfängt. Damit ist das Ich gemeint. Weil ich kann nur jeder zu sich selber sagen. Und wie dieses Ich ist im Innersten, weiß nur jeder selber oder hat die Chance, es selber kennenzulernen, sagen wir es so zunächst.

Ausklang 1:52:31

Ja, damit möchte ich für heute Schluss machen. Wenn ihr jetzt noch Fragen habt, nur her damit. Wenn ihr sagt, es reicht eh schon in die Haut hinein, dann ist es auch gut. Weil es war, glaube ich, wieder ein ziemlicher Brocken.

Anmerkung einer Zuhörerin: Diesmal reicht es, ja.

W.: Ja, die Apokalypse ist reich. Und die Angaben von R. Steiner dazu oder die Anregungen, die er dazu gegeben hat, zu verstehen auch die mythologischen Bilder und auch die Bilder, die in der Apokalypse drinnen sind, machen es noch reicher. Also aus dem kann man zum Glück schöpfen. Und ich freue mich, dass wir das gemeinsam tun dürfen, tun können.

Ja, wenn keine Fragen mehr sind, dann bedanke ich mich für heute. Nächsten Dienstag geht's weiter. Herzlichen Dank. Gerne. Baba, alle miteinander. Der Francois wird wieder so toll sein und das Video daraus machen. Also wer es versäumt hat, sieht es! Vielen Dank. Ich lege auf!

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