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Das Mysterium der Wunde - der heilige Gral und sein Impuls für die heutige Zeit - ein Vortrag von Michael Rheinheimer, 2026: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 30. Januar 2026, 21:27 Uhr
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Transkription des Vortrags vom 23. Januar 2026
+++ dies hier ist eine Rohtranskription […] sie muss noch von Hand überarbeitet werden +++
Begrüßung und Einführung 00:00:20
Einen schönen guten Abend und herzlich willkommen hier zu diesem Vortrag. Es freut mich, dass Sie so zahlreich hier gekommen sind. Ich bin auch sehr dankbar, dass Herr Michael Reinheimer aus Bonn zugesagt hat, um zu uns zu sprechen. Zu dem Thema, das Mysterium der Wunde, der Heilige Gral und sein Impuls für die heutige Zeit. Er hat sich quasi seit Kindesalter schon mit dem Thema beschäftigt und hat auch mehrere Vorträge bereits gehalten, gibt auch seit ein paar Jahren den Kurs am Seminar darüber, also ein sehr versitter Mann in diesem Thema und deswegen freue ich mich sehr, dass er hier nach Stuttgart-Nord gekommen ist.
Sie haben bereits gesehen, hinten stehen ein paar Kameras. Das ist eine Aufnahme für AndroWorld, also auch der Teil von AndroWiki, dass es da eben publiziert werden kann und auch, dass der Text in den kleinen Wortspuren, den es ja in der Region auch gibt, dass er da publiziert werden kann. Dann herzlich willkommen und ich wünsche einen schönen Abend.
Das Mysterium der Wunde und die Gralsmysterien 00:01:30
Sehr verehrte liebe Anwesende, lieber Nathanael, herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung. Ich freue mich zum ersten Mal bei Ihnen hier in der Gemeinde in Stuttgart-Nord zu Gast sein zu dürfen. Wir haben uns ein ambitioniertes, anspruchsvolles Thema für den heutigen Abend vorgenommen, das Mysterium der Wunde, der Heilige Gral und sein Impuls für die heutige Zeit. Ich persönlich glaube, dass jede Wunde perspektivisch auf den Gral verweist, ob man sich dessen bewusst ist oder auch nicht, oder dass, wenn man zum Heiligen Gral finden will, man sich auf jeden Fall mit dem Mysterium der Wunde auseinandersetzen oder beschäftigen muss.
Und ich weiß nicht, ob Sie das wissen, Rudolf Steiner hat ja vor 100 Jahren einiges über den Gral gesagt, aber eine Sache, die mir immer besonders wichtig oder wesentlich war, dass er davon sprach, die Grals Mysterien sollen heute im 21. Jahrhundert erneuert werden. Das ist kein Mysterium, das hat natürlich seinen Hintergrund, seinen Quellort im Mittelalter und er hat vor 100 Jahren einiges, sehr vieles darüber gesagt, spricht auch von einer Wissenschaft des Grales, der Anthroposophie, aber er sagt, und darauf hoffe ich heute Abend mit Ihnen gemeinsam, mich dahin zu arbeiten, dass die Grals Mysterien heute im 21. Jahrhundert erneuert werden sollen.
Definition einer Wunde: Trennung im Gewebezusammenhang 00:02:59
Das Mysterium der Wunde, ich selber bin kein Arzt, habe medizinisch keinerlei Kenntnisse beziehungsweise die beschränken sich auf das, was ich mal im Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein gelernt habe, das meiste davon ist weit abgesunken und gerade, weil ich medizinisch ein totaler Laie bin, also mich überhaupt nicht auskenne, was Wunden betrifft, hatte ich mal die Frage, was ist naturwissenschaftlich betrachtet oder medizinisch eine Wunde? Wie definiert man das? Und da habe ich im Lexikon nachgeguckt und bin auf drei Kriterien gestoßen, grob vereinfacht mal gesagt, viel Latein muss man dann, was ich nicht verstehe, auch erstmal ein bisschen wegschieben.
Und eine Sache, die gesagt wurde, eine Wunde ist eine Trennung in einem Gewebezusammenhang. Eine Wunde ist eine Verletzung oder eine Trennung in einem Gewebezusammenhang. Das finde ich einen sehr eindrücklichen Begriff, weil das kann man natürlich leiblich, seelisch und geistig verstehen. Man kann sagen, in mein organisches Gewebe, da taucht eine Verletzung auf und dann wird mein Gewebezusammenhang getrennt. Man kann das natürlich auch in einer seelischen Weise auffassen. Jeder von uns hat sein Schicksalsgewebe oder das Gewebe seiner Biografie und auch da kann ja durch ein äußeres Ereignis etwas eintreten, dass dieser Gewebezusammenhang meines Schicksals oder meiner Biografie plötzlich verletzt wird und dann bleibt ein Trauma zurück.
Ich glaube, es gibt auch geistige Wunden, denn in der Menschenweihehandlung wird ja auch von geistigen Gewebezusammenhängen gesprochen. Der göttliche Weltengrund, der webt in Raum und in Zeit und wir Menschen, das sollen wir ja auch, haben uns ein Stück weit aus dem Gewebezusammenhang des göttlichen Weltengrundes herausgestellt, damit wir in Freiheit unseren Weg gehen können. Auch da, im Gewebe der göttlichen geistigen Welt, gibt es offenbar eine Trennung in einem Gewebezusammenhang.
Infektion und Heilung 00:05:07
Das zweite, was gesagt wird über eine Wunde, wenn in eine solche Verletzung Fremdkörper eindringen, also Bakterien, ja, Krankheitserreger, vielleicht Schmutz, da können sich diese Krankheitserreger oder diese Bakterien unkontrolliert vermehren und dann passiert das, was bei einer Wunde vielleicht gar nicht zwangsläufig ist, was aber dennoch geschehen kann, dass die Wunde sich infiziert. Dann habe ich eine infizierte Wunde, vielleicht gibt es auch seelisch infizierte Wunden oder Traumata, könnte man zumindest mal fragen, ja, dass auch in meine seelischen Verletzungen oder Traumata vielleicht Fremdkörper eindringen können, was kann das sein? Ungelöste Lebensprobleme, andere Verletzungen vielleicht, möglicherweise auch gut gemeinte Ratschläge anderer Menschen, die ich gar nicht so gebrauchen kann, auch die können sich unkontrolliert vermehren und dann habe ich vielleicht sogar ein seelisch infiziertes Trauma.
Und dann gibt es noch eine dritte Sache, die auch gesagt wurde, das ist auch aus dem gesunden Menschenverstand gewissermaßen zu verstehen, dass jede Wunde natürlich die Frage nach Heilung generiert, ja, die Wundheilung. Ich glaube im Organischen ist es so, dass relativ bald bei einer Verletzung Heilprozesse beginnen zu wirken und auch da kann man bei seelischen Traumata aber sofort fragen, sind die heilbar? Wäre zumindest mal eine Frage, also ich habe mich mal ernsthaft mit einer Psychoanalytikerin, die der Anthroposophie sehr fern stand, gestritten über das Thema, ob seelische Traumata oder Wunden heilbar sind. Sie war der festen Überzeugung, das geht nicht und konnte mir da aus ihrer Arbeit sehr viele eindrückliche Beispiele erzählen und sagte, man kann seelische Wunden oder Traumata nicht heilen, man kann sie immer nur integrieren. Ich war anderer Ansicht und hatte das Gefühl, doch, man kann seelische Traumata heilen, die Frage ist vielleicht wann und die Frage ist wie, aber sie fand mich am Ende genauso dogmatisch wie ich sie. Wir sind da einfach nicht zusammengekommen, ja, und möglicherweise, wenn wir das jetzt hier ins Gespräch bringen würden, wo für heute Abend nicht die Zeit ist, könnte man auch darüber ein Gespräch führen, glauben wir, dass unsere seelischen Traumata oder Wunden heilbar sind, vor allem dann, wenn sie infektiös geworden sind.
Und ich weiß nicht, ob Sie das wissen, da staune ich immer drüber, Rudolf Steiner hat ja einiges Ausgewähltes über das Geheimnis von Wunden gesprochen und da sagt er, dass in unserem Seinsorganismus an dem Ort, wo die Lebensprozesse wirken, die Wunden heilen können, zugleich der Ort ist, wo unser Bewusstsein entsteht oder wo unser Bewusstsein sich höher entwickelt. Also er sagt wörtlich, um jede Wunde findet gewissermaßen ein Kampf statt zwischen Bewusstseins- und Lebensprozessen. Und ich glaube, da muss man kein Arzt sein und auch kein Küchenpsychologe, um das so ein Stück weit einfach aus der eigenen Erfahrung auch verifizieren zu können, die Art und Weise, wie ich über Wunden denke, ob ich glaube, dass meine Wunden heilbar sind oder ob ich die Überzeugung habe, man kann Wunden nicht heilen, man kann immer nur sie integrieren, das wird auf die ein oder andere durchaus einen Einfluss haben, ob meine Wunde einen Heilungsprozess durchläuft oder ob sie vielleicht in einem unheilbaren, vielleicht ja sogar irgendwann sehr krankhaften Zustand bleibt.
Die neun Erdschichten und die Weltenwunde 00:09:16
Ich habe mir dann, als ich in dieser Weise mit dem Mysterium der Wunde umging, klargemacht, dass mich das an etwas erinnert, diese drei Kriterien an das, was Rudolf Steiner einmal über das Innerste der Erde gesagt hat, weiß nicht, ob Sie das wissen, also Sie kennen wahrscheinlich Dante, den Dichter mit seiner göttlichen Komödie und Dante spricht ja davon, dass es neun Höllenschichten gibt und er sagt, diese neunte Höllenschicht, das nennt er die Eishölle und Rudolf Steiner knüpft daran an und sagt, es gibt also neun Erdschichten, hat die Schöpfung eindrücklich eingerichtet, in den Himmel können wir erstaunlicherweise mit materiellen Mitteln, mit Sonden zumindest ein Stück weit in die Erde können wir immer nur geistig. Ich glaube so zwölf Kilometer oder so weit, das ist ein Kratzen an der Oberfläche und ich glaube, die technischen Mittel werden es uns nie wirklich weiter erlauben, in das Innere der Erde einzudringen, aber Rudolf Steiner spricht von neun Erdschichten und die drei ersten Erdschichten, die nennt er die sogenannte mineralische Erde, die flüssige Erde, den sogenannten Erdendampf und sehr vereinfacht könnte man sagen, das sind eigentlich die Reste oder die Daseinszustände unserer Erdenentwicklung.
Und dann spricht er von drei mittleren Schichten unserer Erde, die nennt er die Wassererde, die Fruchterde und die Feuererde. Steiner spricht ja nie von Abstraktionen oder von Schemata, er beschreibt immer ganz unmittelbar aus dem geistigen Erleben, was man dort wahrnehmen kann, aber ich wage einmal die These, dass diese drei mittleren Erdschichten, Wassererde, Fruchterde, Feuererde gewissermaßen auch geistige Sphären sind, der vorangegangenen Weltentwicklungsstufen, Feuererde, alter Saturn, Fruchterde, alter Sonne, Wassererde, der alte Mond. Also wenn wir in das Innere der Erde geistig eindringen, dann ist das immer auch eine Reise in die Vergangenheit der Weltentwicklungsstufen unserer Erde und dann gibt es in der Erde, also hinter dem alten Saturn könnte man sagen, im Erdinneren drei Erdschichten, die nennt er die siebte und die achte und die neunte Erdschicht.
Und er sagt ja über diese neunte Erdschicht, das ist ein Bereich, ein Gebiet der Trennung, der Zwietracht und des Hasses. Er sagt auch, es ist der Sitz des Erdbösen, wo das Böse anfängt magisch zu wirken, aber man könnte vielleicht sagen, im Sinne der Definition einer Wunde, diese neunte Erdschicht ist der Bereich, der Bereich der Trennung, der Zwietracht, wo alles auseinandergeht, wo alle Gewebezusammenhänge des Menschseins leiblich, seelisch und geistig aus dieser Erdschicht immer verwundet oder getrennt oder verletzt werden. Und er sagt ja, eine achte Erdschicht, die nennt er den sogenannten Zersplitterer oder den Zahlenerzeuger, da wird fortwährend unkontrolliert, zersplittert alles, es kommt fortwährend zu einer unkontrollierten Zahlenvermehrung. Ein Mensch, der dort eindringen kann geistig, in dem kann das böse Ungeheuer verstärkt werden. Das ist eigentlich die geistige Sphäre, aus der das entsteht, was in einer Wunde Infektionen hervorrufen kann, unkontrollierte Vermehrung.
Und von einer siebten Erdschicht, da sagt er, da werden im Grunde genommen alle moralischen Begriffe, die dort auch Naturgesetzmäßigkeiten sind, umgedreht oder spiegelverkehrt, denn aus dieser siebten Erdschicht, dem sogenannten Erdenreflektor, wird alles, was auf der Erde geschieht, umgedreht und gewissermaßen umgekehrt gespiegelt. Und das war für mich zumindest ein persönlicher Eindruck, weil man das vielleicht auch mal so sehen kann, dass das Innerste der Erde eine Wunde ist. Oder noch anders gesagt, wenn ich eine Wunde habe, ich habe mich verletzt, eine Trennung in meinem Gewebezusammenhang, dann sind da vielleicht unkontrollierte Krankheitserreger eingedrungen, das Ganze hat sich entzündet und dann denke ich vielleicht auch, dass man meine Wunde gar nicht heilen kann, dann blicke ich ins Innerste der Erde. Also wir sind eigentlich mit unseren Wunden, mit der Erde am innigsten verbunden oder mit dem Innersten der Erde, das ist immer auch ein Urbild unserer aller Wunden.
Und diese siebte Erdschicht, die eigentlich alle Begriffe versucht umzudrehen, um Einfluss auf unser Bewusstsein zu haben, denn ich wiederhole, dass der Ort, wo in unserem Seinsorganismus die Lebens- oder Heilprozesse beheimatet sind, ist zugleich der Ort, wo unser Bewusstsein entsteht. Und wir wissen alle, wenn Sie verletzt worden sind, man hat Ihnen eingeredet, Sie selber sind an Ihrer Verletzung schuld. Ja, man hat das gewissermaßen umgedreht, jeder Täter macht das ja manchmal, so eine Täter-Opfer-Umkehr, das ist eigentlich immer siebte Erdschicht, das ist das, was im Innersten der Erde dafür wirkt, dass eine Wunde ungeheilt und infektiös bleibt. Und ich glaube, wenn wir die Erde heilen wollen, und das ist ja die große Aufgabe unserer Zeit, dann müssen wir unsere Wunden heilen. Und wenn wir uns mit unseren Wunden verbinden, wenn wir einen Heilprozess unserer Wunden gewissermaßen generieren oder anstoßen wollen, dann müssen wir uns in einer besonderen Weise mit der Erde verbinden. Und insofern glaube ich, dass die Krise der Erde, die wir heute im 21. Jahrhundert erleben, eine Krise nicht nur unseres Menschseins ist, sondern ein Verhältnis des Menschseins zu seinen Wunden. Oder was ich am Anfang gesagt habe, jede Wunde weist perspektivisch auf den Graal, aber wenn man sich auf die Graalsuche macht, muss man sich immer auch mit dem Mysterium der Wunde verbinden.
Die erste Wunde: Die Herze-Leude-Wunde 00:15:50
Es gibt große Graalsdichter, den Komponistendichter Richard Wagner, es gibt die großen mittelalterlichen Graalsdichter Wolfram von Eschenbach, Rudolf Steiner nennt ihn einen großen Eingeweihten, und ich glaube, dass es ein großer Eingeweihter in das Mysterium der Wunde war. Der kannte diese Weltenwunde im Innersten der Erde, aber ihm ist es gelungen, in seinem Parsifal fünf Wunden zu charakterisieren, in denen wir als Menschen verwundet werden können. Und in jeder dieser einzelnen Wunden kann man gewissermaßen die Weltenwunde entdecken. Aus diesen drei, wie ich sie genannt habe, Charakterisierungen, Trennung im Gewebezusammenhang, Infektion, die Frage nach der Heilung. Er ist ein bisschen wie Goethe mit seiner Urpflanze, der hatte ja die Imagination, die Wahrnehmung der Urpflanze und konnte in jeder einzelnen Pflanze die Urpflanze in ihren Gesetzmäßigkeiten entdecken. Und ich glaube, dass Wolfram von Eschenbach, der die Weltenwunde im Innersten der Erde kannte, in der Art und Weise, wie er Wunden charakterisiert, zeigen kann, dass diese Weltenwunde auf fünffach unterschiedlicher Weise in unserem Menschsein wirken kann.
Die erste Wunde, die Wolfram von Eschenbach charakterisiert, die nenne ich immer, so habe ich das auch den Studenten am Priesterseminar in dem Kurs versucht nahezubringen, die sogenannte Herze-Leude-Wunde nach der Mutter Parsifalz. Herze-Leude-Wunde, der Name, der ist schon Programm, ja, es geht um Herzeleid, die stirbt ja sogar an ihrer Herzwunde oder an ihrem Herzeleid und Herze-Leude-Wunden sind gewissermaßen das, was wir alle erst mal unter Wunden verstehen, unsere persönlichen Verletzungen und Traumata, die hat jeder Mensch, bleibt gar nicht aus, durch periphere Ereignisse, die mich punktuell gewissermaßen verletzen, ja, und über das Schmerzerleben, was wir haben, über diesen Umweg, dieses Schmerzerlebens, haben wir ein Ich-Bewusstsein, also wenn Sie sich mit Ihrem kleinen Zeh an der Bettkante stoßen, was ich Ihnen nicht wünsche, dann wissen Sie, dass es Sie gibt, ohne Descartes, ich denke, also bin ich, das kann man auf diese Weise so eine Art Ich- oder Seins-Erfahrung auch machen, aber Sie wissen auch, unsere Schmerzen oder Traumata sind erst mal unsere persönlichen Schmerzen oder Traumata, Ihr Nachbar kann sehen, dass Sie sich mit dem Fuß an der Bettkante stoßen und der merkt es gar nicht, vielleicht muss er sogar lachen, weil es so komisch aussieht, wie man plötzlich durchs Zimmer springt, ja, jeder hat sein eigenes Schmerz, sein eigenes Traumata, aus der Peripherie kommt eine Verletzung, ein punktuelles Schmerzerleben, über dessen Umweg wir ein Ich-Bewusstsein haben.
Und 1914 beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges, da hat Rudolf Steiner den Anthroposophen einen Erste-Hilfe-Kurs gegeben, der ist bekannt als der sogenannte Samariter-Kurs und da hält er einen kleinen, ungeheuer wesentlichen Vortrag über das Geheimnis der Wunde und da sagt er etwas sehr Erstaunliches, er spricht davon, dass er sagt, jede Verletzung, jede Wunde ist erst mal das Aufrufen einer Heilkraft. Können Sie verstehen, was er damit meint? Also wir glauben ja, wenn wir verletzt werden, ja, da kommt eine Verletzung, ich werde beschädigt, aber in der Verletzung wird zugleich eine Heilkraft aufgerufen, die versucht sich auf die ein oder andere Weise auf den Weg zur Wunde zu machen. Also ich sagte auch den Studenten, blöder Witz, man kann nicht jemanden schlagen und sagen, ich wollte eine Heilkraft aufrufen, das kommt vor Gericht vermutlich nicht ganz durch, aber einfach mal dieser Perspektivwechsel. Wir glauben, eine Wunde ist eine Verletzung, diese Therapeutin, die der Ansicht war, man kann Wunden nicht heilen, gut, ist eine Frage, ob man Wunden heilen kann oder wie man sie heilen kann, aber die Heilkraft zur Heilung der Wunde ist im Moment der Verletzung bereits aufgerufen.
Und da nennt er zwei Dinge, wie man das therapeutisch optimieren kann, dass diese Heilkräfte, die mit einer Verletzung aufgerufen werden, Wunden heilen können. Das eine, was er sagt, Vertrauen in den Geist. Auch ein Therapeut muss sich damit durchdringen, egal was geschieht, egal wie schwer die Wunde ist, zuletzt wird der Geist doch siegen. Wir könnten jetzt eine Frage machen, eine Umfrage, wer von Ihnen glaubt, dass seine Wunden heilbar sind? Sehr schön, ich bin beeindruckt. Vielleicht gibt es aber auch Menschen, wunderbar, es war nur rhetorisch gemeint, aber schön, dass Sie sich beteiligen, vielleicht gibt es aber auch Menschen, die sagen, ja die Wunden der anderen, aber meine nicht, die ist so infektiös, ich glaube das nicht. Eine Frage, Vertrauen in den Geist, man soll sich damit durchdringen, zuletzt wird der Geist doch siegen.
Und das andere, was er sagt, ist Empathiefähigkeit. Warum? Wir erleben ja erstmal bei jeder Herze Leudewunde einen Angriff auf der Peripherie, der uns punktuell verletzt, aber die Schmerzen der anderen erleben wir nicht mit. Und er hat ja einen Mantram gegeben, solange du den Schmerz erfüllst, der mich meidet, ist Christus unerkannt. Solange dir der Zeh wehtut, wenn du dich an der Bettkante stößt und mir nicht, weil der mich meidet, ist Christus unerkannt. Schwach nur bleibt der Geist, solange er des Leidensfühlens allein im eigenen Leibe mächtig ist. Der Geist, der in unserem inneren, in unserem Seinsorganismus dort ist, wo die Lebens- oder Heilprozesse beheimatet sind, der kann ja nur dann stark werden, wenn offenbar diese Empathiefähigkeit in einer besonderen Weise ausgebildet wird. Vielleicht ist das ein bisschen auch das Geheimnis von Selbsthilfegruppen, die vielleicht ja nicht Wunden heilen, aber manchmal helfen können, dass sie ein Stück weit vernarben.
Also diese beiden Dinge nennt er ja Vertrauen in den Geist und gleichzeitig Empathiefähigkeit. Und wenn sie an die Herzeläude denken, die Mutter Parzivalz, ja was sagt uns Wolfram von Eschenbach in seinem Mysterien-Drama der Wunde über die Herzeläude? Das ist eine Frau, die fortwährend verletzt und traumatisiert wird. Was ist ihre Verletzung? Was ist ihre Traumatisierung? Ihre Verletzung ist, dass sie ständig Menschen verliert durch Schicksalsschläge, mit der sie eng verbunden ist. Als erstes stirbt ihr erster Mann Kastis, der sie vom Gral, sie ist ja die Schwester des Gralskönigs Amphortas, der sie geheiratet hat, direkt nach der Hochzeit. Dann stirbt irgendwann ihre Schwester, dann stirbt irgendwann der Gachmuret, ihr zweiter Mann, der Vater Parzivalz, der fällt im Orient und als sie mit Parzivalz schwanger ist, da reagiert sie so, wie wir wahrscheinlich alle reagieren, wenn wir zu oft verletzt oder traumatisiert sind. Man bildet so einen Versuch aus, dass das nicht weiter passiert, dass weitere Traumatisierungen ausbleiben und da geht sie mit dem kleinen Parzivalz in den Wald. Sie wird ein Stück weit übergriffig, sie greift in die Biografie des Kindes ein, damit ihr das nicht wieder passiert und der nicht später auch Ritter wird und sie dann den nächsten Menschen verliert.
Und jetzt ist, da merkt man, was für ein feiner Psychologe Wolfram von Eschenbach ist, wie er sich mit diesen Herze-Leude-Wunden oder dem Geheimnis der Wunde bereits auskennt. Ja, die Herze-Leude ist keine eindimensionale Figur. Also sie hat durchaus Empathiefähigkeit, als ihre Schwester Josianne stirbt, adoptiert sie die kleine Sigune. Was sie allerdings auch macht, ihr Bruder ist der verwundete Gralskönig Amphortas und man würde eigentlich, der ja die ganze Gralsburg in eine tiefe Krise gestürzt hat, man würde eigentlich aus keinem einzigen Satz von ihr verstehen, dass sie die Schwester eines solch verwundeten Königs ist. Sie hat sich von dem abgewandt. Sie agiert eigentlich so, wie das manchmal Menschen machen, wenn andere ins Unglück geraten. Man will damit nichts zu tun haben, weil man sich vielleicht ein Stück weit Sorge macht, dass man da in irgendwas reingezogen wird. Ihre Empathiefähigkeit ist nicht sehr stark ausgebildet.
Ja, Vertrauen in den Geist, auch das sehr bemerkenswert, wie Wolfram das beschreibt. Sie hat dann einen Traum, dass sie schwanger ist mit Parzival. Was träumt sie, mit wem sie da schwanger ist? Wer soll das sein? Ein Tier. Ja, ein Drache. Ein Drache. Sie sagt ein Drache, der saugt an ihren Zöpfen und sie hat das Gefühl, also sie gebiert ein Monster, ein Drachen. Muss man wissen, das ist kein Drache, ja das ist ein Fabelwesen. Das ist das Wappen von Parzivals Vater, Gachmuret, der sogenannte Panthea. Nicht der Panther. Manche Leute haben das falsch wiederholt. Nicht die Raubkatze. Der Panthea ist ein Fabelwesen aus dem Physiologikus, stammt von Pantheon. Denken Sie an das Rom, an das Pantheon. Das heißt Allgottheit. Das ist ein Fabelwesen, was für den Parakleten, für den lebendigen Geist steht. Und die Herze Leude träumt, ich gebiere den Geist, den Parakleten. Und ihr Vertrauen in diesen Parakleten, in diesen Geist, in diesen Panthea ist so gering, dass sie sagt, ich gebiere einen Drachen und sie geht mit dem Jungen in den Wald, weil sie Angst hat vor seinem wahren Wesen. Also ich glaube nicht nur, weil sie Angst hat, dass der Junge später als Ritter fällt, sondern weil sie, vielleicht haben alle Eltern Angst vor dem wahren Wesen ihrer Kinder. Vielleicht haben wir alle voreinander Angst, wer wir eigentlich in Wirklichkeit sind. Und damit da nicht irgendein Unheil geschieht, geht sie mit dem Jungen in den Wald. Und als sie dann irgendwann geht, sagt sie ihm sogar, meide dunkle Furten. Damit sagt sie ihm, sei nicht der, der du bist. Denn das wird Parzivals Aufgabe sein. Er soll ja als ein Parzival durch das Tal gehen und durch die dunkle Furt gewissermaßen hindurch.
Und da merkt man, wie Wolfram von Eschenbach diese Herze-Leude-Wunde psychologisch charakterisiert. Mangelnde Empathiekräfte, sie hat sich von ihrem Bruder abgewandt und gleichzeitig wenig Vertrauen in den Geist. Und dann schwächt sich die Herze-Leude in ihren Resilienzkräften so, dass sie am Ende an einer Wunde stirbt, die gar keine ist. Ihr Sohn verlässt sie, weil er Ritter werden will. Das ist keine Verletzung. Kinder dürfen ihre Eltern irgendwann verlassen. Kann sein, dass die Eltern wehmütig sind oder das schade finden. Ist ja ganz menschlich. Aber das ist dann Thema der Eltern. Aber Kinder dürfen die Eltern verlassen. Die Herze-Leude-Wunde hat sich da verkapselt in eine Eiterkapsel und sie stirbt dann an Organversagen, weil sie in ihren Resilienzkräften so geschwächt ist, durch diese mangelnde Empathiefähigkeit, durch den Mangel an Vertrauen an den Geist, dass sie daran zugrunde geht.
Jetzt sagt Rudolf Steiner, einmal werden wir Menschen, wenn wir durch Empathie und durch Vertrauen in den Geist, den Geist so gestärkt haben, die Heilkräfte aufrufen können, ohne dass wir dafür verwundet werden müssen. Überlegen Sie mal. Wir werden deswegen verwundet, weil wir eben erst so anfänglich sind auf dieser Möglichkeit. Muss man ein bisschen vorsichtig sein. Keiner soll damit gesagt sein, dass deine Wunden Schmerzen oder traumatisch sind. Da bist du selber daran schuld, weil du zu wenig Empathiefähigkeit hast oder zu wenig Vertrauen. Ich glaube, da würde man Rudolf Steiner missbrauchen mit dem, was er gemeint hat. Es geht erst mal darum, dass er sagt, das ist ein Menschheitsproblem und sicherlich etwas, wo wir in der westlichen Welt in einer besonderen Weise vielleicht in einem Problem stehen, weil unser westliches Lebensmodell beruht natürlich darauf, dieses Vertrauen in den Geist zu untergraben und uns empathisch abzuschneiden durch unseren Kapitalismus mit den Wunden anderer Menschen auf anderen Wehrteilen, Ehrteilen, die mitunter dafür bluten müssen. Und ich glaube, wo uns das doch von hinten durch die Brust, durchs Auge mitunter wieder einholt, ist die Frage, was die Resilienzkräfte unserer Wunden betrifft.
2. Die Amfortas-Wunde 00:29:15
Wolfram von Eschenbach beschreibt eine zweite Wunde und das ist eine Wunde, die wir wahrscheinlich alle als erstes denken, wenn wir an den Parsifal denken. Das ist der verwundete Grazkönig Amphortas. Was wir aus der Parsifal-Geschichte aber auch wissen, der Amphortas ist von niemand anderem verletzt worden, sondern der hat ja selber etwas verletzt. Der trägt eine Wunde oder eine Verletzung, weil er etwas in der Welt verletzt hat. Was hat er verletzt? Er hat ganz konkret die Gralsgebote verletzt, die Gebote der Gralsritter. Der ist Gralskönig, das ist vielleicht das höchste Amt, was man auf Erden erwerben kann. Und wie jedes Amt gibt es bestimmte Gebote, die Dinge möglich machen in einem Amt, die es aber gewissermaßen auch ausschließen.
Und was hat der Amphortas, in welcher Weise hat er sich verletzt, die Gralsgebote verletzt? Er hat einen Gegner, die Gralsritter haben einen Gegner, das ist der schwarze Zauberer Klingsor. Klingsor ist ein Schwarzmagier, der die Gralsritter anbekämpft und der Amphortas hat, ich sage es mal salopp, die Geduld mit diesem Klingsor verloren und hat zu einer Lanze gegriffen bei Richard Wagner und will den Klingsor jetzt offensiv, wollte ihn mit der Lanze bekämpfen und ist damit in seine Schlingen gefallen. Hat sich auch verführen lassen, ja, von einer Frauengeschichte, das kommt auch noch hinzu, aber ich glaube, diese eigentliche Verletzung ist, dass er die Gralsgebote verletzt hat. Auch ein Pfarrer kann nicht einfach zu einer Lanze greifen und auf einem Elternabend eine Prügelei anfangen, weil die Eltern die Kinder nicht in die Sonntagshandlung schicken und sagen, ja, die Sonntagshandlung ist doch so wichtig, ja, dann würde man auch Gralsgebote verletzen. Also das hat der Amphortas auch gemacht, indem er gegen das Böse selber gewalttätig geworden ist.
Und das ist offenbar, dass Wolfram von Eschenbach da etwas sehr Bemerkenswertes sagt, wenn wir in der Welt etwas verletzen, dann laden wir nicht nur Schuld auf uns, die kann ja mitunter auch justiziabel sein, wir laden nicht nur Schicksal oder Karma auf uns, das wir dann im nächsten Leben ausgleichen müssen, sondern er sagt noch etwas Drittes, wenn wir in der Welt etwas verletzen, dann verletzen wir uns immer auch selber. Also Schuld ist nicht nur eine Frage der Last, ja, sondern eben auch eine Frage der Wunde, eine Amphortaswunde. Eine Wunde, eine Verletzung, die jeder Mensch dadurch trägt, wenn er in der Welt etwas verletzt, wir haben alle Amphortaswunden. Man könnte da auch ein bisschen etymologisch rangehen, das Wort Sünde kommt von Sondern. Wenn man sündigt, sondert man oder trennt man sich auch aus dem Gewebezusammenhang des Weltengrundes heraus und diese Sonderung, diese Sünde, diese Trennung, das sind Amphortaswunden.
Amphortaswunden sind gewissermaßen sehr gefährlich, weil ich die anders als Herze-Leude-Wunden mitunter bei mir selber gar nicht bemerke. Ich habe in der Welt peripher etwas verletzt, ja, ich selber merke das vielleicht gar nicht. Also der Amphortas, der merkt es schon, das liegt aber daran, dass er als Gralskönig ein Bewusstsein jenseits der Schwelle hat. Also aufs Leben übersetzt, stelle sich eine Firma vor, ja, da hat der Chef, ist ein Korruptionsskandal verwickelt, der auffliegt, da wird er entlassen, da bleibt eine brennende Wunde für die Gemeinschaft. Der Chef selber streitet es vielleicht ab oder vielleicht ein Missbrauchsskandal an einer Schule, ein Lehrer hat das gemacht, fliegt auf, der sagt, ich war das nicht, spaltet das ab, aber die Gemeinschaft, die Schule trägt natürlich eine brennende Wunde.
Und ich glaube aber auch, dass durch so ein, wie bei einer Herze-Leude-Wunde, durch diese Wunde, durch den Umweg über den Schmerz ein Ich-Erlebnis entstehen kann, scheint das auch bei Amphortas-Wunden zu sein, nachtotlich ist es auf jeden Fall so, wenn wir unsere eigenen Amphortas-Wunden wahrnehmen und unser geistiges Flammenauge plötzlich bemerkt, in welcher Weise wir uns damit selber verletzt haben. Sie kennen oder die meisten von Ihnen sicher die Geschichte von George Ritchie, der dieses Nahtoderlebnis hat, der erlebt in der geistigen Welt einen Mann aus Licht, Christus, und der sieht mit ihm jede einzelne Schuld, alles Schlechte, was er begangen hat. Man könnte sagen, alle Amphortas-Wunden, mit denen er sich verletzt hat, aber der beurteilt ihn nicht, der liebt ihn, bedingungslos. Aber er selber, das hat er sehr gut beschrieben, da ist plötzlich eine Instanz, sein Ich, das in jedem Augenblick seines Lebens wahrnehmen kann, auf welche Weise er sich selber verletzt hat oder auf welche Weise er egoistisch oder schuldhaft in irgendeiner Weise in der Welt gewirkt hat.
Also solche, bei Wagner heißt es, die Wunde des Amphortas ist die Wunde, die sich nicht schließen kann. Also offenbar werden bei Amphortas-Wunden nicht einfach eine Heilkraft aufgerufen, es ist auch nicht Vertrauen in den Geist, ja, das haben die Graalsritter. Die sagen ja, der Graal hat verkündigt, da kommt irgendwann ein Junge und der wird dann den König erlösen, da vertrauen die drauf, das hilft alles nichts. Ich glaube, es ist auch keine Empathiefähigkeit, denn die Graalsritter sind sehr empathisch. Bei Wagner ziehen sie am Anfang durch die Welt, um das Heilkraut aus Arabia aufzuspüren. Trotz dieser gewaltigen Empathiekräfte der Graalsritter bleibt diese Wunde ungeheilt. Und das Erstaunlichste ist, der Graal selber, die Lebenskraft selbst, die der Amphortas fortwährend enthüllt, weiter zelebriert, hat zwar todüberwindende Kräfte, aber die Wunde, die er trägt, kann selbst der Graal nicht heilen.
Und Wolfram oder die Graalsdichter sagen im Grunde genommen drei Dinge, wenn man solche Amphortas-Wunden, die kann kein Mensch bei sich selber heilen, die können sich transgenerational vererben, die bleiben vielleicht sogar bis in ein nächstes Leben, selbst wenn ich meine eigene Schuld bereits ausgeglichen habe, bleibt möglicherweise eine Wunde. Was wir aber machen können, wir können die Amphortas-Wunden anderer Menschen heilen. Nämlich dann, wenn wir uns offenbar wie Parzival auf den Weg zu einem schuldhaften oder zu einem verwundeten Menschen machen und um sein Herzeleid ringen, wie das in Parzival heißt, und eine Frage stellen. Also wir sind ja darauf konditioniert, dass wir die Vergehen anderer Menschen erst einmal eher urteilend als solches wahrnehmen, aber Parzival sagt, wenn man das tut, dann wird diese Wunde weiter ungeheilt bleiben. Unsere eigenen Amphortas-Wunden können wir nicht heilen, aber jede kann die der anderen heilen, ich kann auch meine eigenen nicht heilen, aber andere können sich auf den Weg zu meiner eigenen machen.
Das zweite, was er sagt, wenn man Amphortas-Wunden heilen will, kann man sie immer nur in dem Menschen heilen, der es verursacht hat. Also in dem Täter sozusagen. Wenn man den austreibt wie ein Sündenbock, dann wird diese Wunde peripher weiter brennen und weiter ihr Unwesen in entzündeter Weise in der Welt auf jeden Fall treiben. Und das dritte Mal, was der Parzival, das dritte, was er uns lehrt, dass er sagt, wenn man eine Amphortas-Wunde geheilt hat, dann ist der geheilte Amphortas schöner als jeder andere in der Welt. Überlegen Sie mal, sagt Wolfram am Ende. Ja, der war schöner als Fleur, schöner als er vorher war, seiner Schönheit kam niemand anderes gewissermaßen gleich.
Also ich sage jetzt nicht, dass Sie das so sehen sollen. Der Vortrag heißt das Mysterium der Wunder, ich beschreibe Phänomene und jeder von Ihnen ist ja ganz frei, welche Schlüsse er für sich daraus zieht und was er vielleicht auch zurückweist und sagt, das möchte ich anders sehen.
Eine moderne Parzival-Geschichte: Anni Pfirter 00:38:02
Und es gibt eine Geschichte, die bei Amphortas-Wunden, habe ich auch den Studenten erzählt, die ich immer ganz eindrücklich finde, weil das wie eine moderne Parzival-Geschichte für das 21. Jahrhundert auch ist. Peter Selck hat die in einem kleinen Büchlein veröffentlicht, da geht es um die Befreiung der Konzentrationslager in Bergen-Belsen, um eine Rotkreuz-Krankenschwester aus dem Umfeld Ita Wegmanns, Anni Pfirter, kennt jemand die Geschichte? Ja, die hat dort nach der Befreiung der Lager dort in Bergen-Belsen gewirkt. Eines Tages kommt ein junger Stabsarzt, der sehr unsympathisch ist, so ein gelackter Kerl mit knalligen Stiefeln und für sie ekelhaften Händen, die sind wie glitschige Fische und dann findet sie raus, auch durch die anderen befreiten Häftlinge, das war eines der Ärzte, die in Auschwitz an der Rampe standen und diese Lektionen durchgeführt haben. Sie gerät in einen gewaltigen Gewissenskonflikt, zeigt den aber doch an, wissend, dass der wahrscheinlich vor das Militärgericht kommt und gehängt wird.
Und obwohl das mutmaßlich alles passiert, beschreibt sie, wie sie in einen inneren Konflikt gerät, die Frage, was erlebt so ein Mensch nachtodlich, kann der seine eigene Schuld jemals überhaupt ausgleichen, sind wir anderen vielleicht mit Schuld, dass ein Mensch in solche Abgründe gefallen ist und tragen wir vielleicht nicht als Gesamtmenschheit auch eine Wunde davon, dass so ein Mensch auf diese Weise eine solche Schuld auf sich geladen hat. Und eines Nachts hat sie ein Erlebnis, dass sie das Gefühl hat, brennende Augen wie aus Schmerz geboren, schauen sie an und sie weiß sofort, wer das ist, dieser Verstorbene. Und sie bemerkt sofort den unglaublichen Schmerz, den der hat. Man könnte sagen, im Sinne des Parsifal, über den Umweg seiner Amforterswunde wird sein Ich geweckt und er wird plötzlich gewahr, in welcher Weise er sich selber verletzt hat, dadurch, dass er in der Welt diese Wunde des Holocaust mit vollzogen hat.
Ich fasse das hier kurz zusammen, wenn sie das interessiert, lesen sie es selbst, sehr schön beschrieben. Augen bitten darum, es wird gesagt, die Hände haben sich ein Stück weit veredelt, das spricht sogar für die Christusbeziehung eines solchen Menschen, aber diese Augen bitten darum, kannst du mir für dein nächstes Leben deine Wesensglieder, deinen biografischen Wesensanteil geben, dass ich wiederkommen kann und anfänglich versuchen kann, in irgendeiner Weise meiner Existenz, meinem Schicksal eine neue Richtung zu geben und wissend, dass so etwas nur einen Wert hat, wenn man das auf der Erde tut, verspricht sie ihm das und dann verschwinden diese brennenden Augen und der letzte Satz ist, habe ich in einen Bereich eingegriffen, der mir nicht zusteht. Das ist eine berechtigte Frage, die man Parsifal auch stellen kann, dass er den Amphortas heilt, denn ihm wird gesagt, wenn man einmal versagt hat, kann man das nicht nochmal machen, trotzdem macht er sich auf den Weg, greift vielleicht in einen Bereich ein, der ihm nicht zusteht und heilt den verwundeten Amphortas.
Ich bin mir bewusst, dass diese Geschichte riskant ist, es wird Menschen geben, die so etwas obszön finden und sagen, ich will gar nicht, dass so ein Mensch geheilt werden kann, der soll ruhig in allen apokalyptischen Feuersümpfen für immer schmoren und verderben. Vielleicht haben das aber auch die Menschen im Mittelalter über den verwundeten Gralskönig Amphortas gesagt, denn dass ein Mensch Gralsgebote verletzt, eine ganze Welt in den Untergang reißt und dann am Schluss geheilt wird und schöner ist als jeder andere, auch das bringt uns vielleicht heute noch ein bisschen an die Grenze unseres normalen moralischen Empfindungsvermögens, aber ich finde das eindrücklich, weil das ist wie eine Gralsgeschichte, der Moderne, ein weiblicher Parzival, ein Mensch, der versteht, ich war in Auschwitz, einige andere vielleicht auch, habe das erlebt, neben diesem Verbrechen der Deutschen an den Juden, das ist, glaube ich, ein Erlebnis, das hatte ich auch, was auch andere Menschen haben, man hat irgendwie das Gefühl, da ist unser Menschsein verwundet worden, über die Frage jetzt, wer mit welchem Volk Schuld hat, und diese Amphortaswunde, diese periphere Wunde, durch das, was da vor 100 Jahren oder nicht ganz 100 Jahren geschehen ist, wie kann man das heilen, das fragt diese Anipvirta sich und indem sie bereit ist, diese Frage an diese brennenden Augen zu stellen, ist das vielleicht ein erster Schritt, ein Parzival-Schritt, da einen Heilimpuls in die Welt zu stellen, denn sonst werden solche infizierten Amphortaswunden auf jeden Fall weiter in der Welt wirken.
3. Die Klingsor-Wunde 00:43:19
Ja, mit zwei Wunden haben wir uns beschäftigt, Herze-Leude-Wunden, Amphortaswunden, es gibt weitere Wunden, das fasse ich etwas mehr zusammen, eine Wunde, man könnte sagen, das ist eigentlich die Wunde unseres augenblicklichen Weltgeschehens, ich nenne die mal Klingsor-Wunden. Klingsor ist der schwarze Magier, der schwarze Zauberer im Parzival, der Gegner der Gralsritter und Rudolf Steiner hat mal gesagt, was solche schwarzen Magier oder schwarzen Zauberer immer tun, die haben ihre Kräfte, indem sie versuchen, in das Erdinnerste, in die untersten Erdschichten einzudringen. Also die versuchen im Grunde genommen aus den Kräften der Weltenwunde, ihre Macht durch ihren schwarzen Klingsor-Zauber auf der Erde zu entfalten.
Rudolf Steiner sagt das irgendwann mal in den Apokalypse-Vorträgen, so ein schwarzer Zauberer, er sagt es ein bisschen anders, der wird versuchen, indem er Verletzungen, Wunden hinzufügt, durch diese Verletzungen seinen dunklen Weg zu beginnen. Und jetzt ist etwas sehr Eindrückliches, der Klingsor will natürlich nicht, dass man durchschaut, der hat ja eine Zauberburg, Schastelmarvey, ein Wonnegarten bei Wagner, das ist die schwarze Zauberburg. Und jetzt gibt es eine Gestalt wie Gawain, Wagner fügt die zusammen, Gawain, Parzival, Gawain ist bei Wolfram vielleicht ein bisschen das höhere Ich von Parzival, der geht dringend nach Schastelmarvey ein, nachdem ihm alle davon abraten, sagen, geht er auf keinen Fall rein, das ist total gefährlich.
Und dann muss er verschiedene Proben bestehen, ein Wunderbett, kommt so eine Prüfung aus der Luft, Pfeile, ein Riese mit einer Fischhaut, ein feuriger Löwe, man hat so das Gefühl, der muss so durch die Elemente oder durch das Erdinnerste erst einmal hindurch gehen. Und dann stellt er fest, dass diese Zauberburg, der Sitz des schwarzen Zaubers Schastelmarvey, in Wirklichkeit eine Wunde ist. Denn so wie Wolfram das beschreibt, definieren sich in Schastelmarvey die einzelnen Proben, die er am Schluss hat, mit dem, was ich Ihnen am Anfang über das Erdinnere beschrieben habe. Er muss über einen Abgrund am Schluss drüber, eine Trennung, eine Kluft und erst dann kann er verhindern, dass der Klingsor Mann und Frau immer weiter auseinander trennt. Das ist Teil, also Trennung im Gewebezusammenhang, Teil seines dunklen Zaubers.
Dann stellt er fest, dass in Schastelmarvey immer mehr Jungfrauen und Gefangene dort in dieser Burg gefangen gehalten werden, ja unkontrollierte Vermehrung, das, was man Infektion bei einer Wunde nennt. Und dann schließlich, davor, kommt er an eine Wundersäule, die alles, was im Umkreis ist, spiegelt. Dieser sogenannte Erdenreflektor. Und die Leute draußen denken, Schastelmarvey, die Zauberburg, ist ein Ort des Bösen. Und Garvan dringt ein und stellt fest, das ist eine Wunde. Und natürlich will der Klingsor nicht, dass man durchschaut, dass sein Reich des Bösen in Wirklichkeit eine Wunde ist. Weil dann, wenn man das durchschaut, wäre die Klingsorwunde entmachtet. Wolfram sagt, Klingsorwunden kann man nicht heilen. Das ist wie die Sünde wieder des Heiligen Geistes. Gibt es auch die Wunde wieder des Heiligen Geistes. Das sind Klingsorwunden, man kann die nicht heilen. Man kann die im Grunde genommen nur entmachten.
Und was muss man tun, dass man Klingsorwunden entmachten kann? Wolfram sagt mit seinem Parsifal, wenn man sie entmachten will, dann darf man Klingsorwunden nicht als moralisches Problem betrachten, sondern man muss sie als ein medizinisches Problem betrachten. Indem man, und das tut der Garvan, dort eindringt und in sich selber, in den eigenen Wunden, die er in dieser Klingsorwunde erfährt, so etwas wie eine Heilsubstanz ausbildet, mit der dann am Vortags geheilt werden kann und die Klingsorwunde entmachtet wird. Also man kann vielleicht sagen, der Garvan guckt wie so ein Tierarzt dem arimanischen Fenriswolf ins Maul und sagt, ich sehe hier eine stinkende Wunde, aber ich lasse mich da. Er fragt ganz genau, was ist da los? Warum werden da 400 Jungfrauen gefangen gehalten und geht da rein und rein und am Schluss ist diese Wunde oder dieser schwarze Zauber damit entmachtet.
Vielleicht kann man das als unsere augenblickliche Weltsituation ein Stück weit begreifen. Die Klingsormacht versucht natürlich im Augenblick, die Kräfte seiner Wunde im Zeitgeschehen zu entfalten. Ich glaube, das, was wir da erleben, das ist seit Beginn des Michael-Zeitalters so, dass Menschen durch Vernichtung, Vertreibung, fortwährend aus ihren Gewebezusammenhängen herausgetrennt werden. Das ist das, was in einem Konzentrationslager geschieht. Die Trennung aus dem Gewebezusammenhang, leiblich, seelisch und geistig. Wir wissen alle, wie sich diese Wunden infizieren können, welche Fremdkörper da eindringen, zum Beispiel durch Geldvermehrung, indem das Elend der Menschen, die Trennung aus ihrem Gewebezusammenhängen, immer auch profitabel ist. Ich habe jetzt kürzlich gelesen, die zwölfreichsten Menschen haben mehr Geld als vier Milliarden eher ärmsten Menschen zusammen. Da merkt man, wie sich solche Klingsorwunden infiziert haben. Trennung aus dem Gewebezusammenhang in Menschen, Schicksalen durch politische Zeitereignisse und gleichzeitig unkontrollierte Vermehrung durch Profitstreben.
Der Wolfram sagt aber, wenn man darauf reagiert wie Amphortas, dass man solche Klingsorwunden moralisch betrachtet, zur Lanze greift, die bekämpfen will, dann macht man Klingsor nicht nur stärker, sondern man verwundet sich gewissermaßen selbst. Sondern er sagt, das Einzige, was man tun kann, ist, dass man das medizinisch betrachtet und eine Medizin ausbilden muss, um diese Wunde gewissermaßen zu entmachten. Das ist bemerkenswert, wenn ich als Anthroposoph, auch Querdenker-Demos, der lauteste Schreihals bin und feststelle, was für gewaltige Verschwörungen in der Welt sind, das kann ja alles stimmen, ich bezweifle das gar nicht. Aber dann bin ich sozusagen in diesem Fallstrick des Amphortas bereits gelaufen, der zur Lanze greift und versucht, das Böse moralisch zu bekämpfen. Steiner sagt, Dämonen kann man nicht besiegen, man kann sie nur aushundern. Klingsorwunden kann man auch moralisch nicht besiegen, man muss sie medizinisch gewissermaßen entmachten. Das ist der Weg, den Wolfram mit Gawahn, der ein Wesensanteil von Parsifal ist, aufzeigt.
4. Die Parsifal-Wunde und der Weihrauch 00:50:25
Da kommen wir schon zu der vierten Wunde, der sogenannten Parsifal-Wunde. Gawahn hat die auch, der geht in die Wunde des Klingsor hinein. Man hat fast das Gefühl, die Damen verarzten dann seine Wunden, die er sich im Kampf mit dem Löwen zugezogen hat. Ein bisschen hat man so die Erfahrung, diese Wunden des Gawahn, die haben fast eine heilende Kraft. Bei Richard Wagner, kennen Sie das vielleicht, Dritter Akt, als der Parsifal nach einem langen, langen Weg, nachdem er da durch Klingsors Wonnegarten hindurchgegangen ist, der trägt eine schwarze Rüstung und muss durch alle Prüfungen und Abirrungen und schwerste Kämpfe, und dann sagt er, er hatte die Lanze, das Heiltum Heil mir zu bergen, er hat die Lanze in seiner Hand, aber trotz aller Angriffe darf er nicht wie Amfortas die Lanze als Waffe benutzen. Und dann sagt er, indem er dort mit der Lanze wehrlos durch alle Angriffe und Prüfungen geht, ich wunden jener, wer mir gewann.
Also Wunde, diese Gawahnwunde, auch in Klingsors Schastelmawe, wunden jener, wer. Was sind Wunden jener, wer, die Parsifal auf seinem Schulungs- oder seinem Geistesweg gewissermaßen ausbildet? Das scheinen die Wunden zu sein, die wir als Menschen alle ausbilden, wenn wir einen geistigen oder spirituellen Entwicklungsweg gehen. Wenn wir einen spirituellen Übungsweg gehen, dann versuchen wir ja, uns in die Verwundung gewissermaßen hineinzustellen, um daran gewissermaßen etwas zu erüben. Das muss man jetzt gar nicht melodramatisch auffassen. Stellen Sie sich vor, Sie machen die dritte Nebenübung, da geht es ja darum, ein bisschen Herr zu werden über Lust und Leid. Früher hätte ich vielleicht gemerkt, wenn ich so ein Unlust erleben habe, ich kaufe mir ein Eis, ich gehe ans Handy oder was man halt so tut, um sich dann so dieses Unlust erleben dann vielleicht auch wegzubekommen. Und jetzt sagt man, nein, ich übe mal, das auszuhalten, dieses Unlust erleben und um mich da in ein übendes Verhältnis zu setzen, als Mensch in der Mitte zu bleiben.
Und diese Wunde, die da entsteht, das sind Parsifal-Wunden. Oder auch dieser Schritt der Geißelung, von dem Steiner spricht, man soll lernen, alle Schläge des Lebens gewissermaßen aufrecht, gewissermaßen standzuhalten, nicht davon traumatisiert zu werden, wie bei Herze-Leude-Wunden, sondern innerlich da stehen zu bleiben. Und die Wunden, die ich da entfalte, die Wunden meines Schulungsweges, das sind solche Wunden jener Wehr, das sind Parsifal-Wunden. Und am Anfang suchen die Gralsritter zur Heilung des Amphortas das Heilkraut aus Arabia. Und am Schluss, ohne dass Wagner das direkt sagt, da zeigt sich eigentlich, wer das eigentliche Heilkraut aus Arabia ist, das ist Parsifal. Denn das Heilkraut aus Arabia in der Natur, was ist das? Das ist der Weihrauch.
Der Weihrauch macht, oder der Weihrauchbaum in der Naturwissenschaft das, was wir Menschen tun mit unseren Wunden, wenn wir einen Schulungsweg gehen. Der Weihrauch, oder eine normale Pflanze, mein Kollege Volker Haaland hat das mal sehr schön beschrieben, lässt eine Pflanze ihre ätherischen Öle duftend in den Umkreis entströmen. Das macht Parsifal auch. Sein ganzes Wesen verduftet am Anfang als tumber Knabe fortwährend in den Umkreis. Parsifal fragt nicht so viel. Und dann muss er, um sich Wunden jener Wehr auszubilden, alles das wie ein Weihrauchbaum in sein Inneres hineinzunehmen. Der Weihrauch drückt seine Harze, seine Öle in das Innere seiner Zweige nach unten. Und wenn man ihn dann verletzt, wenn man ihn dann verwundet, quillt Weihrauch aus der Wunde. Und der Weihrauch hat die geistige Kraft, dass er Wunden verschließen kann. Und diese Wunden jener Wehr, ja dieser geistige Weihrauch, das ist offenbar das, was entsteht, wenn wir Menschen solche Weihrauchwunden ausbilden oder Parsifal-Wunden.
Man kann ja sagen, jeder Schulungsweg ist positiver Suizid. Ja, ein Stück weit schon. Ich stelle mich ja in ein bewusstes Verhältnis zu meinen Wunden, um dort etwas zu erüben. Und das Bemerkenswerte, das lehrt uns der Parsifal, dass da eine geistige Kraft entsteht. Die geistige Kraft, die in der Natur in dem Weihrauch entsteht, die ja die Kraft hat, Wunden zu verschließen. Denken Sie an die Menschenweiherhandlung. Da wird in der Opferung von Abirrungen, Verleugnungen und Schwächen gesprochen, meine Amphortas-Wunden. Und zugleich wird dort mit dem Weihrauch dieser Parsifal-Kraft hineingeräuchert. Ja, im Kultus vollzieht sich gewissermaßen das, was sich in dem Mysteriendrama der Wunde im Parsifal aufzeigt. Und das ist doch eine bemerkenswerte Perspektive, die die Gralstichter uns zeigen, den Klingsurwunden unserer Zeit nicht wie Amphortas moralisch mit Lanzen zu bekämpfen, damit stärken wir sie und verwunden oder verletzen uns selbst, sondern durch unseren eigenen Parsifal-Weg diesen geistigen Weihrauch auszubilden, der sich bei der kleinsten Übung, bei der kleinsten Parsifal-Wunde, die ein Mensch gewissermaßen ausbildet, durch seinen Parsifal-Weg sozusagen entsteht und in unserer Zeit eine heilende Wirkung haben kann.
5. Die Heilands-Wunde 00:56:33
Ja, die letzte Wunde, die habe ich Ihnen mitgebracht. Das Bild von Matthias Grünewald, die Kreuzigung. Das ist ja die Wunde, aus der das Gralsmysterium gewissermaßen seine Quelle hat. Die sogenannte Heilandswunde. Ja, die Heilandswunde am Karfreitag. Der Soldat Cassius Longinus, es gibt Quellen, die lassen andeuten, dass der Longinus Araber war in römischen Diensten. Die Nabatea kommen aus der Weihrauchstraße. Ja, das hat seine Entsprechung. Der verwundet den Christus und Blut und Wasser, sagt Johannes, Quellen heraus. Und Josef von Arimathia hat mit der Gralschale aus dieser Heilandswunde das Gralsblut aufgefangen, das dann auf der Gralsburg ja gehütet werden soll oder gehütet wird. Diese Heilandswunde, die Quelle des Heiligen Gral. Und Steiner sagt mal, die Lanze, ja, da spricht er davon, ist eigentlich in dem Gralsmysterium ein Symbolum für den Sonnenstrahl und wie der Sonnenstrahl in der Natur Knospen öffnen kann, so soll der Gralsritter eine geistige Kraft ausbilden, durch die Kraft des Sonnenstrahles diese Gralsknospe fortwährend öffnen zu können.
Und ich hatte ja gerade meinen Kurs am Seminar über den Gral. Dann haben wir ein bisschen auch über diese Wunde gesprochen. Und da meldete sich ein Student, der Agrarwissenschaftler ist. Wir sprachen über die Weihrauchwunden und sagte, bei einem Weihrauchbaum ist immer ganz entscheidend, wie man ihn verwundet. Ja, man muss ihn offenbar, ich bin der Laie, längs verwunden, damit sozusagen entlang der, wie sagt man, entlang der Saftlinien oder gewissermaßen der Weihrauchharz austreten kann. Wenn man die Wunde quer macht, sagt er, dann würde man den Baum ringeln, so heißt das wohl in der Landwirtschaft, dann kann ein Baum auch absterben. Ja, wenn man ihn sozusagen quer verwundet. Dann guckten wir gemeinsam zu dem Bild, wie ist denn diese Wunde hier gemacht. Es ist eine Längswunde, es ist eine Querwunde, es ist eine geringelte Wunde. Ja, und das bedeutet, man hat diese Heilandswunde geringelt. Man könnte vielleicht sagen, auch die Templer, die gefolterten Templer, die ja auch Parsifalwunden hatten, dann in der Folter zerbrochen sind, das sind geringelte Parsifalwunden, man darf nicht naiv sein, ja. Solchen Angriffen werden auf solche Menschen ausgesetzt, aber aus dieser geringelten Wunde, die Longinus geöffnet hat, quellen Blut und Wasser heraus.
Man kann das vielleicht im Sinne des Graals Mysteriums sagen, der Longinus, indem er die Heilandswunde öffnet, öffnet das Innerste der Erde. Denn in jeder Wunde blicken wir ins Erdinnerste. Diese innersten Kräfte der Erde, das eine Wunde ist, indem diese Wunde geöffnet wird, wird das Erdinnerste geöffnet und das Blut Christi, das die Erde in einen Stern verwandelt, kann aus der Wunde in die Erde fließen. Und wie Steiner auch sagt, das hat der Johanna von Kaiserling gesagt, das Innerste der Erde ist eigentlich auch eine Sonne, Shambhala. Und da merkt man, es ist beides, das Innerste der Erde ist eine Wunde und das Innerste der Erde ist der Graal, die Sonne, Shambhala. Und in welcher Weise diese beiden Kräfte in einer Wechselwirkung kommen, entscheidet sich durch den Graalsweg jedes einzelnen Menschen. Offenbar scheint es so zu sein, dass aus dieser Wunde, dieser Satz, fasset Mut, ich habe die Welt überwunden. Die überwundene Wunde, ja das ist die Heilandswunde, aus der die Weltenwunde als solches geöffnet werden kann, dass das Innerste der Erde zugleich Graal und Wunde ist, um durch jeden Graalsweg eines einzelnen Menschen in ein Verhältnis miteinander treten zu können.
Abschluss und Ausblick auf das 21. Jahrhundert 01:00:43
Das allerletzte, bevor ich Sie danach so viel Inhalt entlasse, ich hatte am Anfang gesagt, Steiner spricht ja davon, dass er sagt, das 21. Jahrhundert soll eine Zeit sein, aus der aus der Kraft der Graalsmysterien neu gewirkt werden kann. Und da spricht er von der Individualität des Parsival, Mani, Parsival, von der er sagt, der soll im 21. Jahrhundert wiederkommen und soll aus der Kraft der Graalsmysterien handeln. Er sagt auch, der wird erneuernd wirken auf dem Gebiet der Religion und der Kunst, vielleicht auch für die Christengemeinschaft interessant, was mag der im Blick haben? Und dann sagt er, der wird die Menschen anleiten, selber über Gut und Böse zu entscheiden.
Das ist das, was Parsival tut. Was diese Annie Pfirter auch getan hat, habe ich in einen Bereich eingegriffen, der mir nicht zusteht. Denn ob wir unsere Amforterswunden heilen, ist etwas, was jeder Mensch nur selber entscheiden kann. Mache ich mich auf den Weg, die Amforterswunde eines anderen Menschen zu heilen, dann heile ich etwas von der Weltenwunde und kann zugleich diese Graalskräfte aus dem Innersten der Erde in der Welt wirksam werden lassen. Denn, ich glaube auch, der Parsival ist eine Oper oder ein Bühnenbeispiel des Klimawandels. Das finde ich ganz wesentlich. Vielleicht kann man ihn heute erst wirklich verstehen. Denn durch die Klingsorwunde soll die ganze Erde in eine Wüste verwandelt werden. Und dass der Klimawandel in unserer Zeit eine Krise der Erde, das hat etwas mit diesem Offenbarwerden der Klingsorwunde zu tun. Parsival, durch seine Wunden, durch den Weg mit der Lanze zur Heilandswunde, kann am Ende die Wüste in eine Freitagsau verwandeln. Und das scheint offenbar im 21. Jahrhundert. Ich bestreite jetzt nicht die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse. CO2 kann ja alles sein. Aber alle Dinge haben eine Innenseite und eine Außenseite. CO2-Ausstoß ist dann vielleicht mehr die Außenseite. Diese Graalschrage, wie man eine Wüste in eine Karfreitagsau verwandeln kann, das ist das, was das Bühnenbeispiel Parsival uns gewissermaßen verrät.
Und jetzt kann man natürlich sagen, ja, wer weiß denn, ob dieser Mani Parsival kommen wird. Ja, man erwartet da vielleicht jemand ganz Großes. Da kann ich nur mit einer kleinen Geschichte schließen, aus der Gründungszeit der Christengemeinschaft, die einige auch schon kennen. Als die Christengemeinschaft begründet wurde, kam dann jemand, ich glaube, es war Rudolf Friedling zu Rudolf Steiner und sagte, also Herr Doktor, wenn wir hier religiöse Erneuerung treiben wollen, dann bräuchte es doch ganz andere Menschen als uns. Und Steiner bestätigte das und sagte, Sie haben vollkommen recht. Ich bräuchte völlig andere Menschen als Sie. Die habe ich aber nicht, also müssen Sie es machen. Und vielleicht ist das auch eine Aufgabe für das Mysterium der Wunder oder für das Graalsmysterium unserer Zeit. Es bräuchte immer andere Menschen als uns. Bei allen Fähigkeiten, die Sie und ich vielleicht auch schon haben, aber es bräuchte andere Menschen. Und man kann sagen, die gibt es aber nicht, also müssen wir uns bemühen.
Und ich glaube, diese Frage, nie sind wir der Erde so nah wie mit unseren Wunden und in unseren Wunden tragen wir immer die Erde mit. Und der Weg zur Heilung der Erde ist ein Weg zu einem Verhältnis unserer Wunden und das Graalsmysterium als ein Mysteriendrama der Wunder kann einen ja einen Impuls geben für das Graalsmysterium in der heutigen Zeit. Und das war das, was ich Ihnen heute Abend versucht habe, ein wenig näher zu bringen. Das Mysterium der Wunde, der Heilige Graal, sein Impuls für die heutige Zeit, die Weltenwunde, Wolfram von Eschenbach als ein sehr moderner Psychologe, der in fünf Wunden, Parsivalwunden, Amphortaswunden, Klingsorwunden, Herzeleudewunden und der Heilandswunde uns einen Weg aufzeigt, wie wir durch unser Verhältnis zu Wunden auch die verwundete Erde heilen können, die immer Weltenwunde und Graal zugleich ist. Viertel vor, herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Dankeschön.
Glossar
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