Lawrence von Arabien - ein Vortrag von Michael Rheinheimer, 2026

Aus AnthroWorld

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9

| zurück zu Michael Rheinheimer |

Lawrence von Arabien - ein Vortrag von Michael Rheinheimer gehalten am 25.6.2026 im ChorForum Essen bei der Goetheanistisch-Anthroposophischen Vortragsinitiative. Hier klicken um zum Video zu gelangen

Ein Vortrag von Michael Rheinheimer, gehalten am 25.6.2026 im ChorForum Essen bei der Goetheanistisch-Anthroposophischen Vortragsinitiative.

Transkription des Vortrags vom 25. Juni 2026

von Elke J., Juli 2026

| Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 00:00:00   […]   …

| Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 00:00:00   […]   …

Begrüßung und Einleitung mit dem Gedicht für S.A. 00:00:17

“Weil ich dich liebte, trieb ich diese Menschenfluten in meine Hände und schrieb meinen Willen auf Sternen über den Himmel, um für dich Freiheit zu erringen, das siebensäulenwerte Haus. Dass deine Augen für mich leuchten mögen, wenn wir dahin kommen würden. Der Tod schien mein Diener auf dem Weg zu sein, bis wir nahe waren und dich wartend sah. Als du lächeltest, und er mich in kummervollem Neid wegschob und dich beiseite nahm in seine Schweigsamkeit. Liebstes ich des Weges müde, mich an deinem Leibe gierig klammernd, unser kurzer Lohn, unser für eine Weile, bevor der Erde weiche Hand deinen Umriss untersuchte und die blinden Würmer fett wurden auf Kosten deiner Substanz. Die Menschen flehten mich an, ich solle unser Werk, das unschenkbare Haus für dich als Andenken errichten, aber als fertiges Monument zerschellte ich es unvollendet, und nun kriechen die kleinen Dinger, um Unterschlüpfe sich zusammenzuschustern in den zerfransten Schatten deiner Gabe.”

Verehrte liebe Anwesende, herzlich willkommen. Diese Verse, die ich Ihnen gerade vorgetragen habe, in einer deutschen Übersetzung aus dem englischen Original, hat Thomas Edward Lawrence, den Sie wahrscheinlich alle kennen unter dem Namen Lawrence von Arabien, nach dem Ersten Weltkrieg 1919, während der sogenannten Pariser Friedenskonferenz, in einem Zustand großer seelischer Erschütterung niedergeschrieben, und er hat sie veröffentlicht in seinem autobiografischen Kriegsbericht "Die sieben Säulen der Weisheit". Das erste Manuskript, das er einmal niedergeschrieben hat, hat er in einem Zug vergessen und dann aus dem Gedächtnis das tausendseitige Buch noch einmal neu fabriziert, und dieses Gedicht hat er dem Ganzen vorne vorangestellt, und das ist jemandem gewidmet: “Weil ich dich liebte, trieb ich diese Menschenfluten in meine Hände, um für dich Freiheit zu erringen, das siebensäulenwerte Haus.” Jemand, den er allerdings nicht mit vollem Namen nennt, sondern dessen wahre Identität er hinter Initialen verschleiert oder versteckt.

Es ist mit der Überschrift überschrieben "für S.A." oder "für SA", und die große Frage - das wird uns heute Abend beschäftigen - wen hat er damit gemeint? Wer ist diese S.A., von der er sagt - dafür hat er diesen Tempel in dem ehemaligen Osmanischen Reich, in einem erhofften panarabischen Reich, damals vor über 100 Jahren erringen und erbauen wollen?

Lawrence von Arabien: Archäologe, Geheimagent, Visionär, Schriftsteller, Abenteurer 00:03:34

Thomas Edward Lawrence oder Lawrence von Arabien ist ein britischer Offizier gewesen, der schon vor dem Ersten Weltkrieg in den Nahen Osten damals gezogen ist, von dem er sich schon als Heranwachsender stark angezogen gefühlt hat. Der Nahe Osten - das muss man wissen, mehrere hundert Jahre das Osmanische Reich, seit dem Ende der Kreuzzüge, das umfasste das Gebiet von Ägypten bis Mesopotamien, die arabische Halbinsel, die Landstriche, die wir heute als Jordanien, als Irak, als Libanon, als Palästina oder als Israel kennen. Dorthin hat er schon in seiner Jugend mit Anfang 20 eine fünfjährige Reise zu Fuß bei brütender Hitze unternommen.

Thomas Edward Lawrence ist auch ein Archäologe gewesen, der im Auftrag der britischen Universität Oxford an der Ausgrabung der antiken Stadt Karkemiš im Zwei-Strom-Land teilgenommen hat. Er war ein Geheimagent, der im Auftrag des britischen Nachrichtendienstes als Verbindungsmann zu den Arabern damals eingesetzt worden ist. Man kann ihn vielleicht auch als Diplomaten oder als Politiker beschreiben, denn er hat damals in Kairo nach dem Ersten Weltkrieg mit niemand Geringerem als Winston Churchill über das Selbstbestimmungsrecht der arabischen Völker verhandelt.

Thomas Lawrence war aber auch ein Schriftsteller, der brillante Reportagen und Bücher und Berichte darüber verfasst hat, wie es ihm gelingen konnte, als Engländer in den Nahen Osten zu gelangen und die zerstrittenen arabischen Völker, die Beduinenstämme, zum ersten Mal seit den Kreuzzügen dahingegen zu bringen, sich gegen das türkische Joch zu erheben und das Osmanische Reich damals im Nahen Osten zerbrechen zu lassen.

Man kann ihn auch als Antihelden beschreiben, denn er war weder an Geld interessiert noch an Frauen noch an Ruhm. Die ganzen Orden, die man ihm umgehängt hat, am Ende sogar vom englischen König, die hat er sich selber abgehängt, weil er natürlich sich selber Vorwürfe gemacht hat, dass man ihn als Lockvogel benutzt hat, die Araber gemeinsam zu vereinen, während längst geostrategische Pläne und imperiale Bestrebungen im Hintergrund diplomatisch, politisch bereits vorbereitet waren. Und Lawrence war ein Dichter. Ganz am Ende, als er noch einmal in die Royal Air Force gegangen ist, „um den Geschmack von Dreck kennenzulernen“, wie er sagt, bis er eine Gewohnheit für ihn wird. Er wollte sich demütigen lassen von Untergebenen, die ihn selber herumkommandieren lassen sollten - und dann hat er im Auftrag seines Verlegers, um ein bisschen Geld zu bekommen - was hat er da gemacht? Der hat den Homer, die Odyssee von Homer, aus dem Altgriechischen in die englische Sprache übertragen und im englischen Sprachraum die bis heute wohl immer noch meistgelesene Übersetzung dieses antiken Textes beschert. Also, Sie merken, ein sehr rätselhafter und vielschichtiger Mann, den Sie hier in einer britischen Uniform schon einmal wahrnehmen und sehen können.

Sein höheres Ich war mit dem Geist der Freiheit des arabischen Traumes verbunden (Eugen Kolisko) 00:06:51

Lawrence von Arabien oder Thomas Edward Lawrence war mit seinem höheren Ich, mit dem Geist der Freiheit des arabischen Traumes verbunden. Wissen Sie, wer das über ihn gesagt hat? Der Anthroposoph Eugen Kolisko, der ein sehr lesenswertes Essay über ihn geschrieben hat: Lawrence war mit seinem höheren Ich, mit dem Geist der Freiheit des arabischen Traumes verbunden.

Die Araber selber sehen in ihm heute allerdings einen Verräter. Er ist im Nahen Osten nicht beliebt, jemand, dem sie vorwerfen, dass er sie mit falschen Versprechungen gewissermaßen als trojanisches Pferd oder als Lockvogel benutzt hat - dass, wenn sie sich zusammenschließen würden, man ihnen dann den nunmehr befreiten panarabischen Raum zur Selbstverwaltung mit einem arabischen König von der Stadt Damaskus sozusagen überlassen würde. Und wie ich das schon andeutete, der Pulverdampf in der Wüste war kaum verraucht, da waren schon in den Schreibtischen die ersten Strategien, die imperialen Bestrebungen längst politisch vorbereitet, sozusagen den Nahen Osten in fünf Einflusssphären beliebig mit dem Lineal zu unterteilen. Das, was wir heute als Landesgrenzen kennen von Jordanien, vom Irak, von Libanon, das ist damals mehr oder weniger zufällig mit dem Lineal damals dort errichtet worden. Und der Lawrence hat über sich selber gesagt, ich hätte das niemals machen dürfen, die Araber in eine solche Situation zu bringen, denn sie haben ihr Leben für diesen Dreck riskiert.

Und der war tief zermürbt und auch frustriert, hat noch versucht, mit Churchill in Kairo darüber zu verhandeln, über das Selbstbestimmungsrecht, hat sich aber mehr oder weniger bald als gescheitert erlebt. Und Winston Churchill, der ihn relativ gut kannte, hat mal gesagt, Lawrence verfügte über alle Eigenschaften des Genies, das von der ganzen Welt erkannt, aber von niemandem genauer beschrieben werden kann. Und wenn man so ein bisschen die Berichte über ihn liest, dann kann man das tatsächlich verstehen. Man hört die unterschiedlichsten Dinge über ihn, und jeder beschreibt ihn eigentlich wirklich anders. Und somit ist es nicht verwunderlich, dass er später den Spitznamen "ein menschliches Chamäleon" bekommen hat. Einige sagen, der größte Engländer seit König Artus, dem es gelungen ist, seit den Kreuzzügen, seit Salah ad-Din und Richard Löwenherz, die arabische Welt einmal für einen Impuls zu vereinen. Die anderen nennen ihn einen Hochstapler, einen Betrüger, vielleicht so eine Art englischen Karl May. Mit dem kleinen Unterschied, dass er, anders als der Sachse in Deutschland, die Abenteuer, die er in seinen Büchern beschreibt, am Ende dann doch selber erlebt hat. Aber bis heute eine ganz und gar umstrittene Gestalt, ich glaube aber eine Zukunftsgestalt. Und wenn wir uns ihm heute ein bisschen nähern, glaube ich, dass das eine Brücke ist in das Verständnis, geistespolitisch, was im Augenblick in der Welt im Nahen Osten auch geschieht.

Sophia Arabia: Die Weisheit baut ihr Haus auf sieben Säulen 00:10:11

Das Gedicht, was ich Ihnen also gerade vorgetragen habe, für S.A. - die große Frage, wen hat er damit gemeint? Das kann eigentlich kein Mensch gewesen sein. Denn Lawrence selber sagt: „Weil ich dich liebte, trieb ich diese Menschenfluten in deine Hände, um für dich Freiheit zu erringen, das siebensäulenwerte Haus.” S.A. ist kein menschliches Wesen. Er sagt, es ist eine mythische Person, und dann sagt er, der erste Buchstabe, der bezeichnet diese mythische Person, der zweite einen geografischen Raum.

Schon Eugen Kolisko tastet in seinem Essay, dass er sagt, der Lawrence hat eine starke Beziehung zur arabischen Volksseele gehabt. Und die Araber müssen das in einer besonderen Weise so weit gespürt haben, dass sie bereit waren, ihm auf seinem Weg zu folgen. Und es hat vor etwa zehn Jahren ein sehr lesenswertes Buch einer spanischen Anthroposophin und Ärztin gegeben, Beatriz Sánchez Segura, „Lawrence von Arabien", eine vergleichende Biografiearbeit, das Aufsuchen des Grals im Orient, die anknüpfend an die Forschungen von Eugen Kolisko weiter an dieser Frage gearbeitet hat und sehr sauber, sehr stichhaltig herausgearbeitet hat - wer ist eigentlich die Weisheit, die ihr Haus auf sieben Säulen baut?

Dieser Titel dieses Buches, wo dieses Gedicht vorangestellt ist, und dieses Mantram, das stammt aus dem Alten Testament, aus den Briefen Salomos, da heißt es: „Die Weisheit baut ihr Haus auf sieben Säulen”. Und diese Weisheit, die ihr Haus auf sieben Säulen baut, die nannte man früher „Die Sophia“, die herrlich geschmückte Braut. Denken Sie vielleicht an „Die Apokalypse des Johannes”, der ganze Menschheitsweg ist ein Weg durch ein siebensäulenwertes Haus der verschiedensten Siebenheiten. Und ganz am Ende heißt es, wenn die alte Schöpfung vergangen ist, dann kommt das himmlische Jerusalem herrlich geschmückt wie eine Braut und senkt sich vom Himmel zur Vermählung hernieder, wenn wie gesagt die alte Schöpfung durch dieses siebensäulenwerte Haus einmal vergangen ist. Wir kennen das auch, die Sophia Dante, die heilige Sophia, die himmlisch-göttliche Weisheit, und da ist sie, glaube ich, auch in einer ganz richtigen Spur, dass sie sagt, der erste Buchstabe S eine mythische Person, der zweite ein geografischer Raum, dann könnte S.A. „Sophia Arabia” heißen.

Die „Sophia Arabia”, die heilige Weisheit Arabiens, von der Lawrence sagt: „Weil ich dich liebte, trieb ich diese Menschenfluten in meine Hände und schrieb meinen Willen auf Sternen über den Himmel, um für dich Freiheit zu erringen, das siebensäulenwerte Haus, dass deine Augen für mich leuchten mögen, wenn wir dahin kommen würden.”

Die Verbindung von Gralsmysterien im Okzident mit dem Orient 00:13:28

Und Thomas Edward Lawrence, der von der arabischen Welt damals schon vor dem Ersten Weltkrieg - er hat ja die Sprache der Beduinen, die arabische Sprache zu beherrschen gewusst, teilweise selber als ein Araber erkannt wurde -, der hatte mal den Parzival in seiner Jugend gelesen, hatte dort gesagt, nachdem ich das gelesen habe, hat dieses Buch mich fundamental verändert. Und da taucht ja immer wieder dieses Motiv auf, der Verbindung von den Gralsmysterien von dem Okzident mit dem Orient.

Die Kreuzfahrer, die schon damals ab dem 12. Jahrhundert in den Nahen Osten gegangen sind - Rudolf Steiner sagt, sie hatten ein geheimes Losungswort “Jerusalem gegen Rom” - und erlebten dort im Nahen Osten, wie Lawrence von Arabien, im 12. Jahrhundert eine völlig neue Welt. Und das gibt immer wieder - Rudolf Steiner hat das mal gesagt, ich habe in einem anderen Vortrag schon darüber gesprochen -, da spricht er davon, dass die Gralsmysterien oder das esoterische Christentum aus den besten Gebieten Arabiens kommt, aber irgendwann dann doch vergröbert wurde durch die Osmanen oder das Türkentum.

Im Parzival hat man diese rätselhafte Verbindung, dass ganz am Ende, als Parzival Gralskönig wird, da verbindet er sich mit dem Feirefiz, seinem schwarz-weißen orientalischen Bruder. Die beiden kämpfen miteinander, und der Feirefiz gewinnt, aber er schenkt Parzival sein Leben. Wolfram von Eschenbach zeigt dort ein großes Bild arabischer Ritterlichkeit, und damit er dann als Gralskönig auf den Monsalvat kommen kann, muss er den arabischen, schwarz-weiß-gescheckten Halbbruder mitbringen. Und Feirefiz, der Orientale, heiratet dann auf der Gralsburg Repanse de Schoye. Die heiligste Jungfrau, man kann sagen, die Sophia, die als Einzige rein genug ist, den Gral auf einem grünen Kissen zu tragen. Und da entsteht diese Sophia Arabia zwischen dem schwarz-weiß-gescheckten Halbbruder Feirefiz, der Repanse de Schoye heiratet, und beide gemeinsam ziehen dann in den Osten, um das Reich des Priesterkönigs Johannes zu begründen. Ein Mysterium, was man während der Kreuzzüge sicherlich schon in den hervorragendsten Repräsentanten erleben konnte.

Denken Sie an die schon genannten Richard Löwenherz oder Salah ad-Din, den arabischen Führer. Und manche sagen, der Salah ad-Din hatte durchaus christliche Seiten. Und Richard Löwenherz war von einem tiefen Verständnis der arabischen Welt während des dritten Kreuzzuges durchdrungen. Und dass die beiden sich verbunden haben, das hat geistig für die damalige Zeit doch eine ungeheure Wirkung gehabt. Lawrence, der schon in seiner Jugend mit diesen beiden Gestalten inniglich verbunden war. Und das zeigt so ein bisschen den Geistesraum. Weil ich dich liebte, trieb ich diese Menschenfluten in meine Hände, auf der Suche nach einer herrlich geschmückten Braut, einer Sophia Arabia, in den Nahen Osten zu ziehen. Durchdrungen, wie Eugen Kolisko sagt, mit dem Geist der Freiheit des arabischen Raumes.

Man kann sich den ungeheuren Schmerz vorstellen, als er dann schon während des Ersten Weltkrieges immer stärker merkte, dass das ein abgekartetes Spiel war. Das war nie geplant, dass der Nahe Osten in die arabischen Hände kommt. Wie ich vorhin sagte, man hat beliebig von betrunkenen Generälen auf der Landkarte die Landesgrenzen eingezogen, die uns natürlich bis heute politisch beschäftigen. Und der Faisal, der Bundesgenosse, der Sohn des Scharifen oder des Fürsten von Mekka, der hat noch versucht, sich in Syrien, in Damaskus zum arabischen König krönen zu lassen. Längst war das aufgeteilt, die Engländer sollten den Irak bekommen und Syrien die Franzosen, die französische Mandatsbehörde - während dieses Sykes-Picot-Abkommen, dann Transjordanien und den Libanon. Die Mandatsbehörde hat dann Panzer nach Damaskus geschickt. Man hat durch politischen Einfluss die christliche Minderheit versucht, gegen die sunnitischen Muslime aufzuhetzen. Und es war völlig klar - es ging von Anfang an nur daran, den Nahen Osten oder diesen nunmehr befreiten panarabischen Bereich letztlich unter eine geostrategische Einflusssphäre sozusagen zu zwingen.

Der Lawrence, tief erschüttert, ist zurückgekommen nach England, war ein Nationalheld, zu Lebzeiten bereits eine lebende Legende, Reporter, Biografen, Autogrammjäger. Sogar das Amt des britischen Premierministers schien nicht mehr ausgeschlossen zu sein. Der englische König hat ihm Orden angehängt, die hat er wieder abgenommen und wollte als ein ganz einfacher Soldat sich vor der Öffentlichkeit zurückziehen, die das allerdings niemals, diesen Wunsch nach Anonymität am Ende respektiert hat. Und diesen Impuls, einen Tempel zu bauen, in dem die ganze Menschheitsgeschichte als ein Kreuzzug gewissermaßen mündet, damit dann die eigentliche Sophia, die herrlich geschmückte Braut, das himmlische Jerusalem, sich herniedersenken kann, den hat er für die Zukunft überlassen.

Man kann vielleicht sagen, die ganze Menschheitsgeschichte ist fortwährend ein Kreuzzug im Nahen Osten, und alles, was wir dort erleben oder erringen müssen, das spiegelt sich seit Hunderten - wir werden heute noch sehen, seit Tausenden von Jahren - im Nahen Osten. Und die Geschichte von Thomas Edward Lawrence oder von Lawrence von Arabien ist gewissermaßen ein Okular oder eine Signatur, aus der man vieles herauslesen, verstehen und weiter ergründen kann.

Eine Kindheit verbunden mit Traumatisierungen und einer schweren Identitätskrise 00:19:41

Geboren ist Thomas Lawrence am 16. August 1888 in Wales, in England. Der 16. August ist ein interessanter Tag, das ist während des ersten Kreuzzuges ein Wendepunkt in der Geschichte der Kreuzzüge gewesen. Damals sind die Templer oder der innerste Ordenskreis der Templer vor der Stadt Aschkelon von ihren Mitbrüdern, der Johanniter im Stich gelassen worden und in eine Bresche geritten, gewaltsam umgekommen. Und man kann sagen, damit war die Einheit der Ordensritter damals zerstört. Und obwohl der Kreuzzug noch über 150 Jahre weitergehen würde, war zu diesem Zeitpunkt eigentlich deutlich, dass die Kreuzzüge gescheitert waren.

Der Vater von Thomas Lawrence hieß Thomas Chapman. Er ist ein irischer Großgrundbesitzer gewesen, äußerst wohlhabend. Und das gehört zu dem Trauma von Thomas Lawrence' Biografie - man könnte allerdings vielleicht auch sagen, zu seinem Ich-Punkt, dass er ein uneheliches Kind war, ein Bastard, was in dem viktorianischen England ein beispielloser gesellschaftlicher Skandal war, wenn das herausgekommen wäre. Etwas, womit man kein gesellschaftlich anerkanntes Leben mehr leben konnte. Thomas Chapman, sein Vater, war verheiratet mit einer sehr puritanisch-religiös eifernden Frau, Sarah Junner hieß sie. Und die war also, ja, bieder-puritanisch, hatte den Spitznamen "Heilige Viper". Können Sie sich da was darunter vorstellen? Eine heilige Viper! Das muss zu Hause nicht viel Platz für Freuden gelassen haben. Der hat erst Trost gesucht, erst im Alkohol, dann in den Armen der Gouvernante seiner vier Töchter. Vielleicht war das damals nicht so unnormal. Das Problem tauchte dann auf, als er mit der Gouvernante leben wollte und anfing, das erste von insgesamt fünf Söhnen zu zeugen.

Er hat das erst versucht diskret zu lösen mit Geld, die heilige Viper abzuschieben, aber die war religiös und fanatisch und war nicht bereit dazu. Das war jetzt das Problem. Und dann musste er sozusagen eine Art Doppelleben führen mit dieser neuen Frau, die selber Tochter einer unehelichen Verbindung war, und ein diskretes Leben, das kein großartiges Aufsehen erregen durfte und das immer lebendig in Bewegung war, damit man also nirgendwo länger blieb und die Geschichte irgendwann aufflog.

Also Thomas Lawrence, der der zweite von insgesamt fünf Kindern war, der wuchs mit der Familie auf. Man war in Wales, man war in Schottland, dann irgendwann im Norden Frankreichs, in der Bretagne, in der Normandie, in der Nähe des Mont-Saint-Michel. Und irgendwann zog der Vater doch nach Oxford, weil er hoffte, dass seine Kinder unter einer guten akademischen Bildung vielleicht doch irgendwie eine Zukunftsperspektive haben konnten. Wie gesagt, immer unter der Voraussetzung, dass das Ganze unter der Decke blieb.

Und Thomas Lawrence ist ein widerspenstiges Kind gewesen, mit einem starken Inkarnationstrieb, hat starke Impulse gehabt. Ist von seiner Mutter, die ja eigentlich die Gouvernante seiner Halbschwestern war, oft geprügelt worden, und der Leitspruch im Hause Chapman war: Tugend wird aus Unterdrückung geboren. Man muss einen Menschen unterdrücken, dann wird er tugendhaft. Der ist von seiner Mutter wohl oft geschlagen worden, hat schon frühzeitig gelernt, sich trotz dessen, dass sie gewalttätig war, innerlich abzudichten, abzuschirmen, um irgendwie zu überleben. Trotz der puritanischen Erziehung hat er sich schon früh für Religion interessiert. Der Vater, der viel Zeit hat, weil er Geld hat, kann auch nicht arbeiten, ja, man will ja irgendwie diskret bleiben, hat ihn dann früh auf den Geschmack von Fahrradtouren und Ausflügen zu mittelalterlichen Kirchen gebracht. Und eine seiner Hauptbeschäftigungen als Kind, sich stark schon für Geschichte und Archäologie interessiert, immer so Abreibungen mittelalterlicher Grabplatten von Kirchen, römische Töpferwaren, alte Rüstungen, Steine - das hat er damals alles gesammelt.

Und eine ganz interessante Wesensseite ist offenbar ein Kind, das gewisse Schulungselemente, die wir uns vielleicht erst erwerben müssten in unserem Leben, schon innerlich wie mitgebracht hat. Also ist als Kind oder als Heranwachsender aufgefallen, dass er sich ein Stück weit unabhängig machen konnte von Freude und Schmerz, von Lust und Leid, hat sich später für die Lehre der Stoiker interessiert und sozusagen diese Fähigkeit von Anfang an, ja, wie so ein geschulter Ritter, sich von polaren seelischen oder astralen Stimmungen unabhängig machen zu können. Er hat sich früh schon in der Pubertät dafür interessiert, was kann ich, was muss ich tun, damit ich gewisse Dauerbelastungstests überstehe. Also wie lange kann ich ohne Essen, ohne Trinken aushalten? Wie lange kann ich bei brütender Hitze mit dem Fahrrad unterwegs sein? Wie lange kann ich als Junge oder als Mensch Schmerzen aushalten?

Und ein Wendepunkt in seinen biografischen Jahren ist, als seine Körpergröße bei 1,65 Meter stehen bleibt. Also er ist ein kleiner Mann gewesen, man könnte auch sagen ein Zwerg, wie die Leute, die nicht freundlich über ihn gesprochen haben, das auch manchmal nannten. Und das andere, das Unvermeidliche, das kam irgendwann raus, er hat seine Eltern belauscht. Irgendwann kommt ein Familiengeheimnis raus. Ja, die Eltern wollten natürlich nicht, dass die Kinder das erfahren. Da gab es dann auch Gespräche mit Anwälten und wahrscheinlich die Wahrnehmung, die er früher schon hatte in der Familie, verbunden dann mit bestimmten Gesprächsfetzen. Kennt man ja. Wir alle haben unsere Eltern wahrscheinlich belauscht, tut man ja manchmal - was reden die, wenn man selber nicht da war, so als Kind? Eines Tages kann er die Fäden zusammenbinden, und ihm wird deutlich, ich bin ein Bastard, ein uneheliches Kind.

Das ist eine stärkste Identitätskrise, weil was das bedeutet - ein Kind, ein Junge mit einem so starken Lebenswillen, er wird, wenn das jemals ans Tageslicht kommt, keine normale berufliche Biografie haben. Das können wir uns heute nicht vorstellen, was das im viktorianischen England für ein K.-o.- oder Ausschlusskriterium damals gewesen ist. Und das ist das Moment, wo ihm das deutlich wird, wo er die Familie - erträgt physisch nicht mehr seine Eltern, physisch nicht mehr die anderen Geschwister.

Und das ist aber ganz interessant von der Schicksalssignatur. Jemand, der eine Sophia Arabia gesucht hat, eine herrlich geschmückte Braut, bereit für den Bräutigam, der die alte Schöpfung hat gehen lassen, der so etwas wie einen vorgeburtlichen Inkarnationsentschluss hat, sich dort die rechtmäßige Verbindung von Braut und Bräutigam - der findet in seiner eigenen biografischen Signatur erstmal Bedingungen vor von einer unrechtmäßigen, gesellschaftlich nicht anerkannten Verbindung von Mann und Frau, von eben nicht Braut und Bräutigam. Also da ist so diese Traumatisierung oder diese stärkste Identitätskrise gewissermaßen auch ein Gang über die Schwelle in seinen eigentlichen Schicksalsauftrag oder in das, was er sich selber in dieser Inkarnation offenbar vorgenommen hat.

Aufbruch in den Nahen Osten, eine völlig neue Welt: Jerusalem gegen Rom 00:27:57

Und das Erste, was er tut, er flieht in die britische Armee, in die Artillerie. Aber der Umgang der Soldaten ist so brutal, dass er das sehr schnell mental nicht aushält und freigekauft werden muss. Danach hat ihn dann der Vater auf die Idee gebracht, mit dem Fahrrad so ein bisschen in den Sommerferien auf der Suche nach alten mittelalterlichen Kirchen. Und dann tut er etwas mit 16 Jahren: Sechs Wochen in den großen Ferien mit dem Fahrrad ganz Frankreich zu durchqueren und - so wird zumindest berichtet - alle Burgen aus dem 12. Jahrhundert von der Gestalt Richard Löwenherz besichtigen zu können. Und er hat damals schon angefangen, das kartografisch zu erfassen, ist darauf geklettert. Hat sich besonders für Militärstrategie interessiert, wie man eine solche Burg strategisch auch aufbauen musste oder sollte oder konnte, damit sie ihre Verteidigungsqualitäten hatte. Der hat dann mit 16 Jahren, ich glaube, im Rhônetal hat er Malaria empfangen, hat sich eingesteckt, ist trotz dieser Malariaerkrankung bei brütender Hitze mit dem Fahrrad weitergegangen und hat wohl - man sagt in Wales und im Norden Frankreichs, in der Bretagne - sämtliche Burgen Richard Löwenherz' damals untersucht.

Sein eigentlicher Wunsch, seine eigentliche Hoffnung, das ist allerdings der Nahe Osten, wo die Kreuzfahrer waren. Was man damals das Osmanische Reich nannte, konnte man nicht so ohne Weiteres hinfahren. Wie ich schon sagte, arabische Halbinsel, Zwei-Strom-Land, Ägypten, was wir heute als Jordanien kennen, als Irak, als Libanon, als Palästina, als Israel. Diesen Bereich, wo Richard Löwenherz, wo die Kreuzfahrer damals hingezogen sind, wo Salah ad-Din, der Araberfürst, sich mit Richard Löwenherz verbunden hat, da zieht es ihn magisch hin. Und um diesen Weg beschreiten zu können, braucht er natürlich andere Menschen.

Und er hat damals ein Geschichtsstudium mit dem Schwerpunkt Militärgeschichte oder Militärstrategie an der Universität Oxford begonnen. Wie gesagt, er war nicht aufgeflogen, dass er Kind unehelicher Eltern war. Und da hat er wohl in Oxford an der Universität damals auch eine Art Militärgrundausbildung, die man dadurch laufen konnte. Die hat er damals dort gehabt und hat sehr schnell Kontakte gehabt mit Orientalisten und mit Archäologen - David Hogarth, ein damals sehr bekannter Archäologe - und ist in diese Kreise gekommen. Und obwohl er eigentlich nicht einmal die Qualifikation eines Assistenzarchäologen hatte, hat ihm das die Möglichkeit geschafft, mit 21 für fünf Jahre in den Nahen Osten in das Osmanische Großreich zu ziehen. Also man hat ihm dort von Oxford aus Geld, Karten, Ermächtigungsschreiben, um von den Türken überhaupt reingelassen zu werden, die Bitte um sicheres Geleit, alles das, was man braucht, um als Engländer dort im Osmanischen Reich im Nahen Osten zurechtzukommen.

Mit 21 Jahren verlässt er dann endgültig England, sein Elternhaus, das ihm zuwider ist, um für fünf Jahre dort wie ein Kreuzfahrer im Nahen Osten zu leben. Schon in England hat er damals die arabische Sprache gelernt und wird sich dort im persönlichen Kontakt mit den Beduinen immer weiter die verschiedenen Sprachqualitäten aneignen, um dort unter den Menschen zurechtzukommen. Seiner Mutter hat er nach kurzer Zeit geschrieben, es wird schwierig sein, wieder zurückzukommen, denn hier bin ich ganz zum Araber geworden. Er hat sich wohl frühzeitig unter die arabische Bevölkerung gemischt, aber vor allem dieses innerliche Erlebnis, was schon die Kreuzfahrer hatten, als sie damals aus dem Okzident in den Nahen Osten gekommen sind, eine völlig neue Welt. Jerusalem gegen Rom.

Aber die Frage, inwieweit man dort nach Jerusalem, in das himmlische Jerusalem kam, war eben immer eine Frage, wie weit man die alte Schöpfung, wie es in der Apokalypse heißt, das, was dort als Rom bezeichnet wurde, auch gehen lassen konnte. Inwieweit es einem gelang, ein siebensäulenwertes Haus, eine Weisheit aus sieben Säulen, dort zu gründen, einen Tempel zu bauen, damit dann diese Sophia Arabia, die herrlich geschmückte Braut des himmlischen Jerusalems, von der anderen Seite der Schwelle einem entgegenkommen konnte, oder inwieweit man doch von Machtimpulsen ergriffen, die alten zurückgelassenen Impulse im Nahen Osten einfach weiter pflegte. In dieses Spannungsfeld ist Thomas Edward Lawrence früh hereingekommen.

Archäologie und Spionage am Vorabend des Krieges 00:33:00

Das war damals so - wir sprechen hier vom Vorabend des Ersten Weltkrieges - und die Deutschen waren damals mit den Türken, den Osmanen, verbunden. Die Engländer, der Erste Weltkrieg bahnte sich an, damit natürlich mit der arabischen Bevölkerung. Und es gab damals ein Prestigeobjekt des Wilhelminischen Kaiserreiches, die sogenannte Berlin-Bagdad-Bahn, eine Eisenbahnlinie von Berlin in den Nahen Osten bis ins Zwei-Strom-Land. Und natürlich war das für die Engländer ungeheuer wichtig, Informationen zu bekommen, was sich dort alles im Osmanischen Reich abspielte. Und Thomas Lawrence, der ohne eine Qualifikation eines Assistenzarchäologen bald durch Kontakte dort anfing, mit einem archäologischen Team im Zwei-Strom-Land die antike Stadt Karkemiš auszugraben, der war natürlich für den britischen Nachrichtendienst die perfekte Informationsquelle aufgrund seiner Orts- und aufgrund seiner Sprachkenntnisse. Und das war relativ normal, dass damals dort Wissenschaft, Archäologie und Spionage sozusagen Hand in Hand gingen. 

Und der Trick der Militärstrategen, der Generalität oder zumindest der Menschen, die auf den Ersten Weltkrieg in England zusteuerten, war natürlich völlig nachvollziehbar, dass man gesagt hat, wenn es einem gelingt, das schon zerbröckelnde Osmanische Reich dadurch in die Knie zu zwingen, indem man die Araber, die verschiedenen arabischen Beduinenstämme, die seit 800 Jahren allerdings nicht mehr bereit waren, zusammen zu kämpfen, zusammen zu wirken - wenn es irgendwie möglich war, dass die sich zusammenschließen, dann könnte man das Osmanische Reich, damals dieser ungeheuer starke türkische Nationalismus, dieser Völkermord an den Armeniern, das alles hat in diesem Zusammenhang damals stattgefunden - das war die Hoffnung, dass man das irgendwie anstiften konnte. Und das war die Rolle, die man politisch oder diplomatisch Thomas Lawrence oder, wie man ihn dann später nannte, Lawrence von Arabien, gewissermaßen zutraute oder zuschustern wollte.

Und was man weiß oder was sozusagen durch die Fakten bestätigt ist, der muss sich diesen Impuls in irgendeiner Weise doch zu eigen gemacht haben, und von dem muss etwas ausgegangen sein, dass die Araber ihn als einen der Ihren so weit anerkannt haben. Das kann aber nur deswegen funktioniert haben - das ist ein beispielloses Ereignis in der Geschichte -, dass er irgendwie mit dieser Volksseele der Araber oder mit diesem eigentlich spirituellen Impuls, den er später selber in diesem Gedicht “Sophia Arabia” nannte, mit seinem höheren Ich so weit verbunden war, dass die Menschen dort spürten, von dem geht etwas aus, dem sie bereit waren, sich zu verbinden.

Die Freundschaft mit Prinz Faisal und der arabische Aufstand. Mit Guerillataktik gegen das Osmanische Reich 00:36:13

Und es gab damals den Scherifen Hussein oder den, wie man ihn nannte, den Fürsten von Mekka, der hatte vier Söhne, vier Stammesfürsten. Und die Hoffnung war - das hatte Lawrence, wurde vom britischen Nachrichtendienst da offenbar beauftragt, das herauszufinden -, welcher dieser vier Söhne möglicherweise als arabischer Führer imstande wäre, die verschiedenen arabischen Stämme, wieder wie unter Salah ad-Din, so weit zu vereinigen, dass sie gegen die Türken einen Aufstand wagten. Und dann beginnt das - Sie kennen vielleicht den Film "Lawrence von Arabien", Anfang der 60er Jahre -, diese berühmte Freundschaft von Thomas Edward Lawrence mit dem arabischen Prinzen Faisal. Und diese Bilder hier, die Sie sehen, rechts und links, die beiden muss etwas verbunden haben, das war wie eine Verbindung von Richard Löwenherz und Salah ad-Din. Der englische König damals im 13., 12. Jahrhundert, der dort eine interessante, wesenhafte Begegnung mit dem arabischen Fürsten hatte. Und der Faisal hat ihn irgendwann gebeten, sogar arabische Kleidung zu tragen, dieses weiße Gewand, was eine ungeheure Ehre gewesen ist für einen Menschen aus dem Westen. Also man hat ihm damals signalisiert damit: Du bist eigentlich einer von uns.

Und als die beiden sich verbunden hatten, das muss eine Wirkung auf die arabische Welt zu der Zeit gehabt haben, dass es den beiden gelungen ist, dann in Zusammenarbeit mit der englischen Armee, mit dem General Allenby, einen Aufstand gegen das Osmanische Reich anzuzetteln. Und es ist ein bisschen kurios, es wird berichtet, dass Thomas Lawrence seine Strategien, seine Guerillataktik aus den Artussagen damals dort wohl irgendwie gelesen hat, um irgendwie zu wissen, wie man dort militärstrategisch vorgeht.

Der hatte den Nahen Osten gut durchreist, ja, der hatte in diesen fünf Jahren vor dem Ersten Weltkrieg – hatte er also vom See Genezareth, Libanon, Irak -  hieß damals ja alles noch nicht so -, man sagt, von den 55 Kreuzfahrerburgen hatte er immerhin 37 besucht. Bei brütender Hitze mit dem Fahrrad durch die ganzen alten Kreuzfahrerstaaten dorthin durchgezogen, immer auf die Türme geklettert, eine wissenschaftliche Arbeit verfasst für die Universität Oxford über diese Kreuzfahrerburgen unter militärstrategischen Gesichtspunkten. Und er kannte natürlich den Nahen Osten.

Und unter dieser Guerillataktik hatte er dann versucht, vom Roten Meer aus, von der Stadt Akaba, die ersten Nadelstiche zu setzen. Zum Beispiel hat man das Eisenbahnnetz … natürlich die Schienen gesprengt, ja, um die Nachschublinien der Türken zu unterbrechen, oder Angriffe auf die Wasservorräte, und das war sehr effektiv. Und als dann, wie gesagt, der englische General Allenby Damaskus und Jerusalem eroberte, da zerbröselte damals schon das Osmanische Reich. Und da war etwas 800 Jahre nach Ende der Kreuzzüge gelungen, eine Verbindung der verschiedenen arabischen Völker unter Lawrence von Arabien, wie man ihn zu diesem Zeitpunkt dann in England bereits nannte, in Zusammenarbeit mit dem arabischen Prinzen Faisal.

Lawrence erlebt in der Leere der arabischen Wüste das Loslassen der alten Schöpfung 00:39:50

Und der Lawrence - da gibt es eindrückliche Erlebnisse, ja, ein Junge, der dort aus dem Westen in den Nahen Osten kommt, jetzt erlebt im Nahen Osten dass ich, was im Westen alles ist, das Karriere machen will, das ja in seinem Fall nicht zu ergreifen ist, weil er ein Bastard ist - Im Orient ist das anders, da kann man die alte Schöpfung gehen lassen. Der hat einmal gesagt, die arabische Wüste ist wie der große leere Raum, in dem jeder das Wort hört, das er zu verstehen vermag. Das Ich des Beduinen oder das arabische Ich ist ein Umkreis-Ich, und deswegen kann er hier, wenn er die alte Schöpfung, die er in England sowieso nicht verwenden kann, das kann er hier im Nahen Osten fallen lassen.

Das wird berichtet, dass er einmal in der Wüste, ich glaube, es war die Wüste Wadi Rum, gehört heute zu Jordanien - da ist er in eine türkische Falle gegangen, ist gefoltert worden und muss also schmerzverzehrt, ausgetrocknet, halluziniert durch die Wüste gegangen sein, zu wenig Wasser. Und dann fällt er auf die Knie, und da muss er dort einen Felsen gesehen haben, oberhalb des Felsens Licht, und dann sieht er sein eigenes Gesicht, sein höheres Ich, das auf den einen mitleidigen Blick auf den kleinen leidenden Menschen, der hier durch die Wüste auf den Knien zieht, sozusagen wirft. Also so eine Art Ich-Erlebnis, wie Eugen Kolisko sagt, Lawrence war mit seinem höheren Ich, mit dem Geist der Freiheit des arabischen Traumes verbunden. Und einer dieser Felsen - bin da mal gewesen vor drei oder vier Jahren, der Wüste Wadi Rum -, da gibt es diesen Felsen der sieben Säulen der Weisheit. Ja, ein Felsen, der tatsächlich sieben Weisheitssäulen hat. Die Wüste Wadi Rum, kann man immer noch so eine Tour mit den Beduinen dann buchen, die einen zu den verschiedenen Stationen führt, wo Lawrence von Arabien damals diesen Aufstand angezettelt hat.

Das gebrochene Versprechen und der zerfranste Schatten 00:42:07

Und dann, was ich Ihnen vorhin schon schilderte, kaum nach dem Ersten Weltkrieg, ja - Pariser Friedenskonferenz, er gehörte ja früher zum sogenannten Arabischen Büro in Kairo an, da wird ihm eben bewusst, dass er als Lockvogel benutzt wurde, dass das Ganze ein abgekartetes Spiel gewesen ist. Und verzweifelt, bedrückt kehrt er zurück nach England. Auch Churchill lässt sich von ihm nicht so weit beeindrucken. Der Faisal hat noch in einem letzten Versuch versucht abzuwenden, dass der Nahe Osten in britische und französische Mandatszonen eingeteilt worden ist. Und alles das, was wir seit 100 Jahren an politischen Konflikten haben in dem arabischen Raum, das urständet eigentlich in diesem gebrochenen Versprechen der britischen Krone, damals durch Lawrence von Arabien, der arabischen Bevölkerung gegenüber - wie ich das zum dritten Mal sage, ja, diese ganzen Länder, die wir heute kennen, sind mehr oder weniger beliebig damals in dem Nahen Osten eingezeichnet worden.

„Der zerfranste Schatten deiner Gabe, von den blinden Würmern, die fett wurden auf Kosten deiner Substanz “- die unablässigen Konflikte im Nahen Osten bis zum heutigen Tag 00:43:13

Und Lawrence, zurück in England, ja, ist ein Nationalheld, eine mythische Person, eine lebende Legende, mit Auszeichnungen überhäuft, sein Leben soll verfilmt werden, man will dort Bücher über ihn schreiben, die Damenwelt ist verzückt - und der lehnt das alles ab. Kehrt zurück in die britische Armee, eine Öffentlichkeit, die seinen Wunsch nach Anonymität nie wirklich anerkennen kann, übersetzt die Odyssee von Homer.  Und er hat ja, wie ich das am Anfang sagte, in diesem Zustand größter seelischer Erschütterung dieses Gedicht für die Sophia Arabia geschrieben:

Weil ich dich liebte, trieb ich diese Menschenfluten in meine Hände und schrieb meinen Willen auf Sternen über den Himmel, um für dich Freiheit zu erringen, das siebensäulenwerte Haus, dass deine Augen für mich leuchten mögen, wenn wir dahin kommen würden.

Wenn sie dahin gekommen wären - denn dann heißt es:

... der Tod schien mein Diener auf dem Weg zu sein, bis wir nahe waren und dich wartend sah, als du lächeltest. [Eine wesenhafte Begegnung mit dieser Sophia Arabia.] Und er mich in kummervollem Neid wegschob und dich beiseite nahm in seine Schweigsamkeit. Liebstes ich des Weges müde, mich an deinem Leibe gierig klammernd, unser kurzer Lohn, unser für eine Weile, bevor der Erde weichen Hand deinen Umriss untersuchte und die blinden Würmer fett wurden auf Kosten deiner Substanz. Die Menschen flehten mich an, ich solle unser Werk, das unschenkbare Haus, für dich als Andenken errichten, aber als fertiges Monument zerschellte ich es unvollendet, und nun kriechen die kleinen Dinger, um Unterschlüpfe sich zusammenzuschustern in den zerfransten Schatten deiner Gabe.

Der zerfranste Schatten deiner Gabe, von den blinden Würmern, die fett wurden auf Kosten deiner Substanz - eine politische Situation im Nahen Osten, die darauf dann bis auf den heutigen Tag keinen Frieden mehr kennt. Auch wenn alles, was dort die Staatsgründung Israels als solches seine selbstverständliche Berechtigung hat, aber etwas ist, wo man merkt, da herrscht etwas, ja, was bis auf den heutigen Tag ja nicht zu befrieden ist, und die Frage, was wirkt oder was herrscht dort, dass das in einer solchen Weise immer wieder in diese unablässigen Konflikte geht.

„Das Vergangene geht, das Gewesene kommt“. Das Gewesene kommt aus der Zukunft entgegen 00:46:02

Der Philosoph Martin Heidegger hat mal den Satz niedergeschrieben in einem Brief: “Das Vergangene geht, das Gewesene kommt.” Verstehen Sie diesen Satz? Das Vergangene geht, das Gewesene kommt. Da wird der Blick in die Vergangenheit gerichtet, und da wird aber die Vergangenheit unterschieden. Es gibt offenbar Vergangenes, und es gibt Gewesenes. Können Sie das auseinanderhalten? Wenn Sie auf Ihr Leben zurückschauen, was ist das Vergangene Ihres Lebens, was ist das Gewesene Ihres Lebens. Was ist das Vergangene in der Geschichte, was man vielleicht auch loslassen kann, wo man sagt, damit muss ich mich nicht weiter beschäftigen, was ist das Gewesene? Denn Heidegger sagt, das Vergangene geht, das ist die Asche, die man ziehen lassen kann, das Gewesene kommt. Das Gewesene Ihres Lebens, Ihrer Biografie, das ist das, was Ihre Zukunft ist. Das ist das, was Ihnen aus der Zukunft wieder entgegenkommt, vielleicht sogar schon in diesem Leben, vielleicht erst in einem nächsten. Das Gewesene der Geschichte, das ist auch das zugleich, was einem aus der Zukunft wieder neu entgegenkommt.

Eugen Kolisko sagt, Lawrence von Arabien war jemand, der eine Reinkarnation eines Kreuzfahrers gewesen sein muss. Ich glaube aber nicht, dass Lawrence das Vergangene interessiert hat an den Kreuzfahrten, ihn hat das Gewesene interessiert, in dem Bewusstsein, dass wir als Menschheit als Ganzes fortwährend auf einem Kreuzzug unterwegs sind, auf einem Kreuzzug in das wahre Heilige Land, was ich schon ein paar Mal genannt habe, in das himmlische Jerusalem. Das ist der Kreuzzug des Bräutigams, der ein siebensäulenwertes Haus im Laufe der Menschheitsgeschichte errichten muss und vieles Gewesene dabei erleben wird, damit dieses Gewesene einmal etwas sein kann, weil es als die herrlich geschmückte Braut, auch als die Sophia Arabia, als das himmlische Jerusalem, bereit zur Vermählung geschmückt, sich aus den neuen Himmeln herniedersenken kann.

Eugen Kolisko Lawrence von Arabien Reinkarnation Kreuzzüge

„Eugen Kolisko sagt, Lawrence von Arabien war jemand, der eine Reinkarnation eines Kreuzfahrers gewesen sein muss.“ | Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 00:46:02

Aschkelon, eine Stadt der Gegengeschichte 00:48:30

Und ich hatte Ihnen vorhin etwas erzählt: Der Geburtstag Lawrence von Arabiens ist der 16. August gewesen. Und ich hatte erwähnt, der 16. August ist ein Wendepunkt im Nahen Osten, im nahen Punkt der Stadt Aschkelon. Die Stadt Aschkelon ist zwölf Kilometer entfernt vom Gazastreifen, ist eine Stadt, die gehört heute zu Israel. Und wenn Sie sie überhaupt kennen, kennen Sie sie wahrscheinlich nur aus den Nachrichten. Denn da wird immer wieder berichtet, dass Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel herniedergegangen sind.

Aschkelon ist seit dem Alten Testament oder, man kann sagen, seit 1400 Jahren vor der Zeitenwende über das Mysterium von Golgatha bis hin zu den Kreuzzügen eine Stadt der Gegengeschichte gewesen. Es gab damals dort die sogenannten Philisterstädte, während die Israeliten, die zwölf Stämme Israels, durch die Wüste gezogen sind - gab eine sogenannte Phalanx der fünf Philisterstädte: Aschkelon, Gaza - die Stadt, die Sie heute aus dem Gazastreifen kennen - Ashdod, Ekron und Gath, wenn ich das richtig ausspreche.  Diese fünf Philisterstädte, eine Phalanx, eine Militärgarnison, man kann sagen nationalstaatlich gewissermaßen organisiert, und die haben von dort den Impuls des israelitischen Volkes immer angegriffen, in das Heilige Land zu kommen.

Das ist die Stadt der Gegengeschichte. Es gibt im Alten Testament - Sie kennen vielleicht die Geschichte von Simson. Simson ist der erste Nasiräer gewesen, Johannes der Täufer war der letzte Nasiräer. Die Nasiräer hatten dem israelitischen Volk die Aufgabe- das waren Hellseher -  so weit zu schauen, wie weit der Christus von der Sonne zur Erde herniedergestiegen ist. Und da gibt es ja diese sehr süffige Geschichte von diesem Simson mit den langen Haaren, der dann einem Löwenkopf den Honig dort herausnimmt und greift. Und dann wird aber berichtet, dass dieser Nasiräer Simson von den Philistern in der Stadt Gaza und Aschkelon geblendet worden ist, weil man natürlich die Israeliten so weit angreifen wollte, dass das, was ihre Aufgabe damals war, als das auserwählte Volk auf den Christus sozusagen hinzudeuten, das zu verhindern oder zumindest aufzuhalten.

Aschkelon

„Aschkelon ist seit dem Alten Testament oder, man kann sagen, seit 1400 Jahren vor der Zeitenwende über das Mysterium von Golgatha bis hin zu den Kreuzzügen eine Stadt der Gegengeschichte gewesen“

„[…] die sogenannten Philisterstädte, während die Israeliten, die zwölf Stämme Israels, durch die Wüste gezogen sind - gab eine sogenannte Phalanx der fünf Philisterstädte: Aschkelon, Gaza Ashdod, Ekron und Gat […]“

| Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 00:48:30

Die Ursache des Gegenimpulses geht zurück auf den Tantalidenfluch aus der griechischen Mythologie: Das alte blutsgebundene Hellsehen zerstückelt sich zu intellektuellen Einzelgedanken 00:51:09

Und ich habe lange geforscht, woher dieser Gegenimpuls der Stadt Aschkelon kommt. Und da bin ich auf den ersten Kreuzfahrer gestoßen. In der Sage, in der Mythologie könnte man sagen, der hieß Aschkalos. Aschkalos soll die Stadt Aschkelon damals begründet haben. Und da gibt es eine alte, sehr unbekannte Legende. Aschkalos ist der Zwillingsbruder von Tantalus. Kennen Sie Tantalus? Der sogenannte Tantalidenfluch. Woher kommt das? Griechische Mythologie: Tantalus, der den Göttern seinen Sohn Pelops zerstückelt, wie sagt man, zum Essen vorgesetzt hat. Und er hatte die Götter so weit beleidigt, dass die einen Fluch ausgesprochen haben, der über fünf Generationen ging. Und die ganze Blutschuld nach dem Trojanischen Krieg, Agamemnon, ja, ein immer neues Aufwerfen von Verbrechen - der sogenannte Tantalidenfluch. Und Emil Bock hat das mal sehr schön beschrieben oder gelesen. Der hat gesagt, da geht es also um die Kräfte des alten blutsgebundenen Hellsehens, das durch Tantalus - das ist das Bild des zerstückelten Sohnes - zum intellektuellen Denken wird. Das alte blutsgebundene Hellsehen, das zerstückelt sich zu intellektuellen Einzelgedanken. Und das hat einen Fluch generiert, der über fünf Generationen geht.

Jetzt ist es sehr bemerkenswert, das weiß nahezu keiner, dass dieser Tantalus einen Bruder hat, einen Zwillingsbruder Aschkalos, der der erste Kreuzfahrer ist. Denn der wird von Kleinasien aus, vom Königreich Lydien damals, nach Syrien gesandt, und er soll dort einen Kreuzzug unternehmen. Und da findet er auf dem Gebiet, wo die Stadt ist, Aschkelon, findet er dort einen Aphrodite-Tempel, die Braut Syriens, die herrliche Aphrodite, das herrlichste Wesen der Liebe. Man könnte sagen, auch eine Sophia Arabia, auch eine himmlisch geschmückte Braut, die sich bereit ist herniederzusenken, aber der Aschkalos, der will keine Stadt gründen, keinen Tempel gründen, kein siebensäulenwertes Haus, keine alte Schöpfung gehen lassen, der will die Aphrodite selber besitzen. Und dann gründet er eine Stadt, Aschkelon, die er nach sich selber nennt.

Ja, das ist sozusagen dieser Grundkonflikt der Kreuzzüge: Willst du ins himmlische Jerusalem, dann musst du die alte Schöpfung ziehen lassen, preisgeben. Die alte Schöpfung ist vergangen. Das Gehen-lassen-Können der alten Schöpfung ist das siebensäulenwerte Haus, in dem die herrlich geschmückte Braut, das himmlische Jerusalem, die dann beide Aspekte haben wird, Sophia und Aphrodite, Weisheit und Liebe, sich herniedersenken kann. Und Aschkalos will das, um sich selber zu verwirklichen, um das selber zu besitzen, und gründet dann dort im Nahen Osten die Stadt Aschkelon. Die ist von nun an die Stadt der Gegengeschichte für alle Menschen, die Kreuzzüge unternehmen, um dann das Ziel der Kreuzzüge, die herrlich geschmückte Braut, in den eigenen Machtdienst zwingen zu können.

Und das ist etwas, diese Phalanx, dieses wahre Pentagon dieser fünf Städte im Nahen Osten - Sie merken, was da jetzt auch politisch geschieht. Das ist etwas, das geht über alle Fragen von Zweistaatenkonflikt, ja, und wer angefangen hat. Es sind ja alles Menschen. Sie merken, ich wähle meine Worte bewusst, weil es mir nicht darum geht, zu spalten und Menschen zu verletzen. Es sind alles Menschen, und die Staaten, die da heute sind, das sind Realitäten. Da gibt es nichts daran zu zweifeln, und solange man das nicht anerkennt, kann sowieso kein Frieden herrschen. Aber ich glaube, dass ein Bewusstsein dazugehört, dass man mit dem Konflikt, der da im Nahen Osten sich vollzieht, es mit einem jahrtausendalten Konflikt zu tun hat, um diese Stadt Aschkelon.

Tantalidenfluch

Der sogenannte Tantalidenfluch […] Griechische Mythologie: Tantalus, der den Göttern seinen Sohn Pelops zerstückelt […] zum Essen vorgesetzt hat […] hatte die Götter so weit beleidigt, dass die einen Fluch ausgesprochen haben, der über fünf Generationen ging.

Aschkelon

[…] ich glaube, dass ein Bewusstsein dazugehört, dass man mit dem Konflikt, der da im Nahen Osten sich vollzieht, es mit einem jahrtausendalten Konflikt zu tun hat, um diese Stadt Aschkelon.

| Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 00:00:00   […]   …

Der Ashkaliden-Fluch: Das ungeläuterte  Wollen 00:55:22

Und was das Bemerkenswerte ist, auch Richard Löwenherz und Salah ad-Din, die sich während des dritten Kreuzzugs miteinander verbunden haben, dann wird Aschkelon 1192 geschleift, es bekommen dann doch die Araber zugesprochen, und diesen Aschkaliden-Fluch - wie es einen Tantalidenfluch gibt, der mit dem zerstückelt-intellektuellen Denken zusammenhängt, das entsühnt werden muss - gibt es diesen Aschkaliden-Fluch, der mit dem ungeläuterten Wollen zusammenhängt und bis in die Gegenwart unmittelbar in das politische Tagesgeschehen hineinwirkt.

| Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 00:00:00   […]   …

Verrat und Verleugnung Eine Parallele zwischen dem Artus-Ritter Gawan und dem Untergang der Templer 00:56:04

Und nachdem dann diese Aufgabe von Richard Löwenherz und Salah ad-Din während des dritten Kreuzzuges also offengelassen worden ist, hat Wolfram von Eschenbach in seinem Parzival von der Stadt Aschkelon gesprochen. Da gibt es die Person Gawan, der Artusritter, der einmal am Hof des König Artus verleugnet wird aus der Stadt Aschkelon. Und da wird ihm also vorgeworfen, einen König ermordet zu haben. Die ganzen Vorwürfe sind falsch, aber Gawan zieht in die Stadt Aschkelon, um sich dort diesen Vorwürfen in einem Zweikampf zu stellen. Wolfram berichtet von einer Stadt am Meer, von einer gerüsteten Stadt am Meer, das ist der Topos, die Stadt am Meer - bin da auch gewesen, es sind heute Ruinen, kann man alles besichtigen, die Kreuzfahrerfestung an dieser Stadt am Meer von Aschkelon, zu dieser Phalanx dieser fünf Städte.

Und dieses kleine Motiv, dass er verleumdet wurde, der Gawan - der mittelalterliche Hörer muss das verstanden haben. Denn die Templer wurden am 16. August 1153 - 16. August, der Geburtstag Lawrence von Arabiens - nach dem Untergang in dieser Stadt von da an verleumdet. Was war los? Alle vier Ritterorden wollten im August 1153 die Stadt Aschkelon als solche erobern. In den Templern muss ein Bewusstsein wie ein Gawan gewesen sein, der dann von Aschkelon weiterzieht nach Schastel Marveile, in das Zauberreich Klingsors, um von Aschkelon aus auf Gralsuche zu gehen. Aschkelon ist, wenn man so will, ganz am Ende der Weihrauchstraße. Die Weihrauchstraße, die beginnt - der Gralsweg durch das Tal, das Reich der Königin von Saba, und dann bis nach oben an den äußersten Punkt ans Mittelmeer geht, als würde diese Signatur des Heiligen Landes sagen, der Gralsweg endet in dieser Stadt der Gegengeschichte - und dort musst du erst den Gral finden.

Und die Ritterorden im Mittelalter, die Johanniter, die Templer, der Deutschordensritter, der Lazarusorden, die hatten eigentlich das Ideal, dass sie zusammen ein Gefäß bildeten, was man vielleicht mit den vier Wesensgliedern vergleichen kann. Der Lazarusorden, das waren ja teilweise erkrankte Ritter, die hätten den physischen Leib gebildet, die Deutschordensritter mit ihrer Meditation, die bildeten diesen Lebenskräfteleib, den Ätherleib ab. Der Johanniterorden war mit der Verwandlung des Astralleibes beauftragt, und der Templerorden, der stand für das Ich. Und Sie können sich vorstellen, alle vier Ritterorden zusammen hätten ein Gefäß dieser menschlichen Wesensglieder bedeutet.

Und in irgendeiner Weise müssen die Templer gegen das dunkle Geheimnis, wie Gawan, der Stadt Aschkelon gekannt haben, denn sie haben von diesem Tag an, am 16. August - der Wind drehte sich, beschreibt Wilhelm von Tyrus, der mittelalterliche Chronist -, greifen sie Aschkelon an, und die anderen Ritterorden, die Johanniter, die reiten nicht mit. Die lassen die Templer alleine in die Bresche reiten. Und sie haben natürlich gegen die Araber, die dort drin kämpfen, keine Chance. Der ganze innerste Ordenskreis, der Zwölferkreis um den dritten Großmeister Bernhard von Tremelay, der ist dort umgebracht worden. Und der mittelalterliche Chronist Wilhelm von Tyrus berichtet, dass man die toten Templer, den Großmeister, dort oben von der Zinne geworfen hat oder enthauptet hat, herunterhängen lassen. Und das war im Grunde genommen der Wendepunkt der ganzen Kreuzzüge. Denn von da an war klar, dass die verschiedenen Ritterorden nicht mehr zusammenstehen konnten. Und ein Philipp der Schöne 150 Jahre später hätte niemals die Templer vernichten können, wenn es diese Katastrophe von Aschkelon am 16. August 1153 nicht gegeben hätte, denn dann hätten die Ritterorden so weit zusammengestanden, dass sie sich gegen diesen dunklen Impuls gemeinsam hätten wehren können.

Also Sie merken dort, ja, da ist etwas mit diesem Landstrich, Aschkelon als Stadt der Gegengeschichte, wo dieser Ashkaliden-Fluch in einer besonderen Weise wirkt, der noch ungesühnt, anders als der Tantaliden-Fluch, bis heute im Nahen Osten gewissermaßen wirkt.

Templerorden

„[…] die Templer […] greifen sie Aschkelon an, und die anderen Ritterorden, die Johanniter […] lassen die Templer alleine in die Bresche reiten. Und sie haben natürlich gegen die Araber, die dort drin kämpfen, keine Chance. Der ganze innerste Ordenskreis, der Zwölferkreis um den dritten Großmeister Bernhard von Tremelay […] ist dort umgebracht worden.“ | Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 00:56:04

Judith von Halle und die geschmiedeten Kreuzesnägel 01:00:47

Und eine Sache, die ich Ihnen da noch ergänzend am Schluss hinzubringen, hinzunehmen will, - ich habe lange überlegt, ob ich das mache, weil das vielleicht auch Menschen unterschiedlich bewerten, aber Sie sind alle erwachsen, und jeder kann sich da seine eigenen Gedanken dazu machen. Mein Anliegen ist es, erstmal einfach die Phänomene zusammenzutragen. Judith von Halle hat 2007 ein Buch herausgegeben, "Das Christliche aus dem Holz herausschlagen", und da hat sie aus ihrer Geistesforschung auch über die Stadt Aschkelon gesprochen. Und da hat sie gesagt, ja, das geht über das hinaus, was Rudolf Steiner über die Zeitenwende sagt, dass kurz nach der Jordantaufe sich in der Stadt Aschkelon, Stadt der Gegengeschichte, drei dunkle Zauberer getroffen haben sollen. Sie beschreibt die sozusagen als Gegenbilder zu den Heiligen Drei Königen. Jedes Bild im Evangelium hat vielleicht auch sein Gegenbild. Übrigens, Herodes der Große, der den bethlehemitischen Kindermord angezettelt hat, auch der ist in der Stadt Aschkelon geboren. Und die Archäologie hat Massengräber von Kindern tatsächlich dort auch in Aschkelon gefunden. Also Sie merken, ja, das lässt sich - sowohl fast die Sagen als auch die historischen Beweise - verdichtet sich da etwas.

Und Judith von Halle beschreibt aus ihrer Geistesforschung daraus, dass diese drei dunklen Zauberer in dieser Stadt Aschkelon einen magischen Akt vollbracht haben, das Schmieden der Kreuzesnägel. Sie sagt: Da wurden drei Kreuzesnägel geschmiedet, ein vierter, da ist eine Aufgabe für die Zukunft. Sie ist dafür ungeheuer angegriffen worden, unter anderem von Sergej Prokofjew. Und der Hauptvorwurf war, das ist eine Fabelgeschichte aus dem Reich Harry Potters, durch nichts gedeckt, was Rudolf Steiner gesagt hat. Und vor allem soll man es durch nichts prüfen können, was man geschichtlich untersuchen kann, von dem, wie sie sagt, dass das ja immer sozusagen, er sagt, die wichtigste Voraussetzung in aller anthroposophischen Geistesforschung ist. Also wie gesagt, ja, mir geht es nur darum, Phänomene aufzuzeigen. Denken Sie darüber, wie Sie wollen. Aber das fügt in der Gegenwart auch wieder einen Baustein hinzu zu dieser Stadt Aschkelon als Stadt der Gegengeschichte, die eigentlich diesen Gegenimpuls zu den Kreuzzügen bedeutet.

Ja, der Kreuzzug auf dem Weg ins himmlische Jerusalem, Aschkelon, die Stadt von Aschkalos, wo sich Liebeskräfte bündeln, die die alte Schöpfung festhalten wollen, um das Neue, die Sophia Arabia, die Aphrodite, das himmlische Jerusalem in den eigenen Machtimpuls zu zwingen. Und was mich an dieser Sache durchaus mitgehen lässt, ist ein Gedanke, dass ich denke, dass, wenn das stimmt - ja, ich kann es ja auch nur … Also eine Sache ist falsch: Man kann nicht sagen, dass Judith von Halle da etwas sagt, was man nicht aus der Geschichte untersuchen kann. Ich habe Ihnen gerade 20 Minuten ganz viel über die Stadt Aschkelon und über ihre lange Tradition als einer Stadt der Gegengeschichte berichtet.

Judith von Halle Aschkelon

„Judith von Halle hat 2007 ein Buch herausgegeben, „Das Christliche aus dem Holz herausschlagen", und da hat sie aus ihrer Geistesforschung auch über die Stadt Aschkelon gesprochen.“ | Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 01:0:47  […]   …

Judith von Halle

„Judith von Halle beschreibt aus ihrer Geistesforschung daraus […] das Schmieden der Kreuzesnägel […] Da wurden drei Kreuzesnägel geschmiedet, ein vierter, da ist eine Aufgabe für die Zukunft.“ | Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 01:0:47 

Dürers Melencolia und Aschkelon, die Stadt am Meer 01:04:09

Und ich habe Ihnen hier ein Bild mitgebracht, Albrecht Dürer: Die Melencolia. Und ganz oben - Albrecht Dürer, der eine Begegnung mit Rosenkreutz hatte -, sehen Sie hier hinter der Leiter eine Stadt am Meer. Und die Stadt am Meer ist in dem Topos der mittelalterlichen Sagen immer die Stadt Aschkelon. Das ist die Stadt am Meer. Ganz unten drei Nägel, die übereinander sind, und ein vierter, der daneben liegt. Judith von Halle sagt, diese drei Nägel, die in der Stadt Aschkelon geschmiedet worden sind, damit ist der Christus am Kreuz gekreuzigt worden.

Was mich damit mitgehen lässt, wenn das stimmt - denken Sie darüber, wie Sie wollen -, würde das bedeuten, dass der Christus sich auch einmal mit dem Bereich der schwarzen Magie auseinandersetzen musste, aber da auch innerlich etwas überwunden hat. Und in einer Zeit, in der man viele Geschichten über das Böse in der Welt und was da alles ist, finde ich eine durchaus ermutigende Beschreibung, wo man sich klar macht: “Fasset Mut, ich habe die Welt überwunden” - da ist auch etwas von diesem Aschkelon-Fluch überwunden worden. Und genau aus diesem Grund, das ist mein Motiv, dass heute, nachdem ich da lange innerlich überlegt habe, soll ich das machen, das doch eigentlich auch öffentlich zu erzählen.

Und denn, ja, Aschkelon, die Stadt am Meer und die drei Nägel, von der Judith von Halle sagt, ein vierter wurde geschmiedet, der eine Aufgabe für die Zukunft bedeutet. Wer das nachlesen will, das Büchlein "Das Christliche aus dem Holz herausschlagen", da geht es eigentlich um den Menschheitsrepräsentanten. Und wie ich zum dritten Mal sage, man kann das geschichtlich, historisch weiter untersuchen.

Und das Wesentliche ist, wenn man die Stadt am Meer, die immer Aschkelon ist - hier gibt es den guten Engel der Geschichte, ja, wie sieht er für Sie aus? Wie würden Sie jemanden beschreiben, der so guckt - gechillt, abwartend? Ja, was machen die Menschen damit? Und das Wesentliche ist an dieser Stadt Aschkelon, er hat es als Paraphrase von Nürnberg gemalt: Das Nürnberger Stadttor. Aschkelon als Paraphrase von Nürnberg, als wollte er sagen, Aschkelon ist an jedem Ort der Welt. Der Kreuzzug ist an jedem Ort der Welt. In jedem einzelnen Menschen entscheidet sich der Kampf: Ich bin auf einem Kreuzzug zur herrlich geschmückten Braut, zum himmlischen Jerusalem, zur Aphrodite, zur Sophia Arabia. Aber ich entscheide, ob ich wie Aschkelon, Aschkalos, die alte Stadt festhalten will, um die alte Schöpfung in meine Gewalt zu halten, oder ob ich bereit bin, ein siebensäulenwertes Haus, einen Tempel zu gründen, in dem ich die alte Schöpfung vergehen lasse, damit dann für diese Sophia Arabia, für das himmlische Jerusalem ein Raum entsteht.

Das ist die Geschichte des Kreuzzuges, die Geschichte, die mit der Stadt Aschkelon zusammenhängt, eine Geschichte mit der ganzen Menschheitsentwicklung. Und wo sich das, was im Nahen Osten geschieht, im Grunde genommen immer nur spiegelt für etwas, was mit uns allen zu tun hat.

Aschkelon Melencolia

„Albrecht Dürer: Die Melencolia […] Ganz unten drei Nägel, die übereinander sind, und ein vierter, der daneben liegt. Judith von Halle sagt, diese drei Nägel, die in der Stadt Aschkelon geschmiedet worden sind, damit ist der Christus am Kreuz gekreuzigt worden.“ | Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 01:04:09

Ohne Feindbilder hinter die Kulissen des Nahost-Konfliktes schauen 01:07:38

Aschkelon als Stadt am Meer, als eine Paraphrase von Nürnberg, aber auch – um das dreimal zu sagen, dreimal hält besser –, was wir da im Nahen Osten erleben. Wir müssen lernen, sozusagen hinter die politischen Kulissen, ohne Verschwörungstheorien, ohne Feindbilder, dahinterzuschauen, was da passiert. Gaza, diese unglaublichen Ereignisse, 7. Oktober 2023, furchtbar, was da den Israelis angetan wurde. Manchmal frage ich mich, ob wir das auch genügend wahrnehmen. Ich will das hier gar nicht aussprechen. Und natürlich dann auch diese, vielleicht zum Teil sehr unverhältnismäßigen Reaktionen. Eine unglaubliche Brutalität - das ist dieser Ashkaliden-Fluch mit Gaza, der über 2000 Jahre alt ist und mit diesen ungeläuterten Kreuzfahrerkräften in einer Weise zu tun hat.

Das Vergangene geht, das Gewesene kommt. Das ist alles seit 2000 Jahren gewesen und wird so lange wiederkommen, dass die Menschen wie Lawrence von Arabien - und das scheint mir sein eigentlich zukünftiger Impuls zu sein - lernen, in den inneren Nahen Osten zu gehen und ein siebensäulenwertes Haus, einen Tempel bauen zu wollen, damit die Sophia Arabia, das himmlische Jerusalem, in der rechten Weise kommen kann.

Und deswegen finde ich das so spannend - 16. August 1888, also der Tag der Vernichtung der Templer, der Wendepunkt der Kreuzzüge, in dem dieser Fluch von Aschkelon einmal voll gewirkt hat. Da kommt er und hat diesen vorgeburtlichen Impuls, Braut und Bräutigam in der rechten Weise zusammenzuführen. Eine Schicksalssignatur, als erste Menschen, also seine beiden Eltern, die ja gar nicht rechtmäßig Braut und Bräutigam sind, dann in den Nahen Osten zieht und diesen Tempel innerlich bauen will für die Sophia Arabia.

Die politischen Konsequenzen sind eminent. Das Osmanische Reich ist besiegt. Der Nahe Osten ist umgestaltet. Politische Landkartenmodelle, die bis in die Gegenwart wirken. Israel kam dann Ende der 40er Jahre hinzu. Es sind alles Länder, die Tatsachen sind. Es sind alles Menschen, die Tatsachen sind. Man muss immer von dem ausgehen, was gerade ist, ohne Feindbilder. Diese Länder existieren. Mir geht es um den inneren Impuls, dass - wie eine Iphigenie den Tantaliden-Fluch entsühnt hat, der über fünf Generationen geht - glaube ich, des Lawrence von Arabien, der am Tag der Katastrophe von Aschkalos, Aschkelon geboren ist, durch seinen Lebensweg, durch seine Suche nach der Sophia Arabia, einen allerersten Lichtentsühnungs-Impuls gegen diesen Kreuzfahrerfluch von Aschkelon in der Geschichte hinterlassen hat. Und das Vergangene geht. Das Gewesene daran kommt einem in Zukunft wieder entgegen. Und in der Art und Weise, wie wir vielleicht einen inneren Tempel bauen, ein siebensäulenwertes Haus, in dem die alte Schöpfung vergehen kann, kann einem die Sophia Arabia aus der Zukunft als das Gewesene neu wieder entgegenkommen.

Viel Inhalt, aber ich glaube, man muss es auch ein bisschen anfangen, im Zusammenhang zu sehen. Nicht alles, was ich jetzt über Aschkalos und so erzählt habe, werden Sie irgendwo nachlesen können. Vielleicht schreibe ich selber mal drüber. Aber das ist ein bisschen zusammengesucht jetzt. Aber wenn man sucht - wie heißt es? ... er wird sein mit dir, wenn du ihn suchest -, dann kommen einem die Dinge auch entgegen. Wie gesagt, manche Leute werden das kritisieren. Ich habe auch nichts gegen Sergej Prokofjew, ich schätze den. Ich will mich da auch jetzt nicht auf eine Seite schlagen. Aber eine Sache, um es zum vierten Mal zu sagen, der Vorwurf, den er erhebt, dass man das nicht untersuchen kann, stimmt nicht. Man kann es untersuchen, und sie fügt hier einen Baustein hinzu, was aber ein Okular ist zu vielem dem, was wir in der unmittelbaren Gegenwart in unserer Welt gerade sehen.

Lawrence' Tod 01:12:04

Und als Allerletztes, dann sind Sie entlassen, lese ich Ihnen noch einmal das Gedicht vor. Lawrence von Arabien, 1919, während der Pariser Friedenskonferenz, in einem Zustand größter seelischer Erschütterung, mit seinem höheren Ich, mit dem Geist der Freiheit des arabischen Raumes verbunden. Für S.A., Sophia Arabia:

“Weil ich dich liebte, trieb ich diese Menschenfluten in meine Hände und schrieb meinen Willen auf Sternen über den Himmel, um für dich Freiheit zu erringen, das siebensäulenwerte Haus. Dass deine Augen für mich leuchten mögen, wenn wir dahin kommen würden. Der Tod schien mein Diener auf dem Weg zu sein, bis wir nahe waren und dich wartend sah. Als du lächeltest, und er mich in kummervollem Neid wegschob und dich beiseite nahm in seine Schweigsamkeit. Liebstes ich des Weges müde, mich an deinem Leibe gierig klammernd, unser kurzer Lohn, unser für eine Weile, bevor der Erde weiche Hand deinen Umriss untersuchte und die blinden Würmer fett wurden auf Kosten deiner Substanz. Die Menschen flehten mich an, ich solle unser Werk, das unschenkbare Haus für dich als Andenken errichten, aber als fertiges Monument zerschellte ich es unvollendet, und nun kriechen die kleinen Dinger, um Unterschlüpfe sich zusammenzuschustern in den zerfransten Schatten deiner Gabe.”

Wissen Sie, wie Lawrence von Arabien ums Leben gekommen ist? 46 Jahre alt, auf einem Motorrad, das man heute im Museum noch besichtigen kann, auf einer Landstraße, da sind zwei Jungen auf die Straße getreten, und er ist ihnen ausgewichen, damit er sie nicht überfährt, und ist damit, glaube ich, gegen einen Baum umgekippt, so schwere Kopfverletzungen, dass er damit ums Leben gekommen ist. Auch diese Geistpräsenz, dort am Ende seines Lebens einen Moment Raum zu schaffen, die alte Schöpfung vergehen zu lassen, und vielleicht, wen mag er da von der anderen Seite der Schwelle als ein höheres Ich, das einen Blick auf den kleinen Menschen wirft, da wahrgenommen haben?

Das Vergangene geht, das Gewesene kommt. Es lohnt sich, glaube ich, in unserer heutigen Zeit, sich neu wieder mit ihm zu beschäftigen, und wenn Sie - sehr lesenswert, ein Arbeitsbericht, Beatriz Sánchez Segura, “Lawrence von Arabien und der Templer Robert de Sablé, eine vergleichende Biographiearbeit. Das Aufsuchen des Grals im Orient.” Also, wen das weiter interessiert, sie knüpft an Eugen Kolisko an. Ich knüpfe an Sie an, kann sich damit ja weiter beschäftigen.

Soweit für den heutigen Abend, und herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Vielen Dank, danke schön!

Schlusswort des Gastgebers 01:15:19

Ulrich Roehm [Veranstalter]: Na, Prost. Ich denke, Sie sind meiner Meinung. Der Titel eines jeden Vortrags bis jetzt von ihm war so speziell, dass man immer sagt: Naja! Und deshalb, wie heute, wie vorher, ob Haushofer und plötzlich Berlin und so weiter. Denken Sie mal an den noch verrückteren Titel im November. Wir haben lange über so etwas gesprochen, und dann kam wieder ein richtiges Kind à la Reinheimer raus: Faust als Goetheanist! Und der Rest ist jetzt euer Denken. Und bitte kommen und zuhören!

Literaturhinweise

  • Beatriz Sánchez Segura, "Lawrence von Arabien und der Templer Robert de Sablé“ - Eine vergleichende Biographiearbeit. Das Aufsuchen des Grals im Orient.
  • T.E. Lawrence, „Die 7 Säulen der Weisheit“, 1926
  • Wilhelm von Tyrus,“Geschichte der Kreuzzüge und des Königreichs Jerusalem”, Aus dem Lateinischen übersetzt von Eduard und Rudolf Kausler
  • Judith von Halle, "Das Christliche aus dem Holz herausschlagen”, 2007


| zurück zu Michael Rheinheimer |

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9

Glossar

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar A

A

Araber

Aschkelon


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar B

B


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar C

C


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar D

D


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar E

E

Esoterisches Christentum

  • „Rudolf Steiner hat das mal gesagt […] dass die Gralsmysterien oder das esoterische Christentum aus den besten Gebieten Arabiens kommt, aber irgendwann dann doch vergröbert wurde durch die Osmanen oder das Türkentum.“ | Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 00:13:28

Eugen Kolisko


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar F

F

Freiheit


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar G

G


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar H

H

Heiliger Gral


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar I

I


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar J

J


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar K

K

Kreuzzüge

  • „Man kann vielleicht sagen, die ganze Menschheitsgeschichte ist fortwährend ein Kreuzzug im Nahen Osten […] die Geschichte von […] Lawrence von Arabien ist gewissermaßen […] eine Signatur, aus der man vieles herauslesen […] kann“ | Rheinheimer, M. Lawrence von Arabien, 2026, 00:13:28

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar L

L

Lawrence von Arabien


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar M

M


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar N

N


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar O

O


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar P

P

Parzival


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Q

Q


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar R

R

Richard Löwenherz


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar S

S


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar T

T


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar U

U


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar V

V


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar W

W


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar X

X


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Y

Y


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Z

Z


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar 0-9

0-9